Hidden Champions

Michael Maile

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Lesezeit ca. 22 Minuten

Immobilien-Branche erfolgreich in der 4. Generation: Michael Maile

Authentisch zum Ziel

Unser heutiger Hidden Champion ist Geschäftsführer des Familienbetriebs Maile Immobilien und das bereits in der 4. Generation. Er ist Familienvater und würde in 10/10 Fällen ein Leben im Schwarzwald eines in Dubai vorziehen. Mit breiten Schultern leitet er ehrenamtlich den Basketballverein PKF Titans und schätzt die schwäbische Understatement-Mentalität. Mit akribischer Ordnung und Perfektionismus führt er das Unternehmen bereits 20 Jahre erfolgreich und hat schon während des Studiums mit seiner Selbstständigkeit begonnen. Er bezeichnet sich selbst als Präkrastinator und liebt die Ordnung. Er hat schon früh seine Leidenschaft für die Immobilienbranche entdeckt und das Unternehmen von seinem Vater übernommen und erweitert. Er kennt sich bestens mit der Marktlage aus und versteht, was die aktuellen Belange der Immobilien- und Baubranche sind. Außerdem weiß er, welche Stellschrauben gedreht werden und in Zukunft wichtig werden. Was für den Schuster die Leisten sind, sind für Michael Maile zweifellos die Immobilien. Warum er positiv auf die Zukunft blickt und viel von der kommenden Generation hält, erfährst Du im Interview.

Interview mit Michael Maile

Johannes: Wer in Stuttgart eine Immobilie verkaufen will, braucht sich nicht wundern, wenn das Postfach platzt, das Telefon nicht mehr aufhört zu klingeln und Besichtigungen das ganze Wochenende einnehmen. Mein heutiger Gast sorgt aber dafür, dass genau das nicht passiert. Er ist Geschäftsführer von Maile Immobilien und hat eine besondere Einstellung. Er sagt: „Ich will kein riesiges Team.“ Welche Erfahrungen und Einstellungen ihn zu dieser Aussage bringen und wie er es schafft, erfolgreich zu sein, erfahren wir jetzt. Herzlich willkommen! Michael, schön, dass ich bei Dir hier in Stuttgart im Büro sein darf.

Michael: Freut mich. So sieht es aus. Im Herzen der City.

Johannes: Was war der beste Rat, den Du je bekommen hast?

Michael: Schwierige Frage. Ich würde sagen: tatsächlich authentisch zu sein. Authentisch zu sein ist meines Erachtens unglaublich wichtig und die Basis für einen langfristigen Erfolg. Diesen Rat hat mir schon sehr früh eine Person gegeben, bei der ich wusste: Sie hat viel erreicht im Leben und hat es vor allem auf eine gute Art und Weise erreicht. Das ist auch bei mir ein Credo und im Kontext von Immobilien leider Gottes nicht immer selbstverständlich. Da kommen wir vielleicht nachher noch drauf zu sprechen. Aber das ist, glaube ich, sehr wichtig, einfach bei Dir selbst zu sein und authentisch zu sein.

Johannes: Was war Dein größter Fehler?

Michael: Ganz schwierig, weil ich das tatsächlich so nicht sagen kann. Ich tue mir fast schwer zu sagen, dass es wenig Tiefpunkte in meinem Leben gab. Auch wenn es vielleicht unpopulär ist, das so zu sagen, weil man heutzutage gerne von irgendwelchen ganz schlimmen Erfahrungen erzählt, aus denen man großartig gewachsen ist oder dergleichen. Diese Erfahrung gab es bei mir jetzt nicht so wirklich. Das lief immer konstant erfolgreich. Von daher kann ich das so nicht sagen. Sicher gab es jede Menge Fehler und womöglich ist der größte Fehler nicht zu wissen, was der größte Fehler war. Aber unterm Strich gab es diesen einen großen Fehler nicht, zumindest nicht, dass ich es wüsste.

Johannes: Du bist also ein Glückskind?

Michael: Ich bin tatsächlich ein Sonntagskind. Ich bin am Sonntag geboren. Auch Freunde sagen das immer wieder halb ernst, halb im Spaß, dass ich tatsächlich ein Glückskind sei. Aber das ist immer die Frage. Es gibt einen netten Spruch, den ich immer mal wieder auch selbst bringe: „Auch Glück muss man können.“ Bei mir lief das schon alles nicht nur im beruflichen, sondern auch im privaten Kontext sehr smooth und irgendwie immer auch so ein bisschen, wie man sich das vielleicht vorgestellt hat. Ich hoffe, dass es auch so weitergeht. Aber unterm Strich ist es tatsächlich immer gut gelaufen. Ich möchte dafür sehr dankbar sein. Man nimmt vieles immer für selbstverständlich und denkt, das ist halt so und das war schon immer so. Da ist es auch gut, dann immer wieder einen Schritt zurückzumachen und zu sagen: „Hey, sei dankbar dafür, was Du hast.“

Johannes: Als ich hereinkam habe ich jemanden pfeifen hören, während des Aufbaus der Technik. Anschließend kamst Du singend und pfeifend herein. Das fand ich schon eine schöne Stimmung.

Michael: Mein Markenzeichen. Die Stimmung im Büro bei uns ist sehr gut und das ist auch etwas, auf das wir sehr großen Wert legen. Wir haben ein tolles Team und auch flache Hierarchien und Stimmung und Zusammenhalt ist uns wichtig. Ich glaube, es ist etwas, was Familienunternehmen ein Stück weit auszeichnet. Wir sind so ein klassisches Familienunternehmen. Ich bin die vierte Generation. Gott sei Dank muss man vielleicht sagen, denn man sagt ja immer: „Die erste Generation baut es auf, die zweite macht es größer, die dritte reißt es wieder ein.“ Ich bin jetzt die vierte.

Johannes: Also seid Ihr jetzt drüber?

Michael: Wir sind drüber, ja. Wobei es bei uns sogar teilweise zutreffend war. Mein Vater, der die dritte Generation war, hat schon auch an einigen Stellen zu kämpfen gehabt. Ob jetzt selbstverschuldet oder nicht, sei mal dahingestellt. Aber das waren teilweise nicht so einfache Zeiten und von daher ist es wahrscheinlich tatsächlich ein Spruch, der oftmals gar nicht so falsch liegt. Das hat so ein bisschen mit der Erziehung der dritten Generation und auch mit sozioökonomischen Faktoren zu tun. Vielleicht haben mich diese Tiefpunkte meines Vaters auch teilweise geprägt. Wir saßen nie auf der Straße oder so, aber es waren teilweise schon harte Zeiten, die ich dann als Jugendlicher auch mitbekommen habe und die mich dann am Anfang unserer bzw. meiner Firma in meinem Handeln sicherlich geprägt haben.

Johannes: Beschreibe das bitte ein bisschen mehr: Wie war das Gefühl? Wie alt warst Du in den schwierigen Phasen?

Michael: Da war ich so in dem Bereich 16, 17 bis 18, 19. Ich bin der Älteste von vier Geschwistern und da hat man natürlich naturgemäß auch immer eine gewisse Verantwortung oder Verantwortungsbewusstsein gegenüber seinen Geschwistern. Das hat mich dann schon geprägt, weil ich gemerkt habe: Okay, es ist eben doch nicht alles ein Selbstläufer. Wir sind privilegiert aufgewachsen, mit einem schönen Häuschen und mit regelmäßigen Urlauben. Nicht unglaublich reich oder dergleichen, aber wirklich sehr privilegiert, mit einer Privatschule. Ich bin tatsächlich auf die Waldorfschule gegangen. Es waren 13 sehr glückliche Jahre

Johannes: Kannst Du Deinen Namen tanzen?

Michael: Es ist klar, dass der Spruch kommt. Ich glaube, ich kann es tatsächlich noch. Das ist sicherlich auch etwas, was mich ein Stück weit in meinem Handeln und in meinem täglichen Arbeiten geprägt hat. Ich hatte da eine sehr schöne Kindheit und Jugend. Als es dann wirtschaftlich ein bisschen schwieriger wurde für meinen Vater, habe ich erstmals gemerkt: „Hey, es ist doch nicht alles so ein Selbstläufer“ und man muss dann gucken: Wo passieren Fehler? Da bin ich sicherlich auch ein Stück weit anders als mein Vater in der Analyse und auch in der aktiven Umsetzung. Ich möchte jetzt nicht zu sehr auf ihn eingehen und wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Ich bin sehr dankbar für meinen Vater. Er ist eher ein Prokrastinierer, sagt man, glaube ich, heute auf Neudeutsch. Also jemand, der eher Dinge aufschiebt, wenn sie ihm nicht so liegen. Ich bin eher ein Präkrastinierer, also jemand, der Dinge sehr schnell erledigen will, was auch nicht immer gut ist. Es ist auch gar nicht schlecht, manchmal etwas liegen zu lassen, zumindest eine kurze Zeit. Manche Probleme oder Themen lösen sich dann sogar schon von allein. Nehmen wir ein banales Beispiel: irgendeine blöde E-Mail von einem Kunden, der aus einem nicht nachvollziehbaren Grund nicht zufrieden ist – gibt es bei uns Gott sei Dank nicht wirklich, aber mal als Beispiel genommen. Wenn man dann aus einer Emotion heraus sofort antwortet, weil es sofort erledigt sein muss, kann es manchmal schlechter sein, als wenn man die Nachricht einen Tag liegen lässt. Dann ruft der Kunde später erneut an und sagt, dass sich das Problem geklärt hat. Das ist so ein banales Beispiel. Ich bin da schon jemand, und da sehe ich auch eine Stärke von mir, der sehr organisiert ist und Dinge versucht verlässlich abzuarbeiten und zu erledigen oder es auf jeden Fall erledigt zu wissen. Da ist mein Vater ein bisschen anders. In solchen Krisensituationen ist es manchmal kein Vorteil, wenn man Dinge eher aufschiebt, sondern eher, wenn man versucht die Dinge schnell zu lösen.

Johannes: Hatte das auch einen Einfluss darauf, wie Du das Familienunternehmen weitergeführt hast? Man muss ja ein bisschen erklären: Ihr hattet die Hausverwaltung von Deinem Vater und Du hast dann „Maile Immobilien“ gegründet.

Michael: Genau.

Johannes: Dein Bruder hat die Verwaltung übernommen und Du hast Dich selbstständig gemacht. Die Themenfelder liegen sehr nah. War der Grund die Art Deines Vaters, die dazu geführt hat, dass Du gesagt hast: „Ich mache mich selbstständig, dann kann ich die Dinge so gestalten, wie ich will.“ Lag das daran? Hast Du gesagt, ich will das nicht übernehmen und das dann so weiterführen, wie er es bisher gemacht hat, sondern ich will mein eigenes Ding machen?

Michael: Also ich glaube, erstmal muss man sagen: Er hat nie in irgendeiner Weise darauf gedrängt, dass ich dieses Familienunternehmen übernehmen möge. Auch wenn es schnell nahe lag, dass das mal passieren könnte, weil sich einfach schon sehr früh in der Jugend, wo ich teilweise auch so Ferienjob mäßig in der Firma mitgearbeitet habe, herausgestellt hat, dass mich Immobilien einfach sehr interessieren und faszinieren und ich da vielleicht doch ein gewisses Händchen habe und ich schon früh Kunden kennengelernt habe. Nichtsdestotrotz hat er es bis zuletzt immer betont, dass es für ihn nicht in irgendeiner Form entscheidend oder wichtig ist. Ich gehe schon davon aus, dass er sich irgendwo gefreut hat. Ich bin mittlerweile selbst Vater von zwei Söhnen. Klar kann man sich vorstellen, dass es toll wäre, wenn das dann mal in die nächste Generation übergeht. Aber er hat diesen Druck nie ausgeübt. Ich habe mich tatsächlich damals noch im Studium selbstständig gemacht und es war natürlich eine perfekte Zeit dafür, weil man da beispielsweise auch ganz wenig Fixkosten hat. Man ist frei und nicht über Familie oder womöglich auch über eine Partnerin großartig in irgendwas gebunden und kann sich frei entfalten. Und es war eigentlich ein perfekter Zeitpunkt dafür. Die Art und Weise, um jetzt auf Deine Frage zurückzukommen, wie ich es gemacht habe, hat sicherlich auch mit der Prägung durch die Eltern zu tun, ich bin hundertprozentig davon überzeugt. Man versucht sich die positiven Dinge abzuschauen. Gerade auch bei Familienunternehmen glaube ich schon, dass es immer eine Mischung aus einer gewissen Genetik ist. Also dieses Familien-Business-Genetik-Ding, dass man einfach gewisse Themen übernimmt und natürlich aber auch Erfahrungen, die so ein Unternehmen dann einfach hat. Es sind sicherlich wichtige Aspekte, die da für mich reingespielt haben.

Johannes: Oder auch die Sicherheit, weil ja gewissermaßen auch schon ein Kundenstamm da ist, auf den man aufbauen kann?

Michael: Ist auf jeden Fall ein Argument, gar keine Frage. Ja.

Johannes: Man sagt ja immer: „In der Anstellung ist man sicher und in einer Selbstständigkeit irgendwie nicht.“ Aber auch ein Familienunternehmen kann eben „nicht sicher“ sein, weil das Konstrukt Familie eben auch mitspielt. Wo wird am meisten gestritten?

Michael: Ich würde auch sagen, Deutschland hat sehr viele Familienunternehmen bis hin zu den ganz großen, zum Beispiel VW, Porsche, Aldi und so weiter. Aber es gibt natürlich auch ganz viele kleinere und ich würde ohne Statistiken zu kennen sagen, die Hälfte macht einen sehr guten Job. Teilweise sogar einen überdurchschnittlich guten Job, bis hin zur Weltmarktführerschaft. Die andere Hälfte ist aber schon auch sicherlich so, wie es manchmal dem Klischee entspricht, wenn man irgendwie vom verstaubten, nicht besonders innovativen, patriarchisch geführten Familienunternehmen spricht. Wie man es womöglich im Handwerksbereich teilweise antrifft. Da kenne ich es zumindest, dass man da oft Unternehmen antrifft, wo der Mann der Chef ist und die Frau dann irgendwie so ein bisschen Sekretariatsarbeiten macht und alles noch so ein bisschen den 70er-Jahre-Mief hat. Auch das gibt es, aber unterm Strich glaube ich schon, dass ein Familienunternehmen eine tolle Konstruktion sein kann.

Johannes: Mit Sicherheit, vor allem, wenn man sich gut versteht.

Michael: Ja, da haben wir einen tollen Vorteil hier. Wir haben ein hervorragendes Verhältnis innerhalb der Familie zu unserem Vater, aber auch zwischen mir und meinem Bruder, der dann die Verwaltung übrigens relativ überraschend übernommen hat. Er war zunächst im Start-up Bereich unterwegs und dann auch in einem innovativen Bereich bei Bosch und er sagte dann eigentlich recht überraschend, er hat irgendwie Lust auf Unternehmertum. Für mich war das ein großer Glücksfall. Wir haben ein schönes Verhältnis miteinander, arbeiten natürlich auch in einigen Bereichen miteinander. So stellen wir uns das tatsächlich auch langfristig vor.

Johannes: Und Ihr habt auch eine schöne Bindung.

Michael: Total. Er ist der Jüngste. Ich bin der Älteste von uns vier Geschwistern. Die anderen zwei sind eher die Künstler. Also sehr begabte Künstler. Meine Schwester ist Maskenbildnerin, mein anderer Bruder ist Musikproduzent. Sie sind in eine andere Richtung gegangen und hatten bis zum heutigen Tag auch nie Interesse in dem Immobilienbereich irgendwas zu machen. Aber wiederum wir zwei und das ist wohl oftmals tatsächlich so in der Familienkonstellation, der Erste und der Vierte sind sich dann irgendwie wieder ähnlich, ergänzen uns da auch ganz gut. Es ist auch schön, so eine kleine Sparringpartnerschaft in diesem beruflichen Kontext zu haben und sich da auch immer mal wieder auszutauschen.

Johannes: Wie viele Jahre arbeitet Ihr schon zusammen? 13 Jahre hast Du jetzt das Unternehmen, oder?

Michael: Das Unternehmen habe ich jetzt bald 20 Jahre. Seit 2003.

Johannes: 2003. Was war von diesem Punkt an die wichtigste Entscheidung bei Dir?

Michael: Grundsätzlich sind wir wirklich ganz solide, kontinuierlich gewachsen. Aber was uns nachhaltig schon einen Push gegeben hat und was rückblickend eine sehr wichtige Entscheidung war, war tatsächlich unsere Domains zu sichern. Wir bewegen uns in einem sehr umkämpften Markt. Der Immobilienmarkt, insbesondere in Stuttgart, ist einfach sehr knapp und es gibt da auch viele Player von großen Franchises wie Engel & Völkers oder von Poll oder bis hin zu kleinen One-Man-Shows, die aber auch keinen schlechten Job machen und oft gute Kontaktnetzwerke haben. Es ist ein hart umkämpfter Markt und wir haben uns dann zu einem gewissen Zeitpunkt Domains wie www.immobilien-stuttgart.com oder www.stuttgart-immobilien.de sichern können. Warum auch immer. Ich war sogar damals noch überrascht, dass diese noch zur Verfügung standen. Das hat uns nachhaltig bis zum heutigen Tag unter anderem bei Google ein sehr hohes Ranking beschert. Wir investieren verhältnismäßig wenig in Onlinemarketing-Kampagnen, weil wir allein durch die Website, durch die Präsenz und die Domain, einfach ein gutes Ranking haben. Da spielen auch Bewertungen mit rein. Das ist ein Algorithmus, den keiner so hundertprozentig kennt. Aber gerade Google ist schon so die wichtigste Plattform, muss man ehrlicherweise sagen. Selbst wenn wir persönlich empfohlen werden, was für uns immer natürlich das aller Tollste ist, checken doch viele Kunden trotzdem noch mal die Google-Bewertungen, oder das Ranking und dann auch die Website. Das war, glaube ich, eine ganz wichtige Entscheidung, auf der dann vieles gefruchtet hat und sich aufgebaut hat.

Johannes: Siehst Du Deine Mitbewerber als Mitbewerber oder ist es eher eine Konkurrenz in Stuttgart, wo man sagt: „Man muss gucken, wo man bleibt?“

Michael: Mitbewerber und Konkurrenz. Es geht für mich beides in die gleiche Richtung. Es gibt auch Partnerschaften. Wir haben auch ein kleines internes Netzwerk von einigen Immobilienexperten. Menschen aus der Branche, die sehr fundiertes Wissen haben und die auch viel Erfahrung haben, weil es sie schon sehr lange am Stuttgarter Markt gibt. Wir treffen uns auch regelmäßig und tauschen uns da aus. Natürlich ist es auch Konkurrenz, muss man ganz klar sagen. Es gibt immer mal wieder Gemeinschaftsgeschäfte, das ist ja auch nicht unüblich. Ich begrüße das auch sehr. In anderen Ländern ist es noch viel üblicher. Allerdings dürfen wir auch die Immobilienmärkte international nicht miteinander vergleichen. Da kann man allein nur über die Grenze nach Holland gehen, da hat man einen völlig anderen Markt. In Holland ist es ähnlich wie in den USA, eine viel höhere Fluktuation. Man kauft eigentlich viel mehr, als dass man mietet. Das hat auch mit der Eigentumsquote zu tun. Es sind immer noch sehr viele Mieter in Deutschland. In Ländern wie beispielsweise Holland, um jetzt mal ein Nachbarland zu nennen, ist die Eigentumsquote viel höher und deswegen wird viel mehr verkauft und gekauft. Da sind für die Makler andere Provisionssätze oder Pauschalen möglich, weil sich da viel mehr „dreht“. Hier in Deutschland, insbesondere im Schwabenland, ist es ja oft so, dass man die Immobilie, die man einmal gekauft hat, nie wieder verkauft. Es wird vererbt und um Gottes Willen nichts verkauft. Das höre ich dann immer wieder, egal, wie wenig sinnvoll es ist, die Immobilie noch zu halten.

Johannes: Es gibt ja auch Grundstücke, die seit 50 Jahren unbebaut sind.

Michael: Natürlich. Ich meine klar, betrachtet man die Entwicklung der letzten 10 – 15 Jahre haben diese Menschen natürlich absolut recht gehabt, weil sich einfach die Wertentwicklung so positiv vollzogen hat. Aber nichtsdestotrotz gibt es laufend auch Kunden, denen ich klar sagen muss: „Die Immobilie macht überhaupt keinen Sinn.“ Ich habe erst gestern ein Gespräch gehabt mit einem Kunden. Gerade die älteren Generationen sind aktuell auch mit der Ukrainekrise und dergleichen sehr ängstlich. Sie fragen sich, was auf sie zukommt. Und dann wird viel von Währungsreform gesprochen und von Enteignung. Nichtsdestotrotz sind es dann teilweise alte Immobilien, die viel Sanierungsstau haben. Bei eigen genutzten Immobilien, wie bei Einfamilienhäusern, lohnt sich das dann sowieso nicht. Aber selbst bei kleinen Wohnungen und Kapitalanlagen ist es so. Wenn man ein gewisses Alter hat, wird sich das, was man jetzt da reinsteckt und womöglich noch die ganze Sanierung des Hauses on top, mit Dämmung, Fenstern, Dach und all diese energetischen Themen, sich zu Lebzeiten für diesen Eigentümer niemals amortisieren. Klar, wenn man Kinder hat und sagt: „Ich will auf jeden Fall, dass die das alles kriegen und erben und ich möchte ihnen auch nicht irgendwas renovierungsbedürftig überlassen, sondern das soll ein Top-Objekt sein.“ Das hat seine Berechtigung, aber wenn man es rein von den Zahlen her betrachtet, dann ist es oftmals Quatsch an diesen Immobilien zu kleben. Man sollte auch mal umschichten, diversifizieren und sagen: „Hey, wir haben da eine große Immobilie, die kann eigentlich keiner so richtig nutzen.“ Ein klassisches Beispiel ist das elterliche Haus. Ein Riesenbunker und voll sanierungsbedürftig. Da steckt man nochmal eine halbe Million rein, wenn das reicht. Warum nicht verkaufen und dann lieber drei kleine Wohnungen kaufen, um auch eine gewisse Risikostreuung zu haben? Oder vielleicht eine altersgerechte Wohnung? Dort kann man vielleicht selbst mal reinziehen und dann zwei andere, die vermietet werden oder so. Das sind so Gedanken. Da muss man die Kunden dann einfach ein bisschen hinführen.

Johannes: Du sagtest, Ihr habt hier sehr flache Hierarchien. War das von Anfang an so?

Michael: Ja, ich würde schon sagen, dass auch unser Vater schon jemand war, der einen sehr guten Draht zu den Mitarbeitern hatte. Er war sehr früh per Du und hatte immer ein positiv einnehmendes Talent. Auch wenn dann mal etwas nicht so gut lief, konnte er das über seine positive Art wieder kompensieren. Ich glaube, das haben wir schon auch gelernt von ihm. Und natürlich tickt die heutige Generation nochmal ganz anders. Wir hatten es jetzt auch letztens wieder in Mitarbeitergesprächen und Bewerbungsgesprächen, wie viel Wert daraufgelegt wird. Wir haben diese schöne Symbiose aus einem traditionsreichen Familienunternehmen, welches sehr stabil dasteht und dennoch sehr junge Geschäftsführer hat, das kommt gut an. Mein Bruder ist erst Anfang 30, also ist er wirklich noch sehr jung

Johannes: Und Du?

Michael: Ich bin Ende 30, also bin ich acht Jahre älter als er und habe auch immer noch die drei davor. Nicht mehr lange, was aber auch in Ordnung ist. Ich habe auch mit dem Älterwerden tatsächlich kein Problem. Das wissen unsere Mitarbeiter schon sehr zu schätzen, dass man so junge Geschäftsführer hat in einem traditionsreichen Unternehmen. Wir grillen zusammen, haben tolle Meetings zusammen und unternehmen gerne mal etwas. Das ist uns sehr wichtig, dass man morgens immer mit einem guten Gefühl in die Firma reingeht und abends auch wieder rausgeht. Das ist heutzutage, glaube ich, einfach elementar.

Johannes: Das ist der Grund, warum man aufsteht.

Michael: Ja, und es lässt Dich auch schwierige Situationen einfach viel besser handhaben. Wir haben oft die Situation, in der auch Mitarbeiter sagen: „Wenn ich da jetzt allein an dem Thema gesessen wäre, wäre es unangenehm geworden. Aber weil das Team mir zur Seite gestanden und geholfen hat, hat sich das Thema sofort aufgelöst.“ Zum Beispiel mit einem blöden Eigentümer, den es Gott sei Dank bei uns eigentlich nicht gibt, dessen Haus wir verwalten. Da gibt es doch ab und an Situationen, in denen es natürlich etwas stressiger werden kann. Und so läuft es perfekt.

Johannes: Bist Du perfektionistisch?

Michael: Absolut.

Johannes: Zu sehr?

Michael: Ich bin schon sehr perfektionistisch. Ich habe da sehr hohe Ansprüche und es fängt bei meinem Schreibtisch an, wo man selten etwas drauf liegen sieht.

Johannes: Ich sehe Wasser, Stift, eine Tasse und ein Handy.

Michael: Ich fühle mich auch tatsächlich unwohl, wenn es nicht aufgeräumt ist. Das muss ich auch mit kleinen Kindern zu Hause erst mal verkraften, dass es da nicht immer aufgeräumt ist. Trotzdem räume ich abends zusammen mit den Kids dann auch auf. Da bin ich schon perfektionistisch und ich finde es in Ordnung und nicht too much. Es gibt auch Menschen, die übertreiben es dann in dem Bereich, das geht dann auch nicht. Aber im Büro ist mir Ordnung und einfach eine klare Linie sehr wichtig.

Johannes: Heute Abend 19:00 Uhr, bei mir zuhause ein bisschen Ordnung machen, bist Du dabei?

Michael: Ja, da sollte ich vielleicht ein Business draus machen. Da gibt es glaube ich aber auch schon einige Anbieter in dem Bereich. Ich glaube, das ist gar nicht so schwierig. Das ist wie bei vielen Dingen im Leben. Wenn man einmal angefangen hat, jeden Morgen zwei Stunden Sport zu machen und das drei Monate durchzieht, dann fällt es einem irgendwie nicht mehr schwer. Wenn man einmal anfängt, Dinge konsequent dort abzulegen, wo sie hingehören, dann ist es kein Akt mehr es jedes Mal kurz zu erledigen. Das ist so ein bisschen mein Credo.

Johannes: Dein Credo. Ich bin da eher etwas anders.

Michael: Was glaubst Du, was ich für Haushalte sehe? Das ist das hochinteressante in unserem Job, dass man so viele Menschen und eben auch deren persönliches Umfeld kennenlernt. Das ist teilweise toll und beeindruckend, auch in einer positiven Weise, aber natürlich auch teilweise echt hart.

Johannes: Nenne uns mal bitte ein Beispiel. Was war das Heftigste, was Du gesehen hast?

Michael: Es gibt einfach Menschen, die haben teilweise bis hin zum Messie-Sein ihre Themen. Letztens traf ich eine Eigentümerin, bei der nichts auf dem Boden sein durfte, sie muss alles irgendwo hochlegen. Da darf sich nichts auf dem Boden befinden und es stehen dann überall irgendwelche Sachen herum auf dem Regal und das sah ganz skurril aus. Ich sprach sie dann so ein bisschen persönlich darauf an und sie gestand mir, dass das eine gewisse psychische Störung ist. Das ist immer wieder interessant, was sich da draußen alles so an Menschen tummelt.

Johannes: Das würde mich auch reizen. Mal zu sehen, wie andere leben. Man hat ansonsten wenig Einblick, außer bei Freunden. Aber nicht bei anderen Menschen, die man draußen auf der Straße sieht.

Michael: Ja, es ist auch sehr oft interessant, was für ein familiärer, persönlicher Background im Endeffekt hinter diesen Immobilien herrscht und wie viel Schein da manchmal auch ist und wie wenig Sein. Oder wie brutal zerstritten manche Familien sind. Leider Gottes sind Erbstreitigkeiten oder Scheidungen oft ein Haupt-Verkaufsgrund bei uns, wo wir übrigens auch extreme Mehrwerte bieten können, einfach dadurch, dass wir eine neutrale Instanz sind. Ich persönlich glaube, ich komme auch gut mit allen zurecht. Sicherlich eine große Stärke von mir. Ich bin, glaube ich, so ein geborener Mediator, tatsächlich war ich das schon als Kind oder Jugendlicher. Ich hatte immer breite Schultern und habe nie irgendwelche Streitigkeiten in dem Sinne erlebt, auch im sportlichen Kontext.

Johannes: Vielleicht wegen der großen Schultern?

Michael: Womöglich, genau. Aber auch einfach, weil ich immer gut vermitteln konnte und immer wusste, wie ich Menschen mit einer positiven Art begegne. Das spielt auch eine große Rolle in meinem Job.

Johannes: Angenommen, ein Ehepaar ist zerstritten und trifft die Entscheidung sich zu trennen. Ist es dann immer die Lösung, dass ein Haus gleich verkauft werden muss? Oder gibt es auch andere Modelle?

Michael: So eine Scheidung ist in aller Regel eine sehr komplexe Angelegenheit. Es gibt Eheverträge, die solche Themen regeln. Gerade wenn jemand Unternehmer ist, sollten Eheverträge eigentlich fast zwingend bestehen, damit das Unternehmen nicht mit hinab gezogen wird. Selbst mit Eheverträgen bleibt es in aller Regel komplex. Denn man muss in der Regel mit Zugewinngemeinschaft zurück gehen auf das Datum der Hochzeit und dann rückblickend rechnen und schauen, wer hatte wann was, und was kam wann dazu und was ist davon ausgenommen? Vielleicht Schenkungen der Eltern und Erbschaften usw. Es ist hochkomplex und deswegen verdienen da Anwälte immer gehörig mit, weil es sich teilweise ohne Anwälte gar nicht lösen lässt. Aber um aufs Haus zu sprechen zu kommen: Es ist so, dass dann oftmals sehr viele persönliche Erinnerungen und Emotionen damit verbunden sind und wir ganz oft erleben, dass beide Ehepartner sagen: „Wir möchten nicht mehr in diesem Haus leben, weil das ein gewisser Lebensabschnitt war, der seine Berechtigung hatte, der auch glücklich war mit Kindern. Aber jetzt wird es verkauft und jeder geht seinen eigenen Weg.“ Das ist oftmals einfach zwingend nötig, weil eine Partei ausgezahlt werden will und sehr viel Kapital in der Immobilie gebunden ist und sich das ohne den Verkauf manchmal nicht so einfach stemmen lässt.

Johannes: Da braucht man schon so ein kleines Fach-Team.

Michael: Noch schlimmer ist eigentlich die zerstrittene Erbengemeinschaft. Das ist eigentlich das komplexeste Thema.

Johannes: Deswegen stehen wahrscheinlich auch viele Objekte einfach ewig.

Michael: Ja, richtig. Wir haben jetzt gerade wieder ein Objekt in den Verkauf gekriegt, das seit drei Jahren leer steht. Es gibt fünf Geschwister, teilweise komplett über Deutschland verteilt. Es waren schon immer vier, die untereinander verstritten waren. Der Fünfte, den man 30 Jahre lang nicht mehr gesehen hatte, tauchte jetzt natürlich prompt auf und fordert ebenfalls seinen Anteil. Deswegen liegt es seit drei Jahren brach. Jetzt haben sie sich endlich gemeinsam dazu entschlossen, uns zu beauftragen und das Thema abzuhaken. Da muss man dann im Vorfeld schon auch Klartext sprechen, damit das wirklich klar definiert ist und wenn wir es dann angehen, auch alle an einem Strang ziehen und niemand das blockiert.

Johannes: Und Du brauchst ein dickes Fell und einen langen Atem.

Michael: Ja, da habe ich immer einen sehr guten Draht zu allen. Es ist immer wichtig, allen ein gutes Gefühl zu geben und alle mitzunehmen und alle irgendwie wertzuschätzen und niemandem das Gefühl zu geben: „Hey, dein Bruder, der kennt sich hier besser aus und ich kläre das mit ihm.“ Das ist ganz wichtig. Es ist tatsächlich extreme Feinfühligkeit gefordert.

Johannes: Du hattest im Vorgespräch auch gesagt, dass Du Dich ehrenamtlich betätigst?

Michael: Ich bin und war immer ein begeisterter Basketballspieler und habe dann vor wahrscheinlich mittlerweile zehn Jahren rein ehrenamtlich die Leitung, sozusagen das Management des Basketballvereins der PKF Titans in Stuttgart, übernommen. Wir konnten mit der Firma PKF, einer großen Wirtschaftskanzlei aus Stuttgart-Degerloch, einen ganz tollen Naming Right Sponsor gewinnen. Das ist so ein bisschen mein Return an die Gesellschaft. Man hat mir viel gegeben über den Sport, übers Basketball und das ist so ein bisschen das, was ich gerne zurückgebe und was natürlich auch ein Stück weit Spaß macht. Es ist schon zeitintensiv und läuft aber auch sehr erfolgreich. Wir haben uns da sehr gut entwickelt und sind da sehr erfolgreich unterwegs und es ist einfach schön zu sehen. Ich weiß einfach, dass so ein Sport Kindern und insbesondere Jugendlichen einfach wahnsinnig viel geben und prägen kann. Dieses Team Building und zusammen an einem Ziel arbeiten und sich gegenseitig unterstützen, was ja auch letztendlich bei uns in der Firma das Gleiche in Grün ist. Das spiegelt sich da wider und es macht Spaß. Das ist mein kleines Hobby, wenn man so möchte.

Johannes: Ich hatte vor ein paar Wochen Titus Dittmann im Interview und er hat einen sehr ähnlichen Drang, Kindern den Zugang zur Bewegung, Zugang zum Skateboard fahren, zu geben. Wenn man das hinkriegt, dann brauchen sie nicht arbeiten. Das war so ein Spruch von ihm, er sagte: „Ich habe keinen Bock zu arbeiten, ich habe 24 Stunden Spaß. Ich verdiene damit Geld, das ist das Coole.“ Ich glaube, das will er auch den Kindern mitgeben, dass sie an Zielen arbeiten und Spaß finden und mit Spaß ihre Ziele erreichen.

Michael: Wir haben auch regelmäßig Praktikanten, nicht zuletzt letzte Woche. In dem Fall tatsächlich ein Schülerpraktikant, der auch Basketballer ist. Es kam jetzt eher über den Verein und ich weiß natürlich auch ein stückweit, dass sie seit Jahren in so einer Mannschaft spielen und so einen Sport ausüben, wo es auch viel auf Verlässlichkeit ankommt und eben dieses Teamwork und ein gewisses Organisationstalent für sich selbst. Wenn man ein gewisses Level erreichen muss, dann muss man sich einfach auch gewisse Ziele und Pläne setzen. Dann merkt man das auch sofort im täglichen Arbeiten. Das sind dann auch nie Kids, die hier rein schlurfen und nichts mit sich anzufangen wissen, oder sich dann mit dem Handy in ihren Bürostuhl verkrümeln, sondern das sind intelligente, aufgeweckte junge Menschen. Also eine, glaube ich, auch tolle Generation. Ich bin jetzt auch zum Beispiel nicht einer von denen, der da immer die junge Generation verteufelt, wie man es manchmal hört im Sinne von: „Die Jugend von heute, aus denen wird nichts mehr“, sondern ich sehe ganz viele junge Leute, bei denen ich denke: „Wow, da wird eine coole Generation nachkommen.“ Gilt nie für alle, das ist klar. Aber ich bin da auch optimistisch. Auch, dass wir diese großen Probleme, die wir ja bekanntlich auf diesem Planeten haben, in den Griff kriegen.

Johannes: Hast Du einen Helden in der Wirklichkeit, jemanden wo Du sagst: „Das ist ein Vorbild für mich?“

Michael: Nein, habe ich nicht. Könnte ich Dir niemanden nennen. Es gibt viele Personen, die ich ein Stück weit bewundere für unterschiedlichste Themen. Aber die eine Person, bei der ich sage: „So wäre ich gerne“, die gibt’s nicht.

Johannes: Was schätzt Du an einer Frau am meisten?

Michael: Da gibt es viele Dinge, die ich wertschätze. Ich habe das große Glück, eine rundum gute und tolle Frau gefunden zu haben, die mir ein ganzes Stück weit den Rücken freihält. Gerade auch mit den Kids und mit Haushaltsthemen und dergleichen. Sie ist eine Schaffnerin, die, wie vorher erwähnt, aus dem Schwarzwald kommt. Vielleicht kommt es auch daher, dass die Schwarzwaldmädels einfach noch wissen anzupacken. Sie ist kreativ, das weiß ich auch sehr zu schätzen. Eine unglaublich kreative Person, die selbst auch Künstlerin ist und lange auf der Bühne als Musicaldarstellerin stand und auch wirklich viel erreicht und die größten Rollen gespielt hat. Dann aber auch uns zuliebe, den Kindern zuliebe, ein Stück weit ihre Karriere zurückgedreht hat. Was ich auch sehr zu schätzen weiß. Ich habe da viel Glück gehabt.

Johannes: Was hältst Du von dem Spruch „Schuster, bleib bei Deinem Leisten?“

Michael: Davon halte ich eigentlich schon viel, muss ich sagen. Weil ich immer wieder Menschen sehe, die dann den Krämerladen anbieten wollen und sich verrennen und nicht auf die Kernkompetenzen konzentrieren. Von daher bin ich ein großer Verfechter davon.

Johannes: Also Du liebst Deine Arbeit absolut und sagst: „Es entstehen keine weiteren Projekte nebenher, sondern ich lebe mich komplett in meiner Immobilienwelt aus.“ Oder gibt es auch Themen, bei denen Du sagst: „Hey, das interessiert mich und ich könnte mich in diesem Projekt verewigen, auch wenn es nicht zu 100 % meine Kernkompetenz ist, aber ich hole mir die Kernkompetenzen dann vielleicht rein.“ Beispielsweise das Bauen?

Michael: Im Immobilienkontext gibt es natürlich viele Möglichkeiten und es spielt dann sozusagen für mich schon alles in die „Schusterarbeit“ mit rein. Komplett autark wäre für mich jetzt zum Beispiel eine Werbeagentur zu eröffnen. Da kenne ich mich tatsächlich einfach zu schlecht aus. Aber wir haben auch Planungen im Verwaltungsbereich, um da gewisse Dienstleistungen einfach selber abzudecken. Nicht nur, weil wir dann wissen, dass sie qualitativ gut gemacht sind, sondern auch, weil wir dann regelmäßig jemanden vor Ort in den Objekten haben, was auch spannend ist. Wir verwalten nur Mehrfamilienhäuser und wir machen keine WEG Verwaltung. WEG Verwaltung bedeutet, dass das Haus in verschiedene Grundbücher aufgeteilt ist und verschiedene Eigentümer unter einem Dach leben. Das ist eine andere Art von Verwaltung. Wir machen die reine Mietverwaltung, also wenn dem Eigentümer das gesamte Gebäude gehört. Sprich, wir sind für alles zuständig. Das ist so das Rundum-sorglos-Paket für die Kunden, die oftmals auch im Ausland oder weit weg wohnen, oder einfach damit überhaupt nichts zu tun haben wollen. Es ist ein qualitativer Anspruch an uns, dass wir auch sehr regelmäßig vor Ort sind, um nach dem Rechten zu sehen. Nicht nur dann reagieren, wenn mal dann ein Mieter anruft und sagt: „Hey, da tropft irgendwie seit Wochen der Wasserhahn im Keller.“ Oder „das Licht geht schon seit Monaten nicht mehr“, sondern aktiv vor Ort zu sein und aktiv nach dem Rechten zu sehen. Da gibt es schon gewisse Überlegungen, auch bezüglich des Bauens. Im Moment ist das aber wirklich eine ganz komplexe Zeit, mit diesen massiv steigenden Kosten im Bau. Vor allem die Materialkosten und das sind immer Projekte, die auf Jahre angelegt sind. Es ist nicht so, dass man mal sagt: „Jetzt baue ich und in einem Jahr steht das Haus und alles ist fertig.“ Sondern es ist meistens ein Projekt von roundabout drei Jahren, die man da einkalkulieren muss. Man kann diese Preiserhöhungen den Käufern dann nicht einfach unterjubeln und sagen: „Naja, jetzt kauft der zum Preis 500.000, aber dann könnte es sein, dass das nachher 700.000 € kostet, weil die Preise angestiegen sind.“ Es ist schon riskant im Moment, auch für Bauträger. Im privaten Sektor ist es dann alles noch ein Stück weit überschaubar. Natürlich gibt es auch da Fertighaus-Hersteller, die dann gewisse Preise einfach garantieren können und sagen „wenn Du jetzt unterschreibst, dann kostet es de facto so und so viel, weil wir das Material auf Lager haben und wir das einkalkulieren können.“ Wenn man aber Mehrfamilienhäuser baut, dann ist es schon ein Risiko. Im Moment hat man auf dieser Waage, die praktisch bestimmt, ob die Preise sinken oder steigen, im Immobilienbereich schon mehr und mehr Themen, die in dieser Waagschale landen und dafür sorgen, dass die Preise eher sinken, als dass sie steigen. Insbesondere die aktuell steigenden Bauzinsen. Die Zinsen sind in den letzten drei Monaten massiv gestiegen, um bis zu 2 %. Und man hat eigentlich historisch immer gesagt, dass 1 % Zinsunterschied ungefähr 14 % Kaufpreisunterschied macht. Also die Zinsen steigen um 1 %, die Kaufpreise sinken um 14 % und umgekehrt. Jetzt hat man aktuell noch die Inflation und so ein bisschen die Angst, mit Ukraine usw., die wiederum in der Seite der Waagschale landen, dass die Preise eher steigen. Aber wir haben eben auf der anderen Seite insbesondere die Zinssteigerungen, aber auch eben die Baupreissteigerungen, Materialkosten usw., die dafür sorgen, dass die Preise eher nach unten gezogen werden, als dass sie nach oben gehen. Wenn man das weiß als Bauträger, muss man kalkulieren, dass man in zwei Jahren einfach 20 – 30 % mehr Kosten hat für den Bau, aber die Kunden diese Preise möglicherweise nicht mehr zahlen. In der Vergangenheit hat man ungefähr gesagt: „Komm, mach einfach die Kaufpreise 20 % teurer, das geht trotzdem weg, die Zinsen und alles bleibt noch lange bei null Komma.“ Die Zeiten haben wir jetzt nicht mehr und die werden auch nicht wiederkommen. Davon bin ich relativ überzeugt. Das wird sich jetzt eher so bei 2,5 bis 3 %, vielleicht sogar 3,5 % Zinsen einpendeln. Und das ist schon ein Pfund für viele, gerade für Privatkäufer, die das halt einfach aus dem Netto zahlen müssen. Wir hatten in den letzten Wochen jetzt auch schon einige Fälle, bei denen dann Käufer im Endeffekt zurückgetreten sind, weil sich ihre monatliche Rate mal ganz kurz um bis zu 1.000 € netto verteuert hat. Nur durch die Zinssteigerung. Man hat sich im Januar noch über den aktuellen Zinssatz bei der Bank erkundigt und hat mit diesem für einen Kauf gerechnet und jetzt bekommt man die aktuellen Konditionen und das sind einfach mal 1.000 € mehr im Monat. Rechnet man das auf die Laufzeit hoch, ist das für viele nicht mehr machbar.

Johannes: Ich glaube, meine Eltern hatten damals sogar 10 % gezahlt.

Michael: Ja, also wir sind ja immer noch in einer historisch sehr günstigen Zeit. Das darf man nicht vergessen. Die Leute sind jetzt einfach verwöhnt durch diese günstigen Zeiten mit 1,2 – 1,3 %. Aber daran muss man sich erst einmal wieder gewöhnen. Wird man sich auch. Aber es dauert halt und es wird sich meines Erachtens auch bei den Preisen bemerkbar machen.

Johannes: Was macht für Dich einen Hidden Champion aus?

Michael: Ein Hidden Champion? Das ist so ein bisschen das, was ich ja auch gerne mag. Understatement. Ich bin, denke ich, grundsätzlich auch eher ein Typ, der eher Under- als Over Statement lebt. Ich fühle mich damit einfach wohl. Man lernt sich über die Jahre einfach selbst auch immer besser kennen und merkt, was man möchte und was man nicht so möchte. Mit was man sich wohlfühlt und mit was man sich nicht so wohlfühlt. Gerade in diesem Immobilienkontext tummeln sich auch einige schillernde Gestalten, bei denen Äußerlichkeiten eine ganz große Rolle spielen. Es ist auch so das Klischee des Maklers, der dann im Porsche vorfährt und eine Rolex am Arm hat und viel Geld für wenig Arbeit verdient. Das sind diese Klassiker, die auf uns absolut gar nicht zutreffen. Also weder auf mich noch auf unsere Firma allgemein. Wir leben eher dieses Understatement und fühlen uns damit wohl. Das macht für mich einen Hidden Champion aus, dass er das nicht nötig hat, nach außen zu zeigen. Wir haben auch viele Kunden, die sehr wohlhabend sind und denen man das aber niemals ansehen würde. Das finde ich immer beeindruckend, dass man dieses protzige Auftreten einfach nicht nötig hat. Das ist vielleicht auch ein Stück weit hier in der schwäbischen Mentalität verankert. Das sieht teilweise in anderen Regionen, selbst in Deutschland, aber auch weltweit, ganz anders aus. Da zeigt man das und da gönnen es einem auch alle und freuen sich für einen, wenn man dann irgendwie mit dem Porsche vorfährt. Hier ist das eher anders und da fühle ich mich auch eher wohl, muss ich sagen.

Johannes: Deswegen auch Schwarzwald, nicht Dubai.

Michael: Ja, absolut. In zehn von zehn Fällen lieber Schwarzwald als Dubai.

Johannes: 40 Grad sind auch unangenehm, muss ich sagen.

Michael: Ich war auch schon oft in Dubai und habe da sogar einen Onkel, der dort dauerhaft lebt. Deshalb kenne ich mich sehr gut aus in Dubai. Ich finde es sehr beeindruckend, was da geschieht und was die da so schaffen und was möglich ist, wenn man Geld und Platz hat. Aber leben? Ne, danke, das könnte ich dort nicht.

Johannes: Vielen Dank, Michael, für das interessante Gespräch.

Michael: Sehr gerne, hat viel Spaß gemacht.

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