Hidden Champions

Walter Mennekes

Pinterest LinkedIn Tumblr
Lesezeit ca. 20 Minuten

Lieber Geld als Image verlieren

Der Hof ist wichtiger als der Bauer

Walter Mennekes will kein Hidden Champion sein – das macht er im Interview mit uns klar. Ganz im Gegenteil: Ihm ist es zu verdanken, dass auf jedem Stecker, den seine Firma herstellt groß Mennekes – Made in Germany prangt. Mennekes ist sich sicher: „Eine Marke zu sein, ist ein hohes Gut.“ Finanzielle Verluste findet er darum weit weniger schlimm als den Verlust des guten Namens. Wenn der einmal weg ist, glaubt Mennekes, bringt ihn fast nichts wieder. Dass er damit richtig liegt, zeigt der Erfolg, den das Unternehmen unter ihm hatte. Hatte? Ja, denn mittlerweile hat er die Leitung seinem Sohn Christopher übertragen. So wie er das Unternehmen von seinem Vater übernommen hat. Dabei legt er Wert darauf, sich nicht einzumischen, denn Walter Mennekes hat schon zu viele Unternehmen gesehen, „wo der Alte viel zu lange von hinten immer noch herumgerödelt hat“, wie er es ausdrückt.

Doch heute geht es nicht nur um Unternehmensnachfolge, sondern auch darum, wie aus einem kleinen Mittelständler in der deutschen Provinz eine Weltmarke wird. Wie entsteht eine Marke überhaupt? Und wie wird eine Marke zum Synonym für ein Produkt? Diese Fragen kann uns niemand besser beantworten als Walter Mennekes, denn er hat das geschafft. Praktisch alle großen deutschen Autobauer verwenden heute seine Stecker in ihren Elektrofahrzeugen. Mennekes hat sein Ziel erreicht: Er ist Weltmeister im Steckerbau. Dennoch bleibt er bescheiden: „Der Hof ist wichtiger als der Bauer.“ Alles dazu und wie der „Bauer“ während des Interviews einen neuen Kunden akquiriert, siehst Du im Video.

Interview mit Walter Mennekes

Johannes: Willkommen zurück bei einer neuen Folge von The Hidden Champion! Heute bin ich zu Gast bei Walter Mennekes. Er ist Geschäftsführer und Inhaber der Mennekes Elektrotechnik GmbH aus Kirchhundem im südlichen Sauerland. Heute hat das Unternehmen 1.400 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftet einen Umsatz von circa 240 Millionen Euro.

Herr Mennekes: Ich darf Sie korrigieren: Wir haben mittlerweile 1.600 Mitarbeiter.

Johannes: Ich habe gestern die Zahlen abgefragt!

Herr Mennekes: Das ist die, die Sie im Internet kriegen. Wir machen 300 Millionen Euro Umsatz. Es hat sich in der Zeit, wo Sie uns das erste Mal abgefragt haben bis heute wahnsinnig verändert.

Johannes: Von gestern auf heute?

Herr Mennekes: Von gestern auf heute, sozusagen.

Johannes: Verrückt!

Herr Mennekes: Verrückt, ja. Wobei der Wachstumstreiber in den letzten Jahren natürlich die Elektromobilität ist, wo die Firma Mennekes den Stecker Typ II – wo Frau Merkel sagt, das wäre der Mennekes-Stecker – entwickelt, erfunden hat, und dann zur weltweiten Normung über Berlin nach Brüssel gebracht hat. Das sind die letzten Schritte einer Entwicklung, die von meinen Vater Alois 1935 begonnen wurde und als Elektroinstallateur hat er hier im Sauerland die ganzen Schützenhallen und Kneipen installiert, nicht ohne dann auch abends schon mal bei einem Bier sitzen zu bleiben. Er hat dann nach dem Krieg begonnen über ein paar Umwege Bügeleisen und Waffeleisen zu machen – von den Waffeln sagte meine Mutter, die wären besser als andere, aber es lag daran, dass sie immer ein Ei mehr da hereingetan hat. Dann haben wir Steckvorrichtungen hergestellt aus Aluminiumguss, gegen so Konkurrenten wie Siemens und AEG und BBC – die heißen heute ABB – und sich dann einen Markt geschaffen hat. Weil „Überall auf der Welt“, hat Altkanzler Schröder gesagt, „hört ein Kabel auf und fängt ein Kabel an. Wichtig ist, dass Mennekes-Stecker dazwischen sind.“

Johannes: Wann hat er das gesagt?

Herr Mennekes: Das ist auch ein Ritterschlag, als er uns 2005 hier besucht hat. Die damaligen Stecker waren auf den deutschen Markt beschränkt und dann gab es eine internationale Norm, um eben auch im grenzüberschreitenden Verkehr nicht immer die Stecker wechseln zu müssen. Denken Sie an Containerverkehr von Asien nach Europa, Kühlcontainer, wo die Kühlkette geschlossen bleiben muss. Da hat man sich – und wir uns – auf eine internationale Norm geeinigt, sodass man heute unsere Stecker in Neuseeland ebenso findet wie in Südafrika oder in Kalifornien.

Johannes: Haben Sie bei der Norm mitgewirkt?

Herr Mennekes: Ja, ich glaube, das ist wichtig, dass man aus den herstellenden Unternehmen, also auch unsere Wettbewerber, in Gremien zusammensitzt, um dann sinnvollere Produkte oder Normen zu erstellen, die auch praxisnah sind. Die Praxisnähe bei Normen und Entwicklungen ist ganz wichtig und besser, als wenn man einen Professor aus Wolkenkuckucksheim, der mit einer ganz andere Sicht auf die Dinge sieht, etwas sagt, was sich in der Praxis hinterher gar nicht umsetzen lässt. Die Mitarbeit bei Normen, bei Standards ist sowieso eine Frage für uns Europäer, auch gegen Asiaten und Amerikaner mitzuarbeiten, um nicht hinterher überrascht zu sein, wenn völlig andere Dinge dabei herauskommen und man die ehemaligen Produkte und Ideen auf den Schrott werfen muss.

Johannes: Das wäre dann fatal.

Herr Mennekes: Das wäre dann fatal, deswegen ist diese Art der Tätigkeit wichtig, wenn man nicht überrascht werden will.

Johannes: Ich würde gerne ein paar Jahre zurückgehen: Wann haben Sie denn gestartet, Mennekes übernommen?

Herr Mennekes: Ich habe übernommen – ich rechne immer in glatten Zahlen – das war 1975, da wurde die Firma 40 Jahre alt. Ich bin dann mit meinem Bruder zusammen, der leider schon verstorben ist… Der war der Innenminister und ich war der Außenminister und wir haben uns die Aufgaben geteilt. Ich habe versucht, draußen Kunden zu finden, die Produkte wurden von meinem Bruder und seiner Crew entwickelt, hergestellt und das hat ganz gut geklappt. Ich habe mich dann, bevor mein Vater starb, oder als er krank wurde, um die Internationalisierung gekümmert. Ich habe dann Tochterfirmen gegründet, in England – die ein sehr wichtiger Faktor war – und in Italien sehr früh, in China und vor allen Dingen auch in Amerika. Das war dann wichtig für unsere bessere Kenntnis von außerdeutschen, von außereuropäischen Märkten.

Johannes: Wie viele Mitarbeiter hatten Sie damals gehabt?

Herr Mennekes: Natürlich viel weniger als heute. Ich sage mal, wir hatten da vielleicht 250 Mitarbeiter.

Johannes: Was war denn die Hauptherausforderung, dann die unterschiedlichen Standorte aufzubauen in anderen Ländern? Haben Sie sich da Partner gesucht oder haben Sie das selbst aufgebaut?

Herr Mennekes: Ich habe versucht, das nach der Größe der Märkte zu organisieren. Zuerst muss man gucken: Ist der Markt aufnahmefähig für diese Produkte? Wenn ja, sucht man sich einen Partner, der am besten aus dem Feld kommt, als Importeur oder als Vertreter, und versucht dann, zu verkaufen. Wenn dann das Volumen der Umsätze größer wird, dann ergibt es wenig Sinn, Produkte um die ganze Welt zu karren und zu verschiffen. Dann sollte man in Teilefertigung gehen, um auch vor Ort Knowhow zu haben und näher am Kunden zu sein. Das war vor 30, 35 Jahren noch viel wichtiger, als es eben die Schnelligkeit der Logistiker und so weiter so noch nicht gab, dass man dann Schnellschüsse vor Ort machen konnte. Wobei wir immer versucht haben das Wissen und die Ideen hier, im Hause, zu haben und dann eben unsere Satelliten, also Niederlassungen, zu schaffen.

Johannes: Ein gewisses Knowhow blieb dann aber auch hier, aber alles natürlich nicht?

Herr Mennekes: Ja, das Hauptknowhow und das Wichtige bleibt hier in Deutschland im Hause, weil unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Ecke sich dieses Wissen ja auch nicht von heute auf morgen und nicht nur in der Schule, sondern auch in Jahren geschaffen haben. Insofern ist es wichtig, dass man irgendwo den Mittelpunkt hat, und das ist hier im westfälischen Sauerland.

Johannes: 35 Jahre und das bis heute. Da sind ja einige Mitarbeiter dazugekommen, also genau genommen mehr als 1.350. Wie geht man mit dieser Geschwindigkeit um? Weil das heißt ja nicht, dass die Strukturen gleich bleiben.

Herr Mennekes: Also erst mal geht man mit den Mitarbeitern ordentlich um und zweitens, sollte man sie so behandeln, wie man gerne behandelt werden möchte. Das ist eigentlich dann schon kein Geheimnis mehr, dass dann der Erfolg sichergestellt ist. Ich kann Ihnen sagen, dass das Durchschnittsalter unserer Mitarbeiter heute 39 Jahre ist – sie also jung sind – und die Betriebszugehörigkeit 13 Jahre beträgt. Das heißt, sie haben also schon eine Menge Erfahrung auf dem Buckel, sind aber nicht so wie ich, der morgen in Rente geht oder schon in Rente ist, sondern die Filetstücke ihres Lebens noch vor sich und eine Perspektive haben. Wenn man unser Wachstum betrachtet – ich habe das Unternehmen damals mit 40 Millionen D-Mark übernommen – dann war das schon sehr rasant. Ich danke Ihnen, dass Sie die Frage auf mich kapriziert haben, aber ich sage Ihnen: Das Wichtige ist hier: Man darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Im Sauerland sagt man: Der Hof ist wichtiger als der Bauer.

Johannes: Da ist was Wahres dran.

Herr Mennekes: Ich bin der Spielführer. Jetzt macht das mein Sohn Christopher seit einigen Jahren schon und der macht es ganz gut mit seiner Truppe. Ich kann mir das Ganze aus dem Hochsitz betrachten und bin da Consultant und Berater, aber nicht mehr der erste an der Spitze und das ist gut so! Man muss auch loslassen können.

Johannes:Können Sie gut loslassen?

Herr Mennekes: Die Abgabe ist Teil der Aufgabe oder: die Weitergabe ist Teil der Aufgabe. Und es gibt viel zu viele Beispiele von Unternehmen, wo der Alte viel zu lange von hinten immer noch herumgerödelt hat. In die Gefahr möchte ich nicht kommen und habe deswegen die Verantwortung und die Führung an ein junges Team unter Leitung von Christopher und Herrn Epe im Wesentlichen gegeben, und die machen es auf ihre Art. Und die Erfolge geben ihnen recht – sie machen es sehr gut.

Johannes: Wie viel zählt die Elektromobilität bei Ihnen?

Herr Mennekes: Die Elektromobilität macht – wir haben vor gut zwölf Jahren begonnen – mittlerweile über die Hälfte unseres Umsatzes aus. Mit stark steigender Tendenz, weil Fahrzeuge eigentlich falsch benannt sind. Fahrzeuge sind eher Stehzeuge. In Europa fährt der durchschnittliche Autofahrer keine 50 Kilometer am Tag und wenn man das zugrunde legt, dann steht das Auto also mindestens 22 oder 23 Stunden und in der Zeit, wenn das so ein Elektroauto ist und der Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde, dann muss es da geladen werden können, wo es steht. Das ist im Zweifelsfall am Arbeitsplatz oder im Fußballstadion oder im Opernhaus. Oder wenn meine Frau shoppen geht und in der Stadt ist, da müssen Lademöglichkeiten vorhanden sein, wenn die Elektromobilität Erfolg haben soll. Da sind wir bei den Wallboxen. Das sind die, die an der Wand in der Garage überall hängen und auch mit Ladesäulen, wie man sie in vielen Städten finden kann. Da sind wir auf einem guten Weg, auch mit einem Partner: dem Energieversorger RheinEnergie. Wir glauben da an die Zukunft und die Zahlen zeigen es: Die Automobilindustrie hat sich in Deutschland – BMW, Mercedes, VW vor allen Dingen – völlig auf Elektromobilität versteift und entwickelt nur noch diese. Wir werden in einigen Jahren keine Verbrenner mehr herstellen und produzieren. Da sind wir im Moment noch ein gut gesuchter Partner und wir hoffen, wir bleiben das.

Johannes: Klingt danach!

Herr Mennekes: Es klingt danach, aber da muss man ständig mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dahinter sein und ich glaube, wir sind da auf einem guten Weg.

Johannes: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Herr Mennekes: Tja, der beste Rat ist, dass wir unsere Produkte benannt haben. Wir waren früher nur mit einem Firmenzeichen auf dem Produkt vertreten und wir wollten eh immer, dass wir bei den Elektroinstallateuren einen guten Namen haben mit unserer Abstandsqualität, mit unserem Service, mit unserer Nähe zum Elektrogroßhandel, wie auch zum Elektroinstallateur und da haben wir Mennekes – Made in Germany draufgeschrieben. Das kann Ihnen auch kein Asiate oder wer auch immer nachmachen. Wo Mennekes draufsteht, ist Mennekes drin. Das gilt für Nivea wie für Nutella. Eine Marke zu sein, gegenüber No-Names, ist ein hohes Gut, wo man mit dem Gütesiegel Made in Germany jeden Tag mit dem Putzlappen aufstehen und wischen muss, um diesem Mennekes – Made in Germany weiterhin den Glanz zu geben, den es verdient. Das ist den Schweiß der Edlen wert.

Johannes: Was war denn Ihr größter Fehler?

Herr Mennekes: Mein größter Fehler war – da habe ich sehr darunter gelitten als junger Mann – dass ich mein Studium nicht abgeschlossen habe, wobei ich dann während meines Studiums einen Gebrauchtwagenhandel aufgemacht habe, weil mein Vater mir zu wenig Geld gab. Dann habe ich eine Diskothek geführt, bin aber auch Autorennen gefahren und habe Skat gespielt, also eigentlich auch viel dummes Zeug gemacht. Dann wurde mein Vater krank und dann habe ich den Abschluss nicht mehr machen können, sondern bin ohne meinen Maschinenbauabschluss ins Unternehmen eingetreten, was ich eigentlich auch immer wollte. Ich wurde auch Vertreter der Firma. Ich habe dann sehr viele Freunde in der Elektrobranche gefunden, die mir am Anfang auch geholfen haben und die eigentlich mit das Fundament für die zweite Stufe nach der Entwicklung von meinem Vater waren, die dann geholfen haben, dass das Unternehmen so wachsen konnte, auch schon bevor die Elektromobilität en vogue wurde.

Johannes: Waren das auch quasi Mentoren dann für Sie? Weil Sie sagten, sie haben Sie mitbegleitet und sie auch ein Stück weit an dem Aufbau mitbeteiligt waren.

Herr Mennekes: Ja, ich habe immer versucht, bei erfolgreichen Menschen zuzuhören, die mir irgendwann über den Weg liefen. Wissen Sie, auch bei einem Gebrauchtwagenhändler, da gibt es auch eine ganze Menge kluge und intelligente Leute. Oder auch ein Diskothekenbesitzer macht sich Gedanken, wie er die Zukunft seines Hauses gestaltet. Oder ein Versicherungsverkäufer putzt Klinken, um dann eine Lebensversicherung zu verkaufen. Da habe ich immer viel gelernt und vor allen Dingen eines: Dass Kundennähe und Menschennähe ein ganz, ganz hohes Gut ist, das man entwickeln muss, aber wo man auch die andere Seite nicht enttäuschen darf. Wissen Sie, Geld kann man heute verlieren, das kann man morgen sich neu erarbeiten, aber wenn Sie einen Namen ruiniert haben, dann kommen Sie ganz selten wieder auf einen grünen Zweig. Deswegen vergleiche ich das immer mit dem Angler, der da am Fluss steht: Der Wurm oder der Köder muss immer dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Eine Forelle fängt man mit einem Wurm, einen Lachs fängt man mit einem Haken. Man muss die unterschiedlichen Köder haben, dass der Fisch dann anbeißt. Dann muss man sich Gedanken darüber machen, dass man zum Beispiel dem Installateur, der viel im Hochbau tätig ist, andere Produkte anbietet, als jemandem, der für die Eventtechnik tätig ist. Sie sehen hier so ein paar Produkte. Oder dem der mit Kühlcontainer verkehrt hat nun andere Produkte. Einer will wasserdichte Geräte oder nur spritzwassergeschützte. Man muss sich also auf den Kunden einstellen und man muss ihm seine Lösung bieten. Wenn er diese Lösung hat und die in Ordnung ist, und auch in der richtigen Zeit dann kommt, und in der richtigen Qualität, dann werden Sie einen dauerhaften Kunden und fast schon Freund gefunden haben. Das ist wichtig: Man muss wissen, was der Kunde will, und dann hat man meistens auch Erfolg.

Johannes: Also absolute Nähe zum Kunden?

Herr Mennekes: Absolute Nähe zum Kunden, das ist an der Ecke ganz, ganz wichtig. Dann kriegt der Ausdruck Hidden Champion, der Headline Ihrer Sendung ist, einen anderen Wert: Wir möchten nicht mehr ‚hidden‘ sein. Wir möchten nicht mehr heimlich sein. Wissen Sie, wenn es heimlich ist, dann weiß ja keiner, was wir machen. Aber wir dürfen auch nicht unheimlich werden. Dieser alte Bibelspruch: „Die Linke soll nicht wissen, was die Rechte tut“, ist für meine Begriffe in unserem Beruf falsch. Die Linke muss sehr wohl wissen, was die Rechte tut und: Sage was Tolles! Mach was Tolles! Erzähl das allen Leuten und dann findet es entweder Nachahmer oder auch Kunden!

Johannes: Lieber Kunden als Nachahmer?

Herr Mennekes: Wettbewerb belebt das ja Geschäft. Wir haben bestimmt insgesamt über 100 Wettbewerber weltweit, die uns anspornen, weiterhin mindestens Champions League zu spielen und die dann auch zu gewinnen, und da sind wir ziemlich gut dabei.

Johannes: Lief in den letzten 35 Jahren alles nach Plan?

Herr Mennekes: Ich weiß nicht, wo alles nach Plan läuft, aber mit guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kann man schon viel besprechen und dann mit den Kunden draußen auch abstimmen: Wo geht die Reise hin? Welche Perspektive haben wir? Dann kann man schon sich auf der sichereren Seite fühlen. Die sichere, die hundertprozentig sichere Seite gibt es, glaube ich, sowieso nicht. Da muss man eine Nase haben – eine Nase für Märkte, eine Nase auch für die eigenen Mitarbeiter – und man muss sich mit dem Produkt identifizieren. Man muss es hundertprozentig leben. Ich gucke jeden Menschen an, auch sie, ob er morgen nicht einen Stecker braucht, sonst säße ich nicht hier. Wenn ich das nicht mache und Sie Interesse haben und jetzt eine Garage bauen oder sich mit Ihrem Studio erweitern, dann bin ich mir hoffentlich sicher, dass da Mennekes-Stecker hereinkommen. Wissen Sie was? So schneide ich die nämlich ab. Dann komme ich vorbei und gucke mir das an.

Johannes: Okay, versprochen, ich benutze ab jetzt nur noch Mennekes!

Herr Mennekes: Sehen Sie, meine lieben Zuhörer, ich habe einen Kunden gewonnen, das ist schon mal die halbe Miete – einen potenziellen Kunden.

Johannes: Richtig, einen Fan!

Herr Mennekes: Ja, Fan!

Johannes: Was halten Sie denn von Hierarchien?

Herr Mennekes: Hierarchien sind Mittel zum Zweck. Wenn das aber nur in Beton gegossen ist, dann erzeugt es einfach meistens Betonköpfe und Betonköpfe brauchen wir nicht. Es muss jeder wissen: Wo ist sein Vorgesetzter? Oder auch in seiner Verantwortung: Wo ist ein Mitarbeiter, ein Untergebener? Daran muss sich das orientieren. Ansonsten muss man im Team diskutieren und dann auch entscheiden, wo die Reise hingeht. Mir ist völlig egal, wer eine Entscheidung in die oder in die Richtung getroffen hat, sondern mir ist wichtig, dass sie getroffen wird, und da kann natürlich auch ab und zu eine Entscheidung falsch sein. Jeder Mittelstürmer schießt die meisten Bälle übrigens am Tor vorbei. Als zweiter Vizepräsident des FC Bayern weiß ich das übrigens auch. Herr Lewandowski, weil viel Platz darum herum ist … Aber mit gutem Training und mit guter Vorbereitung trifft man häufiger als andere. Das macht dann letztlich den besseren Tabellenplatz aus. So ist es auch im Berufsleben: Viele Bälle gehen vorbei, aber die Treffsicherheit muss erhöht werden und man darf nicht zu viel für den Papierkorb produzieren. Das gilt für die handwerklichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das gilt für die produzierenden wie auch für die Außendienstmannschaft in aller Welt: Wir möchten der bessere, der nähere, der nachhaltigere Partner sein, innen, im Innenverhältnis im Team, aber auch draußen zu den Kunden hin.

Johannes: Gab es mal einen Moment in Ihrer Führung, wo Sie sagten, das war ein entscheidender Moment, das war ein Erfolgsmoment, der die zukünftigen Jahre geprägt hat?

Herr Mennekes: Ja, das Erfolgsmoment war sicherlich die Benennung Mennekes – Made in Germany auf die Produkte zuschreiben, weil wir im Vorgriff darauf unsere Prozesse optimiert und unser Qualitätswesen und unseren Öffentlichkeitsauftritt auf Messen verbessert haben, ein dichteres Netz von Vertretern aufgebaut haben, so dass das dann auch für die Kunden nachvollziehbar war: Das sind die Tempo-Taschentücher, die synonym sind für gesunde Hilfestellungen, beziehungsweise, das sind die Stecker, die einfach länger halten, die besser anzuschließen sind und die nachhaltigen Nutzen stiften. Dann war der frühe Zeitpunkt wichtig, den Stecker für die Elektromobilität zu entwickeln, der dann weltweiter Standard wurde und das dann sogar mit dem Namen. Zum Beispiel Kärcher: In Amerika ist Kärcher der Inbegriff für Reinigen. Dann sagt man, Mennekes, das sind die Stecker für die Elektroautos. Das macht uns stolz und das stärkt uns auch als mittelständisches Unternehmen den Rücken, um es mal so zu sagen, ohne dabei arrogant wirken zu wollen.

Johannes: Was sagen denn Ihre Mitarbeiter über Sie?

Herr Mennekes: Das weiß ich natürlich nicht, was sie über mich sagen. Ich sage mal, hoffentlich Gutes. Aber, wenn Sie als Chef schon geachtet werden, dann ist das schon was Tolles. Geliebt nicht, das kann man nicht erwarten. Das geht auch nicht. Das wäre zu viel des Guten. Aber wenn man geachtet wird, dass man verlässlich ist, dass man ehrlich ist, dass man gerade ist und das tut schon mal weh, denn hier in Westfalen sagt man: Ja ist ja und Nein ist nein. Damit muss man dann auch umgehen lernen, vor allen Dingen, wenn man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat aus anderen Weltgegenden, aus anderen Kulturen, mit anderen Religionen. Wir haben über 30 Nationalitäten bei uns in der Firmengruppe beschäftigt. Das heißt, wir sind weltoffen und da muss man natürlich mit den Eigenheiten der jeweiligen Menschen versuchen, klarzukommen. Das ist uns bis dato, glaube ich, ganz gut gelungen.

Johannes: Haben Sie ein Lieblingszitat?

Herr Mennekes: Ja, es gibt eigentlich zwei: „Der Hof ist wichtiger als der Bauer.“ Wer das berücksichtigt, sagt, dass er sich nicht selbst wichtiger nimmt, als er glaubt zu sein, sondern sich einreiht in ein Team. Das zweite ist: „Was du ererbst von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!“ Ich empfinde meine Unternehmertätigkeit als Leihgabe von meinem Vater, der das Unternehmen vor fast 85 Jahren gegründet hat. Ich habe es weiterentwickelt und vor acht Jahren an meinen Sohn weitergegeben. Also bin ich ein Mittler und habe mit den mir übergebenen Talenten das Unternehmen auch für die Region, aber auch für die Familie so weiterentwickelt, dass es auf gesunden Füßen steht und schaue mir das Ganze, wie eben gesagt, dann aus der Perspektive an.

Johannes: Ist doch bestimmt ein schönes Gefühl, oder?

Herr Mennekes: Ja, es macht einen schon ein bisschen stolz, aber das muss man dann auch so sehen: Das ist schon eine Gemeinschaftsleistung mit vielen motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewesen.

Johannes: Haben Sie ein Held in der Wirklichkeit?

Herr Mennekes: Ja, Helden der Wirklichkeit sind für mich, gerade auch aus aktuellem Anlass, die Helferinnen und Helfer in unseren Krankenhäusern und Hospitälern, die ein besonderes Augenmerk verdienen, seit Corona da ist, was aber nicht entsprechend in der Gesellschaft gewürdigt wird. Das gilt genauso für die ehrenamtlichen Helfer der Polizei, des Roten Kreuzes, des Technischen Hilfswerks, die eine wesentlich größere Beachtung verdienen. Eine weitere größere Beachtung, finde ich, ist wichtig bei unseren Ausbildern und Ausbilderinnen in Kindergarten, Schule und Berufsschule. Diese Menschen müssen mehr Anerkennung finden und Anerkennung nicht nur mit Schulterklopfen, sondern das sollte sich auch in Löhnen und Gehältern widerspiegeln, weil sie sich doch für unsere jungen Leute oder auch für die kranken Leute gewaltig einsetzen, um ihnen, den Kranken, die Leiden zu ersparen oder zu reduzieren und den jungen Leuten wichtiges Rüstzeug für die Zukunft zu geben. Denn speziell wir Deutschen haben keine Bodenschätze. Wir haben viele Nachbarn um uns herum. Wir haben nur das, was wir zwischen den Ohren haben: Unseren Kopf. Dieses Denken und dieses Wissen müssen geschult werden. Dafür brauchen wir gut ausgebildete Lehrer, die auch ihrerseits motiviert sind. Denn nur, wenn sie motiviert sind, können sie auch guten Lehrstoff verkaufen. Das wirkt sich dann auch bis zu unseren Auszubildenden aus, die wir dann hier einstellen, die dann auch ihrerseits von ihrer Berufswahl erst mal überzeugt sind. Das heißt, wir müssen viel mehr miteinander wirken, mit Schule und Wirtschaft, Kirche und Wirtschaft. Die Pastoren, die auf der Kanzel sprechen von: „Im Schweiße Deines Angesichts sollst Du Dein Brot verdienen.“ Es gibt wenig Leute, die hier bei der Arbeit schwitzen, sondern die müssen ihren Kopf anstrengen, um Lösungen herbeizuführen. Da wünsche ich mir eine viel größere, konzertierte Aktion zwischen Schule und Wirtschaft, zwischen Kirche und Wirtschaft, Ausbildungen und Universitäten, dass Diplomarbeiten nicht nur für einen Papierkorb geschrieben werden, sondern dass sie praxisnah für ein Unternehmen gemacht werden. Das kann man auch finanziell unterstützen, was wir teilweise tun, wenn wir gefragt sind, dass wir nicht über das Liebesleben der Pflastersteine eine Diplomarbeit schreiben, sondern dass man sagt: Wie kann ich einen Stecker noch besser und größer machen? Dann dient es unmittelbar vielleicht dem Produkt von hier. Er muss da einige Monate daran sitzen, dann kriegt er das auch mithonoriert. Das ist dann sofort aus der Praxis für die Praxis.

Johannes: Was schätzen Sie an Ihrer Frau am meisten?

Herr Mennekes: Dass sie unsere drei Söhne so toll erzogen hat und dass sie es mit mir so lange ausgehalten hat.

Johannes: War es manchmal hart für Sie?

Herr Mennekes: Für mich nicht. Ich nehme an, für sie, denn ich bin ja die Hälfte der Zeit immer in der Welt unterwegs gewesen und habe zwar immer gesagt, erst kommt die Familie und dann kommt die Firma, aber meine Frau hat gesagt, das wäre sehr, sehr oft umgekehrt gewesen, dass erst die Firma kam und dann die Familie.

Johannes: Was halten Sie von Risiko?

Herr Mennekes: Ja Risiko… Wenn ich morgens aus dem Haus gehe im Februar, muss ich gucken: Ist die Straße vereist oder nicht? Also bei allem und jedem gibt es immer Chancen und Risiken, und man darf sich aber vor lauter Risiken nicht den Blick und den Geist versperren lassen, sondern man muss eher die Chancen sehen und suchen und dass da Risiken sind, die einen auch zurückwerfen, das ist ganz normal, das gehört zum Leben dazu. Wer nur Risiken sieht, ist ein Pessimist. Wer nur Chancen sieht, ist ein unverbesserlicher Optimist. Ich glaube, es gab einen Fußballtrainer, der hieß Otto Rehhagel, der sagte: „kontrollierte Offensive.“ Das heißt also, mal eben so am Boden gucken – Ist Eis oder nicht? – und dann weitergehen und nicht sagen, oh, es könnte ja hier Eis kommen – nein, kontrolliert offensiv. Da haben alle Zuschauer Spaß. Die Spiele werden meistens gewonnen. Ich halte das für einen guten, progressiven Spruch.

Johannes: Haben Sie auch so geführt oder das Unternehmen vorangebracht?

Herr Mennekes: Ich denke schon. Ich habe schon mit dem Standbein versucht, immer stehen zu bleiben. Wir hatten seinerzeit eine große Entscheidung, da waren unsere Stecker noch aus Aluminium, wie ursprünglich gesagt, später wurden die aus Kunststoff gefertigt. Das war eine ganz wichtige Entscheidung, weil Kunststoffstecker ganz anders herzustellen sind als Aluminiumstecker. Es ist kein Gießen, sondern es ist eine Spritztechnik, die zugrunde liegt. Welche Werkstoffe kommen da zum Einsatz? Duroplaste oder Thermolaste? Wie verhalten die sich unter extremen Bedingungen, bei großer Kälte und bei großer Hitze? Das war eine schwierige Entscheidung. Wenn das schiefgegangen wäre, wir den falschen Werkstoff genommen hätten, dann wären wir viel kleiner geblieben. Das ist dann schon ein unternehmerisches Risiko. Als wir am Anfang meiner Tätigkeit wachsen wollten und keine Mitarbeiter bekamen, weil wir noch nicht so eingeführt und so klein waren, haben wir erstmal zwei Sechsfamilienhäuser gebaut. Was wollen Sie denn damit? Ja, um den Mitarbeitern, die aus dem Ruhrgebiet oder aus Hagen, aus Köln und so weiter kamen, zu sagen: „Hier habt ihr eine schönere Wohnung! Da unten ist der Arzt. Da ist die Kirche. Da ist die Schule. Da ist die Bushaltestelle. Was verdienen sie? Zehn Mark? Dann kriegen sie bei uns elf. Anfangen!“ So haben wir dann Leute bekommen. Also das ist ein Risiko. Gut, da hätte ich andere Menschen, andere Mieter nehmen müssen. Aber auch ins Ausland zu gehen, die richtigen Partner zu finden, Du kannst Dir nie hundertprozentig sicher sein, ob der nicht mit der ersten Lieferung ins Spielcasino geht oder ob er Dich betrügt. Vor allen Dingen ist es in anderen Kulturen manchmal mit der Wahrheitsliebe nicht so weit her – in Deutschland übrigens auch. Also Risiken sind immer mit dabei, sind ein Teil unseres täglichen Lebens.

Johannes: Wenn Sie einem Jungunternehmer einen Tipp geben würden, wie sähe aus?

Herr Mennekes: Ich glaube, das muss man in Schritte unterteilen. Die erste Frage ist: Was möchte ich mal gerne machen? Bin ich naturverbunden? Möchte ich Gärtner werden oder möchte ich Förster werden? Wenn ich mehr technisch orientiert bin, dann neue Techniken, elektronische Medien oder herkömmliche Art. Was will ich machen? Dann bin ich da als Händler… Gucken Sie mal, die Familie Würth: Der Reinhold Würth ist noch mit dem Bollerwagen da durch Künzelsau gezogen und hat gefragt: „Brauchst Du eine Schraube? Brauchst Du einen Dübel?“ Und dann hat einer gesagt: „Ja, ich möchte auch einen in Edelstahl“, dann hat er einen Edelstahldübel gemacht. Da hat dann einer gesagt: „Ich möchte ihn aber auch für 25 Zentimeter!“, dann hat er ihn also für 25 Zentimeter gemacht. Der andere so: „Ich brauche aber nur 2,5 Millimeter“, da hat er die Schraube auch gemacht und damit ist er einer der größten Händler geworden. In der Nachbarschaft hat er Wettbewerber, die noch mal spezialisierter sind als er, die auch erfolgreich sind, die sogar teilweise mit ihm in die Schule gegangen sind. Da muss man sich fragen: Was kann ich eigentlich werden? Habe ich da eine Chance? Ist das ein Leben lang oder ist das nur befristet? Ich wollte immer … Ich habe zwei Freunde – Karlheinz Rummenigge und Uli Hoeneß – der eine ist Weltmeister geworden, nämlich der Hoeneß, und der Karlheinz Rummenigge nie. Mit dem war ich immer zusammen. Da sagte ich: „Ich möchte Weltmeister werden!“ Da sagt er: „Du kannst doch gar nicht vor den Ball treten!“ Da sagte ich: „Mit meinem Steckergeschäft.“ Und das habe ich geschafft. Ich wollte der beste Steckermacher und der beste Steckerverkäufer der Welt werden. Die Frage ist – Sie haben ja ein wunderbares Format, was Sie ins Netz stellen – wie Sie noch bessere Gesprächspartner als mich kriegen können, wie Sie das Format noch mehr optimieren, dass Sie noch mehr Follower dann kriegen. Das ist wirklich den Schweiß wert. Je pfiffiger Sie sind, umso mehr Follower haben Sie, wenn Sie die Formate, in welcher Form auch immer, ins Englische, ins Arabische, ins Chinesische übersetzen, dann wird Ihr Unternehmen auch größer. Dann haben Sie auch morgen zehn Leute und nicht mehr nur fünf. Wobei, von fünf auf zehn ist ja schon toll! Von fünf auf zehn geht über sechs, sieben, acht, neun, zehn, da brauchen Sie vielleicht fünf Jahre für, dann aber für die nächsten zehn, die Sie dann kriegen, brauchen Sie nur drei Jahre für, höchstens, wenn sie richtig gut sind. Das müssen Sie bleiben. Sie unterziehen sich ja auch heute hier dieser weiten Fahrt und der weiten Hinreise, Abreise und so weiter und hoffen, dass Sie damit Geld verdienen können. Ich finde das toll und die Arbeit beginnt ja erst nach meinem Interview und dass dann auch hoffentlich auch ich meine Zeit hier nicht verplempert habe mit Ihnen, dass die Leute es interessant finden. Wenn die mal in der Garage gucken, haben sie da den richtigen Stecker, wenn nicht, denken Sie an Mennekes. Wenn Sie laden wollen, wo auch immer – das Ladekabel ist bei VW und Mercedes mit Mennekes drin – das ist dann wichtig und dann hoffentlich gute Erfahrungen machen. Dann gibt es ein Testinstitut, die geben Ihnen das dann auch noch schriftlich, dass sie vom ADAC wie wir empfohlen wurden. Das ist natürlich der schönste Ritterschlag.

Johannes: Sie haben vorhin schon über die Champions League gesprochen, das Treppchen, was Sie für Ihr Unternehmen vorhatten, aber Sie haben ja auch noch den Fußball als Ihre Leidenschaft. Wie kommt man als ein Herzblutunternehmer zum FC Bayern München?

Herr Mennekes: Also Sie sind nicht der Erste, der mich das fragt. Ich war auf einer Pressekonferenz, da waren 65 Leute mit Mikrofonen und Kameras und die haben mich das auch gefragt. Da habe ich gesagt: „Ich bin 20 Jahre Beisitzer beim FC Kirchhundem gewesen.“
„Wo? Bei wem?“
„FC Kichhundem im Sauerland.“
„Was spielen die?“
Ich sage: „Mal Kreisklasse, Bezirksklasse, mal wieder herunter und hoch, so eine Fahrstuhlgeschichte.“ Und da bin ich 20 Jahre Beisitzer gewesen. Wie man zum FC Bayern kommt? Dann habe ich ihnen gesagt: „Ich glaube, da ist der FC Bayern durch meine Tätigkeit aufmerksam geworden auf mich und hat gesagt: So einen guten Beisitzer, den könnte man auch beim FC Bayern gebrauchen.“

Johannes: Ernsthaft?

Herr Mennekes: Man hat nie wieder gefragt. Fußball war immer meine Leidenschaft. Als wir 1974 in Deutschland zum ersten Mal Fußballweltmeister wurden, da war ich mit einem Freund dabei und habe gesagt: „Jetzt werden wir immer Weltmeister!“ und habe dann mit dem eine Kasse gegründet, jeden Monat 50 Mark einbezahlt, nach Argentinien gefahren, habe zwischenzeitlich meine Frau kennengelernt, wir wollen heiraten, ja, und danach Flitterwochen, aber ich sage: „Das ist schlecht, weil ich ja mit meinem Freund nach Argentinien fahre.“ Da hat sie mich nur gefragt: „Willst Du den heiraten oder mich?“ Das hat sich dann auch geklärt. Ich bin dann später in Mexiko durch ein … Ich wollte für Freunde ein paar Cola und Bier holen und sehe da eine bildhübsche Frau mit quakenden Kindern in der Mittagssonne, weil mittags Fußball gespielt wurde, zur Weltmeisterschaft ’86 in Mexiko, das war die Frau Rummenigge, die ich bewunderte, weil sie mit drei Kindern in Guadalajara in der Mittagshitze dort im Stadion war. Es war alles unorganisiert. Ich habe dann erst mal für die Kinder eine Cola und für sie ein Bier geholt und sie sagte: „Was kriegen Sie dafür?“ Habe ich gesagt: „Von einem Sauerländer und für eine Sauerländerin“ – Rummenigges kommen aus Lippstadt – „natürlich nichts.“ Das war der Beginn einer großen Freundschaft, die ja bis heute gehalten hat. Zwischenzeitlich haben sie mehr Kinder gekriegt. Meine Frau und ich sind Patenonkel und Patentante. Dadurch habe ich natürlich dann auch Uli Hoeneß, Paul Breitner und Franz Beckenbauer und so, im besten Fußballverein der Welt mit fast 300.000 Mitgliedern kennengelernt. Da Zweiter Vizepräsident zu sein ist schon eine besondere Herausforderung und eine besondere Ehre, die mir da zuteilwurde. Ich bin auch gerne mit dabei und das hat auch meine Freundschaften, zu denen sehr vertieft. Vor allen Dingen müssen Sie wissen, Uli Hoeneß und Rummenigge und die anderen Beteiligten, das sind auch erstklassige Unternehmer, die nicht nur Fußball verstehen und kennen, sondern auch wirtschaftlichen Sachverstand haben. Das ist in vielen anderen Vereinen, wenn du nur Fußball im Kopf hast, zu wenig zur Führung eines solchen Vereins, der mittlerweile 1.200 Mitarbeiter hat und 700 Millionen Euro Umsatz. Du musst auch wirtschaftlichen Sachverstand haben und musst dann aufpassen, dass Du das in einer Balance hältst, dass das da funktioniert – und beim FC Bayern funktioniert es. Aber es ist immer Arbeit, die nicht jeden Tag in den Zeitungen, in den Medien nachzulesen ist, sondern Sie müssen ständig an der Schraube drehen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach innen. Wenn es gegen Real Madrid ist, musst Du niemanden motivieren, aber wenn du dann gegen Mainz 05 spielst, dann musst du sagen: „Also auch gegen Mainz 05 gilt es, zu gewinnen“ und das jede Woche, manchmal zwei-, dreimal in der Woche. Das ist schon was Besonderes. Das dann weltweit besser zu machen als andere, das ist der Verdienst dieser Leute, bei denen ich ganz gerne so ein bisschen als kleines Rädchen mitarbeiten darf.

Johannes: Stark, in zwei Champions Leagues!

Herr Mennekes: Ja, in den guten fünf Jahren, wo ich die Ehre habe, Zweiter Vizepräsident zu sein, sind noch nie so viele Titel gewonnen worden. Das liegt aber nicht an mir, aber man freut sich natürlich trotzdem, denn bei Niederlagen ist es bekanntlich schwieriger.

Johannes: Das ist wahr, über Niederlagen freut man sich nie.

Herr Mennekes: Das ist so.

Johannes: Vielleicht im Nachgang, wenn man daraus gelernt hat.

Herr Mennekes: Richtig.

Johannes: Herr Mennekes, vielen Dank!

Herr Mennekes: Danke Ihnen!

Johannes: Das war ein sehr, sehr nettes Gespräch mit vielen Inhalten.

Herr Mennekes: Sie wissen ja, wenn Sie mal einen Stecker brauchen – Mennekes Stecker!

Johannes: Definitiv!

Comments are closed.

Pin It