Christoph Stäbler

Von Zeiten, in denen Marmelade den Werkzeugteilen weichen musste

Ein perfekt funktionierendes Team ist die beste Grundlage für Innovationen – davon ist Christoph Stäbler überzeugt. Sein Unternehmen Alfatec GmbH Fördersysteme produziert nicht nur gehobene Technik, sondern bringt auch durch schwäbischen Erfindergeist so manches in Bewegung. Und an den richtigen Platz.

Das Rad ist die klügste Erfindung des Menschen. Vor etwa 5500 Jahren zeigten sich logische Denkfähigkeit und Erfindergeist – denn diese Konstruktion besitzt kein entsprechendes Vorbild in der Natur. Was die Sumerer in Mesopotamien fertigten, wussten später auch die alten Ägypter zu nutzen. Als Schlüssel zur technischen und mechanischen Entwicklung hat das Rad seither viele Evolutionsetappen genommen. Und ist auch bei Christoph Stäbler nicht mehr wegzudenken. Bei seinem Geschäftsmodell dreht sich – wortwörtlich – alles um das Rad. Als Spezialist für Fördertechnik-Komponenten und individuelle Handlingsysteme steht dieser Gegenstand mit kreisförmiger Kontur, der um eine Achse drehbar gelagert ist, absolut im Mittelpunkt des Geschehens.

Unsere Mitarbeiter sind fast wie Familienmitglieder. Wir tragen also Verantwortung für sie und das hört nicht bei der Lohntüte auf.

Eines Tages fehlte das große Tierlexikon aus dem Bücherregal im Kinderzimmer. Das war kurz vor der Zeit, in der Alfatec den ersten Katalog drucken wollte. Und als es darum ging, den Produkten einen Namen zu geben – es sollte nicht technisch klingen, sondern einen Wiedererkennungswert haben und ein besonderes Gefühl auslösen. „Mein Vater kam so auf die Tigerrolle“, erinnert sich Christoph Stäbler. Inzwischen kamen auch Mammut Giant, Alfa-Speed und die Weltneuheit Xtra Strong dazu. „Die Natur hat uns inspiriert. Die mächtigste und stärkste Raubkatze der Welt ist ein Anpassungskünstler par excellence. Tiger können sogar bis zu 25 Jahren alt werden und können bei plus 40 ebenso wie bei minus 40 Grad Celsius überleben. Und so ein Powerpaket ist eben auch unsere Tiger-Power-Führungsrolle.“

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Fördern – vor und zurück. Heben – hoch und runter. Das ist der Zuständigkeitsbereich der Alfatec GmbH. Gegründet wurde das Familienunternehmen von Gerhard Stäbler. Heute hat sich der Betrieb als führender Hersteller von individuellen Handlingsystemen, Rollen und Profilen längst mit einem umfassenden Produktportfolio am Markt etabliert. In der Linear- und Handhabungstechnik bringt  Alfatec langjährige Erfahrung mit. Ob Lösungen für unterschiedliche Tragkräfte, Behälter oder Transportgefäße, ob das reibungslose Bewegen und Positionieren von Kisten, Paletten oder Containern: Der innovative Mittelständler setzt auf das System „Alles aus einer Hand“ – von der Idee über Konstruktion, Entwicklung, Fertigung und Montage bis hin zu After Sales und Service.

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Die Leidenschaft für das Tüfteln und Konstruieren steckt in jeder Faser des Unternehmens – und vor allem in den Menschen hier. Als Gott den schwäbischen Erfindergeist im Ländle verteilte, da war er bei dieser Familie besonders freigiebig. Neben dem Vater Gerhard Stäbler wurden auch alle vier Söhne mit dem Talent bedacht: Christoph ist der Älteste, er hat in zweiter Generation die Geschäftsleitung mit übernommen. Raphael hat seine eigene Firma und produziert schadstoff- und plastikfreie Aufbewahrungsboxen aus nachwachsenden Rohstoffen. Von den beiden Zwillingen arbeitet Simon bei einem bekannten Innovationsführer für Automatisierungslösungen mit elektrischer und pneumatischer Technologie in der Fabrik- und Prozessautomation. Phillip ist verantwortlicher Meister in der Fertigung des Familienbetriebs und ist in die Entscheidungsprozesse mit eingebunden.

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Die Familie hat bei Alfatec höchsten Stellenwert – das ist auch bei Christoph Stäbler zu spüren. In allem was er sagt – und wie er das tut. Die Betonung liegt stets darauf, dass der Familienbetrieb gerade dadurch so erfolgreich ist. „Wir haben einerseits eine langfristige Strategie und andererseits auch genug Flexibilität. Wir können etwas ausprobieren und auch so manches an Wandlungen aushalten – oder eben mitgestalten.“ Nah dran am Auftraggeber und seinen Bedürfnissen zu sein, das gehört zum Erfolgsrezept: „Das Wichtigste ist, verdammt gut zu sein und den Kunden zufrieden zu stellen.“ Eine solche Zufriedenheit will das Unternehmen auch nach innen sicherstellen. Dass es bei Alfatec kaum personelle Fluktuationen gibt, ist dafür bezeichnend. „Unsere Mitarbeiter sind ein Stück weit wie Familienmitglieder. Wir haben Verantwortung für sie und das hört nicht bei der Lohntüte auf. Das ist ein völlig anderes Bewusstsein als im Konzern. Konzern und ich – das passt niemals zusammen.“ Das ist auch der Grund, warum Christoph Stäbler nach einigen Etappen und Erfahrungen auswärts in den elterlichen Betrieb zurückkehrte – um nun endgültig zu bleiben. Der Wert der Familie ist im Familienunternehmen untrennbar mit Firmenphilosophie verwoben.

Ob es daran liegen mag, dass die Jungs die Firmengründung so hautnah miterlebt und darin gewissermaßen eingebunden waren? Es war 1994. Christoph Stäbler war gerade bei einem Schüleraustausch im Ausland, in Vancouver. Als er zurückkam, standen im Keller plötzlich ein Schreibtisch, ein Telefon und (für die damaligen Verhältnisse) ein innovatives Faxgerät. „In der Garage gab es keinen Platz mehr für das Auto, stattdessen türmten sich dort Materialberge. Und in den Regalen standen auch keine Marmeladengläser mehr, sondern stattdessen Werkzeugteile.“ Hier mit anpacken, dort etwas wegräumen, da etwas einpacken oder irgendwo Löcher bohren, bestimmte Teile umbauen – es war ganz normal, dass alle vier Söhne samstags in der Werkstatt mit anfassten. So besserte nicht nur jeder sein Taschengeld auf, sondern wurde auch unternehmerisch geprägt. Als es bei Christoph Stäbler dann um das Studium ging, wurden seine Fähigkeiten und Fähigkeiten entsprechend kanalisiert: „Ich höre meine Eltern noch: Was will der Bub lernen? Maschinenbau? Das ist zu wenig! Er braucht den Gesamtzusammenhang, wie das Unternehmen funktioniert – also ging ich an die FH nach Esslingen.“

Christoph Stäbler Alfatec Christoph Stäbler Alfatec

Der Mann in dem schneeweißen Hemd, mit Dreitagebart und wachen Augen nimmt einen Schluck aus der Tasse, auf der „Keep calm and carry on“ steht. Ruhe bewahren und einfach weitermachen – für Christoph Stäbler scheint das keine große Challenge zu sein. Er wirkt gleichmütig und friedlich, achtsam und besonnen. Ein auf den ersten Blick beinahe introvertierter junger Mann, der sich Zeit lässt mit seinen Sätzen, der seine Gedanken immer erst vorzuformen scheint, bevor er sie in Sprache verwandelt und für sein Gegenüber frei lässt. In seiner Nähe gibt es nichts Aufgeregtes, nichts Überstürztes, nichts Beunruhigendes. Stattdessen maßvolle Schweigsamkeit und das behutsame Abwarten, welchen Raum der Gesprächspartner für sich beanspruchen möchte. Die kleine hölzerne rote Katze, die mit hoch erhobenem Schwanz und langen Schnurrbartharren an der Bürotüre wartet und ihren Blick auf Stäbler richtet, ist der perfekte Bürokollege. „Unser Firmenhaustier“, sagt Stäbler – und in aller Knappheit schwingt immer auch ein sanftes Schmunzeln mit.

Auf einem Schreibtisch liegen entrollte Pläne, allerhand Zeichnungen auf Millimeterpapier, Notizen auf kariertem Papier, diverse Plotterausdrucke und händische Skizzen. Konzentriert beugt sich Stäbler über den Wellengang an Informationen und studiert das Projekt. „Ich kann nicht behaupten, der beste Schüler in Mathematik gewesen zu sein – obwohl das ein technisches Hilfsmittel im Beruf ist. Schön ist doch, dass ich nicht alles selbst können oder wissen muss. Denn ich habe die passenden Spezialisten in meiner Mannschaft.“

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190 Tonnen Last – so viel wiegen zwanzig ausgewachsene Elefanten. Schwerlastführungen sind doch ein spannendes Thema: Wie also ein Objekt aus massivem Stahl und mit so hohem Gewicht über eine Strecke von 36 Metern spielfrei führen und gleichzeitig enorme Geschwindigkeiten mit 700 Kilometern pro Stunde halten? Die Produkte von Alfatec sind im Baukastensystem für Traglasten bis 26 000 Kilo geeignet. Mit Handskizzen auf Papier, die von den Konstrukteuren dann digital umgesetzt werden, arbeitet Stäbler recht oft. Dann nimmt er sich einen Zettel her und hält die erste grobe Fiktion mit dem Bleistift fest. „Das geht schnell und ist effektiv. In den Strichen entsteht eine eigene Sprache der Innovation. Wenn sich der Gedanke aus dem Kopf erstmals in Linien und Formen verwandelt, dann passiert danach etwas. Die bildliche Darstellung der Idee hat Konsequenz.“

Viel lieber als im Büro ist Stäbler in der weiträumigen Werkstatt unterwegs, das er als erstes Projekt im Familienunternehmen realisierte. Die bauliche Betreuung des Neubaus und das Ergebnis von 1600 Quadratmetern Gesamtproduktionsfläche – der dreifachen Fläche zum vorherigen Zustand – machen ihn stolz. Gerne hält sich der Geschäftsführer in der Halle auf. „Hier ist immer etwas in Bewegung, es wird produziert und montiert, Zukaufteile werden begutachtet und verbaut – da verändert sich stündlich etwas.“ Das umtriebige Umfeld scheint der Gegenpol zu sein zu diesem ruhigen und entspannten Enddreißiger. Mit dieser inneren Gelassenheit ist Stäbler gerade daran, an einigen Stellen im Betrieb eine Umwandlung herbeizuführen. „Ich werde so manches grundlegend auf den Kopf stellen. Wir müssen uns verabschieden von der Jeder-kann-alles-und-jeder-macht-alles-Machart und zu strukturierten Verantwortlichkeiten entwickeln. Die Aufträge und Aufgaben werden zunehmend komplexer – daher brauchen wir andere Herangehensweisen und Umsetzungsarten.“

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Also will der Geschäftsführer in den kommenden Jahren neue Methoden und Systeme integrieren. „Es geht nicht darum, jemandem etwas wegzunehmen, sondern sich intern noch besser aufzustellen. Erfolg braucht Wachstum – aber die Reihenfolge ist entscheidend. Wir müssen im ersten Schritt mehr Brötchen backen, erst dann können wir die Backstube vergrößern – nicht andersrum.“ Als neue Firmengeneration sieht sich Stäbler hier in der Verantwortung und als treibende Kraft – wenn auch immer in enger Abstimmung mit der Familie und in einem fließenden Kommunikationsprozess mit den Mitarbeitern. „Ein perfekt funktionierendes Team ist die beste Grundlage für Innovationen.“

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Seine Gedanken fliegen in die Zukunft. Zufriedenheit durch weitgehenden Stillstand und lang anhaltenden Status Quo sind für den Wirtschaftsingenieur keine Arbeitsgrundlage: „Wenn der Chef zufrieden ist, dann kann in der Firma etwas nicht stimmen.“ Daher bemüht sich Stäbler eine gewisse Rastlosigkeit im Unternehmen herbei zu führen. Stehenbleiben ist für ihn kein Konzept. Es geht um Ideenmanagement und Innovationen, um Beweglichkeit im Kopf und Flexibilität im Großen und Ganzen. Dazu passt auch seine aktuelle Herausforderung: die Internationalisierung. Stäblers Ansinnen ist es, Menschen in anderen Ländern gut einzuschätzen, zu verstehen und mit ihnen richtig umgehen zu können. Derzeit steht Asien auf seiner Agenda, in Büchern informiert er sich über die Gepflogenheiten und Mentalitäten – um dann vor Ort so manches richtig zu machen. „Wenn in China eine Türe zufällt, geht diese nie wieder auf.“ Dann setzt er die Ceep-Calm-Tasse ab, stellt den Füllfederhalter senkrecht auf den Schreibtisch. Der Rest ist Schweigen.


So bin ich als Mensch:
ruhig, besonnen, ein guter Zuhörer
Das macht mich als Unternehmer aus:
Zuverlässigkeit, Integrität, Effizienz.
Meine besondere Stärke: 
dass ich unsere Kunden ganzheitlich und umfassend betreue
Das wollte ich als Kind werden:
Feuerwehrmann und Baggerfahrer
Das Geheimnis meines Erfolgs:
Ich bin kein Spezialist, sondern ein Generalist.
Diese Denkmuster zeichnen mich aus:
geradlinig sein
Mein höchster unternehmerischer Wert:
ein Handschlag gilt als Abmachung
So sieht meine Work-Life-Balance aus:
Das Unternehmen hat hohe Priorität und benötigt viel Zeit. Ich kann auch im Urlaub etwas arbeiten, das belastet mich nicht.
Das ist mein Hobby:
Ich singe im Chor als Tenor, das verschafft mir einen Ausgleich. Ich kann mich dabei anders konzentrieren und beschäftigen.
Ein Talent, von dem keiner weiß:
Ich koche gerne, vor allem alles, was der Grill hergibt – und das ist mehr als man denkt. Ich habe mehr Kochbücher als Fachmagazine und besitze ein Messer aus Japan, das keiner – außer mir – anfassen darf…
Mein Vorbild:
Lothar Späth, ich habe ihn auf der Preisverleihung der Top 100 Unternehmer getroffen und war fasziniert von ihm, seiner Leistung und seinem Erfolg. Er hat sich ohne Star-Allüren auf die Menschen eingelassen und verstanden: Nicht Zahlen sind wichtig, sondern der Umgang miteinander. Er hatte eine natürliche und herzliche Art.
Das gebe ich Jungunternehmern mit auf den Weg:
Selbständig machen kann sich jeder – man muss dabei skeptisch sein, denn es gehört mehr dazu als nur eine gute Idee. Gründen darf man nicht aus einer Laune heraus. Was braucht der Markt realistisch? Überzeugung, Herzblut, ein echter Schaffer und fleißig sein – das führt zum Erfolg. Am Anfang ist es ein bisschen wie Verliebtsein – doch irgendwann kommen auch die Telefonrechnung und das Finanzamt.
Mein Tipp für alle anderen Unternehmer:
Wer seine Mitarbeiter als Klotz am Bein betrachtet, der wird nie größer und erfolgreicher. Erst wenn der Umgang mit den Menschen gut ist, funktioniert ein Betrieb einwandfrei.
Das ist meine Firmenphilosophie:
Es muss nicht alles über den Tisch vom Chef gehen – es geht um Vertrauen und ehrliches Miteinander. Ich halte nichts von Ellbogen-Mentalität.