Hidden Champions

Patrick Scafes

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Lesezeit ca. 14 Minuten

Ohne Visionen wirst Du Dein Unternehmen nicht entwickeln

Keine Angst vorm Scheitern

Wer mit Ende 20 schon Geschäftsführer eines mittelständischen Traditionsunternehmens ist, muss ein echter Hidden Champion sein, oder? Patrick Scafes sieht die Dinge etwas lockerer: „Es hat sich sehr vieles in meinem Leben sehr gut ergeben“, wie er selbst sagt. So kam eines zum anderen und heute ist der ehemalige Projektleiter, der nach dem Studium bei Peick Fördersysteme in Marbach am Neckar anfing, heute Geschäftsführer des Herstellers von Fördersystemen und Parktechnik. Seine wichtigste Erkenntnis, wenn er auf seinen bisherigen Weg zurückblickt: „Gerade junge Menschen blockieren sich oder stellen sich immer selbst eine mentale Grenze.“ Entsprechend simpel ist auch sein Rat für Jungunternehmer und in Bezug auf das Leben allgemein: „Wie groß würdest Du träumen, wenn Du wüsstest, dass Du nicht scheitern kannst?“

Patrick Scafes träumt immer groß. Schon im Studium hat er sich zum ersten Mal selbstständig gemacht. Dabei stand für ihn nicht die Frage im Raum, wie er am schnellsten Geld verdienen kann, sondern was fehlt, um die Welt besser zu machen. Heute arbeitet er bei Peick Fördersysteme an innovativen Transportlösungen für die Lager der Logistikbranche und neuen Parksystemen, mit denen der zur Verfügung stehende Platz bestmöglich genutzt werden kann. Dabei denkt er beileibe nicht nur an Autos, auch für Yachten bietet das Unternehmen ein platzsparendes Parkkonzept. Wie das funktioniert und ob es das bald auch für Flugplätze geben wird, hat er uns im Interview erzählt.

Interview mit Patrick Scafes

Johannes: Willkommen zurück zu einer neuen Folge von Hidden Champion. Heute ist Patrick Scafes, Geschäftsführer der Peick Fördersysteme bei mir. Patrick ist seit letztem Jahr Geschäftsführer eines mittelständischen Maschinenbauers, welcher im Bereich Fördertechnik seinen Schwerpunkt und in den vergangenen Jahren mit dem Unternehmen eine innovative Parkhaustechnik entwickelt hat. Wie diese funktioniert, was daran besonders ist und wie seine neue Rolle im Unternehmen läuft? Das hören wir jetzt. Hi, Patrick, schön, dass Du hier bist.

Patrick: Hi, Johannes. Schön, heute hier zu sein, im wundervollen Stuttgart.

Johannes: Ja, wir sind heute in einer ganz interessanten Location, und zwar in der von …

Patrick: … Cloud Number Seven.

Johannes: Was habt Ihr denn hier gemacht?

Patrick: Das ist eines unserer Projekte im Bereich Parksysteme.

Johannes: Das haben wir heute auch schon ausgiebig gefilmt. Da gehen wir aber gleich noch mal technisch drauf ein. Aber als Erstes: Schön, dass wir uns hier zusammentreffen, mit kleinem Blick über Stuttgart. Aber zunächst: Was war Dein größter Fehler?

Patrick: Mein größter Fehler? Ich denke mal, mit meinen jungen Jahren ist es immer schwierig, das zu titulieren. Ich denke mal, manchmal vielleicht doch noch mal den Risikoschritt zu gehen und noch mal ein Quäntchen mehr zu wagen.

Johannes: Wie alt bist Du denn?

Patrick: Ich bin 29 Jahre jung.

Johannes: 29 und schon Geschäftsführer?

Patrick: Ja, es hat sich sehr vieles in meinem Leben sehr gut ergeben. Ich denke mal, auch die Schritte, die man da gegangen ist, mit den jungen Jahren, mit der Verantwortung und dann kommt das eine eben zum anderen, sodass man dann auch relativ zügig gewisse Positionen erreicht.

Johannes: Und Du hast auch Bock zu rocken?

Patrick: Ich habe auch Bock zu rocken.

Johannes: Dein Pensum ist nicht ohne, so wie ich es mitbekommen habe.

Patrick: Ab und an gehörte es dann auch mal mit dazu. Das bringt die Position sozusagen mit sich.

Johannes: Was war der beste Rat, den Du bisher bekommen hast?

Patrick: Da habe ich einmal einen sehr, sehr interessanten Spruch gehört: Wie groß würdest Du träumen, wenn Du wüsstest, dass Du nicht scheitern kannst? Ich finde, das spiegelt eigentlich schon gewisse Ansätze wider. Gerade junge Menschen blockieren sich oder stellen sich immer selbst eine mentale Grenze. Da ist man oftmals selbst der Gegenspieler, der Kontrahent. Wenn man das mal ausblendet und mal wirklich nur die positiven Dinge fokussiert und dann wirklich auch mal zwei, drei Schritte größer denkt, dann hat man es eventuell auch leichter mit gewissen Herausforderungen und mit gewissen Träumen.

Johannes: Was für eine Position hattest Du eingenommen, weil Du sagtest, man muss die Ziele etwas höherstecken?

Patrick: Ich habe im Unternehmen eigentlich immer einen Lieblingsspruch oder ein Lieblingswort und das ist Skalierung. Das verfolgen wir sehr stark. In gewissen Situationen natürlich, wenn es sinnvoll ist und deswegen immer versuchen, gewisse Schritte größer, besser zu machen. Das heißt dann aber auch – wir sind ja trotzdem noch ein familiengeführtes Unternehmen –, dass wir Schritte natürlich auch planen und langfristig denken und nicht einfach nur Raketenstarts, sondern eines nach dem anderen hinziehen.

Johannes: Man muss wissen, wo man hinwill und was für Herausforderungen auch damit zusammenhängen.

Patrick: Visionen sind sehr, sehr wichtig. Strategien auch. Jetzt natürlich mit der aktuellen Situation. Oftmals auch schwieriger, gewisse Sachen zu planen, aber zumindest gemeinsame Ziele abgesteckt zu haben, damit auch wirklich jeder im Team weiß, wo denn die gemeinsame Reise hingehen sollte.

Johannes: Was war Deine wichtigste Entscheidung?

Patrick: Ich denke mal, die wichtigste Entscheidung überhaupt war, Teil des Familienunternehmens zu werden und dann natürlich auch Teil der Geschäftsführung. Wir sind ja zu dritt, wir sind im Dreiergespann. Sandra und Frank Peicks haben die Firma seit 25 Jahren aufgezogen, gemeinsam zu diesem Punkt gebracht. Das war einer der entscheidendsten und auch bewegendsten Momente überhaupt für mich. Einfach auch dieses Verantwortungsbewusstsein aufzunehmen, anzunehmen und gemeinsam dann in diesem Dreiergespann das Familienunternehmen für die nächsten Jahre aufzubauen. Das war für mich ein sehr ergreifender Moment, aber auch natürlich mit einer gewissen Herausforderung und mit einem Respekt, denn das hat natürlich auch Aspekte, die die Aufgaben mit sich bringen, die man nicht leichtfertig annehmen sollte, aber natürlich auch wohlüberlegt, genau richtig.

Johannes: War das eine schnelle Anfrage, die Geschäftsführung zu übernehmen? Also wurdest Du in ein kaltes Wasser geworfen oder wurdest Du schon längerfristig darauf vorbereitet?

Patrick: Ich bin ja nach meinem Studium direkt ins Unternehmen eingestiegen als Junior-Projektleiter, dann als Referent der Geschäftsleitung, sprich dieser Schritt hat schon einige Thematiken mit sich gebracht, mit gewissen Verantwortungen und dann hat sich sehr vieles gut ergeben. Ich meine, es erfüllt mich persönlich auch mit Stolz, wenn die Eigentümer des Unternehmens das, was sie in 25 Jahren auf die Beine gestellt haben und dann gemeinsam mit mir eben als jungem Partner dann das Unternehmen weiterführen möchten. Sehr viele Karten haben sich sehr gut gemeinsam gefügt und da sind wir wirklich sehr, sehr stolz drüber. Ich denke mal, wir sind auch in dieser Hinsicht auch ein Paradebeispiel, wie junge Leute in ein bestehendes Familienunternehmen eingeführt werden können und die eine Generation dann die nächste Generation vorbereitet das Unternehmen weiterzuführen.

Johannes: Und Du fühlst Dich auch als Teil der Familie, denn Du sagst, das ist ein Familienunternehmen, in das Du eingestiegen bist?

Patrick: Ja, also ganz klar, wir sind kein Konzern. Es gibt natürlich auch mal private Probleme. Es gibt nicht nur unternehmerische Thematiken, die man von morgens bis abends bespricht, Strategien ausarbeitet, sondern im Gegenteil. Natürlich gibt es auch mal private Situationen, die man berät, bespricht, miterlebt. Da ist dann eben dieses Zusammenspiel sehr, sehr wichtig miteinander. Man vertraut sich nicht nur geschäftlich, man muss sich in gewissen Bereichen auch privat vertrauen. Manche Entscheidungen trifft man nicht nur fürs Unternehmen, sondern dann eben auch für das Übergeordnete, für die Familie sozusagen. Deswegen ist man ganz klar ein Teil des Ganzen, jeder Einzelne mit sich und wir sagen es immer so schön, das ist wie so ein Schweizer Uhrwerk. Jedes Rädchen muss ineinander funktionieren. Da bemühen wir uns auch wirklich, jede einzelne Partei mitzunehmen und mitzuführen. Jeder hat immer seinen Part, in dem er sich gerne mit einbringen darf.

Johannes: Und was ist Deine direkte Rolle, Dein Zahnrädchen, das Du drehst?

Patrick: Ich bin grundsätzlich fürs Business Development verantwortlich. Also wir haben uns aufgeteilt in der Hinsicht. Frau Sandra Peick macht das Kaufmännische, Herr Peick ist, sagen wir mal, das Hirn, das Genie hinter der technischen Lösung und ich bin sozusagen dieses Zwischenelement, das Kaufmännische, aber auch das Technische und betreibe somit das Business Development für neue Geschäftszweige, für neue Vertriebskooperationen, für neue Absatzmärkte, für gewisse Vergrößerungen etc. Da kommen dann immer meine stärkeren Impulse mit, aber letztendlich entscheiden wir trotzdem immer zu dritt.

Johannes: Okay, da sind wir schon beim Thema Business Development. Sag noch mal ganz kurz. Was macht ihr eigentlich?

Patrick: Was wir machen? Also wir sind seit 25 Jahren der Spezialist für die komplette Lagertechnik, Fördertechnik, alles was sich in der Logistik automatisch bewegt, im eCommerce, aber natürlich auch in der Medizintechnik. Wir produzieren diese Systeme und seit drei Jahren haben wir auch gewisse Bereiche weiterentwickelt oder Business Cases anders angenommen. Das sind dann eben unsere Parksysteme. Wo wir auf Basis von unserem Know-how von 25 Jahren nur den Anwenderfall geändert haben. Sprich, wir sagen es immer so schön, ob wir jetzt eine Palette oder einen Behälter einlagern oder ein Auto wie hier im Cloud Seven oder eine Yacht, für uns ist es nur eine Frage der Dimensionierung. Das grundsätzliche Know-how dahinter ist immer dasselbe. Diese Systeme vertreiben wir komplett. Kleines Familienunternehmen, aber alles aus einer Hand, was zur heutigen Zeit extrem wichtig ist. Der Kunde verlangt es auch, der Markt verlangt es auch. Wir als Unternehmen, muss ich sagen, sind da sehr, sehr flexibel, weil wir immer den Kunden in Mittelpunkt stellen und dann unsere Dienstleistungen, unsere Geschäfte auch drumherum kreieren.

Johannes: Deswegen entwickelt ihr euch auch ständig weiter. Weil das Thema „Yacht parken“ ist ja auch relativ neu. Da seid ihr auch aktuell schon an einem Projekt dran. Was ist der Unterschied zu einem Auto? Ich meine, ich habe das heute ja hier live gesehen, wie ein Auto automatisch eingeparkt wird. Was macht Ihr da anders beim Thema Yacht? Yachten sind ja gleich um eine Dimension drüber, was Gewicht und was Größe angeht. Was macht Ihr da anders?

Patrick: Also grundsätzlich kann man eins sagen: Wir müssen sehr viel sehr hohe Lagerdichte auf einen sehr komprimierten Bereich oder Raum kreieren. Wie gesagt, ob es eine Palette ist oder ein Auto oder eine Yacht, der Grundgedanke ist immer identisch. Wir haben eben unsere Technik genommen und dann nur einen Case daraus kreiert. Für unsere Yacht-Parksysteme, wo der Kunde in einen Yacht-Korb fährt, heiß das, er bekommt dann Zugang aufs Boot über eine automatische Gangway. Wir transportieren dort keine Person. Sobald der Kunde seine Yacht verlassen hat, überprüft unsere Systematik, unser Maglift, ob die Yacht verlassen ist, und dann lagern wir diese vollautomatisch in ein Hochregal ein. Das ist natürlich der ganz klare, signifikante Vorteil für die Marinas oder allgemein für Hafenbetreiber, dass wir auf einem kleinen Platz extrem viel Stellplätze generieren können. Das ist eine smarte Lösung. Ich meine, in Immobilienprojekten haben wir immer dieselbe Situation. Baufläche ist nicht vorhanden oder sehr, sehr gering und dann muss man natürlich smarte Lösungen bieten.

Johannes: Sehr, sehr spannend. Ich habe das ja heute live gesehen und muss sagen, es ist schon beeindruckend, wie komprimiert das alles vonstattengeht und wie eng auch die ganzen Fahrzeuge stehen. Aber es funktioniert einwandfrei, so wie ich es heute gesehen habe. Hattest Du Angst gehabt, vor dem Schritt in die Geschäftsführung zu gehen oder Respekt davor?

Patrick: Ja, der Wortlaut Respekt ist, ich glaube der in diesem Fall bessere. Ganz klar, es ist eine neue Herausforderung für einen persönlich. Das heißt auch, bewusst die Verantwortung zu tragen für unsere Mitarbeiter. Und natürlich auch dann mit Stolz und mit der Vision, noch mal nächste Schritte, nächste Etappen zu erreichen. Ich denke mal, das war dann auch die richtige Mischung. Es waren sehr viele Faktoren, die da mitgewirkt haben und das war dann auch für mich persönlich der Anreiz, eben dann sehr, sehr gerne auch den Impuls mitzugeben.

Johannes: Wie führst Du das Unternehmen oder wie führt Ihr das Unternehmen? Und dann abgeleitet davon: Wie führst Du es persönlich?

Patrick: Also, wie wir das Unternehmen führen, ist ganz klar zunächst einmal als familiengeführtes Unternehmen und mit einer Vision, mit einer Strategie für die nächsten Etappen. Grundsätzlich mit unserem Slogan ist, dass bei uns keine Grenzen gesetzt sind. Wir sind ein überschaubares Team in der Hinsicht. Klar, wir haben jetzt auch an die 60 Mitarbeiter, aber es gibt keine abgesteckten Grenzen. Das bedeutet, jeder Mitarbeiter hat sein Potenzial, auch in verschiedenen Fachbereichen mitwirken zu dürfen. Es sind nicht nur abgesteckte Konzernvorgaben, sondern wirklich, mit der Vorgabe aus dem Management, die Möglichkeit dann auch noch sein eigenes Entwicklungspotenzial mit einzubringen. Und das leben wir tagtäglich, egal in welchem Bereich das eigentlich ist. Also wir konsultieren uns immer gemeinsam über gewisse Situationen, über gewisse strategische Schritte, die vielleicht auch mal tiefgreifende Auswirkungen haben und dann stehen wir auch zu dritt dann dahinter.

Johannes: Das heißt, ihr habt auch ganz flache Hierarchien.

Patrick: Ich denke mal, das bringt auch ein Familienunternehmen an sich immer sehr, sehr gerne mit. Flache Hierarchien machen es auch in gewissen Situationen einfacher, Entscheidungen zu treffen. Aber auch Mitarbeiter können Entscheidungen leichter treffen, ohne gewisse Instanzen konsultieren zu müssen. Das ist ganz klar auch ein Credo von uns, gibt den Mitarbeitern auch eine gewisse Macht oder ein gewisses Verantwortungsbewusstsein, Entscheidungen auch fürs Unternehmen selbst treffen zu dürfen. Und ich denke mal, das ist auch einer der Schlüsselfaktoren für familiengeführte oder für kleine Unternehmen an sich, dass man eben diesen Punkt so mitkriegt.

Johannes: Also Fehler machen, daraus lernen und diese selben Fehler nicht noch mal machen. Sehr gut. Gefällt mir. Man darf ja Fehler machen.

Patrick: Gehören ja dazu.

Johannes: Wenn man den gleichen Fehler noch einmal macht. Das ist blöd.

Patrick: Ja, sollte nicht. Aber beim dritten Mal sollte man sich das dann zumindest überlegen. Aber Fehler? Fehlerkultur gehört ganz klar mit dazu. Mit zum Wachstum, mit zum Unternehmertum. Überhaupt ohne Fehler kann man nicht draus lernen.

Johannes: Bist Du mutig?

Patrick: Definitiv ja. Ich denke mal, für Veränderungen im Unternehmen, für Veränderungen in Geschäftsbereichen oder in Geschäftsmodellen an sich gehört ein gewisser Grad an Mut dazu, auch in Situationen zu gehen, die man eventuell noch nicht kennt. Aus der Vergangenheit heraus ist es oftmals einfacher Schritte zu planen, weil man ja Erfahrungswerte hat. Aber wenn man jetzt vielleicht auf neue Geschäftsmodelle geht, dann hat man eben keinen Erfahrungsschatz, auf den man eventuell zurückgreifen könnte – oder Basisdaten. Da gehört dann auch ein gewisser Grad an Mut dazu, um diese Schritte zu gehen und dann kristallisiert sich ja heraus, wie dieser Schritt war.

Johannes: Wofür in Deinem Leben bist Du am dankbarsten?

Patrick: Für die Zeit mit der Familie. Ich denke mal, oftmals ist es wichtig, gerade jetzt, mit einem gewissen Arbeitspensum, sich dann auch mal die Zeit zu nehmen zu reflektieren, zu sagen: Hey, da sind alle noch drumherum, die einen lieben, man kann die Zeit noch gemeinsam genießen. Wir hatten das auch jetzt erst vor kurzem über die Osterzeit und deswegen hängt mir das auch noch so stark in den Gedanken. Wir hatten einen sehr, sehr schönen Moment, wo wir gemeinsam mit verschiedenen Generationen den Urlaub verbracht haben, und das war einfach ein prägender Moment, der uns geschenkt wurde, und der hoffentlich sehr lange in den Gedanken bleibt.

Johannes: Und noch viele dazukommen …

Patrick: … und noch viele dazu. Hoffentlich genau.

Johannes: Was schätzt Du an Freundschaften und Beziehungen am meisten?

Patrick: Die Offenheit zueinander. Ich denke mal, das ist die Quintessenz überhaupt. Das Offene, die offene Kommunikation. Man darf es jetzt nicht als Affront aufnehmen, wenn man mal sagt: „Hey, Deine Krawatte passt mir heute nicht so ganz, oder?“ Ich denke mal, das ist oftmals das Gleiche, ob es geschäftlich oder privat ist, die Offenheit auch sagen zu können: „Hey, die Situation sehe ich anders, schätze ich anders ein oder es passt mir nicht so ganz. Dein Verhalten.“ Und das, denke ich mal, ist extrem wichtig bei Freundschaften, auch mal was Schlechtes sagen zu dürfen, ohne dass der andere sich dann auf den Schlips getreten fühlt.

Patrick: Ja, genau richtig.

Johannes: Du hast studiert und hast ja auch irgendwann den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Sind viele Deiner damaligen Freunde auch in die Selbstständigkeit gegangen oder sind sie im Angestelltenverhältnis?

Patrick: Der größte Teil ist wirklich im Angestelltenverhältnis. Also ich denke mal nur ein sehr, sehr kleiner prozentualer Anteil überlegt sich schon während des Studiums: Wie kann man die Welt verändern? Das ist ja oftmals dann der erste Gedanke. Das gefällt mir nicht so ganz, wie es aktuell läuft. Was kann man besser tun? Und wie gesagt, meine erste Selbstständigkeit war während des Studiums mit zwei weiteren Kollegen und das hat dann eben auch dazu geführt, dass man oftmals auch gewisse Sachen anders bedenkt und dann vielleicht woanders durchführt, aber es ist nicht der typische Fall, dass auch jeder nach dem Studium dann in die Selbstständigkeit geht …

Johannes: … und dann später in die Geschäftsführung. Das ist auch nochmal was anderes, Selbstständigkeit oder Geschäftsführer zu sein, denn als Selbstständiger macht man alles, zumindest bis zu einem gewissen Grad und in der Geschäftsführung eines mittelständischen Unternehmens hat man ja gewisse Parts, die man übernimmt und auch mehr den Blick von außen aufs Unternehmen. Um es auch entwickeln zu können. Das ist ja nochmal was anderes. Wie ist das? Bekommst Du auch von Deinen Freunden, egal ob sie jetzt selbstständig sind, auch Input dazu und tauscht Du Dich auch mit denen darüber aus? Wie finden die das?

Patrick: Grundsätzlich immer. Ich glaube mal, es kommt automatisch oftmals auch das Gesprächsthema auf gewisse Situationen im Geschäft. Es muss ja nicht immer nur mein Geschäft sein, sondern es kann auch aus den anderen Bereichen sein und man tauscht sich sehr gerne aus. Einfach: Wie sieht es hinter anderen Wänden aus? Ist die Wiese auf der anderen Seite wirklich grüner als man denkt? Das sind ja oftmals die Situationen und da tausche ich mich auch sehr gerne dann auch mit den Freunden im Umkreis aus.

Johannes: Womit hast Du Dein erstes Geld verdient?

Patrick: Ich glaube, das war mit Rasenmähen für die Nachbarn.

Johannes: Oh, das ist gut. Du warst noch sehr jung, wahrscheinlich.

Patrick: Da war ich sehr, sehr jung. Ja, da waren wir im Urlaub, sogar mit meinen Eltern und ein Freund von mir war auch mit dabei und irgendwann mal dachten wir uns, okay, wir können uns ein bisschen Kleingeld dazuverdienen und …

Johannes: … dann fragst Du die Alten.

Patrick: Genau. Und das Schöne ist ja immer, wenn man noch sehr jung ist, dann hat man auch noch den Charme, dass das ältere Klientel nicht unbedingt nein sagt. Und dann hat man auch den Vorteil ausgenutzt. Ich denke mal, das war so das erste Kleingeld als kleiner Bub.

Johannes: Hattest Du schon immer das Gefühl gehabt, dass Du in eine leitende Position oder in die Selbstständigkeit gehen wirst?

Patrick: Ich denke mal, das ist eine Phase, die sich einfach entwickelt. Klar merkt man, dass man vielleicht eine gewisse Risikofreudigkeit anders hat als andere oder den gewissen Mut, wie wir es davor hatten und dann haben sich die Faktoren auch so ergeben.

Johannes: Wann war das also, wann wusstest Du: Ich werde schon tendenziell in die Richtung gehen, dass ich auch mal ein Unternehmen leiten werde?

Patrick: Ich kann jetzt nicht mehr das Jahr sagen, aber ich kann noch das Ereignis sagen. Das war wahrscheinlich so kurz vor meinem Ende des Studiums, das war an Silvester. Und dann um 12:00 habe ich dann meiner jetzigen Verlobten und Zukünftigen erzählt, dass ich in die Selbstständigkeit gehe oder zumindest in die Geschäftsführungsthematik unbedingt rein möchte und das einfach mein zukünftiger Weg ist. Dass sich der Weg natürlich dann auch so schnell ergeben hat, hatte ich in dem Moment noch nicht auf dem Schirm, im Fokus.

Johannes: Du hast die Entscheidung getroffen?

Patrick: Die innere Entscheidung für mich persönlich war dann an diesem Tag getroffen.

Johannes: Ja, manchmal braucht man ja auch die Aussage oder auch das klare Bild. Das ist jetzt mein Ziel und das verfolge ich und dann entwickelt es sich ja meistens auch genau in die Richtung. Ja, sehr viel mit Mindset und wenn man eh Bock zu rocken hat und dann geht man ja vom Gefühl her schon in die richtige Richtung. Was war denn dann die richtige Richtung?

Patrick: Das war ja dann gerade dieser Schritt im Unternehmen. Dann eben Projektleiterinstanz und dann die Referenten-Instanz und dann zum Schluss jetzt die GF-Instanz.

Johannes: Was bedeutet für Dich Erfolg?

Patrick: Eigentlich die Gemeinschaft, die schönen Momente gemeinschaftlich zu erleben. Also wir haben auch immer ein Ritual im Unternehmen. Wenn gewisse Etappen erreicht werden, dann klopfen wir uns nicht nur gegenseitig mal auf die Schulter, sondern teilen diesen Moment dann auch im Team und das finde ich, macht für mich immer so einen erfolgreichen Moment aus.

Johannes: Das heißt, ihr sagt: „Jetzt lasst uns mal alle kurz zusammenkommen, wir müssen euch was mitteilen. Woran haben wir denn eigentlich die ganze Zeit geschuftet?“

Patrick: Genau das ist wichtig. Das ist unter anderem eben das Thema Vision und Führung. Jeder Mitarbeiter muss wissen, sollte wissen, mit was sich das Unternehmen befasst und auch selbst mit dem Unternehmen identifizieren, weil sich dann auch natürlich schwierige Situationen eventuell auch leichter abbilden lassen. Und dann natürlich die Etappen, die schönen Momente, auch gemeinschaftlich erleben, um eben auf denen aufzubauen für den nächsten Moment. Je kürzer man natürlich diese Zeitspanne immer hält, desto öfter hat man auch die schönen Momente und die teilt man dann natürlich immer sehr, sehr gerne.

Johannes: Wie sieht denn für Dich ein perfekt funktionierendes Unternehmen aus?

Patrick: Ein perfekt funktionierendes Unternehmen ist eines, in dem man Fehler machen darf.

Johannes: Wie geht das Unternehmen dann mit eigenen Fehlern um?

Patrick: Ich glaube, sehr selbstkritisch. Die verpassen mir dann schon ab und an mal kurze Nächte. Dann hilft morgens der dritte oder vierte Espresso. Aber ja, das gehört definitiv dazu.

Johannes: Was kannst Du anderen Jungunternehmern denn mit auf den Weg geben, die vielleicht noch vor der Entscheidung stehen, selbstständig zu werden, vielleicht aber auch in die Führung zu gehen?

Patrick: Ich denke mal, das ist eigentlich genau der Spruch, den ich schon einleitend gesagt hatte, mit der Vision, mit dem großen Träumen, keine Angst vor dem Scheitern zu haben. Ich denke mal, das ist das Wichtigste, wenn man keine Angst davor hat, vor dem Irrtum, vor dem Scheitern, wer kann mir sonst die Grenzen stecken? Es ist nur einer selbst, wenn man das auch noch ausblendet, dann hat man eigentlich nur eine Richtung. Gerade in jungen Jahren ist es extrem wichtig. Was mir auch extrem geholfen hat, war einfach auch der Austausch mit erfahreneren Mentoren. Da, finde ich, ist es auch ein richtiger Ansatz, mit Personen zu kommunizieren oder sich solche Personen zu suchen, die eben schon gewisse Schritte früher erreicht haben oder aktuell vielleicht schon dort sind. An dieser Etappe, bei der man selbst noch hinmöchte, um dort den Austausch zu suchen, zu hinterfragen, wieso, weshalb, warum. Dann hat man eine gute Grundbasis und dann muss man natürlich selbst die Zügel in die Hand nehmen.

Johannes: Was hast Du für ein Ziel bis Du 40 wirst?

Patrick: Privat oder geschäftlich?

Johannes: Ja, gut, privat ist immer ein 911er und was weiß ich. Ich meine jetzt so: Was willst Du? Ich meine, das ist ja bei dir zu 80 % geschäftlich.

Patrick: Ich meine, das Geschäft prägt natürlich auch das private Drumherum und deswegen kann man gar nicht so eine richtige Schnittmenge ziehen, das ist ganz klar. Ich meine, Sandra und Frank haben vor 25 Jahren das Unternehmen auf ein Fundament gebaut und ganz klar ist es unser Ziel, das Unternehmen jetzt auch für die nächsten 100 Jahre zu führen. So wie Sandra und Frank jetzt das Unternehmen geleitet haben und es sukzessive in meine Hände geben, möchte ich natürlich auch mit dem gleichen Gedanken das vorantragen und auch der nächsten Generation, die dann dahintersteht, das genauso weiterführen. Wir haben noch sehr, sehr viel gemeinschaftlich vor. Also wir haben Schritte, Etappen, strategische Ziele, die wir einfach noch, gemeinsam erreichen möchten.

Johannes: Parkhäuser für Flughäfen?

Patrick: Parkhäuser für Flughäfen stehen noch nicht auf der Agenda. Aber klar, die verschiedenen Geschäftsbereiche weiter ausbauen, wie ich schon erwähnt hatte. Der Kunde definiert meistens auch immer unsere innovativen Technologien, aber auch unsere Dienstleistungen. Da gibt es noch so viele Dienstleistungsbereiche, die wir zukünftig natürlich auch noch anbieten möchten und dann natürlich auch noch wachsen und deswegen sind auch der unternehmerischen Visionen da keine Grenzen gesetzt. Im Gegenteil: Ich denke mal, wir stehen da gemeinschaftlich noch an einem sehr schönen Startpunkt und können diesen noch sukzessive weiter ausbauen.

Johannes: Na, da bin ich mal gespannt, was da von euch noch zu hören sein wird. Patrick das war sehr spannend.

Patrick: Hat mich gefreut. Vielen Dank für die gemeinsame Zeit.

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