Hidden Champions

Fabian Arnold

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Lesezeit ca. 17 Minuten

Der Sneakerkönig

Darum zahlen Kunden von Hypeneedz 3.000 € für ein Paar Sneaker.

Eine Frage stellt Johannes allen Hidden Champions: Was war Dein größter Fehler? Die Antwort von Fabian Arnold: Viele Köche verderben den Brei. Das hat er schon recht früh gelernt. Muss man ja auch, wenn man mit 18 Jahren schon sein eigenes Unternehmen hat. Mit 18? Ja, Fabian und seine Freunde haben gleich mit der Volljährigkeit ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Schon als Teenager waren sie leidenschaftliche Sneaker-Fans. Um sich neue Schuhe leisten zu können, haben sie die getragenen verkauft. Die Sneaker, die sie heute bei HYPENEEDZ vertreiben, sind zwar ungetragen, doch eines ist geblieben: die Leidenschaft für ihr Geschäft. „Geld war für mich immer zweitrangig. Ich bin mit anderen Werten aufgewachsen.“

Ihre Werte haben Fabian und seine beiden Mitunternehmer in der Vergangenheit immer wieder gezeigt. Mitten in der Corona-Krise haben sie mit viel Mut eine Filiale in Wien eröffnet. Gleichzeitig setzten sie auf modernes Social Media Marketing, um ihren Kunden einen Einblick ins Unternehmen zu gewähren. In fast allem, was Fabian tut, glaubt man Fabians Erfolgsrezept wiederzuerkennen, das er uns im Interview verraten hat: „Wir haben uns einfach getraut.“ Natürlich wollte Johannes auch wissen, ob Fabian die Fehler der Vergangenheit vermeiden würde, wenn er heute nochmal in derselben Situation wäre. Seine Antwort: „Nein, denn sonst wäre ich nicht, wo ich heute bin.“ Wo er heute steht und wo er noch hin will, hat er uns im Interview verraten.

Interview mit Fabian Arnold

Johannes: Willkommen bei einer neuen Folge von Hidden Champion beim Sneaker Store HYPENEEDZ mit Fabian Arnold. Fabian ist einer von drei Gründern. Er begann als Teenager seltene Sneaker zu sammeln und online zu verkaufen. Dann, mit 18, gründete er gemeinsam mit zwei Freunden die Firma. Heute haben sie drei Standorte in Wien, Köln und München. Heute sitzen wir zusammen, und zwar nicht in irgendeinem Standort, sondern im Headquarter in München. Wie es ist, mit so jungen Jahren aus seinem Hobby in die Selbstständigkeit zu gehen, dann Mitarbeiter zu leiten und gleichzeitig die Expansion voranzutreiben? Das hören wir jetzt von Fabian persönlich hier und jetzt. Hi Fabian, danke, dass du die Zeit genommen hast.

Fabian: Sehr gerne.

Johannes: Sag mal ein paar Sachen über Dich. Und was machst Du eigentlich im Endeffekt?

Fabian: Ich bin der Fabian. Ich bin 24 Jahre alt. Wir verkaufen Sneaker und Kleidung im inzwischen sehr großen Stil. Also ich würde sagen, europaweit. Wir haben mit 18 die erste Firma gegründet, haben angefangen, eben wirklich auf einer professionellen Ebene Schuhe zu kaufen und zu verkaufen. Davor haben wir das immer so im privaten Stil einfach gemacht, hin und wieder, wenn sich was Cooles ergeben hat für unsere privaten Zwecke und dann mit 18 direkt die Firma gegründet und über Pop-up-Flächen angefangen, ein bisschen in das Geschäftsfeld reinzurutschen. Dann haben wir eine Homepage, dann einen Webshop gemacht und so ging das dann Step by Step bis zum ersten eigenen Laden in München und dann immer weiter in Richtung Expansion. Dann haben wir noch einen Laden in Wien aufgemacht, vor zwei Jahren inzwischen. Dann haben wir dieses Jahr noch in Köln unseren Laden aufgemacht und jetzt sitzen wir im Headquarter bei uns in München. Inzwischen sind wir bei knapp 25 Leuten. Letztes Jahr war es noch weniger als die Hälfte.

Johannes: Tatsächlich?

Fabian: Wir sind da aber auch was Personal betrifft, echt gut im Wachstum.

Johannes: Wie kann man sich das vorstellen? Du fängst mit 18 an oder hast Du schon vorher angefangen, mit 15, deine ersten Sneaker zu kaufen und zu verkaufen?

Fabian: Ja, aber ich habe sie damals tatsächlich immer nur gekauft und immer wieder nur verkauft, wenn ich sie getragen habe und einfach keine Lust mehr drauf hatte und ein neues Paar wollte – einfach um mir neue Sneaker leisten zu können.

Johannes: Cool. Und dann hast Du gemerkt, es funktioniert?

Fabian: Ja, dann habe ich in der Schule noch Betriebswirtschaft in Weimar gehabt, habe dann angefangen, Listen zu führen, mir einfach alles aufzuschreiben und natürlich so billig wie möglich einzukaufen und so teuer wie möglich wieder zu verkaufen. Einfach, um mir mehr Schuhe kaufen zu können. Als ich dann 18 war, habe ich dann so ein bisschen gemerkt, dass da schon ganz gut was unbewusst hängen geblieben ist. So ging das dann Step by Step.

Johannes: Das heißt, Du hast aus der Passion heraus angefangen, einfach Bock gehabt? Du hast gemerkt, es funktioniert, es bleibt etwas hängen, ich gebe Gas?

Fabian: Ich mache mal, denn wir hatten damals tatsächlich gar kein gutes Jahr. Auch der Hintergedanke, so viel Geld wie möglich zu verdienen, das hat bei uns eigentlich noch nie eine Rolle gespielt, sondern immer nur, dass wir das machen wollten, was wir gerne machen und unsere Leidenschaft dann einfach in die Geschäftswelt mit einbringen. Das war für uns diese Wende. Als wir dann gemerkt haben, wir machen das, was uns Spaß macht und verdienen damit auch noch Geld. Ich glaube, dass uns das immer von allen so ein bisschen abgehoben hat, dass das Geld für uns eigentlich immer zweitrangig war. Bei uns ist einfach die Leidenschaft immer an erster Stelle gestanden.

Johannes: Was ist das für ein Schuh hier im Hintergrund?

Fabian: Hier haben wir einen ATC 750, das ist noch der Augie Calloway. Der ist aus einer Zusammenarbeit zwischen Adidas und Kanye West entstanden. Das war so einer von den Schuhen, die mich mit dem Titel Love in diesem Sneaker mal so richtig reingezogen haben, weil die mich einfach so fasziniert haben und ich sie so cool gefunden habe.

Johannes: Du hast sie aber noch nicht getragen, oder doch? Tatsächlich?

Fabian: Inzwischen bin ich oft schwach geworden. Also früher war ich immer so, dass ich Schuhe einfach so mit Samthandschuhen angefasst habe und inzwischen trage ich sie auch einfach. Also klar hat man immer noch welche, die man nicht anrührt, aber die habe ich irgendwie nicht ausgehalten, nicht zu tragen.

Johannes: Als es angefangen hat, war das ja noch gar nicht so ein Hype, oder?

Fabian: Nee, da war das tatsächlich noch so, wie man es in Ostdeutschland kennt. In Amerika war das schon lange im vollen Gange. Aber in Deutschland waren wir noch, so würde ich sagen, mit die Ersten. Klar, es gab immer schon eine riesige Sneaker-Community, aber in einem ganz anderen Stil und auch in einer ganz anderen Größenordnung als es jetzt ist. Also als simples Beispiel: In der Schule haben die Leute noch gar nicht gewusst, was das ist, und jetzt ist das so normal geworden.

Johannes: Wie kann ich mir das vorstellen?

Fabian: Also ich habe eine Affinität gehabt zu Schuhen, zu Musikern. Wir haben uns dann lustigerweise damals bei Ebay Kleinanzeigen kennengelernt. Dann haben wir immer mehr zusammen gemacht und dann hat sich da so eine Synergie ergeben. Mein Geschäftspartner Mario hat dann gesagt, er hat noch einen Kumpel, der kennt sich betriebswirtschaftlich sehr, sehr gut aus. Dann waren wir da irgendwie so dieses Trio und wir haben uns eigentlich ganz gut ergänzt und so ging das dann Step by Step voran.

Johannes: Das heißt, ihr habt euch über Ebay kennengelernt?

Fabian: Ja, tatsächlich. Wir haben uns damals schon einfach Schuhe verkauft und damit gehandelt. So hatte sich das dann ergeben. Also wir waren gar nicht so Freunde im Sinne von, dass wir befreundet waren und einfach Bock hatten, sondern wir haben uns einfach kennengelernt und dann hat man gemerkt, man versteht sich, man kann zusammen Geld verdienen und hat so eine Leidenschaft einfach geteilt und weiß, wo die Reise hingeht. Naja, es ist schwer zu sagen. Dadurch, dass wir so ein sehr schönes Wachstum verzeichnen, ergeben sich jede Woche für uns neue Möglichkeiten. Jetzt war letztes Wochenende so eine richtig coole Sneaker-Messe. Wenn man mir vor einem Jahr gesagt hätte, dass wir die gemeinsam machen, hätte ich auch gesagt: „Das kann nicht sein“, denn vor fünf Jahren, als wir begonnen haben, sind wir selbst auf diesen Messen nur Aussteller gewesen. Das war schon echt krass für uns.

Johannes: Jetzt habt ihr eine eigene gemacht?

Fabian: Ja, das Einzige, was uns fehlt, ist eigentlich das Thema. Wir haben auch schon für unser Alter extrem viele Erfahrungen. Jeder hat schon seine Fehler gemacht und das ist auch alles schon deutlich besser geworden, weil man einfach aus Fehlern lernen kann. Ich bin auch froh, dass wir die schon sehr jung gemacht haben.

Johannes: Welche Fehler denn?

Fabian: Auf einmal haben sich sehr, sehr viele Türen geöffnet und wir wollten natürlich direkt jede Tür betreten und alles mitnehmen. Da gibt es ein blödes Sprichwort „Schuster, bleib bei Deinem Leisten“. Das habe ich dann zu verstehen gelernt. Man kann dann auf einmal viel machen, wenn man eben ein bisschen erfolgreich ist. Aber man soll einfach nur das machen, was man kann und, sollte nicht versuchen, einfach alles mitzunehmen.

Johannes: Wie kommt ihr eigentlich an eure Schuhe? Da sind ja teilweise auch Raritäten dabei. Wie läuft das?

Fabian: Da gibt es natürlich so ganz krasse Sammler, die dann wirklich mega coole Schuhe haben. Aber so was ist eigentlich auch eher seltener der Fall, dass wir diese Art von Schuhe benötigen. Wir sind inzwischen eher klar limitiert. Das ist unser Geschäftsmodell und exklusiv. Aber es gibt wirklich dort draußen Schuhe, da gibt es nur zehn Paare weltweit. Man muss dann wirklich diese Personen suchen und finden oder du wirst den Schuh nicht haben. Aber den Großteil von unseren Schuhen beziehen wir einfach von Handelsketten, ganz normal aus Amerika, aber relativ viel aus Europa.

Johannes: Zehn Paare, sagst Du. Aber da gab es damals noch mehr, oder?

Fabian: Jein. Also oft ist das ein simples Beispiel. Wir hatten vor kurzem einen Airmax, da gab es den Schuh zu Zurück aus der Zukunft. Der wurde ursprünglich bei einer einem Charity-Event an die Höchstbietenden versteigert. Da gab es wirklich nur eine Handvoll Schuhe und dann verschwinden natürlich auch manchmal ein paar vom Markt, einfach, weil manche getragen werden und wen so ein Schuh 20 Jahre alt ist, zerfällt er oder wie auch immer und dann werden es immer weniger. Dann hat man wirklich noch diese paar Personen, die man vielleicht kennt, die so ein Paar besitzen. Da ist man dann ein bisschen auch vom Verkäufer abhängig.

Johannes: Was kostet der hier denn neu?

Fabian: Also neu liegt der bei 2.000 €, aber am Ende des Tages, auch wenn man den jetzt sucht und schnellstmöglich haben möchte, gibt es auch Leute, die dann bestimmt auch für 3.000 € oder so ausgeben würden.

Johannes: Das heißt, die Schuhe vorne von 2016 oder 2017, also auf jeden Fall auch schon älter, waren damals nicht so teuer?

Fabian: Nee, nee, nee, natürlich nicht ansatzweise. Also wir haben hier wirklich Schuhe für 200 € oder 350 €. Das hat der damals schon gekostet, aber das war verhältnismäßig schon sehr teuer. Aber eigentlich sind Schuhe, die wir durchschnittlich verkaufen, im Einkaufspreis immer unter 200 €.

Johannes: Du hast ja immer über Deinen größten Fehler oder über Fehler gesprochen, die man gemacht, dass man sich quasi nicht mehr so viel fokussiert hatte. Das heißt, jetzt konzentriert ihr euch auf euer Kerngeschäft?

Fabian: Ja, einfach das, was wir können. Wir machen das, was uns Spaß macht und was wir können und versuchen gar nicht so jegliche Möglichkeit mitzugehen. Das hat, glaube ich, auch damals so den Hintergrund gehabt: Wir wollten immer alles Mögliche. Wir hatten unter anderem ein eigenes Café, eine eigene Shisha und so weiter, wo wir dann einfach dachten: „Das eine läuft mega gut, dann wird das andere sicher auch mega gut laufen“. Doch dann haben irgendwann gemerkt, dass das nicht so ist. Dann haben wir gesagt: „Wir machen einfach das, was wir können, und das reicht aus und es ist gut so.“ Es gibt da zum Beispiel JP von JP Performance, der macht das ja, dass er immer mehr Sachen rausbringt. Aber der hat natürlich auch eine Sache, wo halt richtig, richtig groß läuft und das hat er jahrelang aufgebaut. Also er hat sich eine Brand geschaffen und nutzt diese Brand, um andere Vertriebskanäle und Einnahmequellen zu betreten. Wir haben auch unsere eigene Marke, verkaufen unsere eigenen T-Shirts und Kleidung und wollen da auch immer mehr reinrutschen. Aber das hat ja immer noch mit der Brand zu tun.

Johannes: Das ist ja im direkten Zusammenhang und bleibt auch im deutschsprachigen Raum, oder?

Fabian: Nein, wir sind gerade bei Internationalisierung, auch was die Website betrifft. Ich würde sagen, die DACH-Region ist jetzt sehr gut bedient. Jetzt ist der nächste Step wirklich die Internationalisierung. Berlin vielleicht noch, Hamburg ist auch interessant im deutschsprachigen Raum, aber das war’s dann auch in Deutschland.

Johannes: Ich habe eben hier nebendran das Studio gesehen. Das heißt, ihr fotografiert eure Sneaker selbst?

Fabian: Genau, wir machen tatsächlich alles In-House. Das ist ein Prozess, den wir seit ein paar Monaten haben. Wir haben ein eigenes Studio, wo wir, wie gesagt, eigene Produktbilder machen. Also alles, was an Content entsteht und genutzt wird, entsteht durch uns selbst und nicht durch eine externe Agentur. Klar, muss man sagen, arbeiten wir auch teilweise mit Agenturen. Das sind dann aber wirklich Freunde von mir, wo man das dann einfach total gerne macht, und das nutzen wir dann auch nur, wenn wir wirklich das ideale Ergebnis wollen. Dann sagen wir, wir nutzen unsere komplette Energie, unser Team plus diese externe Agentur. So einfach dieses gemeinsame Ganze. Aber wir wollen einfach so wenig wie möglich outsourcen.

Johannes: Wie bist Du denn von Deinem Typ her? Mutig?

Fabian: Ja, auf jeden Fall. Das war auch, das muss ich sagen, was uns immer schon so ein bisschen ausgemacht hat. Wir haben immer mal probiert, gemacht – klar. Irgendwann kommt ein Zustand, eine gewisse Größe, wo man auch Verantwortung trägt, wo man auch lieber mal doppelt und dreifach über was nachdenkt. Aber am Ende ist es eines unserer Erfolgsrezepte, dass wir einfach uns getraut haben. Wir haben uns damals getraut, uns in jungen Jahren selbstständig zu machen. Wir haben uns getraut, Sachen im Marketingbereich zu machen, die sonst keiner gemacht hat. Deswegen würde ich das auf jeden Fall sagen, dass wir mutig, aber auch super, super loyal untereinander sind, weil das am Ende das ist, was die Firma auszeichnet, diese Loyalität untereinander.

Johannes: Du sagtest eben, schon vor zwei Jahren habt ihr in Wien aufgemacht. Das war ja eigentlich noch während Corona-Zeiten. Ging Dir da nicht der Arsch ein bisschen auf?

Fabian: Ein sehr gutes Beispiel. Das ist genau dieses Thema. Alle haben ihre Läden zugemacht. Wir haben die Chance genutzt, Pläne aufzumachen. Wir haben einen guten Preis bekommen. Es haben uns viele Faktoren gut in die Karten gespielt. Wir wollten schon lange nach Wien gehen, haben es dann immer aufgeschoben, doch dann haben sich durch Corona natürlich auch die Preise entwickelt. Da haben wir gesagt, wir nutzen jetzt diese Chance, dass auch durch Corona Flächen freigeworden sind, bei denen es davor schwierig war, sie überhaupt zu bekommen. Hätte natürlich auch anders laufen können.

Johannes: Was ist so Dein Erfolgsrezept, was Marketing angeht?

Fabian: Ich würde sagen, dass wir einfach ausprobieren. Wir sind immer aufgeschlossen und probieren immer neue Sachen. Wenn was nicht gut läuft, dann läuft das nicht gut. Inzwischen probiert man auch nicht mehr so extrem viel aus, weil wir inzwischen wissen, was läuft. Aber das war, was uns eigentlich ausgemacht hat, dass wir immer das gemacht haben, was wir für richtig gehalten haben.

Johannes: Was hältst Du von Insta und Facebook? Macht ihr da viel?

Fabian: Ja, voll. Das ist ja inzwischen so mit unsere Haupteinnahmequelle, dass wir diese organische Reichweite damals generiert haben. Dann haben wir immer mehr mit Prominenten zusammengearbeitet und so weiter. Das war auch für unsere Marke ganz wichtig.

Johannes: Okay, das heißt das Thema Influencer Marketing. Super relevant, klar.

Fabian: Das ist was Schönes mit Instagram, weil man dadurch heutzutage die Möglichkeit hat, einen Kunden so am Unternehmen teilhaben zu lassen. Die Leute können so nah am Geschehen teilhaben, dass sie mal sehen, wer sich hinter den Kulissen befindet und was da passiert. Ich glaube, dass die Kundenbindung dadurch deutlich besser wird.

Johannes: Ich finde es schon echt bemerkenswert, wie ihr dann einfach sagt: „Komm, wir machen jetzt den Laden auf!“ Aber das ist natürlich aus dem Wachstum heraus immer leichter, als wenn man einen Laden hat, aber kein Onlinegeschäft und dann gucken muss, wie man zurechtkommt.

Fabian: Genau das war bei uns der Fall. Wir waren lange in München und hatten erstmal die Kosten vom Laden, aber nicht die Einnahmen. Das war unsere Haupteinnahmequelle, denn Onlinemarketing war damals zu teuer für uns und dann bricht die weg, aber die Kosten bleiben. Genau so war das tatsächlich. Aber wir waren immer schon Hussler. Wir haben dann einfach unsere komplette Energie auf der anderen Seite gesetzt, wir haben uns mit unserem Team hingesetzt und haben uns überlegt, wie es weiter geht. Dann haben wir einfach so viel Zeit in den Onlineshop gesteckt, wie noch nie zuvor.

Johannes: Welche Eigenschaft Deiner Mit-Geschäftsführer oder Deiner Mitgründer findest du denn am interessantesten oder am besten?

Fabian: Ich würde sagen, dass wir uns so von der Denkweise krass gut ergänzen. Wir haben eigentlich oftmals ganz, ganz unterschiedliche Ansichten und sitzen alle im Büro und arbeiten alle drei das Sinnvollste aus und führen das zusammen. Und ich glaube, dass dieser Input von drei ganz unterschiedlichen Meinungen und Ansichten das Wertvollste ist, weil wir teilweise ganz unterschiedliche Ansichten haben.

Johannes: Seid ihr alle ähnlich alt?

Fabian: Ich bin der Älteste. Tatsächlich mit 24, meine Geschäftspartner sind 22 und 21.

Johannes: Ach, verrückt. Die waren noch viel jünger.

Fabian: Ja, deswegen war ich auch der Erste, der die Firma gegründet hat. Das war auch so eine Sache. War alles blindes Vertrauen, dass der erste das Einzelhandelsunternehmen gründet, wenn die Geschäftspartner noch nicht 18 waren.

Johannes: Wie entscheidet ihr denn, welche Schuhe ihr ins Sortiment nimmt? Ist es eigener Geschmack oder guter Einkauf?

Fabian: Früher war es natürlich nur eigener Geschmack, aber inzwischen sind wir da in so einer Größenordnung … Ich meine, wir haben weit über 1.000 Paar Schuhe. Wir haben mit Sicherheit um die 7.500 bis 15.000 Stück. Da ist das dann auch irgendwann so, dass der eigene Geschmack gut ist, aber die breite Masse hat in der Regel einen ganz anderen Geschmack. Ich kann ja vor allem nicht wissen, was Person XY gut findet. Da muss man einfach so für sich die perfekte Mitte finden. Angebot und Nachfrage stehen natürlich an allererster Stelle, was sich gut verkauft und was nicht. Aber wir haben inzwischen viele Sachen, die ich gar nicht so cool finde, aber dafür finden sie ganz viele andere cool.

Johannes: Das ist vielleicht auch gar nicht so schlecht …

Fabian: … dass man seinen eigenen Geschmack ein bisschen zurücksteckt. Ja, absolut. Ich glaube, man wird auch keinen erfolgreichen Laden finden, wo man reingeht, und die Mitarbeiter sagen: „Ich finde den Artikel geil.“ Oder der Chef sagt: „Jeder Artikel ist von mir.“ Perlen auszusuchen, gefällt mir super gut, denn das ist ja auch der Sinn und vor allem auch das Schöne in der Modeindustrie, dass jeder seine unterschiedlichen Einflüsse darauf geltend machen kann. Wie die hier, die habe ich im Sommer gekauft, bei uns im Shop. Die hatte ich zufällig auch auf einer Produktion in Berlin.

Johannes: Wenn du die Zeit jetzt mal um fünf Jahre zurückschrauben würdest: Gibt es Dinge, die Du anders machen würdest?

Fabian: Na ja, ich würde an sich alles genau so wieder machen, weil sonst wäre ich niemals hier. Aber ich würde ein paar Sachen anders machen. Natürlich geht man dann anders an die Sache ran, wenn man mehr weiß, aber eigentlich will ich jeden Fehler, den ich gemacht habe, so wieder machen. Man hätte ihn sich nur auch sparen können. Aber es hat einen immer geprägt und Erfahrung mit sich gebracht. Also als simples Beispiel: unser erster Pop-up-Store. Wir haben den mit einer anderen Firma zusammen gemacht. Damals musste man das machen, um sich die Kosten teilen zu können. Rückwirkend würde ich immer alles selbst machen, so ohne Partnerfirmen oder wie auch immer. Nicht weil wir egoistisch sind, sondern einfach, weil man sich dann selbst so im Weg steht und sich aufhält. Aber damals ging es nicht anders. Also selbst jetzt mit dem Wissen hätte ich es damals wieder so gemacht.

Johannes: Ja, genau das wollte ich vorhin auch fragen: In den Pop-ups, wie kann man sich das vorstellen? Hattet ihr dann Ladenfläche gehabt?

Fabian: Also wenn man zurückblickt, war der erste Pop-up wirklich von meinem Geschäftspartner. Seine Mutter hat eine Freundin, die hat einen Schuhladen in München aufgemacht. Das war im Januar und sie hatte eine Ladenfläche, die komplett renovierungsbedürftig war und hat uns gesagt: „Wenn ihr Bock habt, könnt ihr da einen Monat rein, das ist halt nicht renoviert, macht das Beste draus.“ Wir haben das dann als Vintage-Pop-up verkauft, das ist richtig gut angekommen. Das war so einer unserer ersten Pop-ups und sonst haben wir immer so ein, zwei Tage am Wochenende Pop-up. So hat sich das dann alles mehr ergeben, dass wir auch gemerkt haben, dass die Nachfrage dort so krass ist, dass wir Läden brauchen.

Johannes: Das heißt aber, ihr habt das dann über eure Social-Media-Kanäle kommuniziert? Ich habe ein Bild gesehen, auf Instagram bei euch, wo 50 oder 100 Leute in Schlange stehen oder bei der Messe waren. Das war Wahnsinn, aber da wünscht man sich in dem Moment doch das Doppelte an Mitarbeitern, oder?

Fabian: Ja, das stimmt. Das Doppelte an Kassen, alles! Da merkt man dann immer auch, dass man sich teilweise selbst ein bisschen unterschätzt in dem, was eigentlich möglich ist. Wir sind nach wie vor auch sehr, sehr vorsichtig, was das betrifft. Wir stellen lieber sehr bedacht ein. Nach dem Wochenende denke ich mir manchmal auch noch, dass wir am Samstag mindestens das Doppelte an Mitarbeitern bräuchten. Aber dann hat man auch wieder ruhigere Tage. Da muss man einfach ein bisschen gelassener werden und auch dieses Spiel ein bisschen mitspielen, dass man Tage hat, wo halt mal Action ist, man halt 150 % geben muss und dann aber Tage, die halt nicht so sind, sondern ein bisschen entspannter.

Johannes: Voll cool. Was wolltest Du eigentlich als Kind werden?

Fabian: Ich glaube, wie die meisten Fußballprofis. Das finde ich immer noch ziemlich cool, aber ich bin nicht gut genug.

Johannes: Okay und dann kam aber später das ja wirklich super schnell mit den Sneakern – mit 15, oder?

Fabian: Ja, aber mit 15 wollte ich auch noch was ganz anderes. Da wollte ich eigentlich im Endeffekt einfach nur einen normalen Bürojob haben, wo ich meine Kreativität ein bisschen entfalten kann. Also ich glaube, das ist auch so eine Sache. Mir ging’s beim Job nie um das große Geld, denn ich bin mit anderen Werten aufgewachsen. Das darf auch nicht der Antreiber sein. Das ist der falsche Wert, denn das macht ja nicht frei.
Geld ermöglicht viel und sorgt auch für viele schöne Sachen. Muss man einfach ganz klar sagen: Jeder findet Lamborghini fahren schön. Also würde ich jetzt mal einfach so behaupten. Aber es geht besser mit der richtigen Person. Auch wenn Du dann lieber mit der richtigen Person Polo fährst. Ich glaube, dass daher einfach dieses Emotionale und das Zwischenmenschliche so viel mehr Wert hat als alles Materielle.

Johannes: Da bin ich voll bei dir. Wer war die interessanteste Person, die Du je kennengelernt hast?

Fabian: Ich habe ja inzwischen aus vielen Schichten, viele interessante Leute kennengelernt. Einige richtig coole Fußballer, auch richtig coole Rapper und alles. Aber ich würde sagen, ganz vorne mit dabei ist der Johannes von Knox. Als wir uns kennengelernt haben, waren wir beide richtig im Wachstum. Wir wussten noch gar nicht, was uns in der Geschäftswelt erwartet. Jeder hatte so seine Ziele, aber er hat in einer ganz anderen Größenordnung gedacht. Also saßen wir damals in Berlin, waren im Café, haben einfach so ein bisschen gequatscht, was er vorhat und verkaufen will und so weiter.
Wenn man das jetzt fünf Jahre später ansieht, hat er ein Riesenunternehmen mit 100 Mitarbeitern. Er ist natürlich nochmal ganz anders gewachsen, aber er hat mir damals schon gesagt, was sein Ziel ist und er hat das perfekt umgesetzt und dafür habe ich so viel Respekt. Einfach einer von diesen jungen Husslern um uns herum, die einfach sagen, sie wollen das machen und sie erreichen das und geben alles, um das zu erreichen. Früher hatte jeder so seine Idole, sei es aus der Musikwelt, irgendwelche amerikanischen Rapper oder Filmstars oder was. Heute brauch‘ ich Leute, die ans Ziel kommen und dieses auch erreichen. Finde ich – oder auch emotional. Also auch emotional betrachtet gibt es ja Menschen, die richtig viel schaffen. Ich bin gar nicht mehr so in diesem Film, dass so Idole in der Hinsicht wichtig sind, sondern einfach Leute um mich herum, die Ziele hatten, die sie geschafft haben, auf jegliche Art und Weise.

Johannes: Kannst Du weinen?

Fabian: Ja, ich glaube, das kann jeder. Also sowohl aus glücklichen Gründen als auch aus traurigen. Wir hatten vor ein paar Monaten so ein geiles Store Opening, da hab ich jetzt nicht geweint, aber das waren emotionale Momente. Ja, würde ich schon sagen. Aber ich glaube auch, dass das dazugehört, um emotional ausgeglichen sein zu können. Natürlich sollte es so selten wie möglich sein, aber ich glaube, jeder hat mal Momente, wo man einfach so kurz vorm Nervenzusammenbruch ist. Vor allem, wenn man auch so verdammt viel arbeitet.

Johannes: Wie viel arbeitest Du?

Fabian: Ich würde sagen, dass ich schon so 50 bis 70 Stunden die Woche arbeite, eigentlich sieben Tage die Woche. Das ist jetzt gar nicht so die Überraschung, weil man auch unterbewusst viel arbeitet. Als das beste Beispiel ist: Wir hatten Freitag und Samstag, also generell die letzte Woche, jeden Tag von 9:00 Uhr in der Früh bis 22:30 Uhr abends gearbeitet, weil wir so viel zu tun hatten und da hat man trotzdem noch am Samstag bis 10:00 Uhr gearbeitet, obwohl dann die Messe schon vorbei war. Dann ging es aber am Sonntag um 10:00 Uhr in der Früh weiter. Man hat die Messe Revue passieren lassen, man hat die ganzen Sachen, die sich angestaut hatten, noch abgearbeitet und wir machen das auch viel unterbewusst, dass wir einfach mal am Sonntag zusammen telefonieren oder zusammen schreiben und die Zahlen durchkauen. Ich würde sagen, dass wir uns auf jeden Fall sechs Tage die Woche auf die Stirn schreiben können, dass wir arbeiten.

Johannes: Verrückt. Wollt ihr das auch ändern?

Fabian: Also momentan nicht, sonst würden wir. Das hat einfach den Hintergrund, dass wir so ein Wachstum verzeichnen und dass wir da auch einfach gefordert sind, um diesem Wachstum nachzukommen. Wir werden dem jetzt schon kaum gerecht, aber langfristig gesehen. Also unser Ziel war immer, so bis 30 so viel es geht zu arbeiten und dann das Leben zu genießen. Aber wie sich das dann am Ende entwickelt, sei jetzt mal dahingestellt.

Johannes: Ja, da habt ihr aber trotzdem noch fünf, sechs Jahre. Deine Geschäftspartner ja noch ein bisschen länger.

Fabian: Ja, genau, wir sagen, das macht uns jetzt so Spaß. Also theoretisch können wir auch ab morgen alle zu Hause bleiben, dann verdienen wir nur kein Geld und trotzdem sind wir jeden Tag hier und arbeiten jetzt. Ich glaube, dass momentan auch ganz stark noch die Leidenschaft überwiegt.

Johannes: Ja, und die Energie, die ihr habt?

Fabian: Genau, das kommt auch natürlich noch dazu, denn durch die Lust kommt halt auch Unmengen an Drive rein. Auch diese Erfahrungen, die wir haben, sowohl die, die man privat als auch die, die man geschäftlich sammelt. Und ich glaube, dass wir in unserem Alter, da auch sehr, sehr viele positive Einflüsse von außen zusammenbringen und hören. Ich bin auch für jedes Gespräch – sei es mit meinen Eltern, meine Schwiegereltern – so dankbar. Ich habe auch super viele Unternehmer in meinem Umfeld, die sind teilweise doppelt so alt wie ich, wenn nicht sogar noch älter, die mir einfach so viele Tipps und Erfahrungen mitgeben, wovon ich einfach so viel lernen kann. Also das ist glaube ich auch so was, das richtig viel wert ist.

Johannes: Was war der beste Rat, den Du je bekommen hast?

Fabian: Ich würde sagen, bezogen auf dieses Thema, auf die eigene Firma: das Sprichwort „Zu viele Köche verderben den Brei“. Das habe ich wirklich damals nicht verstanden, weil man sagt, umso mehr Leute ihr Wissen und alles mit einbringen können, desto besser. Doch dann kommt man so in der Realität an und merkt: viele Menschen, viele Meinungen, viele Probleme. Ja, ich glaube das und das wird auch von Anfang an immer so geguckt haben, dass wir einen Kreis klein halten, sowohl privat als auch geschäftlich. Also auch den Entscheiderkreis, auch Freundeskreise. Da waren wir immer schon sehr bedacht unterwegs.

Johannes: Ein Eindruck, den ich hatte, als mich ein bisschen rum geführt hast durch Euer Lager und auch bei den anderen Leuten, die noch oben sitzen: Das sah alles sehr individuell aus. Das fand ich ganz cool. Jeder hatte so sein eigenes Reich. Hinter den Kartons saß der eine mit Headset, so ein bisschen eine kleine Zocker-Gemeinschaft. Total individuell. Fand ich cool.

Fabian: Ja, das hat den Hintergrund: Lustigerweise, räum‘ ich bei uns jeden Monat das ganze Büro um, weil das immer umstrukturiert wird. Wie gesagt, dieses Büro haben wir seit einem Jahr. Jetzt hatten wir nur oben den Bereich und der war uns sogar noch viel zu groß. Dieser ganz große Bereich war Aufenthaltsraum mit Riesen-TV. Schaut so klassisch nach Start-up aus, man wollte so viel Lifestyle, Work-Life-Balance wie möglich. Jetzt ist das Lager geworden. Dann hat man jetzt noch unten diesen Bereich dazu genommen. Der Paul ist letzten Monat dazugekommen, als neuer Mitarbeiter, hat natürlich auch seinen Arbeitsplatz gebraucht. Wir sind dann die ganze Zeit am Umdisponieren, dass jeder den bestmöglichen Work Space bekommt. Eigentlich wollten wir nur ein Studio machen. Jetzt sitzt da unser Grafiker. Ich sitze jetzt hier, weil oben jetzt kein Platz mehr war und so weiter. Also es hat eigentlich eher den Hintergrund, dass sich die ganze Zeit irgendwas ändert.

Johannes: Ja, und ihr müsst wahrscheinlich auch andauernd flexibel auf das Umfeld reagieren.

Fabian: Absolut, aber wir müssen auch schnell reagieren.

Johannes: Ich danke vielmals für das super spannende Interview.

Fabian: Sehr gerne! Vielen, vielen Dank, dass ich dabei sein durfte.

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