Hidden Champions

Claudia Max-Heine

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Lesezeit ca. 16 Minuten

Generationswechsel: Unternehmensübergabe vom Vater an die Tochter

Das hat mich viel Kraft gekostet

Unser heutiger Gast bei The Hidden Champion ist Claudia Max-Heine Sie ist #Geschäftsführerin von Range + Heine in Winnenden. Ihr Unternehmen plant und installiert Anlagen für die Beschichtung von Holzelementen, vornehmlich Fenster und Türen. Das sie einmal das Unternehmen von ihrem Vater übernehmen wird, stand für sie schon lange fest. Doch kurz nachdem es so weit war, erkrankte der Seniorchef schwer und aus der geplanten Übergabezeit von sechs Jahren wurden zwölf Monate. Wie es Claudia dennoch geschafft hat, die #Unternehmensnachfolge erfolgreich abzuwickeln und was sie für die Zukunft plant, hat sie uns im Interview verraten.

„Richtig kommunizieren bedeutet für mich offene Kommunikation.“, sagt Claudia Max-Heine über ihre Art mit Kunden zu sprechen. Sie weiß aber auch: Im #Mitarbeitergespräch können andere Regeln gelten: „Die Kommunikation mit Mitarbeitern ist da weit vielfältiger, und wenn man da immer offen und präzise ist, führt das nicht immer zum richtigen Ergebnis.“ Hier sieht sie bei sich selbst noch Verbesserungspotential, wie auch in anderen Bereichen. Dabei hat sie schon viel erreicht, seit sie das Unternehmen von ihrem Vater übernommen hat. Wie sie die Herausforderungen des Generationswechsels gemeistert hat, was ihr dabei eine besondere Hilfe war und wie sich ihre Art der Mitarbeiterführung von der ihres Vaters unterscheidet, hat sie uns im Interview erzählt. Außerdem klären wir die Frage, wer seetauglicher ist – Claudia oder Johannes.

Interview mit Claudia Max-Heine

Johannes: Willkommen zurück bei einer neuen Folge von The Hidden Champion. Heute bin ich bei Claudia Max-Heine von der Firma Range und Heine. Claudia, was machst Du eigentlich und was macht Range und Heine?

Claudia Max-Heine: Hallo, Johannes. Range und Heine plant und baut Beschichtungslösungen für die holzverarbeitende Industrie. Das sind im Wesentlichen Fenster-, Türen- oder Gartenmöbelhersteller, die wir hier bedienen.

Johannes (Interviewer): Und was machst Du?

Claudia Max-Heine: Ich bin verantwortlich für alle betrieblichen Aktivitäten im deutsch- und englischsprachigen Bereich, neben der ganz normalen Geschäftsführer-Verantwortung, was Betriebswirtschaft, Personal, Marketing et cetera angeht.

Johannes: Claudia, was war der beste Rat, den Du je bekommen hast?

Claudia Max-Heine: Das Wichtigste in der Branche, in der wir tätig sind, war einmal etwas, was mein Vater gesagt hat: „Immer ehrlich bleiben, sich nicht verstellen und dem Kunden ruhig eine ehrliche Antwort liefern. Dann bleibt man authentisch.“

Johannes (Interviewer): Was war Dein größter Fehler?

Claudia Max-Heine: Ich sehe meinen größten Fehler darin, dass ich mir nicht frühzeitig überlegt habe: Welche Mitarbeiter nehme ich in die Entwicklung des Unternehmens mit, dass sie auch gegenüber den Kunden das Unternehmen vertreten und eben mir auch den Rücken stärken können, sodass nicht der Fokus des Unternehmens immer auf den Köpfen der Geschäftsführung liegt? Ich würde gern Verantwortung abgeben können. Nein, ich hätte mir gewünscht, früher Verantwortung abgeben zu können. Heute kann ich das, aber der Weg dahin hat sehr lange gedauert.

Johannes (Interviewer): Und was war Deine wichtigste Entscheidung?

Claudia Max-Heine: Rein geschäftlich gesehen war die wichtigste Entscheidung bestimmt, dass wir uns im Thema Lackier-Roboter mit dem richtigen Partner zusammengetan haben, CMA, wir werden ja später noch zu den Beschichtungslösungen kurz etwas erzählen. Das war strategisch gesehen ein ganz wichtiger Punkt, dass wir hier ein gutes Produkt am Markt haben, um die Kunden da gut bedienen zu können in dem Thema.

Johannes (Interviewer): Wenn Du die Zeit um fünf Jahre zurückdrehen würdest, was würdest Du heute anders machen als damals?

Claudia Max-Heine: Also grundsätzlich ist es natürlich so: Die letzten Jahre haben ganz entscheidend die Entwicklung von Range und Heine geprägt – was das ganze Thema Softwareentwicklung angeht – und aus der heutigen Sicht heraus hätte man sich hier personell noch früher verstärken sollen, um einfach gewisse Engpässe, die das auch mit sich gebracht hat, anders bewältigen zu können. Ich meine, alles was wir die letzten Jahre mit Corona hatten, war natürlich sowieso eine besondere Situation, aber mit noch mehr Manpower hätten wir die eine oder andere Situation in dieser Zeit vielleicht noch etwas ruhiger und geschmeidiger umgehen können.

Johannes (Interviewer): Was macht für Dich ein Hidden Champion aus?

Claudia Max-Heine: Es geht hier für mich um Persönlichkeiten, die sich nicht selber als ganz, ganz toll darstellen, sondern die eigentlich durch ihr Wirken und durch ihre Aktivität und Geschäftstätigkeit etwas Besonderes erschaffen oder vollbringen.

Johannes (Interviewer): Du hattest vorhin gesagt, dass das Wichtigste ist, dass man ehrlich ist. Wenn Du auf Deine Kunden guckst und auf das, was ihr als Unternehmen ausmacht, gibt es manchmal Situationen, wo es schwierig ist oder sagst Du: „Nein, ich bin absolut davon überzeugt, wenn man ehrlich ist und auch manchmal vielleicht dann weniger Umsatz mitnimmt, dann ist das vielleicht doch der besser Weg.“ Wie gehst Du damit um?

Claudia Max-Heine: Ich versuche, das wirklich sehr stark zu leben. Ich versuche, den Kunden schon die Wahrheit zu sagen und nicht irgendetwas zu verschleiern. Manchmal ist es in der Zeitschiene, dass man nicht alles erzählt, und natürlich bekomme auch ich immer wieder einmal vorgeworfen: „Warum haben Sie mir denn das nicht so gesagt?“, aber ich führe schon sehr viele Gespräche mit den Kunden, und ich versuche, gerade wenn es um Anlagentechnik geht, wirklich die Praxis darzustellen und hier nicht irgendeine Blackbox zu verkaufen, sondern die Kunden da heranzuführen. Durch meine Praxisbesuche bei Referenzkunden, die ich auch mit den Kunden durchführe, haben sie auch die Möglichkeit, sich wirklich mit den Bedienern, mit den Anwendern auszutauschen, um für sich ein Feedback, aber auch für sich eine Einschätzung, zu bekommen: Passt denn dieser Anlagentyp oder diese Ausgestaltung der Anlage jetzt auch für mich und mein Unternehmen?

Johannes (Interviewer): Was sind die größten Challenges? Mit Deinen Anfragen? Außer, dass sie manchmal in der Pampa sind?

Claudia Max-Heine: Also tatsächlich ist es das Thema Preis doch immer wieder für uns eine Herausforderung, gerade in der aktuellen Marktsituation, wo eben alle Preise ansteigen. Insbesondere die passende Lösung für den Kunden zu erarbeiten, wo wir uns dann auch wirklich sicher sind: Das passt für ihn auch langfristig. Wir versuchen eben nicht, mit irgendwelchen Standardkonzepten herauszugehen, sondern wir suchen schon immer die kundenindividuellen Lösungen und manche Kunden haben einfach festgefahren das Konzept im Kopf, das sie gerne umsetzen möchten, und ich versuche da schon aktiv darauf einzuwirken, mit den Erfahrungen, die wir natürlich haben, aus den Anlagen die passende Lösung für diesen Kunden auch zu finden.

Johannes (Interviewer): Wie führst Du denn das Unternehmen, Du als Person?

Claudia Max-Heine: Ich pflege einen sehr freundschaftlichen Führungsstil. Bei uns gibt es die Duz-Kultur im Unternehmen. Wir versuchen, da sehr partnerschaftlich miteinander umzugehen. Das ist mir persönlich auch sehr wichtig, denn einerseits verlangen wir viel von unseren Mitarbeitern. Wir sind eben viel bei unseren Kunden unterwegs. Die müssen viel Reisen. Die sind teilweise auch am Wochenende unterwegs, lange von zu Hause weg, und dann ist es auch wichtig, dass sie sich in dem Unternehmen wohlfühlen, und dass wir aus der Geschäftsführung heraus ihnen auch ein Umfeld bieten, in dem es ihnen Spaß macht, diese Arbeit zu erbringen.

Johannes (Interviewer): Hast Du das von Deinem Vater übernommen? Hat Dein Vater das sehr ähnlich geführt?

Claudia Max-Heine: Ich glaube, mein Vater war doch eine ganz andere Persönlichkeit als ich, dadurch, dass er als Ingenieur natürlich der tiefe Techniker ist und allein durch seinen tiefen technischen Sachverstand da absolute Akzeptanz hatte. Man muss fairerweise sagen, zu dem Thema Personalführung hat sich, glaube ich, mein Vater nie groß Gedanken gemacht. Das hat er intuitiv gut gemacht, aber ich habe dann schon mit dem Generationswechsel versucht, eben auch mit neuen Mitarbeitern, die auch alle viel jünger sind, als die, die mein Vater hatte, noch da einen anderen Stil hereinzubringen und eben noch mehr diese freundschaftliche Teamkomponente aufzubauen, auch im Unternehmen. Durch das Wachstum unseres Unternehmens sind das jetzt natürlich auch ganz neue Herausforderungen. Zu Zeiten von meinem Vater war es eine sehr überschaubare Anzahl Mitarbeiter.

Johannes (Interviewer): Wie viele Mitarbeiter hattet ihr damals gehabt?

Claudia Max-Heine: Also zu Zeiten von meinem Vater, als ich im Unternehmen eingestiegen bin, waren wir unter zehn Mitarbeiter. Tatsächlich. Wir hatten damals einen Umsatz von, ich habe es nicht mehr ganz genau im Kopf, aber ich meine, so etwas mehr als 3 Millionen gemacht und haben natürlich dann über die letzten Jahre – ich bin jetzt seit 13 Jahren im Unternehmen – natürlich schon eine Entwicklung durchgemacht, die aber auch mit der ganzen Marktentwicklung irgendwo zusammenhängt und die natürlich sowohl in der Struktur berücksichtigt werden musste, als auch in der ganzen Zusammenarbeit im Unternehmen und uns an ganz neue Herausforderungen gestellt hat.

Johannes (Interviewer): Wie viele Mitarbeiter habt ihr heute?

Claudia Max-Heine: Wir sind heute bei knapp 25 Mitarbeitern. Wenn man natürlich andere Unternehmen anschaut, ist das nicht das Riesen-Mitarbeiterwachstum, aber das ist überhaupt nicht unser Ziel. Unser Ziel ist es eigentlich, ein Unternehmen zu führen, das sehr stabil dasteht, das nahezu komplett selbst finanziert und unabhängig auftreten kann, in den eigenen Geschäftsräumen, frei von großen Bankverpflichtungen, so dass wir unseren Mitarbeitern ein sicheres Arbeitsumfeld schaffen, und das, was wir punktuell an mehr Mitarbeitern benötigen – das spiegelt sich vor allem in der Montage häufig wieder –, versuchen wir tatsächlich durch Leiharbeiter oder externe Mitarbeiter abzudecken, sodass wir mit den Mitarbeitern, mit denen wir unterwegs sind, auch langfristig unterwegs sein können.

Johannes (Interviewer): Was macht ihr heute für einen Umsatz?

Claudia Max-Heine: Wir sind jetzt dieses Jahr bei über elf Millionen Euro Umsatz.

Johannes (Interviewer): Okay, also das passt auch ein Stück weit zu der Mitarbeiterentwicklung

Claudia Max-Heine: Ja, der Umsatz hat sich noch weit mehr entwickelt. Das liegt aber natürlich an dem Thema, dass die Technik immer intensiver oder immer wichtiger wird und dass der Automatisierungsgrad immer höher wird. Und mit diesem höheren Automatisierungsgrad steigen auch die Kosten für ein Projekt für die Kunden. Unsere Kunden haben sich einfach von handwerklichen Betrieben hin zu sehr automatisierten Betrieben entwickelt. Der frühere Fensterbauer, der aus der Schreinerei kam, den gibt es fast nicht mehr. Das sind heute alles Betriebe, die auch bedeutend gewachsen sind, die viel komplexere Prozesse haben und die viel größere Anforderungen an die Automatisierung ihrer Prozesse abstellen.

Johannes (Interviewer): Du hast vorhin schon die Krise angesprochen: Wie seid ihr durch die Krise gekommen?

Claudia Max-Heine: Wir haben absolutes Glück gehabt in der Corona-Krise, wenn Du jetzt diese Krise ansprichst. Die Branche, in der wir tätig sind, der ging es in der ganzen Zeit sehr, sehr gut. Wir arbeiten eben überwiegend für die Holzfensterhersteller und in Zeiten der Corona-Krise haben alle in die Renovierung von eigenen Gebäuden investiert. Das Thema Holz hat sowieso an Bedeutung gewonnen. Werthaltige Materialien, ökologische Fenster, werden immer wichtiger. Das heißt, unsere Kunden hatten sehr, sehr gut zu tun in der ganzen Krise. Das hat natürlich auch bei uns dazu geführt, dass wir keine Krise in dem Sinne hatten, eher mit viel, viel mehr Anfragen konfrontiert wurden, obwohl es gar keine Messen gab, sondern einfach aus dem Markt heraus die letzten zwei Jahre eine Riesen-Nachfrage auf uns zugekommen ist, die wir teilweise kaum bewältigen konnten und gleichzeitig damit kämpfen mussten, dass wir eben im Inland sowie im Ausland erschwerte Montagebedingungen hatten, dass wir zeitweise in gewisse Länder nicht oder immer nur zeitlich sehr begrenzt einreisen konnten und natürlich für uns, für unsere Mitarbeiter der Aufwand viel, viel höher geworden ist, was aber nicht bedeutet, dass wir das irgendwo wirtschaftlich groß gespürt haben. Das ist einfach überwiegend Verwaltungsaufwand gewesen.

Johannes (Interviewer): Was hältst Du von Perfektionismus?

Claudia Max-Heine: Ja, das ist ein bisschen mein Problem, dass ich versuche, sehr perfektionistisch zu sein, und das ist auch so ein bisschen das Thema, dem ich mich immer wieder stellen muss, eben an sich selber nicht die ganz so großen Herausforderung oder Anforderungen zu stellen und vielleicht auch einmal mit der nicht perfekten Lösung zufrieden zu sein.

Johannes (Interviewer): Warum? Weil sich eine Lösung meistens noch im Prozess verbessert?

Claudia Max-Heine: Für mich bedeutet Perfektionismus, vor allem für mich persönlich, dass es mir viele schlaflose Nächte bereitet und dass ich einfach viel aus der Firma mit nach Hause nehme und ganz schlecht abschalten kann. Ich würde mir immer wieder wünschen, ich könnte das besser. Also mir macht es eigentlich nichts aus, am Wochenende zu arbeiten, wenn ich dann den Montag etwas beruhigter starten kann. Denn das Schlimmste ist, wenn ich Sonntag auf Montag nicht schlafen kann, weil ich schon wieder denke: „Oh Gott, was steht diese Woche alles an? Was habe ich noch nicht erledigt?“ und ich habe dann so meine Offene-Punkte-Liste, die ich im Kopf so durchgehe, und wenn die ein bisschen abgearbeitet oder angearbeitet ist, dann ist das schon einfacher.

Johannes (Interviewer): Hast Du die nur im Kopf oder schreibst Du die auch auf?

Claudia Max-Heine: Ich mache sehr viele Listen, auch aufgeschriebene Listen.

Johannes (Interviewer): Es hilft ja nichts, wenn Du sie aufschreibst und dann ist sie aus dem Kopf.

Claudia Max-Heine: Leider nicht komplett, leider nicht komplett.

Johannes (Interviewer): Wie schaffst Du den Abstand? Wenn Du sagst: „Okay, jetzt ist Urlaub oder jetzt machst Du Sport.“ Wie schaffst Du einen Ausgleich?

Claudia Max-Heine: Ja, das ist tatsächlich eine große Herausforderung für mich, aber ich versuche das zu machen, einmal natürlich über die Familie, die ich versuche, weitestgehend aus der Firma herauszuhalten, was nicht immer möglich ist, da mein Mann auch in der Firma aktiv ist, aber natürlich gemeinsam mit meinem Sohn die Zeit zu verbringen. Außerdem mache ich, wenn es mir die Zeit dazu bleibt, Yoga und versuche, auch mental ein bisschen abzuschalten. Ich glaube, ohne das würde ich schon lange verrückt werden. Und dann viel draußen sein, wie es die Zeit eben zulässt, aber tatsächlich bin ich da sehr naturverbunden und suche auch die Entspannung in der Natur

Johannes (Interviewer): Eher Strand oder eher Berge?

Claudia Max-Heine: Eher Berge. Ganz klar.

Johannes (Interviewer): Und wirklich dann auch mal mit Steigeisen, oder?

Claudia Max-Heine: Ja, genau. Ich mag mich gerne auch auspowern. Wobei der Strand nicht so weit weg sein sollte. Ich mag genau diese Verbundenheit von Berg und Wasser. Das ist das Optimale für mich.

Johannes (Interviewer): Okay. Was bedeutet für Dich richtig kommunizieren?

Claudia Max-Heine: Das ist eine gute Frage. Das ist – habe ich die letzten Monate festgestellt – ein ganz, ganz wichtiges und schwieriges Thema auch allgemein, richtig, vor allem mit Mitarbeitern, zu kommunizieren. Ich glaube, richtig zu kommunizieren, in Richtung Kunden, das ist für mich eine offene Kommunikation. Das ist für mich eine präzise Kommunikation. Was ich aber festgestellt habe: Die Kommunikation mit Mitarbeitern ist da weit vielfältiger, und wenn man da immer offen und präzise ist, führt das nicht immer zum richtigen Ergebnis. Da muss man auch noch andere Gedanken mit einspielen lassen und durchaus auch taktisch kommunizieren, auch wenn man das nicht immer unbedingt möchte. Also ich empfinde die Mitarbeiterkommunikation als absolut herausfordernd. Das ist sowieso ein Thema, was mich eigentlich die letzten Jahre, wenn es ums Unternehmerdasein angeht, teilweise mehr befasst, und was ich auch als schwieriger empfinde als die Kundenkommunikation. Das hat aber mit unserer Geschäftstätigkeit zu tun, mit dem, was wir von unseren Mitarbeitern verlangen, dass wir eben nicht die Fünf-Tage-Woche mit den acht Stunden am Tag haben, dass wir halt viele herausfordernde Situationen haben, dass wir viel Reisetätigkeit haben, dass wir auch Notfalleinsätze haben, nicht immer planbare Einsätze für unsere Kollegen. Und da ist schon viel auch mit den Kollegen abzustimmen, um die da immer auf unserer Linie zu halten auch.

Johannes (Interviewer): Ja, Fingerspitzengefühl.

Claudia Max-Heine: Ja, ganz genau, ganz genau. Da spielt natürlich dann das partnerschaftliche und freundschaftliche Verhältnis eine große Rolle. Nur, es gibt auch Situationen, wo das natürlich auch einmal hinderlich sein kann.

Johannes (Interviewer): Aber das macht die Führung ja auch aus…

Claudia Max-Heine: Ja, das ist allerdings richtig, aber tatsächlich ist es das, was ich mit am herausforderndsten sehe, und wenn ich jetzt einmal rein von meiner Geschäftstätigkeit absehe, die ich unheimlich gerne mache, ist das wirklich ein Thema, das mir nicht so leichtfällt. Manchmal denke ich, es wäre gut, wenn ich mich in dem ganzen Thema Mitarbeiterführung vielleicht noch besser auskennen würde oder mich da persönlich auch noch einmal besser weitergebildet hätte, weil ich weiß, dass ich da nicht die beste Führungsperson bin. Es ist nicht immer richtig, immer nur freundschaftlich zu sein. Man muss immer wieder Grenzen aufzeigen, und das fällt mir teilweise schwer oder wenn dann die Situation kommt, wo es absolut zwingend ist, eine Grenze aufzuzeigen, dann ist vielleicht die Grenze auch schon wieder zu extrem. Das werfe ich mir manchmal vor.

Johannes (Interviewer): Das ist so Dein größter Fehler?

Claudia Max-Heine: Ja, die Herausforderung, genau.

Claudia Max-Heine: Hast Du einen Helden in der Wirklichkeit?

Claudia Max-Heine: Also es gibt tatsächlich ein Unternehmen, dessen Führungskultur ich absolut bewundere, und das ist auch ein Partnerunternehmen von uns, das ist die Firma SOLARLUX. Wir haben dort sehr engen Kontakt mit vielen Mitarbeitern aus dieser Firma und sind dort auch sehr viel mit unseren Kunden. Das ist für mich eine Firma, die es geschafft hat, eine Philosophie, eine Führungskultur aufzubauen, wo ich das Gefühl habe, ich sehe nur begeisterte Mitarbeiter, ich sehe nur begeisterte Kunden von dieser Firma und dazu einen total entspannten Geschäftsführer.

Johannes (Interviewer): Das war der, den ich auch kennengelernt hatte als wir oben die Straße fotografiert hatten?

Claudia Max-Heine: Ja, genauso ist es. Also, das ist für mich ein Unternehmen, da komme ich so gerne herein. Und wenn ich auch mit den Mitarbeitern zu tun habe, die wirken einmal auf mich super ausgebildet, aber auch super begeistert für ihr Unternehmen. Da muss ich sagen, da herrscht eine Unternehmenskultur, das würde ich mir für uns wünschen. Das ist nicht so einfach.

Johannes (Interviewer): Spannend! Ich hätte jetzt eher gedacht, Du sagst Obama, oder?

Claudia Max-Heine: Ach so, nein, also ich habe…

Johannes (Interviewer): … den eigenen Kunden sogar als Vorbild?

Claudia Max-Heine: Genau. Natürlich identifiziere ich mich auch sehr stark mit unseren Kunden und habe natürlich auch den persönlichen Bezug zu ihnen.

Johannes (Interviewer): Gibt es schon etwas, was Du schon immer machen wolltest, aber bisher noch nicht gemacht hast?

Claudia Max-Heine: Ja, einer meiner größten Wünsche ist es, einfach einmal richtig lange Urlaub, so zwei Monate am Stück Urlaub zu machen und dann am besten segeln zu gehen, und irgendwo herumzureisen mit dem Wohnmobil oder mit dem Segelboot und einfach einmal wirklich guten Gewissens die Arbeit hinter sich lassen zu können.

Johannes (Interviewer): Richtig abschalten?

Claudia Max-Heine: Richtig abschalten, genau. Aber das werde ich irgendwann tun.

Johannes (Interviewer): Selbst das Segelboot steuern oder steuern lassen?

Claudia Max-Heine: Ja, gut, das gehört auch noch zu meinen Wünschen und meinen Träumen, den Segelschein zu machen. Ich bin absolut wasserverbunden, aber ich kann noch nicht… Ich kann segeln, aber ich habe keinen Segelschein. Das wäre tatsächlich noch etwas, was bei mir auf der Wunschliste relativ weit oben steht.

Johannes (Interviewer): Bodensee, oder? Da kann man zumindest den Schein machen.

Claudia Max-Heine: Ja, das ist richtig. Wobei ich eher so in Richtung Nord- und Ostsee tendiere, und ich würde auch schon gern auf dem Meer segeln.

Johannes (Interviewer): Ja, das macht sicherlich mehr Spaß. Ich habe auch die Boots-Führerscheine gemacht und danach festgestellt, dass ich nicht fit bin auf dem Boot.

Claudia Max-Heine: Ach, nicht seetauglich?

Johannes (Interviewer): Genau, nicht seetauglich. Ich sehe mehr das Wasser als den Horizont. Anderes Thema. Hast Du einen Mentor?

Claudia Max-Heine: Ich habe keinen richtigen Mentor. Es ist so: Ich habe das Glück, mit einem Mann verheiratet zu sein, der sich ziemlich parallel mit mir entwickelt hat. Wir haben das Gleiche studiert. Wir haben sogar nach dem Studium relativ identische Karrieren gemacht, in der gleichen Branche zumindest. Er war eigentlich in vielem mein Vorbild und hat mir auch geholfen, mich weiterzuentwickeln und hat mir immer den Rücken gestärkt in allem, was ich getan habe. Heute bin ich natürlich total froh, dass er jetzt auch bei uns im Unternehmen mit dabei ist.

Johannes (Interviewer): Welche Eigenschaft von Deinem Mann schätzt Du am meisten?

Claudia Max-Heine: Seine sehr überlegte Art. Ich bin eher der spontane Typ und er ist einfach derjenige, der einmal mehr überlegt und noch einmal die Dinge dreht und wendet und halt auch die anderen Seiten hervorholt und mich dann auch immer wieder dazu zwingt, meine bereits vielleicht vorgefertigte Meinung noch einmal wieder zu überdenken.

Johannes (Interviewer): Job, die Wochenenden, die vielleicht auch draufgehen für die Arbeit, Familie, Dein Mann: Es ist schwierig, das alles unter einen Hut zu bekommen?

Claudia Max-Heine: Ja, das ist definitiv eine Herausforderung. Also wir müssen ganz stark schauen, dass wir eben nicht zu sehr die Firma Range und Heine mit ins Privatleben nehmen. Wir können das nicht komplett trennen, weil uns die Firma natürlich sehr umtreibt, weil sie uns auch sehr beschäftigt und weil es auch für uns immer wieder neue Herausforderungen gibt, wo wir nicht so einfach Lösungen finden, die wir auch miteinander einmal länger diskutieren müssen. Aber ich glaube, wir haben einen guten Weg durch eine jahrzehntelange Partnerschaft, sage ich jetzt einmal, gefunden und – auch gerade natürlich mit unserem Sohn zusammen – da auch abschalten zu können und auch wirklich das Private nicht zu kurz kommen zu lassen.

Johannes (Interviewer): Wer hält wem mehr den Rücken frei?

Claudia Max-Heine: Also definitiv hält mein Mann mir mehr den Rücken frei als umgekehrt. Das liegt an meiner Reisetätigkeit, dass er zu Hause sehr viel für mich managt, was nicht so selbstverständlich ist. Aber auch hier in der Firma weiß ich einfach: Ich kann guten Gewissens auf meine Kundenreisen gehen, und der Laden läuft weiter.

Johannes (Interviewer): Was schätzt Du an Beziehungen, Freunden, Freundschaften am meisten?

Claudia Max-Heine: Da habe ich eine ganz klare Meinung dazu. Freundschaften sind für mich unheimlich wichtig, aber wichtig sind für mich die Freundschaften, auf die ich mich auch 100 Prozent verlassen kann. Ich mag keine Oberflächlichkeit. Ich finde, das hat auch Corona besonders gezeigt. Man weiß jetzt wirklich, wer die wichtigen und die wirklichen Freunde sind. Freundschaft bedeutet auch einfach Entspannung für mich. Mit den Freunden rede ich nie übers Geschäft. Das ist bei uns absolutes Tabuthema, aber ich schätze den Rat von unseren wirklich engen Freunden sehr, die in komplett anderen Branchen unterwegs sind, die ganz andere Dinge tun als wir, die es aber schaffen, dass wir einfach auch immer wieder den nötigen Abstand zu denen gewinnen und auch sehen: Was ist wirklich wichtig im Leben? Nicht nur die Firma.

Johannes (Interviewer): Was bedeutet für Dich Erfolg?

Claudia Max-Heine: Erfolg bedeutet für mich wirklich der zufriedene Kunden zu haben. Das ist mein größter Erfolg – und dass ich gut schlafen kann. Erfolg ist für mich, ein Unternehmen zu führen, wo ich mir keine Sorgen machen muss, keine finanziellen Sorgen natürlich, aber zum Glück haben wir sehr wenig finanzielle Sorgen. Aber es geht mir auch Sorgen um Kunden, Projekte, meine Anfragen abzuarbeiten, unseren Service abzuarbeiten. Ich fühle dann Erfolg, wenn der Kunde zu mir sagt: „Haben Sie super gemacht und ich bin total zufrieden mit dem, was Sie hier abgeliefert haben und wie sie uns betreut haben, wie Sie uns beraten haben.“ Das ist für mich Erfolg.

Johannes (Interviewer): Das ist dann die Anerkennung, die Wertschätzung.

Claudia Max-Heine: Genau. Das ist für mich der größte Erfolgsfaktor.

Johannes (Interviewer): Und wie sieht für Dich ein perfekt funktionierendes Unternehmen aus?

Claudia Max-Heine: Das perfekt funktionierende Unternehmen würde so aussehen, dass wir es schon schaffen, dass die Mitarbeiter sich auch teilweise selbst organisieren, dass wir Mitarbeiter im Unternehmen haben, die selber Entscheidungen treffen können, selber für das einstehen, selber auch gegenüber den Kunden vielleicht für das geradestehen, was einmal nicht so gut gelaufen ist und wo wir als Geschäftsführung beratend tätig sind, aber nicht immer komplett den Weg vorgeben müssen. Leider sind wir an der Stelle noch nicht. Ich glaube, das ist Wunschdenken, aber wir versuchen unsere Mitarbeiter tatsächlich dahin zu bringen und zu entwickeln. Wir haben auch sehr viele junge Mitarbeiter, die haben Entwicklungspotenzial. Aber das Schönste wäre natürlich für mich ein Unternehmen, das funktioniert, ohne dass ich permanent ansprechbar sein muss.

Johannes (Interviewer): Lief denn bei der Übergabe alles glatt?

Claudia Max-Heine: Die Zeit der Übergabe war bei uns viel zu kurz. Dadurch, dass mein Vater eben schon ein Jahr nachdem ich im Unternehmen gestartet habe, einen Schlaganfall hatte und einfach nicht mehr das Erinnerungsvermögen hatte und auch nicht mehr so aktiv dabei sein konnte, wie er sich das natürlich gewünscht hätte. Er wollte mich natürlich noch fünf, sechs Jahre ganz aktiv begleiten, dass ich da eigentlich langsam hineinrutsche. Doch so war es relativ rapide, bedingt durch den Schlaganfall. Gleichzeitig ist mein Kind zur Welt gekommen und ich stand auf einmal vor einer Situation, ein Unternehmen zu leiten, von dem ich noch gar nicht so viel Ahnung hatte. Mit Kunden, die das vielleicht auch noch ein bisschen belächeln, dass hier auf einmal eine Frau mit am Steuer sitzt, bei Range und Heine, und eben leider einem Vater, der nicht mehr so voll mit dabei sein konnte. Aber natürlich war das damals die Herausforderung, die ich angenommen habe. Es hat viel Kraft gekostet, mich da durchzuwurschteln, will ich einmal sagen auf Schwäbisch, aber ich habe es geschafft, irgendwo mich in dem Markt zu behaupten und hatte eben das Glück aus der Branche heraus mit Partnerunternehmen und natürlich von meinem Mitgeschäftsführer, die Unterstützung auch zu bekommen, dass wir das auf einen guten Weg gebracht haben. Aber es wäre schöner gewesen, mein Vater hätte das natürlich fünf, sechs Jahre noch voll begleiten können.

Johannes (Interviewer): Was bedeutet für Dich Risiko?

Claudia Max-Heine: Risiko ist etwas, das ich täglich eingehen muss. Die Welt ist einfach nicht sicher, die ist nicht vorhersehbar. Sie ist nicht komplett von uns beherrschbar und wir haben jeden Tag Situationen, mit denen wir umgehen müssen. Risiko muss eben so sein, dass ich immer noch das Gefühl habe, es ist für uns beherrschbar. Aus dem Grund bin ich absolut für finanzielle Solidität. Wir versuchen unser Unternehmen sehr, sehr solide zu führen, damit wir einfach auch für viele Situationen, die wir heute nicht vorhersehen können, gewappnet sind. Erstens schon einmal in finanzieller Hinsicht, um da weiter gut schlafen zu können, wie ich schon erwähnt hatte, aber auch um die Möglichkeit zu haben, aktiv handeln zu können, sei es nun, um neue Mitarbeiter einzustellen, sei es nun, um gewisse Investitionen zu tätigen, um eben nicht in eine Situation zu kommen, dass wir das Risiko nicht mehr beherrschen.

Johannes (Interviewer): Und das ist dann gleichzeitig auch die Sicherheit…

Claudia Max-Heine: Ja, ganz genau.

Johannes (Interviewer): Die Sicherheit, das Risiko beherrschbar zu machen?

Claudia Max-Heine: Ja. Ist für mich unheimlich wichtig.

Johannes (Interviewer): Wenn Du einen Tipp an einen Jungunternehmer geben würdest, welcher wäre das? Oder eher auf Deine Situation passender an jemanden, der vor der Übergabe steht.

Claudia Max-Heine: Man sollte sich irgendwo Partner suchen, sei es über Mitgeschäftsführer, über Mitarbeiter im Unternehmen, mit denen man das zusammen Unternehmen führt. Damit das Unternehmen nicht immer auf eine Person fokussiert ist, sondern das am besten von vornherein da ein paar mehr Personen auch mit dem Unternehmen mitwachsen. Das war etwas, was früher schon bei Range und Heine so war. Es war immer das Unternehmen meines Vaters, und mein Vater hat dieses Unternehmen verkörpert. Und in der heutigen Situation ist es so, je nach Markt, wir haben den Thierry Goutfer für Frankreich. Er steht komplett für Range und Heine und für den deutsch- und englischsprachigen Markt steht eben Claudia Max-Heine. Wir haben das nicht geschafft, da andere Leute so mitzuentwickeln, dass die ziemlich parallel mit dastehen. Das erleichtert es aus meiner Sicht aber oder würde es erleichtern, entspannter das Unternehmen führen zu können.

Johannes (Interviewer): Ist ein Zeithorizont.

Claudia Max-Heine: Ja.

Johannes (Interviewer): Noch Zeit, das umzusetzen. Sehr spannend, Claudia. Danke!

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