Hidden Champions

Linus Orszulik

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Lesezeit ca. 15 Minuten

Bitcoin geht offline!

Er integriert Bitcoin erfolgreich in Unternehmen: Linus Orszulik von Bitcoin Store

Bitcoin ist der Pionier unter den Kryptowährungen. Es ist eine dezentrale, digitale Währung auf Basis der Blockchain-Technologie. Sie wird von keinem Staat und keiner Zentralbank reguliert. Die dezentrale und manipulationssichere Architektur von Bitcoin macht Zwischenhändler, wie Banken oder Kreditinstitute, überflüssig. Dadurch entfallen teure Transaktionskosten, die Banken ihren Kunden für Auslandstransaktionen häufig in Rechnung stellen. Linus Orszulik ist einer der Geschäftsführer von Bitcoin Store. Seine Mission: digitale Währungen in Unternehmen erfolgreich integrieren.

Dem Jungunternehmer Linus Orszulik steckt das Unternehmertum im Blut. Bereits in der Grundschule lautete seine Antwort darauf, was er einmal werden will: selbstständig! Mit 15 hat er bereits in einer IT-Firma Kaltakquise betrieben. Seinen ersten Bitcoin Store hat er mit 22 Jahren, während der Corona-Krise, gegründet. Für ihn war damals klar, „Jetzt ist die Zeit gekommen, um mit seiner Idee auf den Markt zu gehen“. Über die Zukunft macht Linus Orszulik sich keine Sorgen, denn er weiß „Meine Sicherheit bin letztendlich ich selbst und mein Wissen, da ich weiß, was ich kann und zu was ich fähig bin.“

Interview mit Linus Orszulik

Johannes: Schon seit mehreren Jahren beschäftigt sich unser heutiger Hidden Champion intensiv mit dem Kryptomarkt, insbesondere mit der digitalen Währung Bitcoin. Bitcoin ist der Pionier unter den Kryptowährungen. Linus Orszulik ist einer der Geschäftsführer von Bitcoin Store. Ich bin gespannt, was er uns heute an Wissen mit auf den Weg gibt. Herzlich willkommen, Linus. Schön, dass ich heute bei dir im Bitcoin Store in Esslingen sein darf.

Linus: Vielen Dank. Ich freue mich, dass du da bist.

Johannes: Wie alt bist Du?

Linus: Ich bin jetzt 22.

Johannes: 22. Du bist Geschäftsführer vom Bitcoin Store in Esslingen.

Linus: Genau.

Johannes: Wie kann man mit 22 Jahren schon selbstständig sein?

Linus: Ja, gute Frage. Also für mich gab es eigentlich keine andere Möglichkeit. Als man mich in der Grundschule damals gefragt hat: Linus, was möchtest du mal werden? Ich habe gesagt: Selbstständig. Da haben mich Lehrer und Mitschüler auch dann manchmal dumm angeschaut. Es war von Anfang an mein Ziel. Es war mein Ding, dass ich sage, ich möchte etwas Eigenes erschaffen. Und auch das Alter hat für mich nicht so viel damit zu tun, da ich früh angefangen habe in diese Richtung zu lernen, mir Skills anzueignen, die ich gerade für die Selbstständigkeit benötige. Ich habe geschaut, was benötige ich? Wie funktioniert ein Unternehmen, wie funktioniert Marketing? Und so weiter. Und ja, das war so der Grundgedanke. Ich habe mir nie die Frage gestellt, warum überhaupt? Sondern nur, wie? Und dass es so sein muss.

Johannes: Deine Eltern waren wahrscheinlich auch selbstständig, oder?

Linus: Ja.

Johannes: Das heißt, sie haben es dir mit in die Wiege gelegt.

Linus: Mit in die Wiege gelegt, ja. Ich habe das auch mitbekommen. Auch die Seite, wie viel sie gearbeitet haben, klar. Aber habe deswegen auch Verständnis bekommen und Unterstützung von zu Hause bekommen, damit es überhaupt so möglich war.

Johannes: Wahnsinn. Also mit so jungen Jahren schon den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen, finde ich sehr bemerkenswert. Ja, Feuer frei.

Linus: Danke sehr.

Johannes: Ich habe auch auf Deiner Website gelesen. Ihr habt auch schon einen zweiten Store, einen Bitcoin Store aufgemacht.

Linus: Genau. Wir haben jetzt im Dezember letzten Jahres den zweiten Standort in Österreich in Graz eröffnet. Ein ähnliches oder gleiches Konzept wie hier, nur eben, um in Österreich auch die Kunden abzudecken und dort genauso Dienstleistungen zu liefern wie hier.

Johannes: Wo soll die Reise hingehen? Wollt ihr noch mehr Länder?

Linus: Aktuell fokussieren wir uns stark auf Deutschland und Österreich. Wir sehen da gerade das größte Potenzial. Skalieren natürlich weiterhin, schauen aber, dass wir aktuell mit den zwei Standorten, also hauptsächlich aus Esslingen heraus, Deutschland bedienen, aus Graz heraus, Österreich bedienen. Weitere Standorte und ein größeres Netzwerk sind auf jeden Fall geplant. Ob wir da die physischen Standorte im Endeffekt noch benötigen werden in den nächsten Jahren, ist noch die Frage, das ist noch ungeklärt. Oder ob man sagt, man erweitert einfach die Standorte mit mehr Mitarbeitern, mit mehr Service. Man kann ja sehr, sehr viel aktuell online abdecken.

Johannes: Ja, gerade wenn es um Dein Thema geht, zwar Bitcoin, zumindest ein großer Teil davon. Sag mal in ein paar Sätzen, was macht ihr eigentlich?

Linus: Was wir machen, ist die komplette technische Beratung rund um Bitcoin und auch Kryptowährungen. Also sind da nicht beschränkt auf den Bitcoin, sondern machen theoretisch alle Kryptowährungen. Die Beratung umfasst einmal, was ist überhaupt Bitcoin? Um Menschen Bitcoin beizubringen, ist es sehr, sehr schwierig, online die richtigen Informationen herauszufinden und auch wirklich zu verstehen, was hinter Bitcoin steckt, ohne danach einen zu vollen Kopf zu haben und nicht mehr zu wissen, wo vorne und hinten ist. Dann das Technische, wie setzt man im Endeffekt auch das Wissen in die Tat um? Wie kauft man sein Bitcoin? Und ein großer Fokus, wie sichert man seine Bitcoin richtig? Das ist ein Fehler, den wir oft mitbekommen, gerade bei Neueinsteigern im Kryptomarkt, dass die Kryptowährungen falsch gesichert werden, nicht richtig gesichert werden, beispielsweise auch über falsche Börsen gekauft werden usw. Es gibt einige Fehler, die man als Neueinsteiger machen kann. Da beraten wir. Dann natürlich ein großes Thema. Wir gehen auf die Unternehmen ein und schauen, wie man Bitcoin in die Unternehmen integrieren kann. Das heißt nicht nur als Privatperson einfach Bitcoin kaufen und halten, sondern auch, wie man im Unternehmen Bitcoin beispielsweise als Zahlungsmittel annehmen kann, wie man ein Bitcoinbestand im Unternehmen verwalten kann. Und da begleiten wir sowohl die Privatpersonen als auch die Unternehmen über den Kauf bis zur Sicherung, über das ganze Investment bis hin zum Verkauf und stehen dort beratend zur Seite.

Johannes: Super, super spannend. Vor allen Dingen, ich habe bisher noch nie gedacht oder geglaubt, dass so etwas lokal passieren wird, weil Bitcoin ist ja etwas, was digital läuft und von einer Wallet zu einer Wallet, oder? Man hat ja das nicht physisch in der Hand. Das heißt, für mich ist jetzt ein rein digitales Produkt.

Linus: Ja, so war es bis vor zwei Jahren auch noch nicht. Wir haben 2020 eröffnet. Und das war genau die Intention dahinter, dass es nicht greifbar ist. Bitcoin ist digital, man weiß nicht, wo es ist. Es ist da irgendwo in der Blockchain. Aber wo ist es? Warum ist es begrenzt? Usw. Wir haben gesagt, wir machen das jetzt zum Teil physisch angreifbar, mit einem physischen Ansprechpartner, wo man wirklich die Fragen beantwortet bekommt, wo man wirklich die Dienstleistung bekommt und die Informationen bekommt, die man benötigt, um es ein wenig auch in die reale Welt zu heben. Um es einmal glaubhafter und auch antastbar zu machen. Für die Kunden, für die Leute.

Johannes: Ja, was war bisher die älteste Person, die hier hereinkam und sich über euch informiert hat? Das würde mich mal interessieren.

Linus: Also wir haben einen Kundenstamm von bis also von dem 18-jährigen der Bitcoin kaufen darf. Bis zu jetzt schon über 80-jährige. Das war eine Kundin, über 80, die Bitcoin gekauft hat, aber auch 60 bis 80. Bei der Spanne haben wir sehr, sehr viele Interessenten und Kunden. Gerade für die ist es wichtig, einen persönlichen Ansprechpartner zu haben. Die jüngere Generation geht eher noch online, sucht sich die Informationen online, macht das auf eigene Faust. Gerade die ältere Generation kennt es auch vom Bankberater, beispielsweise vom Versicherungsberater. Und so weiter. Sich persönlich hinzusetzen, persönlichen Ansprechpartner zu haben, der dann im Endeffekt das Meiste übernimmt.

Johannes: An dem Punkt, bevor Du dich selbstständig gemacht hast, war es da klar, welches Format es annehmen wird? Oder hattest Du schon vorher eine Selbstständigkeit, die dich schon in eine Richtung gebracht hat? Oder hast Du gleich von Anfang an dich auf den Bitcoin Store konzentriert?

Linus: Also auf den Bitcoin Store überhaupt nicht. Ich habe Bitcoin 2016 kennengelernt, 2017 angefangen, die ersten Bitcoin zu kaufen und bin da dann in die Selbstständigkeit gestartet, habe mein erstes Gewerbe angemeldet und erst mal Vertrieb für externe Firmen gemacht, das heißt Vertrieb und Marketing von externen Kryptofirmen, stark fokussiert auf Bitcoin und auf Kryptowährung. Das habe ich dann drei Jahre gemacht bis 2019. 2019 kam dann der Gedanke, ein eigenes Unternehmen zu gründen, eigene Beratung anzubieten. Mein Geschäftspartner und ich haben aus den Firmen, wo wir davor beispielsweise Vertrieb gemacht haben und involviert waren, haben wir viel mitgenommen, viel gelernt. Beispielsweise was war gut an der Firma, was könnten wir verbessern? Und aus den ganzen Erfahrungen, die wir dort in den drei Jahren gesammelt haben, haben wir im Endeffekt dieses Konzept geschnürt und gesagt: So soll es aussehen, so stellen wir es uns vor. So stellen wir uns seriöse Beratung vor und sind dann schließlich darauf gekommen, dass wir es Bitcoin Store nennen und letztlich auch einen persönlichen Ansprechpartner vor Ort möchten. Keine Onlinefirma, sondern wirklich ein Büro, wo man hinkommen kann, uns persönlich sieht und wir mit dem Gesicht dahinterstehen.

Johannes: Ja, in der Tat, man kann hier wirklich tatsächlich hereinlaufen. Ich konnte es auch kaum glauben, als ich Bitcoins dort draußen gesehen habe. Hey, das ist cool. Es gibt einen Laden hier. Dann habe ich noch eine Frage. Ihr seid wahrscheinlich auch als normale Firma in Deutschland gemeldet. Als GmbH wahrscheinlich.

Linus: Genau. Wir haben eine gemeldete GmbH in Esslingen.

Johannes: Okay, weil das finde ich nämlich auch spannend, weil die meisten Firmen, die man im Kryptobereich kennt, die haben ihre Firma auf irgendwelchen Inseln hocken oder sind irgendwo im asiatischen Raum, wo man dann natürlich eher nicht das Vertrauen aufbaut und sagt, denen schicke ich jetzt mal 20.000, 2.000, 100.000 in Bitcoin, weil wenn die weggehen mit dem Geld, dann ist es halt weg. Deswegen, ihr seid hier gemeldet.

Linus: Ja, das war auch ein riesiger und wichtiger Punkt für uns, was wir gesagt haben. Gerade durch die Erfahrungen, die wir in den drei Jahren gesammelt haben, zu sagen: Okay, so viel erlebt, so viel läuft in Firmen falsch. Auch teilweise aus dem Grund, dass sich beispielsweise die Gründer oder Geschäftsführer aus der Haftung herausziehen durch irgendwelche Offshore Firmen beispielsweise. Und das schafft kein Vertrauen, gerade in dem Markt, wo wir eh schon mit Vorurteilen belastet sind, es ohnehin schon nicht so einfach ist das Ganze zu verstehen, schafft es natürlich Vertrauen, wenn man vor Ort ist, wenn man eine deutsche Firma hat. Wir selbst sind auch eingetragene Geschäftsführer. Man kann mit uns sprechen. Also es war ein wichtiger Punkt, wo wir gesagt haben, da kommen wir auch auf jeden Fall nicht drumherum.

Johannes: Hast Du auch damals, bevor Du Dich wirklich selbstständig gemacht hast, auch mit dieser Glaubhaftigkeit auch gekämpft? Oder hast Du da mit Firmen zusammen, wo Du dachtest: Boah, das will ich anders machen?

Linus: Ja, auf jeden Fall. Also einmal, sobald man den einen oder anderen 2017 vom Bitcoin erzählt hat. Die meisten haben es nicht verstanden, was überhaupt Bitcoin ist oder wussten überhaupt nicht, was Bitcoin ist. Andere haben gesagt: Geh mir weg, du Betrüger! Also da hatte ich auf jeden Fall viel zu kämpfen. Sogar im Freundes und Bekanntenkreis wurden teilweise Kontakte abgebrochen, einfach, weil sie gesagt haben: Okay, sie identifizieren sich nicht mit dieser Materie. Auch ich hatte dann teilweise Schwierigkeiten, gerade mit Firmen, mich in Verbindung zu bringen. Das wollte ich nicht. Und das war auch ein ausschlaggebender Punkt, wo wir gesagt haben: Okay, es gibt nicht genau diese Firma, wo wir sagen, mit denen möchten wir arbeiten, sondern wir brauchen es selbst. Und mittlerweile ist es deutlich besser. Mittlerweile hat der Bitcoin einen anderen Stellenwert und auch die Freunde und der Bekanntenkreis versteht, was ich mache.

Johannes: Wenn Du die Zeit um, ich sage mal, vier Jahre auch noch vor Deiner Selbstständigkeit zurückdrehen würdest, was würdest Du anders machen?

Linus: Ich würde direkt Bitcoin kaufen und keinen einzigen Bitcoin mehr irgendwo abstoßen. Nicht verkaufen, egal welches Geld mir geboten wird.

Johannes: Spannend, das heißt, Du hast so Deine Erfahrung mit Anycoins gemacht.

Linus: Auch, ja.

Johannes: Ja, okay. Das heißt, Du würdest sagen, wäre ich dem treu geblieben, hättest Du heute wahrscheinlich mehr?

Linus: Ja, auf jeden Fall. Also viele Bitcoins auch einfach gerade wegen der Themen, die wir gerade angesprochen haben, von externen Firmen, von Konzepten, von eigenen Fehlern, einfach auch viele, viele Bitcoins verloren, zu früh verkauft. Ich glaube, das kennt jeder, der schon mal was mit dem Markt zu tun hatte.

Johannes: Ja, gut diese Frage mit hätte, hätte, Fahrradkette. Das ist auch etwas, was natürlich nichts verändert. Aber was natürlich jetzt anders ist, Du berätst ganz anders. Du hast eine andere Ruhe und eine andere Sicht auf den Markt. Und nicht mehr dieses schnelle Kaufen, Verkaufen, die volatilen Märkte beobachten. Wann steige ich in Bitcoin ein, in die anderen Anycoins? Das ist ja etwas, was auch irgendwie stressiger ist und was man dann meistens, wenn man es nicht weiß oder wenn man den Markt nicht richtig beobachtet, zu vielen Fehlern führen oder zu Verlusten führen kann. Das finde ich spannend, dass Du das jetzt anders machst.

Linus: Genau. Also gerade die Weitsicht ist in den letzten Jahren stark dazugekommen. Auch ab da, wo man dann das erste Unternehmen wirklich selbst gegründet hat. Die Weitsicht nicht nur, was kommt heute oder am Monatsende auf dem Konto an, sondern was verändern wir? Was bewegen wir, was schaffen wir überhaupt? Und genauso übertragbar auf den Bitcoin. Ob der Bitcoin jetzt, diese Woche oder diesen Monat Gewinn macht, ist mir, Stand heute, total egal. Also ich habe manchmal weniger Ahnung vom Bitcoin, Stand heute, als manche Kunden von mir, weil das gar nicht das Wichtige ist, womit ich mich im Endeffekt im Alltag beschäftige, sondern auch was den Bitcoin Kurs und was die Unternehmensphilosophie angeht viel langfristiger denke als damals.

Johannes: Wenn jetzt ein Ladengeschäft hier aus dem Umkreis kommt und sagt: Linus, ich hätte gerne Bitcoin als Zahlungsmittel. Wie mache ich das? Wie integriere ich den Bitcoin? Was sind so die ersten Steps?

Linus: Genau. Also erst mal haben wir ein Erstgespräch, so ungefähr wie wir jetzt hier. Erst mal ganz locker auf der Couch, um einmal die Fragen auch zu Bitcoin zu klären. Manche haben schon mehr Informationen, manche wissen noch nicht so über den Bitcoin Bescheid. Wird erst mal der Bitcoin besprochen, wie das überhaupt das Ganze abläuft und dann im Endeffekt auch sehr, sehr einfach die Anbindung, also wie die Bitcoin Zahlungsanbindung für das Unternehmen aussieht, wie sie es letztlich im Alltag handhaben, was sie für Vorteile davon haben, ein bisschen auch, wie die Technik im Hintergrund aussieht, um das Ganze sicher zu gestalten. Und dann auch ein Projektplan. Wie lang dauert die Umsetzung? Wann kannst du als Unternehmen Bitcoin akzeptieren? Und dann geht es schließlich in die Startphase, um dann auch wirklich im eigenen Unternehmen Bitcoin anzunehmen, das ist meistens so eine Dauer von 2 bis 3 Wochen.

Johannes: Also ich stelle mir jetzt eher so als QR-Code wahrscheinlich vor, oder? Und dann wird einer mit seiner Wallet den QR-Code abscannen und dann das Geld transferieren.

Linus: Genau. Also man kann sich es vorstellen wie ein EC-Karten Terminal nur auf dem Handy oder auf dem iPad, was man vor Ort hat. Also es kann im Handy, iPad und PC sein, wo im Endeffekt der Betrag eingetippt wird und genau zum gleichen Zeitpunkt mit dem aktuellen Bitcoin Kurs in Bitcoin umgerechnet wird. Das heißt beispielsweise eine Rechnung von 100 € wird dann zu diesem Zeitpunkt in Bitcoin umgerechnet. Der Kunde scannt das mit dem Handy ein und die Zahlung ist durch, also genauso schnell wie eine Kartenzahlung und auch in der Handhabung genauso einfach.

Johannes: Das will ich auch haben. Ich war die Woche beim Friseur, beim Peter Gress in Esslingen und da hat er mir erzählt, dass seine erste Kundin, die in Bitcoin gezahlt hat, 82 Jahre alt war.

Linus: 74 war sie, glaube ich.

Johannes: Fand ich total cool. Man geht eigentlich davon aus, dass der erste Kunde ja dann zwischen 18 und 30 ist. Aber 74, das ist natürlich. Die war bestimmt Kundin von dir, oder?

Linus: Ja.

Johannes: Ja, okay. Für dich stand wahrscheinlich immer außer Frage, dich wo anstellen zu lassen, oder?

Linus: Ja.

Johannes: Du hattest einfach total Bock drauf. Total Hirsch darauf.

Linus: Ja, also, ich war da immer heiß drauf, irgendwas selbst zu machen. Es war tatsächlich so ein bisschen eine Angst von mir. Einen Chef zu haben, der mir aufs Dach haut, ist so ein Eigending von mir. Das ist auch nicht für jeden was. Aber so war es schon immer und so hat es angefangen, dass ich während der Schule damals, während dem Abitur 2016 angefangen habe, mich damit zu beschäftigen. Und ich denke, da kommt auch das von der Frage davor stark ins Spiel, dass ich selbst angefangen habe, mir alles selbst beizubringen. Wirklich sehr, sehr viel selbst zu lernen, durch Online-Kurse, durch Seminare, online, offline. Mir einfach selbst wissen zusammenzusuchen und selbst zu schauen, was brauche ich überhaupt, was benötige ich überhaupt? Und da dann auch, sage ich mal, gelernt selbstständig zu lernen überhaupt.

Johannes: Ihr habt jetzt ja in der Coronapandemie gegründet. War das für dich ein einfacher Schritt oder war es klar, wenn dann jetzt?

Linus: Wir haben uns tatsächlich noch Gedanken gemacht, ob das der richtige Schritt ist, jetzt ein Ladengeschäft in diesem Sinne aufzumachen. Das Gute ist, wir laufen hier als Büro, also wir sind kein Einzelhandel, da wir auch nichts in dem Sinne verkaufen. Insofern konnten wir die ganze Zeit unter den entsprechenden Coronamaßnahmen eben geöffnet haben. Ein Gedankengang war es auf jeden Fall. Macht es Sinn jetzt in Corona aufzumachen, wenn die Leute sowieso Angst vor persönlichen Kontakt haben? Wir haben uns trotzdem ganz bewusst dafür entschieden, weil wir gemerkt und gesagt haben: Es ist an der Zeit, wir brauchen es jetzt. Es hilft uns nichts, in fünf Jahren damit zu kommen, sondern wir müssen jetzt damit an den Markt gehen. Mit dieser Idee, mit diesem Konzept jetzt die persönliche Beratung bieten, jetzt den Ansprechpartner bieten, weshalb für uns dann klar war. Egal, was gerade die externen Einflüsse sind, es ist an der Zeit für uns.

Johannes: Bist Du von Deiner Persönlichkeit her mutig?

Linus: Das würde ich von mir behaupten. Mutig, risikofreudig auf jeden Fall. Ich denke, ansonsten würdest du es auch nicht machen, weil du hast natürlich eine gewisse Verantwortung, musst natürlich auch schauen, dass es funktioniert. Ich denke, das ist so die größte Angst von den Meisten, in die Selbstständigkeit zu gehen. Da wirklich das Risiko einzugehen, mal Energie, Zeit und auch wirklich bares Geld reinzulegen, das im schlimmsten Fall einfach verschwunden ist.

Johannes: Das ist schon mutig. Womit hast Du Dein erstes Geld verdient?

Linus: Mein erstes Geld als Ferienjob bei meiner Mutter. Briefe kuvertieren, das waren damals 10 € auf die Stunde. Viele, viele Briefe in einem kleinen Büro. In Kuverts gemacht und versiegelt. Es gab die schon selbstklebend, das heißt, ich musste sie zum Glück nicht mehr abschlecken. Aber, das waren so die ersten Erfahrungen, wo ich merkte: Okay, eine Stunde Briefe kuvertieren ist ziemlich lang für 10 €. Da habe ich dann auch angefangen. Mit 14, 15 war ich auf den ersten Kongressen mit dabei als Vertriebler.

Johannes: Mit 14?

Linus: Ja.

Johannes: Hey, da habe ich noch in der Lego Kiste gespielt. Okay, da warst Du schon auf Kongressen.

Linus: Dafür bin ich auch extrem dankbar und das hat mich auch ein Stück weit dahin gebracht, wo ich überhaupt heute bin, dass es überhaupt so funktioniert. Da habe ich Vertrieb gelernt. Mit 15 habe ich Kaltakquise für eine IT-Firma gemacht. Drei Tage intensiv, jeden Tag Leute angerufen. Ablehnung kassiert. Neins kassiert. Um da irgendwie Termine zu vereinbaren. Teilweise kann man gut sagen, harte Schule, aber ich bin dankbar dafür. Es ist ein anderer Weg, wie jetzt beispielsweise vielleicht Zeitungen austragen, um Geld zu verdienen, sondern ich habe das meiste wirklich gemacht, um Erfahrung zu sammeln.

Johannes: Haben Deine Eltern dich da ein wenig gepusht, dass sie gesagt haben: Mach das mal, das liegt dir vielleicht nah?

Linus: Gepusht nicht unbedingt. Ich hatte immer die Möglichkeit bekommen, beispielsweise dann mit auf einen Kongress zu gehen, dann zum Beispiel Kaltakquise zu machen. Auch wenn natürlich klar war zum Beispiel. Okay, das ist jetzt vielleicht nicht das beste Image, ich bin noch kein Vertriebler, ich kann noch nicht wirklich telefonieren. Insofern Möglichkeiten bekommen, ja. Gepusht in diesem Sinne nicht. Also ich musste nie irgendwas in die Richtung machen, aber ich wollte es und es war auch ein Anreiz und eine Challenge für mich jedes Mal, beispielsweise nach zehn Neins wieder zu wählen, jemand Wildfremden anzurufen. Gerade bei der Kaltakquise habe ich mich da selbst gechallenged und es war meine eigene Motivation dahinter.

Johannes: Das heißt die Nein, die Du kassiert hast, waren für dich eine Challenge, einfach weiterzumachen. Das hast Du daraus gelernt, aus Deinem drei Tage Intensiv-Hardcore-Kaltakquise-Job.

Linus: Ja. Es war damals eine Challenge intern in der Firma von meiner Mutter, wo alle Mitarbeiter, egal ob Vertrieb oder nicht, drei Tage Kaltakquise gemacht haben. Man kann sich es ja ähnlich vorstellen wie an der Börse, wo plötzlich das ganze Büro im Endeffekt am Telefon sitzt, obwohl die es auch noch nie gemacht haben. Das hat es natürlich einfacher gemacht, weil nicht alles Vertriebler waren. Und dann hatten wir wirklich eine Tafel, wo jeder schließlich seine Striche für die vereinbarten Termine in dem Fall gemacht hat und sich da auch intern gechallenged hat. Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch. Die, die mich persönlich kennen, wissen das. Egal, ob es jetzt um Sport geht oder ob ich etwas koche. Auch wenn ich nicht kochen kann, möchte ich es trotzdem perfekt machen. Bin da gerade was Wettkämpfe angeht sehr, sehr ehrgeizig und das hat mir natürlich da geholfen, dass ich gesagt habe: Okay, ich bin irgendwo im Kampf mit einem anderen, mit einem Konkurrenten, weil ich am Ende der drei Tage mehr Termine vereinbart haben möchte als er. Und da kam dann auch die Motivation her zu sagen: Okay. Egal, wie doof es ist. Ich gehe trotzdem noch mal zum Hörer, weil ich möchte nachher gegen jemand anderes gewinnen. Also der Gewinner Instinkt, der ist bei mir sehr, sehr tief verankert.

Johannes: Das finde ich gut. Du hast ja vorhin auch erzählt, Du hast Wasserball gespielt und da habe ich mir das so bildlich vorgestellt. Bei mir würde es wahrscheinlich Unterwasserball heißen, weil das ja wahnsinnig anstrengend ist. Man muss ja Höchstleistung bringen und dann auch schneller und höher springen können, aus dem Wasser heraus und was weiß ich. Besser treffen in die Tore. Cool. Welche Liga hast Du gespielt?

Linus: Erste Bundesliga in Deutschland.

Johannes: Daher kommt der Ehrgeiz im Sport. Hast Du schon früh angefangen?

Linus: Ja, ich habe mit 13 angefangen, Wasserball zu spielen, mit 15 dann mein erstes Bundesligaspiel absolviert und dann fünf Jahre Bundesliga gespielt. Jetzt bin ich ein bisschen dort, seitdem wir hier gegründet haben und viel zu tun haben, kürzer getreten. Aber ja, auf jeden Fall. Es hat viel mit mir gemacht, auch einfach weiter zu beißen, auch wenn es schwer ist und wenn man nicht mehr möchte, im Training dann noch weiter durchzuziehen.

Johannes: Wenn Du Deinem jungen Ich einen Tipp geben würdest, welcher wäre das?

Linus: Auf jeden Fall, was mir so spontan als Erstes einfällt, würde ich ihn viel machen lassen. Also klare Regeln, klare Grenzen abstecken. Aber vom Prinzip würde ich sagen: Hey, flieg auf die Schnauze. Also so lernt man Fahrradfahren, sagt man auch, indem man hinfällt. Und ob das jetzt als kleiner Junge ist, wenn man hinfällt, beim Fahrradfahren sich ein Knie aufschürft oder ob man später mit der ersten Selbstständigkeit mehrere 1.000 € verbrennt, ist da vergleichbar. Und deswegen, was dich nicht umbringt, macht dich härter. Flieg auf die Schnauze, steh wieder auf, mach weiter. Und ich denke auch, dass irgendwann meine Kinder auch so ein bisschen Kampfgeist und Konkurrenzdenken von mir auf jeden Fall mitbekommen werden.

Johannes: Zwei Fragen noch. Was bedeutet für dich Risiko?

Linus: Risiko ist für mich im Endeffekt, wenn ich etwas investiere, egal ob das Geld, Zeit oder Energie ist. Ich etwas erwarte, ein Ergebnis erwarte, aber noch nicht sagen kann, wie der Ausgang ist. Das ist für mich das Risiko, wenn ich unsicher über den Ausgang von etwas bin, beispielsweise von einem Investment oder von einem Projekt, wo ich sage: Da stecke ich jetzt Zeit rein und ich kann den Ausgang aber nicht definieren. Dann ist es ein Risiko. Und da ist natürlich ein Grat zwischen, wie sehr kann ich den Ausgang definieren? Beispielsweise wenn ich meine Nudeln koche und die sieben Minuten im Wasser lasse, kann ich definieren. Sie sind circa durch. Wenn ich jetzt aber ein Unternehmen gründe und sage: Ich stecke 100.000 € in dieses Unternehmen. In einem schwierigen Markt, wo ich mit Dingen zu kämpfen habe, wo ich äußerliche Einflüsse habe, auf die ich keinen Einfluss habe, wo ich nicht weiß, ob mir jemand morgen den Hahn abdreht, dann ist es ein Risiko.

Johannes: Was bedeutet für dich Sicherheit?

Linus: Sicherheit gibt es für mich in diesem Sinne nicht. Meine Sicherheit ist letztlich ich selbst, mein Wissen, dass ich weiß, was ich kann, was ich fähig bin. Meine Skills, mein Durchhaltevermögen, das ist meine Sicherheit, weil alles andere kann durch externe Einflüsse genommen werden.

Johannes: Affengeiles Ende. Vielen Dank, Linus.

Linus: Sehr gerne. Danke dir, Johannes.

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