Hidden Champions

Moritz Hofmann

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Lesezeit ca. 21 Minuten

Wert steigern, nicht Profite

Moritz Hofmann: „Es ist nicht der maximale Profit, der uns bewegt“

Kann man mit einem Gebäude reden? Unser Hidden Champion sagt: Ja. Moritz Hofmann digitalisiert mit seinem Unternehmen ModularOne Gebäude, um ganzheitliche Optimierungspotenziale entlang des gesamten Lebenszyklus aufzuzeigen. Dabei geht es nicht nur um die Umnutzung oder energetische Optimierung des Gebäudes, sondern auch um Umweltrisiken, wie Überschwemmungen oder Erdbeben. Das kann zu einer Wertsteigerung der Immobile führen, doch darum geht es Moritz nicht ausschließlich. Denn es ist nicht der Profit, der ihn hauptsächlich bewegt. Seit er vor einigen Jahren auf einer Messe dem „Klimapapst“ Professor Schellnhuber begegnet ist, weiß Moritz, dass seine Branche der Elefant im Raum des Klimawandels ist. Die Frage, wie die Baubranche zur globalen Erwärmung beiträgt und wie sich dieses Problem reduzieren lässt, beschäftigt ihn seitdem. Dabei geht es ihm nicht darum, Menschen mit Belehrungen und Verboten einzuschränken, sondern lebenswerte Städte für die Zukunft zu gestalten.

Man merkt Moritz die Leidenschaft für seinen Beruf an. Eine Leidenschaft, die ihm nicht in die Wiege gelegt wurde. Bis zum Ende des Studiums wusste er nicht, was er als Bauingenieur eigentlich machen wollte. Erst im letzten Semester kamen er und seine Kollegen mit dem Building Information Modeling (BIM) in Kontakt, einem Bereich, den seine Kommilitonen so langweilig fanden, dass sie Moritz bei der Gruppenarbeit sitzen ließen. Aber unser Champion hatte Feuer gefangen und die Gruppenarbeit alleine fertiggestellt – sogar gegen den Rat seiner Professoren. Aber das ist eben Moritz: Wenn er etwas hat, mit dem er sich wohlfühlt, dann beißt er sich fest. Dabei geht es ihm nicht nur um den großen Erfolg, sondern um viele kleine Schritte. Wie er seinen Vater dazu bewegen konnte, auch etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, und was genau er tut, erfährst Du im Interview.

Interview mit Moritz Hofmann

Johannes Wosilat: Willkommen zurück bei The Hidden Champion. Mein Name ist Johannes Wosilat. Ich interviewe Unternehmer. Mein heutiger Gast ist Moritz Hofmann. Er hat nicht nur eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, sondern auch den Drang, die Bau- und Immobilienbranche digital zu transformieren. Dabei digitalisieren er und sein Team physische Gebäude, um ganzheitliche Optimierungspotenziale entlang des gesamten Lebenszyklus zu ermöglichen. Diese können beispielsweise Kostenreduktion, Wertsteigerung des Bauwerks oder die bestmögliche Nutzung erneuerbarer Energie sein. All das und noch viel mehr steckt hinter dem Namen ModularOne. Was das mit der BIM-Methodik zu tun hat und was Moritz mit seinen Weggefährten so macht, das hören wir jetzt von ihm selbst.
Wenn Ihr außerdem erfahren wollt, wer unser nächster Hidden Champion ist, oder Ihr gerne Teil des nächsten Podcasts und Videos sein wollt, vielleicht Fragen an unseren nächsten Hidden Champion habt, dann folgt unserem Instagram-Account Hidden Champions, denn da posten wir alle News rund um unseren Podcast und Ihr habt die Chance, dass Eure Fragen Teil unserer Show werden. Jetzt fangen wir an: Was machst Du eigentlich und welche Rolle hast Du in speziell im Unternehmen?

Moritz Hofmann
Wir digitalisieren physische Gebäude in Datenstrukturen. Auf dieser Basis bringen wir all die Potenziale, die wir jetzt im weiteren Gespräch noch kennenlernen, den Menschen näher und schaffen so neue Lösungsmöglichkeiten. Kosten und CO2-Belastung über den gesamten Lebenszyklus zu reduzieren und Menschen einfach Wissen über Gebäude näher zu bringen, das heutzutage meist nicht mehr vorhanden ist.

Johannes Wosilat
Bevor wir ans Eingemachte gehen, habe ich vier Fragen mitgebracht, die aus unserer Community stammen. Einmal von der Karolin: Was glaubst Du, wie wird sich die Bau- und Immobilienbranche in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Moritz Hofmann
Es wird große Veränderungen geben. Wir haben durch die Ukrainekrise und die Pandemie eigentlich zwei große Schicksalsschläge für die Gesellschaft bekommen, die die Bau- und Immobilienbranche vor neue Herausforderungen stellen. Wenn wir an die Pandemie denken, arbeiten auf einmal sehr viele Menschen im Homeoffice, das heißt Arbeitsflächen innerhalb des Wohnraums oder vielleicht auch ganz neue Strukturen, wo wirklich Arbeiten und Leben in einer engen Region zusammen organisiert werden können, werden nötig. In Sachen wie Coworking Spaces merken wir schon die Umnutzung von Gebäuden, das, was früher ein Büro war, muss zukünftig nicht immer noch ein Büro sein. Das, was früher eine Fabrik war und vielleicht jetzt leer steht, muss keine leerstehende Fabrik bleiben, sondern kann in neue Strukturen umgenutzt werden. Das beschreibt glaube ich auch die Herausforderung.
Wo sich die Bau- und Immobilienbranche hin entwickeln wird, ist die Sanierung. Wir werden nicht mehr so den Fokus auf den Neubau haben wie bisher, sondern wir werden im Wohnbereich stark in die Sanierung und die Umnutzung gehen. Warum ist die Sanierung im Wohnbau so wichtig? Das zeigt leider die Ukrainekrise. Die Energiepreise steigen enorm an und wir haben eben die Herausforderung, dass sehr viele Gebäude, die heute bereits stehen, auch 2045, wo wir klimaneutral sein wollen, noch stehen werden. Man geht so von circa 75 % aus, wie die Studien sagen. Das heißt, diese Gebäude müssen ganz, ganz dringend saniert werden, was Themen wie Dämmung, Fenster, Türen oder die Heiztechnologie angeht. Wir wollen jetzt weg von der Öl- und Gasheizung, hin zu meiner Meinung nach super coolen Wärmepumpen. Die Nutzung erneuerbarer Energien, Photovoltaik, Geothermie, Fernwärme. All das sind Bereiche, wo wir stärker reingehen werden und wo wir in der Strukturierung, glaube ich, eine starke Umwälzung in der Bau- und Immobilienbranche sehen werden.

Johannes Wosilat
Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Wolfgang fragt: Kann ich auch als Privatkunde zu Dir kommen oder betreust Du nur Unternehmen?

Moritz Hofmann
Ja, also wir haben auf Privatkunden und speziell dafür ein, sagen wir mal, „abgespecktes“ Leistungsportfolio, wo es jetzt nicht drum geht, in 35 Jahren noch zu wissen, wie die Seriennummer des damals bestellten Wasserhahns gelautet hat. Das ist eher in der Industrie gefragt, messtechnisch überhaupt kein Problem, aber erfordert eben einen gewissen Arbeitsaufwand, gewisse Kosten, die vielleicht nicht jede Privatperson übernehmen will. Aber eine Simulation können wir zum Beispiel sehr kostengünstig anbieten. Für eine Potenzialanalyse von Photovoltaik-Systemen simulieren wir 20.000 verschiedene Möglichkeiten. Auf diesen Anwendungsfall bezogen: Ein Wohngebäude ist einfach was ganz anderes als ein Bürogebäude, schon allein wegen der Arbeits- oder Lebenszeit, die wir in diesem Gebäude verbringen. Da sind wir sehr kostengünstig unterwegs und bieten es auch im Privatbereich an und zusätzlich, wenn man jetzt beim Neubau ist, oder eine Sanierungsmaßnahme plant, wo vielleicht auch mal Wände ausgetauscht oder abgerissen werden sollen, weil ich den Raum vergrößern will, dann haben wir ein kostengünstiges Angebot für Virtual Reality, wo man mal vorbeikommen kann. Man setzt sich die Brille auf und guckt sich dann an, wie das Gebäude wirkt. Das ist sonst, nach meiner Erfahrung, ganz schwer. Ich habe selbst studiert und ich habe sogar Probleme, mir auf Basis von 2D-Plänen vorzustellen, wie groß dann der Raum wirken wird, wenn ich in diesem Raum stehe und da auf einmal drei Fenster sind, wo bisher alles zu war. Da bekomme ich ein ganz anderes Licht in den Raum. Ich bekomme ein ganz anderes Gefühl in dem Raum und das kann ich mir nicht auf Basis von 2D-Plänen anschauen. Deswegen bieten wir das auch zu einem guten Preis für Privatpersonen an, wo man aber natürlich danach noch eine Planung vom Architekten aufsetzen muss, weil es sonst wieder zu kostenintensiv wird.

Johannes Wosilat
Also Ihr seid quasi auch Energieberater?

Moritz Hofmann
Ja, es ist ein vorgelagerter Energieberater, würde ich sagen, der so eine Potenzialanalyse macht. Was ist wie möglich und was ist die bestmögliche Ausrichtung? Rein technisch gesehen von den Grundlagen, was Standort, Dach, Neigung und Sonnenstunden am jeweiligen Standort angeht. Aber wir empfehlen trotzdem noch mal mit einem Energieberater vor Ort zu sprechen, denn wenn wir jetzt einen Kunden aus München haben, können wir nicht rausfahren, um die Wandstärke direkt abzunehmen, weil das meist im Privatkunden-Bereich ein bisschen zu teuer ist. Da bietet aber die Datengrundlage, die wir dem Kunden weitergeben, dann die ideale Entscheidungsgrundlage, um mit einem Energieberater die letzten Details zu klären.

Johannes Wosilat
Dritte Frage von Hannes: Wie kamst Du auf die Idee mit der Digitalisierung von Bau- und Immobilien-Objekten?

Moritz Hofmann
Das hängt sehr mit meinem Studium zusammen. Ich habe angefangen, mal ganz früher Lehramt zu studieren und nach einem Semester gemerkt: Das ist gar nichts für mich. Dann stand ich so ein bisschen wie vor der Höhle. Was machst Du jetzt? Dann habe ich mich für mehrere Studiengänge beworben: Bauingenieurwesen, Biomedizinische Technologie, Bio, Pharmazeutische Technologie und Bewegung & Gesundheit. Denn der Sport hat mein Leben sehr lange und intensiv begleitet und mir sehr viel gegeben. Ich bin dann aber ins Bauingenieurwesen rein, weil ein Kollege von mir das studiert hat und wir ein bisschen über die Inhalte sprechen konnten. Die vielen Zahlen, die Mathematik und Gebäude haben mir Spaß gemacht und deswegen bin ich da reingegangen. Dann habe ich aber durch Praktika und Werkstudententätigkeiten gemerkt, dass Bauleitung in Beton mit Samstagsarbeit für mich nicht in Frage kommt. Ich will nicht samstags in Hamburg sein. Ich arbeite gern mal am Wochenende, aber nicht, weil mir der Beton vorschreibt, wo ich wann zu sei habe. Darum habe halt ein bisschen versucht, Unterstützungsleistungen in der statischen Berechnung zu bieten. Sehr staubtrocken für mich. Hat mir gar nichts gegeben.
Das war so zum Ende meines Bachelorstudiums. Ich dachte: Jetzt hast Du das studiert und jetzt, wo Du alles kennst, weißt Du, dass das nichts für Dich ist. Aber dann kam im letzten Semester das Thema BIM – Building Information Modeling –, was so ein bisschen die Digitalisierung der Baubranche beschreibt. Das war eine Gruppenarbeit mit fünf Personen, ein größeres Projekt. Da habe ich eigentlich direkt in den ersten zwei, drei Veranstaltungen gemerkt: Das ist genau mein Ding!
Meine Gruppe hat sich nach zwei Wochen aufgelöst, weil alle gesagt haben: „Ich will nicht vor einem Computer sitzen, ich will raus und bauen!“ Ich war der Einzige, der gesagt hat, dass ich am Computer arbeiten will. Das war mein Ding und da habe ich gesagt: „Komm, scheiß drauf, ich zieh das allein durch.“ Ich habe diesen Kurs alleine beendet. Die Dozenten haben mir anfangs davon abgeraten und es war ein sehr hartes Semester für mich. Ich habe viele Stunden alleine im Computerraum der Hochschule verbracht, weil es damals keine Lizenzen für zu Hause gab. Das hat mich aber geprägt und ich habe im Nachgang daran ein Jobangebot im Consulting für die Digitalisierung der Baubranche bekommen. Das war eigentlich die Rettung meines Studiums. Ich habe meine Passion gefunden und wusste, da möchte ich zukünftig weiter darauf aufbauen. Das hat Spaß gemacht. Das war das prägendste Erlebnis, weil es mich da reingezogen hat, in diese digitalen Bereiche der Baubranche. Es waren ein sehr heißer Sommer, das heißt, so ab 13:00 Uhr war der Computerraum leer und bis 17:00 Uhr konnte man, glaube ich, dableiben. Das heißt, ich hing dann noch mal vier Stunden alleine im Computerraum, ohne Kühlsystem, da wurde es auch relativ stickig drin, auch die offenen Fenster haben nicht viel gebracht, wenn mehrere Computer liefen. Mir hat es aber so viel Spaß gemacht. Ich hatte mich da so reingehängt, weil das mein weiterer Lebensweg vorgab. Ich bin sehr froh, dass ich die Zeit investiert habe. Dadurch besteht bis heute eine unglaublich schöne und bereichernde Arbeitsatmosphäre, die mich tagtäglich begleitet und mir viele Potenziale und Chancen gibt, die ich ohne das nie bekommen hätte.

Johannes Wosilat
… und die nicht langweilig ist und ordentlich Bock macht, oder?

Moritz Hofmann
Extrem. Ich bin eigentlich der Meinung, wir haben große gesellschaftliche Herausforderungen vor uns, die uns alle angehen. Dazu gehört natürlich in irgendeiner Art und Weise die Energiewende. Was da noch hinzukommt mit Mobilitätswende, Ernährungswende, gibt ja ganz viele Begriffe, aber auch Urbanisierung und demografischer Wandel. Wir werden alle irgendwie älter als Gesellschaft, wir leben länger, wir bündeln uns in Städten. Ich glaube, heute leben 77,5 % der Bevölkerung in Deutschland bereits in städtischen Regionen, das heißt mehr als 3/4 der Menschen in Deutschland leben in Städten. Das birgt natürlich Chancen und Risiken, wie eigentlich jede große Veränderung. Diese Chancen und Risiken mitzugestalten und Teil davon zu sein, freut mich und lässt mich tagtäglich dafür weiter kämpfen, positiven Input mitzugeben, weil ich glaube, spielerisch und mit Spaß an der Sache kann man sehr viel erreichen und das bietet BIM. Gebäude sind nun mal Lebensmittelpunkt der Menschen. All das kommt von der Baubranche. Das heißt, die Aufgaben der Zukunft sind immer eng verbunden mit der Baubranche und das ist Motivation genug, dafür tagtäglich alles zu geben und viel Potenzial verbessern zu können.
Gebäude sind in der EU für 40 % des gesamten Energieverbrauchs und 36 % aller CO2-Emissionen verantwortlich. Also, wir reden sehr viel über Mobilität, wir reden sehr viel über Ernährung, was vollkommen richtig ist. Es gehört mitgedacht, denn wir müssen ganzheitlich umdenken. Aber Professor Doktor Schellnhuber, der Klimaforscher schlechthin in Deutschland, hat gesagt, der Elefant im Raum, über den wir sprechen sollen, wenn wir unser Klima retten wollen, sei die Baubranche. Das war für mich natürlich auch nochmal prägend, dieses Statement zu hören, dass ich da eigentlich genau in der richtigen Richtung unterwegs bin. Wenn der größte Klimaforscher oder „Klimapapst“ darüber spricht und sagt: „Ja, ich habe jetzt alle Folgen geprüft und eigentlich müsste man an die Gebäude ran.“

Johannes Wosilat
Es gibt ja auch noch viele Länder, wo noch Bleche verarbeitet werden. Auch da ist natürlich auch ein sehr hoher Bedarf an Deinen Ideen.

Moritz Hofmann
Das ist cool, dass Du es ansprichst, denn wir sind die Nächsten. Es wird geschätzt, dass noch 2 Milliarden Menschen mehr auf die Erde kommen, also dass unser Bevölkerungswachstum bis zu einem gewissen Limit weitergeht und man kann nachweisen, dass die Bevölkerungszahlen vor allem in städtischen Gebieten wachsen werden, nicht in ländlichen Regionen. Genau in den Bereichen, von denen Du sprichst, in Favelas oder Slums, wird das Bevölkerungswachstum stattfinden, weil die Menschen da oft keine andere Chance zum Überleben sehen, außer mehr Kinder zu bekommen und die Familie zu vergrößern. Genau da brauchen wir Möglichkeiten, über digitale Methoden diesen Leuten Lebens- und Arbeitsgrundlagen zu geben, damit sie Teil der Gesellschaft werden können, die nicht im Stadtzentrum stattfindet, aber eben im städtischen Gebiet und deswegen auch ganz klar zur Urbanisierung gehört. Das wird so ein bisschen unter dem Begriff Urban Coding zusammengefasst.
Ich habe mal eine Doktorarbeit vom KIT gelesen, wo versucht wurde, Prinzipien und Projekte, die in Slums und Favelas erfolgreich waren, zu evaluieren und zu gucken, was da gut funktioniert hat und wie wir das in neue Regionen übertragen können. Zum Beispiel gab es da ein Projekt in Peru, da hat die Regierung der ärmeren Bevölkerungsschicht eine gewisse Fläche zur Verfügung gestellt, die sie selbst verwalten darf. Die Menschen vor Ort bilden selbst so was wie politische Institutionen, die autonom regieren und Flächen verteilen können. Die Regierung hat nur zwei Bedingungen mitgegeben. Sie hat die Größe der Viertel vorgegeben und ein Straßennetz vorgezeichnet, weil sie gesagt hat, wenn es brennt oder wenn jemand so krank ist, dass er Hilfe braucht, müssen wir da hinkommen können. Das heißt, es gibt überall kleine Viertel, die dann eine autonome Regierung haben, die dann die Flächen an die Menschen vor Ort weitergibt. Die Menschen in diesem Viertel errichten außenherum ihre Wohngebäude und im Zentrum der kleinen Viertel gibt es noch eine kleine Fläche, die sie für ihre Ideen nutzen können. Es sind nicht nur gesellschaftliche Strukturen, da gibt es Bäckereien bei manchen, andere haben eine Kirche gemacht, andere einen Sportplatz. Das Ziel ist, die Viertel der verschiedenen Menschen miteinander zu vernetzen, sie aber selbst dafür verantwortlich sind, was darin stattfindet und auch eine Verantwortung bekommen und wissen, dass sie selbst zukünftig dafür arbeiten müssen, damit das funktioniert und so auch ein ganz anderes Gefühl dafür aufbauen, als wenn eine neue Person aus der Regierung, kommt und sagt: „Ihr Menschen müsst so leben“: Das sind Erfolgsprinzipien, die in digitale Strukturen zu überführen versucht werden, um je nach Region den Menschen dann genau solche Konzepte zu geben und zu gucken, wo jetzt noch Bevölkerungswachstum stattfindet. Lasst es uns direkt so organisieren, dass wir damit gut klarkommen und auch die Menschen vor Ort glücklich sein können.

Johannes Wosilat
Eine Mammutaufgabe. Ingo Hansen fragt: Wie wirkt sich Deine Herangehensweise auf die Wertsteigerung von Immobilien aus?

Moritz Hofmann
Meiner Meinung nach natürlich extrem. Man muss tatsächlich, glaube ich, privat und geschäftlich differenzieren. Das hängt auch wieder ganz eng zusammen, was ich schon eben besprochen habe, nämlich, dass wir in vielen Regionen der Welt neuen Naturrisiken ausgesetzt werden. Wir haben es leider im Artikel hier im Beispiel in Deutschland schmerzhaft spüren müssen, also wir persönlich hier in Süddeutschland nicht, aber wir haben es mal emotional mitbekommen.
Man hat natürlich mit den Menschen mitgelitten, was dort passiert ist durch den Erdrutsch. Genauso gibt es eben mehr Dürren. Es gibt Schäden, es gibt neue Hitze, Belastung für innerstädtische Regionen. Es gibt einfach neue Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen. Wir nutzen dafür geographische Informationssysteme, die kann man sich vorstellen wie Google Maps, wo wir ganz viele Informationen rein programmieren, ganz viel neue Ebenen schaffen, um dann zu sagen: „Dort, wo Du gerade jetzt lebst, wo Dein Gebäude steht, da hast Du Probleme mit Dürren oder mit Hagelschäden oder mit Erdrutschen oder es gab seismische Bewegungen, die vielleicht Probleme mit der Standhaftigkeit auslösen. Das machen wir erst mal als Grundlageninformation und als Basis, dass wir wissen, was denn überhaupt die Informationsgrundlage ist, auf der wir sinnvolle Datensätze aufbauen, um eine gute Entscheidungsgrundlage bieten zu können.

Johannes Wosilat
Das ist aber wahrscheinlich unabhängig, ob das Gebäude privat oder geschäftlich genutzt wird.

Moritz Hofmann
Das ist vollkommen unabhängig. Das ist wirklich einfach. Also wir haben es jetzt mal auf die EU begrenzt. Wir sind jetzt nicht global gegangen, sondern wir können das in allen Gebieten der Europäischen Union anbieten, weil wir da sehr gute Datensätze, sehr gute Datenbanken – beispielsweise aus der EU – anzapfen können und die wieder in unsere Methodik implementieren, sodass wir eine gute Datengrundlage haben.
Dann sagen wir konkret: „Das sind die Risiken, vor denen Dein Gebäude steht“ und dann können wir Gegenmaßnahmen simulieren und wissen, wie viel es kosten würde, diese Maßnahmen umzusetzen. Wir können natürlich dem Gegenüber auch sagen, was das für eine Wertsteigerung mit sich bringt, denn die CO2-Steuer kommt auf uns alle zu. Wir zahlen sie heute schon in ganz vielen Bereichen, ohne dass wir das wirklich gerade merken, denn wir sind in Skandinavien schon bei 120 € pro Tonne oder so was, aber die CO2-Steuer wird steigen. Das heißt, wir schauen immer auf die Naturrisiken und gleichzeitig gucken wir uns an, wie im Moment die Ökobilanz und die CO2-Emissionen in einem Bauwerk sind. Indem das Gebäude teilautark wird, schützt Du Dich vor Risiken oder Ähnlichem.
Diese Wertsteigerung können wir im privaten wie im gewerblichen Bereich ohne Probleme anbieten. Was im Gewerblichen noch hinzukommt, sind natürlich Dokumente, Datenmanagement und Kommunikation, die wir über unsere App anbieten können, was auch eine Wertsteigerung gibt. Zu sagen, die Nutzer sind zufriedener in unserem Objekt, weil sie mehr Mitbestimmungsrechte haben, dafür können wir sorgen. Dieses Schlagwort „Mensch im Mittelpunkt“ ist ganz wichtig für uns. Wir wollen Menschen die Möglichkeit geben, mit dem Gebäude zu kommunizieren. Das funktioniert meiner Meinung nach nur über Daten.
Im gewerblichen Bereich stehe ich heute vor der Herausforderung der Umnutzung und bin vielleicht ein Immobilienbesitzer, der drei Fabrikhallen hat. Ich bin aber jetzt in einem hochenergiebezogenen Bereich wie Plasmaschneide-Anlagen, wo ich sagen kann, ich kann zukünftig nicht mehr drei Fabriken betreiben, weil die Preise und so weiter so enorm ansteigen und die Nachfrage durch globale Lieferketten nicht mehr so da ist wie früher. Dann muss ich mich vielleicht fragen, wie ich eine dieser Hallen nutzen und ein Coworking Space reinbauen kann. Ein Wohnbereich geht oft wegen Gewerbegebieten und Bebauungsplänen nicht so gut, aber ich kann es andersrum nutzen und dann natürlich auf eine lange Sicht eine Wertsteigerung erzielen, die es mit dem jetzigen Nutzungszweck des Gebäudes vielleicht so nicht mehr gegeben hätte, weil mein Produkt nicht mehr so nachgefragt ist wie früher, etwa wegen der CO2-Steuer. Dafür nutzen wir eben Simulationen und Rechenleistung am Computer – und um nicht mehr alles in menschliche Hände legen zu müssen.

Johannes Wosilat
Ich habe mal eine Industriehalle gesehen, die ziemlich alt war, also so alt, dass man sie nicht mehr abreißen durfte – denkmalgeschützt. Da wurden im Innenraum und in den Räumlichkeiten einfach Container aufgebaut und das waren dann die Büros. Das fand ich auch spannend, dass das dann so gemacht wird, aber ich glaube, die hätten das vielleicht auch anders gebaut, wenn die es hätten anders bauen dürfen, aber da müsste die Regierung halt auch manchmal bei der Modernisierung und Digitalisierung mitziehen. Das war das beste Beispiel, wo ich dachte, dass man das vielleicht auch anders machen könnte.

Moritz Hofmann
Also Bürokratieabbau haben wir, glaube ich, vor der letzten Bundestagswahl vor zwei Jahren wirklich ohne Ende gehört. Es ist in ganz vielen Bereichen, auf jeder Messe, immer wieder ein Gesprächsthema. Es ist einfach, darauf zu schauen und zu sagen, unsere Bürokratie ist zu langsam und das ist alles zu schwer und dauert zu lang, hat auch seine Berechtigung, aber ich glaube, die Regierung versucht es anzugehen. Aber es ist eine Seite der Medaille. Wir haben unsere Gebäude und die Ingenieurskunst aus Deutschland. Bauingenieure aus Deutschland sind weltweit gefragt. Unsere Gebäude und unsere Strukturen in Gebäuden, die Expertise, die jetzt lange in der Baubranche vorgeherrscht hat und wie die Menschen gearbeitet haben, um Gebäude herzurichten, ist für mich zutiefst beeindruckend. Nichtsdestotrotz stellen sich dann oft Fragen der Sicherheit, weil Menschen in Sicherheit leben wollen, was vollkommen richtig ist. So ein Gebäude muss sicher stehen.
Schwierigkeiten erzeugen, um ehrlich zu sein, so 25 % des Stahls, der im Stahlbeton drin liegt, also immer noch der Rohstoff, aus dem wir bauen, der Mix aus Rohstoffen. Stahlbeton, weil es sehr schnell geht, er sehr kostengünstig, sehr tragfähig und sehr formbar ist. Er ist einfach nur zur Sicherheit drin. Das ist zum Beispiel hier, wo wir heute sind. Es besteht hier nicht die Gefahr, dass ein Auto in mein Gebäude reinfährt. Die gibt es bei einem Haus an der Hauptstraße. Da ist das berechtigt mehr Stahl vorzusehen, um die Wand, die zur Straße hin ist, zu schützen. Man weiß nie, was passiert, man kennt die schlimmen Berichte aus dem Fernsehen, auch wenn sie sehr, sehr selten sind. Aber es kann ein Unfall geschehen. Da ist der Wunsch nach mehr Sicherheit, denke ich, durchaus berechtigt. Nur könnte man sagen, die Wände zum Garten hin brauchen das vielleicht nicht unbedingt, weil ein Flugzeugabsturz sehr unwahrscheinlich ist.
Ein anderes Ding, um das noch ein bisschen greifbarer zu machen, ist die Primärenergiebedarf- bzw. Nutzlastberechnung nach DIN V 18599-1. Da rechnen wir einfach aus, wie dick der Heizkörper sein muss und wie das Rohr dimensioniert sein muss, damit dieser Raum hier auf eine gewisse Temperatur gebracht werden kann. Das Problem ist: Wir hatten nie eine Grundlage dafür, die Sachen datenspezifisch auszuwerten. Deswegen hat man die Normen oft so aufgebaut, dass sie auch mit händischer Rechenleistung umgesetzt werden können. Das heißt, man schaut heutzutage auf die zwei aufeinanderfolgenden kältesten Tage der vergangenen 20 Jahre und man muss die Heizung so groß dimensionieren, dass man dauerhaft auf Basis dieser zwei kalten Tage diesen Raum auf 20 bzw. 21 Grad heizen kann. Da merkt man ja schon, wie überdimensioniert dadurch unsere Heizungsrohre werden und wie viel Energie unnötigerweise in den Räumen fließt und wir als Personen zu viel bezahlen, weil wir ja eigentlich die restlichen 15.000 Tage oder wie lange man dort auch immer wohnt, viel zu viel Energie in Gebäude einführen, die eigentlich unnötig ist.

Johannes Wosilat
Eigentlich müsste man für diese zwei Tage, wo eine Heizung dann vielleicht nicht die notwendige Leistung bringen könnte, dann einfach nur einen Pullover mehr anziehen.

Moritz Hofmann
Genau das wäre eine Idee. Wir müssten einfach sagen, es gibt inzwischen vom Deutschen Wetterdienst eine super Datengrundlage. Da muss man zum Beispiel auch der Regierung wieder ein großes Kompliment machen. Es gibt sehr, sehr viele offene Datensätze in Deutschland, in der EU, an denen man sich bedienen kann, um wieder für die Menschen bessere Lösungen zu erzeugen. Also da haben die in den letzten Jahren sehr viel Gutes getan. Und dass man sagt, wir nehmen nicht mehr diese zwei schlechten Tage, sondern wir nehmen eben Mittelwerte, die wir über die letzten 20 Jahre erfasst haben, wäre eine Lösung. Die gab es früher halt noch nicht, als die Normen entwickelt wurden. Aber wir haben heutzutage eben neue Informations- und Datengrundlagen. Vielleicht wäre es dann besser, da auch nochmal die Gesetze, Richtlinien und die Normierung anzupassen.

Johannes Wosilat
Wir sind heute sehr fachlich unterwegs. Jetzt habe ich ein paar private Fragen: Was war der beste Rat, den Du jemals bekommen hast?

Moritz Hofmann
Ich habe so viele gute Ratschläge bekommen. Ich glaube, dass wichtiger ist, dass man mit offenen Augen durchs Leben läuft. Aber vielleicht ein Ratschlag von meinem Vater, auch wenn er ein bisschen hart klingt: Es gibt immer Geben und Nehmen. Der zweite, weil wir am Anfang schon Kommunikationsfähigkeit angesprochen haben: Zum Scheißen gehen sie alle ins Knie. Er hat mir gesagt: „Egal vor wem Du sitzt, egal mit wem Du sprichst, sei selbstbewusst, was Deine Einstellung, was Deine Fähigkeiten betrifft, und denkt daran, dass der andere auch nur ein Mensch ist, auch wenn er gefühlt meilenweit über Dir steht und sich dann so verhält. Versuche im Gespräch schnell Augenhöhe zu schaffen, mit dem anderen auf eine Linie zu kommen und immer dran zu denken, der muss auch mal Unfähigkeiten umsetzen, genauso wie Du. Wir sind alle Menschen, wir sind alle gleich geboren. Versuche darum schnell eine ähnliche Ebene herzustellen, sodass keiner unterdrückt wird.

Johannes Wosilat
Was war denn die beste Entscheidung, die Du getroffen hast?

Moritz Hofmann
Also einfach das zu machen, was meinen Überzeugungen entspricht und für meine Einstellungen zu kämpfen. Es ist ganz schwierig zu sagen. Es ist wie so eine innere Stimme, die einem sagt, das ist jetzt genau das Richtige und das macht mir Spaß. Wenn man sich wohlfühlt, sollte man sich festbeißen. Nicht verbissen zu werden ist auch ganz wichtig. Aber sich festbeißen an der Thematik und dann zu sagen, ich bin jetzt der Meinung, dass das gut ist, ist jetzt wieder toll, denn dann fange ich an, das umzusetzen. Auch wenn das dann irgendwann scheitern sollte oder nicht zum Erfolg führt, wird es Momente im Leben geben, wo man zurückdenkt und sagt: „Gut, dass ich das damals gemacht habe. Das war mein Anfang. Ganz viel Netzwerk, was ich heute habe, basiert noch darauf.“

Johannes Wosilat
Das ist das Netzwerk, das sich erweitert, aber es friert ja nicht. Man kann immer wieder andocken, auch an alte Bekanntschaften, die man gemacht hat. Die Kunst ist eigentlich nur, die richtigen Leute zu kennen und sich an sie zu erinnern. Da gab es noch jemanden, der das gut konnte. Genau den frage ich mal, denn vor der Aufgabe stehe ich gerade und kann vielleicht die richtige Lösung finden.

Moritz Hofmann
Man muss ganz viel mit Menschen ins Gespräch kommen. Das hängt ja mit dem Netzwerk zusammen. Nur weil ich irgendwo mal eine Visitenkarte aufgeschnappt habe, ist das noch kein Netzwerk. Ich muss ins Gespräch kommen. Ich muss auch wissen: Was steckt hinter dieser Visitenkarte? Wenn da Head of Irgendwas draufsteht, dann weiß ich, der hat zwar mit dem oder dem Themenbereich zu tun, aber Themenbereiche sind meist groß. Ich weiß überhaupt nicht, was seine Einstellung ist, seine Passion, in welche Richtung er denkt. Dann denke ich, ich habe genau den richtigen Ansprechpartner. Vielleicht ein, zwei Wochen Arbeit reinstecken, um in Kontakt zu kommen, Termine zu vereinbaren, was umzusetzen, aber dann merkt man, der kümmert sich zwar um den Themenbereich, hat aber überhaupt nicht die gleiche Ansicht wie ich und ist der völlig falsche Ansprechpartner. Das heißt, ich brauche schon ein Gespräch, muss wissen, mit wem bin ich da zusammen? Was sind die Einstellungen? In welche Richtung denkt der Mensch, das Unternehmen, für das er arbeitet, und in welche Richtung entwickelt sich das alles? Dann kann ich auch wieder darauf zurückkommen und sagen: „Warum spreche ich nicht noch mal mit dem darüber?“

Johannes Wosilat
Ihr habt auch viele Unterstützer. Ich habe so ein bisschen herausgehört, dass Ihr auch Förderungen bekommen habt. Wie habt Ihr das angestellt?

Moritz Hofmann
Ein Netzwerk als A und O. So wie wir jetzt miteinander sprechen, gehen wir in viele Gespräche rein und reden offen über unsere Denkweisen, Thematiken und natürlich auch in gewisser Art und Weise über die Expertise, die wir uns in den letzten zehn Jahren aufgebaut haben. Dann kam eine Förderung vom Land Hessen, wo wir im Zuge des Impact Festivals, das ist Europas größte B2B-Messe für nachhaltige Transformation, inzwischen ein Tochter-Event veranstalten durften. Das Land Hessen hat gesagt, wir geben das Geld nicht modular, damit ihr ein modulares Event macht, sondern wir geben das Geld modular, damit ihr ein Event für die Transformation der Baubranche im Zuge eines Impact Festival-Satelliten-Events veranstaltet und dort mittel- und nordhessische Startups, Investoren, unterstützende Organisationen und interessierte und fachfremde Branchen, die auch mit Gebäuden zu tun haben, zusammenbringt und gemeinsam an einem Quartier der Zukunft arbeitet. So haben wir dieses Geld bekommen, um dieses Event auf die Beine zu stellen, wodurch wir vielleicht nicht sofort die Umsätze steigern konnten, aber wir haben natürlich viele Partner und Kunden kennengelernt, was sich langfristig auch in Umsätzen niederschlagen soll. Aber es war eine geile Erfahrung, erstmalig ein großes Event zu veranstalten, das Netzwerk auszubauen und Menschen zusammenzubringen.
Das Feedback war wunderbar. Also so ein Feedback von jungen Leuten zu bekommen. Da waren Startups dabei, die stehen noch vor der Gründung, die kommen aus einem Ideenwettbewerb, dem Startup-Weekend, wo sich Leute zusammenfinden, die Ideen entwickeln und noch ganz am Anfang stehen, bis zu Leuten, die wirklich unternehmerisch erfolgreich sind und ihr Wissen an die Jungen weitergegeben haben. Und diese Verbindung an einem Tag zu schaffen, war ein Segen. Also die Schirmherrschaft liegt auch bei Tarek Al Wazir. Also das ist wirklich von sehr hohen Positionen angeordnet, bis es dann eben in den heimischen Prozess unterging. Wir sind nur über unser Netzwerk da drangekommen. Wenn wir nicht schon mit dem Impact Festival in Berührung gewesen wären, mit den Organisatoren gesprochen hätten, hätten wir diese Möglichkeit, sich darauf zu bewerben, überhaupt nicht mitbekommen.

Johannes Wosilat
Es passt auch zu Euch, zumindest das, was ich jetzt alles gehört hab …

Moritz Hofmann
Deswegen haben wir auch den Zuschlag bekommen. Ich habe noch eine gewisse Verbindung in die Lehre, also ich bin auch Dozent an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Das mit reinzubringen, das fachliche Wissen und auch, was junge Menschen angeht und andererseits die unternehmerische Seite, bespielen zu können, hat uns, glaube ich, als Team sehr gut punkten lassen, sodass wir dann diejenigen waren, die dieses Satelliten-Event veranstalten durften.

Johannes Wosilat
Ihr habt 2019 gegründet. Wie habt Ihr dann die Krise überstanden? Ich meine, das war ja direkt davor.

Moritz Hofmann
Einfach kein Geld ausgegeben. Also wir haben keine Löhne bezahlt. Wir hatten quasi alle einen Zweitjob, womit wir unseren Lebensunterhalt verdient haben, damit wir über die Runden kommen, ganz klar. Aber mit dem Glauben daran, da was entstehen zu lassen. Neben der Entwicklung haben wir lange Zeit damit verbracht, den richtigen Investor und den richtigen Weg für einen Investor zu finden. Unser Weg ist nicht der typische Weg, glaube ich. Wir haben einen Investor gesucht, der genau zu uns passt und auch in einer sehr speziellen Art und Weise. Wir haben mit Menschen und Organisationen gesprochen, die im Kapital unterwegs sind. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden und sind auf einen genossenschaftlichen Partner zugegangen, die Volksbank Mittelhessen, weil wir einen strategischen Partner wollten und einen gesucht haben, der die gleichen Grundsätze verfolgt wie wir. Da ist eine Genossenschaft sehr naheliegend. Deswegen sind wir da, haben lang gearbeitet und geackert, um die großen Mühlen einer genossenschaftlichen Bank zu durchlaufen, bis sie dann dazu bereit waren, mit uns gemeinsam diesen Weg zu gestalten.

Johannes Wosilat
Hast Du einen Helden in der Wirklichkeit, eine Person, zu der Du aufschaust?

Moritz Hofmann
Ja, also was natürlich die Inspiration und sonst was betrifft, da ist, wie ich anfangs schon mal gesagt habe, auf jeden Fall Professor Hans Joachim Schellnhuber. Man spricht immer über das 1,5-Grad-Ziel, Klima, Tiefpunkte, all das und das geht auf ihn zurück. Also der war derjenige, der das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung gegründet hat, eigentlich weltweit angesehen ist und ich durfte ihn auf dem ersten Impact Festival persönlich kennenlernen. Wir haben uns unerlaubt eingeschlichen, damit ich an den rankam, und wir haben für uns einen Stand bezogen, damit er mal mit uns spricht. Ich habe mir eine Freikarte bei einem deutschen Nachhaltigkeitspreis besorgt, wo er für sein Lebenswerk geehrt wurde und jetzt beim zweiten Impact Festival habe ich ihn wieder angesprochen und da hat er sich erstmalig auch an mich erinnert und kam zu unserem Stand wieder hinzu und hat ein Foto mit unserem Team gemacht. Mein Herz hat ohne Ende geschlagen und er hat das über den Elefanten im Klima-Raum gesagt. Dieser Elefant im Raum ist die Baubranche und jetzt hat er eine gemeinnützige GmbH gegründet, das Bauhaus der Erde, weil er gesagt hat, er habe sich jetzt lang mit der Klimafolgenforschung beschäftigt und er will jetzt mal nicht nur gucken, was die Klimafolgen sind, sondern ich will gucken, wie wir es irgendwie noch retten können. Wir können es irgendwie umdrehen und da muss ich halt an den Haupttreiber des Klimawandels ran. Das ist nun mal die Baubranche und das waren für mich natürlich Verbindungen, die super cool waren. Ich habe ein Interview von ihm gesehen, was mich mitgenommen und geprägt hat, und das würde ich sagen, ist für mich auf jeden Fall ein Punkt, wo ich sage, er hat so viel Geiles gemacht. Er hat ein unglaubliches Wissen in vielen Bereichen und das motiviert mich oftmals.

Johannes Wosilat
Was bedeutet für Dich Erfolg?

Moritz Hofmann
Erfolg bedeutet eigentlich, mit meiner Passion kleine Taten zu tun, das umzusetzen, wofür man langfristig kämpft. Den Leuten sagen: „Ich pack an diesem Seil mit an und jetzt ziehen wir gemeinsam dran“. Erfolg ist, egal, ob das eine große oder eine kleine Tat ist, wenn wir als Menschen zusammenkommen und gemeinsam an einem Strang ziehen.

Johannes Wosilat
Was bedeutet für Dich Risiko?

Moritz Hofmann
Risiko bedeutet für mich unternehmerisch einen Zug zu tun, der vielleicht nicht im ersten Sinne direkt das Geld zurückspielt, wo ich mir aber sicher bin, nachhaltig und langfristig Erfolg zu haben und mit diesem unternehmerischen Gewinn wieder neue Schritte in die Wege leiten kann.

Johannes Wosilat
Woher nimmst Du denn Deine Energie? Ihr schafft ja etwas, das es an sich nicht gibt oder das erstmal in einem sehr theoretischen Prozess definiert werden muss, mit all dem Wissen und all den Hunderttausenden von Datensätzen. Da muss man ja auch irgendwo ein Ziel verfolgen. Woher holst Du diese die Energie, um da so fortzuschreiten?

Moritz Hofmann
Also es gibt natürlich nicht nur Hochs, sondern auch Tiefs, das heißt, die Hochs sind relativ einfach. Bei den Tiefs muss man sich immer wieder rückbesinnen: Was ist meine Motivation? Das heißt, wieso kämpfe ich dafür? Eigentlich ganz einfach. Ich finde mein Hintergrundbild zeigt das ganz gut. Das ist das erste Bild aus dem Weltall auf den Planeten Erde. Das beschreibt eigentlich ganz gut meine Motivation. Es gibt nur einen dieser Planeten, der so hell und warm ist, auf dem wir leben und der so wunderschön ist. Es gibt ganz viele Bereiche, in denen es sich lohnt zu kämpfen.
Wenn wir jetzt vielleicht mit allem weitermachen, so wie bisher, wird der vielleicht nicht mehr so bleiben, wie er heute ist, dann wird er irgendwann nicht mehr so gut aussehen, gar nicht mehr bewohnbar sein oder was auch immer. Aber wir haben noch die Chance, das jetzt umzudrehen. Genau diese Chance möchte ich nutzen und die, wenn ich mit Menschen spreche, die Begeisterung auch bei denen zu erzeugen, das gibt mir unglaublich viel Energie zurück. Mit Leuten über den Klimawandel zu sprechen ist keine einfache Diskussion, weil es für viele Menschen erdrückend ist. Aber da positive Sachen aufzuzeigen und zu sagen, wenn wir das jetzt anpacken, dann schaffen wir das, das geht und dann setzt das was in Gang bei den Menschen, was vielleicht in ihrem täglichen Medienkonsum mit einem negativen Unterton verbunden ist. Und ich glaube, diese Verhaltensänderung, die wir brauchen, um den Klimawandel zu ändern, kann was Wunderschönes sein. Man muss es nur den Menschen richtig erklären, nämlich zu sagen, vielleicht hängt das damit zusammen, dass wir weniger Arbeitsleistung benötigen. Das heißt aber, wir haben wieder mehr Freizeit, wir müssen unseren Lebensalltag entschleunigen. So in einer gewissen Art und Weise, das es gut für das Klima und gut für uns Menschen ist, wenn wir wieder mehr Zeit für uns, für unsere Freunde, für unsere Familie haben.
Es ist nicht immer der maximale Profit, der uns bewegt. Bei ganz vielen Menschen ist es nicht der maximale Profit, der sie bewegt. Natürlich, man will Geld verdienen. Natürlich, man will erfolgreich sein, man will dieses Geld auch haben, um sich Träume zu erfüllen. Aber es gibt ganz viele Bereiche, die wir durch eine Verhaltensänderung positiv beeinflussen können und diese Verhaltensänderungen vielleicht bei Menschen mit einzubringen, ihnen nochmal eine andere Sichtweise auf den Klimawandel zu geben, dass sie selbst denken, das kann voll geil sein, den zu bekämpfen, das ist eigentlich meine Motivation. Wenn dann Menschen auf mich zukommen und sagen, wir haben doch dauernd darüber geredet, ich mache jetzt das und das, das gibt mir jedes Mal wieder einen neuen Schub.
Wenn jetzt zum Beispiel mein Vater sagt, er kaufe kein Shampoo mehr in der Plastikverpackung, sondern festes Shampoo, ist das eine ganz kleine Tat, die natürlich auch nicht weltweit den Klimawandel verändern wird, aber genau solche kleinen Sachen im Lebensalltag rüberzubringen, wo man danach sagt, dass es eigentlich cool war und es mir viel besser damit geht, motiviert mich. Etwas Positives für meine Nachkommen zu hinterlassen. Denn wir werden auf jeden Fall noch klarkommen, aber es geht auch darum, unseren Kindern eine wunderschöne Lebensgrundlage da zu lassen und das ist Motivation genug.

Johannes Wosilat
Danke.

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