Hidden Champions

Rosemarie Amos-Ziegler

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Lesezeit ca. 11 Minuten

Den Schatz in jedem Einzelnen entdecken.

Rosemarie Amos-Ziegler von WGfS „Pflegen mit Herz und Verstand“ und ihr Unternehmensleitbild.

Heute treffen wir einen ganz besonderen Hidden Champion: Rosemarie Amos-Ziegler ist mit dem Fahrrad zu ihren ersten Klienten gefahren. Heute leitet Sie ein mittelständisches Unternehmen, zu dem verschiedene Einrichtungen der stationären und ambulanten #Pflege gehören. Wie sie sich die nötigen Kompetenzen dafür aneignen konnte, auf was sie bei ihren Mitarbeitern besonderen Wert legt und welche Rolle Eisberge in ihrem Leben spielen, hat sie und im Interview verraten.

Rosemarie Amos-Ziegler ist Geschäftsführerin bei der WGfS GmbH in Filderstadt. Zu ihrem Unternehmen gehören drei Pflegeheime, mehrere Einheiten für betreutes Wohnen, zwei Einrichtungen für die Tagespflege, eine Demenz-WG und ein ambulanter Pflegedienst. Dabei hat sie klein angefangen: Ihre ersten Hausbesuche bei Pflegebedürftigen machte sie auf dem Fahrrad. Als sich die Gelegenheit bot, eine günstige Immobile als erste Pflegeeinrichtung zu erwerben, hat sie die Chance beim Schopf ergriffen. Seitdem wächst ihr Unternehmen und Rosemarie mit ihm. In zahlreichen Fort- und Weiterbildungen hat sich die gelernte Krankenschwester die nötigen Fähigkeiten angeeignet, um einen mittelständischen Dienstleistungsbetrieb leiten zu können. Dabei ist sie dank ihrer Mentoren auch als Persönlichkeit immer weitergewachsen.

Rosemarie hat trotzdem nie vergessen, wo sie herkommt und was in der Pflege eigentlich wichtig ist. Bei sich selbst und ihren Mitarbeitern legt sie Wert auf Freude an der Arbeit und dem Umgang mit pflegebedürftigen Personen. Das Menschliche ist und bleibt für diesen bescheidenen Champion das Wichtigste. In jedem ihrer Klienten sieht sie etwas Besonderes, darum ist ihr Motto: Den Schatz in jedem einzelnen entdecken.

Interview mit Rosmarie Amos-Ziegler

Johannes: Heute bin ich bei dem Pflegedienst WGfS – Pflegen mit Herz und Verstand und neben mir sitzt Rosemarie Amos-Ziegler, die das Unternehmen leitet. Rosemarie Was war der beste Rat, den Du jemals bekommen hast?

Rosemarie: Der beste Rat war, dass ich mich von einem Mitarbeiter verabschiede. Wenn jemand keine Lust auf die Arbeit hat oder keinen Spaß daran und die anderen Mitarbeiter damit immer sehr belastet, dann tut das der ganzen Station nicht gut. Und ich hatte immer gedacht, wenn so jemand da ist, ist das besser als gar niemand zu haben, denn der nimmt ja den anderen Mitarbeitern trotzdem ein bisschen was ab. Das war komplett falsch. Es ist tatsächlich so: Eine faule Kartoffel macht den ganzen Sack kaputt und sie macht mehr kaputt, als wenn man sich von ihr trennt. Dann geht es wieder vorwärts und es ist Zeit, bis man die Lücke wieder auffüllen kann.

Johannes: Was war Deine wichtigste Entscheidung?

Rosemarie: Das war jetzt vor anderthalb Jahren. Wir hatten ein Projekt, wo wir schon drei Jahre drin waren. Mein Traum war immer, ein eigenes Pflegeheim zu haben in Leinfelden-Echterdingen, aber es sind immer neue Sachen gekommen. Drei Mal hatten wir einen Termin beim Notar und dann kam wieder was und wieder was. Als letztes ist ihnen eingefallen, dass man noch ein Gutachten braucht. Und dann wurde tatsächlich festgestellt, dass, wenn man ein Heim hat, die Lärmschutzvorschriften so streng sind. Da kann man zwar schon neben einen Discounter bauen, aber ich hätte dann eine acht Meter hohe Glaswand um das Gebäude herum oder ich könnte die Fenster nicht öffnen und in einem Pflegeheim keine Fenster öffnen zu können … Dann habe ich entschieden, dass wir dieses Gebäude nicht machen und gesagt: „Jetzt ist Schluss.“ Das hat insgesamt drei Jahre gedauert. Wir haben dort sehr, sehr viel Geld versenkt und viel Herzblut. Aber jetzt sind wir froh, dass das Kapitel erledigt ist.

Johannes: Und was war dein größter Fehler?

Rosemarie: Dass ich zu lange gewartet habe, bis ich mich von meinem ersten Mann scheiden gelassen habe, weil es immer heißt in guten und in schlechten Zeiten, was ja in Ordnung ist. Aber wir haben zwei Kinder und früher habe ich immer gedacht: Was denken die anderen Leute? Heute sehe ich das so: Das ist mein Leben und nicht das der anderen, mir muss es gut gehen. Mein Mann hat getrunken und für Schluss und mich war dann irgendwann ich habe den Mut gehabt, diesen Schritt zu gehen.

Johannes: Was würdest du heute anders machen als vor fünf Jahren?

Rosemarie: Ich würde noch mehr Liebe verschenken.

Johannes: Und was macht für dich einen Hidden Champion aus?

Rosemarie: Für mich macht einen Champion aus, dass er mit Herzblut, mit Feuer in den Augen, egal was für eine Tätigkeit macht. Das sind für mich Champions.

Johannes: Magst du ein bisschen etwas über dich und dein Unternehmen erzählen?

Rosemarie: Ich habe ambulant angefangen und bin mit dem Fahrrad zu den Kunden gefahren und habe eine Familie versorgt. Und der Sohnemann hat irgendwann mal gemeint: „Du, es müsste sich doch rechnen, wenn du mehrere Personen zusammen in ein Haus bringst, das ist doch viel wirtschaftlicher.“ Den Gedanken fand ich klasse, aber ich hatte keine Ahnung von Pflegeheimen, noch nie eins besucht, habe auch gar nicht gewusst, wie das aussieht. Dann hat sich plötzlich eine Gelegenheit ergeben. In der Nachbarschaft hab ich jemanden betreut und das Haus sollte versteigert werden. Da war klar: Das kaufe ich! Hatte selber kein Eigenkapital und bin zur Bank mit meiner Vision und habe gesagt. Irgendwie habe ich die so beeindruckt, dass ich das Geld bekommen habe. Meine Mutter hat echt Angst gehabt. Da habe ich gesagt: „Du Mama, wenn das nicht funktioniert, dann verkaufen wir es halt wieder, dann ist ja nix passiert.“ Das war eine Doppelhaushälfte, dort sind dann sechs Bewohner eingezogen. Da wir ja kleine Kinder hatten und eine behinderte Tochter, sind die dann immer morgens mit rüber und die Senioren haben denen dann das Frühstück gegeben und sie in den Bus gesetzt, wenn der kam. Damit hatten die Leute eine Aufgabe. Im Prinzip war das die erste WG. Das gab es in der Form nirgendwo und so hat es eigentlich alles angefangen. Dann kam betreutes Wohnen dazu, dann die Casa Medici, dann die Demenz-WG. Zwischendurch hatten wir in der Casa Medici auch ein Café, also quasi zusätzlich eine Firma zur Firma. Alles zusammen mit meinem zweiten Mann. Das war das Beste, was mir passieren konnte. Er hält mir den Rücken frei und ich spreche mit ihm über meine Ideen und er hat immer mitgeholfen, diese Ideen umzusetzen.

Johannes: Der Mann hinter der Frau.

Rosemarie: Der Mann hinter der Frau.

Johannes: Wenn wir jetzt mal ein bisschen in die Zukunft springen: Wie viele Häuser betreibt ihr jetzt?

Rosemarie: Also es sind im Moment drei Pflegeheime mit zusammen 147 Plätzen. Dann haben wir 13 betreute Wohnungen und eine WG in Leinfelden-Echterdingen in der acht Personen leben. Dann noch zwei zusätzliche Service-Wohnungen und in Neuhausen auf den Fildern. Und jetzt in der Coronakrise haben wir im April unseren Tages-Club aufgemacht, das ist nochmal ein Highlight und es gibt noch einige Projekte in Neckartailfingen. Das nächste Projekt ist ein Pflege-Hotel mit 15 Betten und dann noch mal betreute Wohnungen und nochmal einen Tages-Club. Außerdem gibt’s noch mal so kleine Wohnungen und WGs. Also wir haben noch einiges vor.

Johannes: Wie viele Leute arbeiten jetzt aktuell bei Dir, 250?

Rosemarie: Das können auch mal 248 sein.

Johannes: Wie kommst Du bei so vielen Herausforderungen durchs Leben?

Rosemarie: Ich mach das, was mir Spaß und Freude macht und das spüren die Leute. Ich sage mir: Es geht immer eine Tür auf und jeder kriegt eine Chance. Das ist so ein Glaubenssatz von mir und bis jetzt war das auch immer so. Ich sage es jetzt schon wieder, aber ich gehe mit viel Liebe durchs Leben. Das, was man gibt, bekommt man wieder zurück und das meistens in doppelter Menge.

Johannes: Ihr habt das Unternehmensmotto Den Schatz in jedem einzelnen entdecken. Wie kamt ihr darauf? Also ihr liebt ja, was ihr tut. Offensichtlich kam das direkt aus dem Tun, dass ihr gemerkt habt: das, was wir in jeden einzelnen stecken, bekommen wir wieder. Oder woher kommt der Satz?

Rosemarie: Wir wollten Leitsätze haben für die Mitarbeiter. Die hängen bei uns überall, in jedem Haus und das ist zum Beispiel: Den Schatz in jeden einzelnen entdecken, mit einem Lächeln im Gesicht. Das macht was aus, wenn man in einem Pflegeheim viele lachende Gesichter hat und nicht alle mit dem Kopf runter, Schultern hängend, arbeiten. Man merkt, wenn die Leute lieben, was sie tun und wenn sie ein starkes Wissen haben. Wenn man in der Pflege ist, muss man sich ständig weiterbilden, man kann nicht stehenbleiben. Das ist ganz, ganz wichtig. Das und ein gutes Team. Nur mit einem Team sind wir stark. Und die Leitsätze und ein Leitbild sind dafür wichtig, weil sie diesem Team Führung geben und damit wissen alle, was wir leben, was wir wollen und jeder kann dann aussuchen: Passt das jetzt? Bin ich da richtig? Oder man merkt, das ist die falsche Firma für mich. Das sind nicht meine Werte.

Johannes: Guckst Du jeden Mitarbeiter persönlich an, der sich bei euch bewirbt oder den ihr einstellen wollt?

Rosemarie: Die laufen alle durch meine Hände, aber die Mitarbeiter entscheiden mit. Also die geben das Feedback, weil sie ja nachher mit ihm zusammenarbeiten.

Johannes: Da wir gerade über Mitarbeiter sprechen: Du hast vorhin das Wort Führung schon in die Hand genommen. Dazu passen die Leitbilder. Das ist ja schon der erste Schritt in der Führung. Aber wie führst du persönlich?

Rosemarie: Ich gebe mit dem Leitbild eine Richtung an, das Ziel sozusagen. Wenn jemand die Werte vom Leitbild nicht leben kann, nicht so liebevoll pflegt oder so nett mit Menschen umgehen kann, wie wir das erwarten, sondern die Arbeit nur macht, weil er einen Job möchte, dann sprechen wir jetzt klare Sätze. Wir warten nicht mehr zu lange, sondern wir sagen: So möchte ich es nicht haben. Die haben ja Probezeit. Dann wird geschaut, tut sich was oder tut sich nichts und wir verabschieden uns viel früher. Wir probieren nicht mehr arg viel aus, entweder möchte jemand und hat es in sich oder auch nicht. Ich bin eine Person, die gern die Leute fördert, sogar wenn sie dann besser sind als ich. Man muss bloß die Menschen zusammenbringen und nutzen, worin man selber gut ist. Ich bin jemand, die bei Menschen sieht, wo sie sich entwickeln können, wo sie aufgehen können in ihrem Inneren. Sogar da, wo sie es manchmal vorher selber noch gar nicht so genau wussten.

Johannes: Du hattest vorhin gesagt, Du hast ca. 250 Mitarbeiter. Ich habe gelesen, dass das sehr, sehr viele unterschiedliche Nationalitäten sind. Wie kriegst Du die alle unter einen Hut?

Rosemarie: Mich haben schon immer andere Länder sehr interessiert, auch die Kulturen und wir sind ein freier Träger. Es ist uns egal, ob jemand Moslem ist, Christ oder was es alles gibt. Für uns war immer wichtig, dass man miteinander auskommt. Und da die Mitarbeiter, also die Häuser insgesamt, das leben und aufführen, ist es wie in einer großen Familie, wo auch mal gestritten werden darf. Man muss dann aber die Meinung sagen, sagen, was einem nicht gefällt, dass der andere überhaupt versteht, warum der eine sauer ist. Es ist ein gegenseitiges Lernen. Aber wie in jeder Familie kommt man wieder zusammen.

Johannes: In den letzten zwei Jahren ist ja sehr viel passiert. Ich sage es mal Stichwort Onlineplattform. Was hattest Du bei Dir umgesetzt?

Rosemarie: Da muss ich dazu sagen, dass mein Mann sehr EDV-kompetent ist, das ist sein Steckenpferd, war es schon früher. Wir waren die ersten Heime, die überhaupt mit Computern gearbeitet haben. Er hat mir die Programme geschrieben. Wir waren sehr früh mit iPads unterwegs. Der ambulante Dienst ist total digitalisiert. Also die haben ihre Telefone und ihre iPads, wo sie die ganzen Leistungen abzeichnen. Jetzt in der Pandemie ist das natürlich alles nochmal mehr geworden. Wir hatten davor schon eine Tochter in Amerika und da gab es schon die Videocalls und wir haben uns das dann halt zu Nutze gemacht. Wir haben Medi Fox, da können sich die Kunden direkt bei uns drauf schalten und dann auch die Mitarbeiter fragen, wie es dem Angehörigen geht. Viele fangen jetzt erst an und bei uns ist das schon fast Normalität. Dadurch war die Pandemie auch etwas einfacher, weil wir Konferenzen online hatten. Aber meine Welt ist es nicht so, das muss ich jetzt definitiv sagen. Ich möchte die Menschen spüren, ich möchte sie sehen. Ich möchte es merken, wenn man in einem Raum reinkommt. Was geht, was geht nicht? Ich kriege das mit, wenn man in den Raum reinkommt und da ist schlechte Energie.

Johannes: Das ist mega schön, dass ihr es geschafft habt, den Angehörigen wie auch den Heimbewohnern die Verbindung zueinander wiederherzustellen. Ich kenne das jetzt von meiner Oma. Das war teilweise richtig schwierig, freizukommen und die zu sehen. Wir hatten dann ein Familienfest und haben von unten nach oben gewunken und ich meine, das war dann noch machbar. Wo wir gerade über Kommunikation sprechen: Was heißt für Dich richtig kommunizieren?

Rosemarie: Also das ist ein sehr, sehr großes Thema. Ich selber war auch auf vielen Seminaren und so weiter. Und im Führungskreis haben wir mal Stille Post gemacht und es ist immer spannend, was zum Schluss rauskommt. Im Prinzip selten das, was man am Anfang als den kompletten Satz gesagt hat. Für mich heißt Kommunizieren immer wieder nachzufragen. Was hast Du verstanden? Kannst Du mir das noch mal kurz erklären? Überhaupt bei unseren Mitarbeitern, die nicht aus Deutschland kommen. Da bekommt man überhaupt erst mit, dass was ganz anderes rauskommt. Und wenn die Mitarbeiter sagen: „Das habe ich doch jetzt so gesagt“, frage ich nach. Das ist immer lohnend. Das ist was, wo wir alle immer noch dran arbeiten. Was kann man besser machen oder anders machen? Weil wir jetzt eine bestimmte Größe haben, haben wir Neuigkeiten jetzt auf die Bildschirmschoner drauf gemacht. Also wenn jemand heiratet oder wenn wir einen neuen Preis bekommen haben, dass das einfach kommuniziert wird, dass auch, wenn ich jetzt in einem anderen Haus bin, das gleiche weiß wie die anderen, sonst ist echt schade, dass Sachen untergehen. Und ja, auch ich frage nach, wenn ich was nicht verstanden habe und solange bis ich es dann auch kapiere. Ich bin jetzt zwar ehrlich und sage ich habe es immer noch nicht verstanden.

Johannes: Gibt es etwas, was du schon immer tun wolltest, aber noch nicht gemacht hast?

Rosemarie: Ich muss sagen, es gibt ganz, ganz wenig, was im Moment bei mir noch auf der Liste zum Abhaken steht. Die Antarktis-Reise ist dreimal verschoben worden durch Corona. Mein Wunsch war auf einer Eisscholle zu übernachten, weil ich es irre finde. Wir sind schon relativ viel verreist, aber ich habe weder Eisberge noch Gletscher gesehen. Aber ja, die Zeit rennt und deswegen möchte ich das jetzt noch machen. Ich muss dazu sagen, das geht auch nicht immer, wurde mir erklärt, weil man nach dem Wetter gucken muss. Und die Lichter in Finnland, die Nordlichter, die fehlen mir auch noch. Also ich habe noch Ziele.

Johannes: Sehr schön, aber ich habe noch nie gehört, dass jemand auf einer Eisscholle übernachten möchte. Das ist ein sehr spezielles Ziel. Klingt nach einer gewissen Kühle, aber es ist sicherlich aufregend. Wofür in deinem Leben bist Du denn dankbar?

Rosemarie: Wie viel Zeit hast du denn?

Johannes: In einem Satz.

Rosemarie: In einem Satz? Also muss ich meine Familie nennen, meinen Ehemann und die Kinder, dann meine Eltern, meine Mitarbeiter. Ich bin einfach dankbar, auch für das tolle Leben. Das Schöne und was ich alles gestalten darf und was ich alles weitergeben kann an die Mitarbeiter, das erfüllt mich mit ganz viel Dankbarkeit.

Johannes: Hast du einen Mentor?

Rosemarie: Ja, wir arbeiten schon jahrelang mit Professor Dr. Knoblauch. Ich sage, dass ist der Papst des Personals. Wir sind viermal im Jahr dort mit Leuten, die mit der Pflege nix zu tun haben, mit Firmen zusammen gewesen, wo wir uns gegenseitig gecoacht haben. Wenn Probleme waren, haben andere Tipps gegeben und wir haben uns Firmen angeguckt und haben uns dann wieder rausgezogen, was wir für unsere Firma umsetzen wollten. Wir haben immer Aufgaben gehabt, Ziele. Dann haben wir seit vielen Jahren Dirk Kraus. Ich sage, das ist unser Schattenmann. Man ist ja nicht als Führungskraft geboren. Wenn jetzt jemand Pflegedienstleitung wird, ist er ja in der Schule, kriegt Handwerkszeug. Aber das heißt ja nun nicht, dass er jetzt ein Mitarbeitergespräch führen kann. Es heißt ja nicht einfach: Wir entwickeln unsere Mitarbeiter weiter, leben unsere Werte. Das muss man üben. Und ich sage Schattenmann, weil er die Person einen ganzen Tag begleitet und man kriegt immer den Spiegel vorgehalten. Dir wird gezeigt, du könntest da noch dran schrauben, oder wenn Du das so probiert hättest, hättest Du es einfacher gehabt. Die Wirkungen wären noch mal verstärkt. Oder stell dir vor Johannes, Du musst jemandem kündigen. Wie geht es Dir damit selber?

Johannes: Wie macht man das überhaupt?

Rosemarie: Was macht das? Man fühlt sich ja schlecht. Oder auch wenn Mitarbeiter Probleme haben, wie viel lasse ich zu? Dadurch, durch die ganz vielen Jahre, sind die Führungspersönlichkeiten geworden, die haben sich entwickelt, aus sich selber heraus und das ist das Tolle. Und ich finde es gerecht, dass da sehr viel Geld investiert wird. Weil ich das sehr wichtig finde. Und es machen viele Mitarbeiter, also Firmen auch nicht, dass die Mitarbeiter an sich selber arbeiten müssen, sondern die schieben das lieber weg, anstatt an sich selber zu arbeiten.

Johannes: Und man sich dann konfrontiert?

Rosemarie: Genau, wenn man einen blinden Fleck hat, das Wegschieben. Aber wenn man das gelernt hat, sich selbst zu lieben und sich so zu nehmen mit seinen Fehlern, die man selber hat, dann hat man es freilich geschafft.

Johannes: Ich finde es total spannend, weil Du ja wirklich als Einzelperson angefangen hast und mit den Aufgaben extrem gewachsen bist und es jetzt natürlich ganz andere Aufgaben sind, als Du noch 10 Meter von dem ersten Kunden oder WG gewohnt hast. Da hatte es wahrscheinlich viel mehr Aufgaben, die ganz woanders lagen als jetzt, wo Du 250 Mitarbeiter hast, wo Du mehrere Häuser hast und das alles. Aber, dass man sich dann Hilfe holt oder andere Expertise, ist das Wichtigste, was man machen kann. Aber man kann nicht alles wissen. Wenn es um 250 Mitarbeiter geht, das ist eine ganz andere Hausnummer.

Rosemarie: Ja, wenn man sich überlegt, ich habe die Hauptschule gemacht, habe dann die Mittlere Reife nachgemacht und bin Krankenschwester. Von Führung und so weiter habe ich keine Ahnung gehabt, habe aber immer mit Herzblut die Sachen gemacht, auch mit vielen Fort- und Weiterbildungen. Alles mitgenommen. Und ich sage: Man muss nicht studiert sein, um eine Firma zu haben, sondern man muss machen, man muss an das glauben, was man macht. Und dafür brennen und wenn man hinfällt, dann muss man aufstehen.

Johannes: Welche Eigenschaft an Deinem Mann schätzt du am meisten?

Rosemarie: Dass er mich so liebt, wie ich bin.

Johannes: Womit hast du dein erstes Geld verdient?

Rosemarie: Tatsächlich mit Kirchenblättchen austragen.

Johannes: Was bedeutet für dich Erfolg?

Rosemarie: Wenn ich Menschen glücklich machen kann, wenn ich sehe, dass das ankommt und die es selber weitertragen und dass das dann doppelt und dreifach zurückkommt.

Johannes: Was bedeutet für dich Risiko?

Rosemarie: Risiko? Tja, ich muss dazu sagen: Risiko ist da. Man sollte halt immer einen Plan B haben, dass wir das Risiko minimieren können.

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