Hidden Champions

Beate Bruckner

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Lesezeit ca. 31 Minuten

Vater und Tochter machen die Energiewirtschaft umweltfreundlich

Mit Umweltschutz zum erfolgreichen Unternehmen

Beate Bruckner ist, was wir bei The Hidden Champion meinen, wenn wir von Vordenkern reden. Die Unternehmerin hat schon auf alternative Energie als Wirtschaftszweig gesetzt, als die meisten Menschen noch nicht mal etwas vom Klimawandel gehört hatten. Dieser Pioniergeist kommt nicht von ungefähr. Ihr Vater war einer der ersten Umweltingenieure in Deutschland. Auch heute arbeiten Vater und Tochter gemeinsam an Lösungen für CO2-neutrales und dezentrale Heizen. Wie das genau funktioniert, ob das immer harmoniert und warum ihre Mutter manchmal trotzdem genug davon hat, hat sie uns im Interview verraten.

Doch ganz egal, ob ein Unternehmer in einer althergebrachten Branche tätig ist oder ein Pionier auf seinem Feld ist, die Probleme ähneln sich. Auch Beate Bruckner muss sich mit Behörden herumschlagen und Genehmigungen für ihre Projekte beantragen. Bis vor einiger Zeit musste sie auch oft potentielle Kunden überzeugen, dass sie überhaupt erneuerbare Energien brauchen. Spätestens mit der Ukrainekrise und dem drohenden Öl- und Gasembargo gegen Russland hat sich zumindest das fundamental geändert. Heute können sich die Bruckners vor Aufträgen kaum mehr retten. Das Problem jetzt: Recruiting. Wie gewinnt man neue Mitarbeiter? Und wie führt man die, die schon da sind? Auch da hat Beate Bruckner unkonventionelle Vorstellungen: „Für meinen Vater und mich gehören die Mitarbeiter mit zur Familie.“ Dementsprechend sind sie nicht nur integriert, sondern genießen auch das volle Vertrauen der Chefin und viele Freiheiten. Dem Unternehmen scheint das gut zu tun, ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht.

Das Risiko in eine damals völlig neue Branche einzusteigen hat sich also gelohnt. Doch vor Risiken hat sich Beate eh noch nie gescheut. Sie ist sich sicher: „Risiko gehört dazu. Sonst kannst Du kein Unternehmen erfolgreich aufbauen.“

Interview mit Beate Bruckner

Johannes: Elektrizität und Wärme sind verantwortlich für gigantische CO2 Emissionen – und genau das macht sie nachhaltiger. Als Geschäftsführerin der UBP bringt sie Haushalte, Unternehmen und öffentliche Liegenschaften zu mehr Klimaschutz und zwar in ihrer Energie und Wärmeversorgung. Das ist nicht nur der richtige Ansatz, sondern einer, ohne den Klimaschutz nicht funktioniert. Dafür bin ich sehr dankbar. Welche Erfahrungen sie in ihrem traditionsreichen Unternehmen gemacht hat, darum geht es jetzt. Ich darf begrüßen: Beate Bruckner. Herzlich willkommen, Beate.

Beate: Herzlichen Dank für die Einladung. Freut mich sehr.

Johannes: Schön, dass ich hier bei Dir sein darf. Was war der beste Rat, den Du je bekommen hast?

Beate: Mich selbstständig zu machen. Doch, tatsächlich. Also ich bereue es wirklich nicht. Ich habe mal ein paar Erfahrungen in einem Konzernunternehmen gemacht. Tatsächlich schon zu Schulzeiten als ich eines Nachmittags nach Hause kam und sagte: Papa, ich möchte auch unbedingt selbstständig werden. Er hat sich natürlich gefreut, dass ich auch den Weg dann eingeschlagen habe. Das bereue ich echt bis heute nicht.

Johannes: Das heißt, Du bist eingestiegen in der Firma von Deinem Dad?

Beate: Genau richtig. Jetzt mittlerweile bin ich auch schon zwölf Jahre im Unternehmen. Obwohl ich erst 32 bin und daher eigentlich auch schon fast ein alter Hase jetzt mittlerweile.

Johannes: Wie lange gibt es das Unternehmen insgesamt schon?

Beate: 1994 hat es mein Papa gegründet. Der war vorher tatsächlich auch im Konzern unterwegs, was auch nicht seins war. Und hat dann den Entschluss gefasst, da war ich dann gerade fünf, sich selbstständig zu machen. Von daher bin ich schon so mit der Selbstständigkeit vom Papa aufgewachsen und mir hat das als Modell eigentlich schon immer gut gefallen. Einfach für sich arbeiten und sich auch die Zeit so einteilen können, wie man es braucht. Die Freiheit zu haben. Natürlich auch teilweise wenig Papa. Je nach Phasen arbeitet man natürlich. Der alte Spruch man arbeitet selbst und ständig, da ist schon was Wahres dran. Aber ich finde gerade heutzutage bietet es halt auch die Chance, gleich ganz anders zu leben. Also ich muss echt sagen, ich bin auch im Vergleich zu meinem Bruder, der angestellt ist, glaube ich, deutlich ausgeglichener, weil es jetzt doch einfach ein anderes Arbeiten ist, wenn es für sich selbst ist. Und ich nehme mir dann auch mittags immer Zeit laufen zu gehen, da bin ich einfach völlig frei und so biete ich es auch meinen Mitarbeitern an und versuche es auch entsprechend vorzuleben, weil ich ihnen die Möglichkeit geben möchte, auch sehr, sehr selbstständig zu arbeiten, auch wenn sie es in dem Sinne nicht sind.

Johannes: Arbeitest Du wirklich oder hast Du Spaß?

Beate: Ich habe Spaß. Also für mich ist es tatsächlich auch ein Herzensthema und fühlt sich nicht immer wie Arbeit an. Natürlich gibt es immer Themen, die einem mal nicht so viel Spaß machen, aber es ist für mich echt ein Herzensthema. Also freu mich immer zu sagen, dass ich nicht Teppiche verkaufe, sondern einfach: Bei mir geht es um das Thema Nachhaltigkeit, wofür ich einfach auch seit Kindheitszeiten eine riesige Leidenschaft habe und da konnte wirklich meine Leidenschaft zum Beruf machen.

Johannes: Was macht ihr eigentlich?

Beate: Sehr gute Frage. Also tatsächlich als Überbegriff das Thema Umweltschutz, Klimaschutz. Und mittlerweile sind wir eine kleine Unternehmensgruppe. Deswegen lässt sich es nicht mehr in einem Satz beantworten, weil unsere Geschäftsmodelle sehr, sehr breit sind. Also unser Ursprung, auch der Start 1994 war im klassischen Umweltschutz. Da machen wir Grundwassersanierung und Altlastensanierung für die Industrie. Das ist auch der Bereich, in dem mein Papa groß geworden ist. War einer der Ersten, der Umwelttechnik in Deutschland studieren durfte in Berlin und hat tatsächlich auch einige Patente in den 70er-Jahren entwickelt. Die Boden-Luft Absaugung für die, die in dem Umweltschutz-Bereich unterwegs sind.

Johannes: Boden-Luft Absaugung.

Beate: Genau. Also da geht es darum, wie man letztendlich den Boden wieder aufbereiten kann, der mit Schadstoffen belegt ist. Und das ist heute auch immer noch ein wichtiges Steckenpferd. Also immer noch diese klassische Umweltschutz-Abteilung und sind da immer noch für die Großindustrie tätig. Es ist tatsächlich leider immer noch ein Job, der jetzt auch noch bei manchen Standorten noch Jahrzehnte dauern wird, weil wir tatsächlich da so schwierige Schadstoffe in den Böden, im Grundwasser haben, dass das noch einige Zeit dauern wird, die Standorte wieder „schadstofffrei“ zu bekommen. Das war unser Start. Da habe ich schon sehr, sehr früh erkannt, dass das auch gerade in Deutschland jetzt nicht mehr ein so wachsender Bereich ist. Gott sei Dank, weil viele heute ja auch die Großunternehmen müssen, betrieblichen Umweltschutz machen, also es kommen heute keine Schadstoffe mehr dazu. Deswegen hat mein Vater schon sehr früh angefangen zu schauen: Mensch, was könnte denn noch so dazu passen? Und immer mit der Brille des Klimaschutzes auf, haben wir gesagt: Mensch, da kam das erneuerbare Energiethema auch so erstmals hoch. Welche Bereiche sind denn da besonders spannend? Und da haben wir festgestellt. Der Wärmebereich ist eigentlich mit der größte Part. Das wissen sehr viele auch nicht, weil ja auch in der Politik immer extrem viel über das Thema Strom diskutiert wird. Wenn wir die Primärenergie nehmen, bis weit über 50 % unserer Primärenergie geht in den Wärmesektor und der Rest teilt sich dann auf in Strom und Mobilität. Und da haben wir gesagt: Mensch, das ist eigentlich der größte Bereich, da sollten wir angreifen, den nachhaltiger zu gestalten. Dann haben wir uns am nächsten Level angeguckt, wie können wir denn eigentlich am meisten CO2 sparen? Auch wieder mit der Nachhaltigkeits-Klimaschutzbrille mal auf! Da habe ich gesagt: Mensch, wenn wir Heizöl ersetzen durch 100 % erneuerbare Energie, haben wir den größten Hebel. Und so kamen wir dann eben auf das Thema, dass wir uns mit der Holzwärme beschäftigt haben. Tatsächlich schon 1998, da war ich noch nicht im Unternehmen, haben wir das erste Biomasse-Heizwerk hier in der Region gebaut. Heute würden wir sagen Holzheizwerk, weil der Biomasse-Bereich sehr, sehr groß ist. Da zählt eben auch der Biogasbereich usw. mit rein. Deswegen sagen wir heute immer gerne Holzheizwerk, weil es ums Thema Holz geht und verheizen. Ja, man sieht ja, das ist der Lieblingsbrennstoff, das sind Holz-Hackschnitzel, die versuchen wir überwiegend einzusetzen, weil die eben, auch wenn es um das Thema Holz geht, am CO2-effizientesten sind. Viele kennen vielleicht die Pellets, aber die sind nicht ganz so CO2-effizient wie die Hackschnitzel, weil hier eben noch relativ viel Strom in die Herstellung der Pellets reinfließt. Hackschnitzel sind da eben von der Aufbereitung her deutlich weniger stromintensiv.

Johannes: Ich habe mal Fragen. Du bist sehr schnell. Vorhin, als wir uns unterhalten haben, habe ich gesagt: Wie kann denn das denn sein, dass das CO2-neutral ist, weil ja wirklich Holz verbrannt ist? Wie kann das sein?

Beate: Genau das ist mal ganz spannend, weil viele sagen dann immer zu Recht, da kommt ja auch CO2 aus dem Schornstein, das ist korrekt. Also bei allem, was ich verbrenne, ob das jetzt eine Gas, Heizöl ist, entsteht CO2 am Ende des Energieumwandlungsprozesses. Aber das Besondere am Holz Thema ist, dass es dadurch an sich als CO2-neutral betrachtet wird, weil ich das quasi in CO2 umwandeln kann, was ohnehin durch den Prozess der Verrottung, wenn ich das Holz nicht verbrenne, sondern im Wald liegen lassen, ohnehin entsteht. Also wir haben beim Holz einen Prozess, in dem wir letztendlich das nutzen, was auch jährlich im deutschen Wald wieder nachwächst und eingespeichert wird. Auch der Begriff der Nachhaltigkeit stammt tatsächlich aus der Holzwirtschaft: Ich nehme nur das, was auch im Jahr wieder entsteht. Und das ist eben bei Heizöl und Gas nicht der Fall. Da nehme ich eben Reserven, die sehr, sehr lange über Jahrtausende in der Erde entstanden sind und verheize und verbrenne sie jetzt ganz, ganz schnell. Und jetzt gehe ich eben an diesem jährlichen Zyklus, den ich habe vorbei und ballere jetzt eben ganz, ganz viel mehr CO2 in die Atmosphäre, als eigentlich wieder gespeichert werden kann im Jahr.

Johannes: Okay, spannend. Ich habe noch ein paar Sachen, ein paar Fragen diesbezüglich. Nicht über das Unternehmen, denn ich werde sicherlich noch die eine oder andere Frage am Ende einwerfen, die euch als Firma betrifft. Was war denn die wichtigste Entscheidung für Dich persönlich?

Beate: Die wichtigste Entscheidung? Tatsächlich, als ich angefangen habe, war ich mir noch nicht so ganz sicher, ob ich das Unternehmen mal übernehmen möchte. Wir haben das dann relativ schnell. Also ich bin 2012 in Vollzeit eingestiegen und 2015 habe ich aber dann schon die Entscheidung getroffen, mein Vater hat seine Anteile an mich übertragen. Seitdem bin ich auch Inhaber und das war schon somit die wichtigste Entscheidung in meinem Leben, weil ich dadurch jetzt auch mehr Verantwortung trage. Man hat sich schon festgelegt, aber ich habe es wirklich bis heute nicht bereut und freue mich aber sehr, dass mein Vater noch gesund und fit ist und auch noch immer voll mit dabei ist.

Johannes: Ihr könnt auch gut zusammenarbeiten?

Beate: Wir können sehr gut zusammenarbeiten. Ich werde auch oft gefragt: Wie geht das? Gibt ja auch gerne mal Reibereien im Unternehmen. Und das Schöne bei uns war, wir haben beide verschiedene Spezialitäten. Er ist der ganz klassische Ingenieur, auch gerade im Umweltbereich und ich habe Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Also ich komme auch sehr stark aus der wirtschaftlichen BWL-Ecke, die er jetzt gar nicht hat und zudem dann auch noch sehr IT-affin. Mein Bruder hatte auch eine kleine Computerfirma als Jugendlicher gegründet und ich war so sein Lehrling und kann auch extrem viel selbst machen, mache heute noch die komplette IT fürs Unternehmen selbst.
So haben wir wirklich sehr unterschiedliche Spezialitäten und haben uns da extrem gut ergänzt und das habe ich jetzt auch immer an meinem Vater sehr stark geschätzt, was ich in anderen Unternehmen nicht gesehen habe. Da ist dann oft die alte Generation, die sagt: Da kommt jetzt der Junge mit irgendwelchen neuen Ideen. Finde ich nicht so toll. Wir machen das, wie wir das immer schon gemacht haben. Und mein Vater war von erster Minute anders. Ich hatte eine Idee, hat er gesagt: Mach, auch wenn Du auf die Schnauze fliegst und es nicht funktioniert, dann hast Du die Erfahrung gemacht. Er hat auch nicht reingeredet. Und klar hast Du mal die eine oder andere Fehlentscheidung getroffen und mal Geld bezahlt. Aber er hat das immer geschätzt und das war halt eben in der IT, in der BWL, die auch nie sein Steckenpferd war und er hat dann auch immer schon schnell auf meine Expertise vertraut.

Johannes: Wo hast Du mal mehr Geld bezahlt?

Beate: Ich habe im IT-Bereich oftmals ich immer sehr, sehr schnell neue Software und dergleichen angeschafft, weil ich es total geil finde. Da hat sich in der Praxis rausgestellt, dass das doch nicht so gut funktioniert.

Johannes: Dann ist man wieder zurück.

Beate: Genau dann wieder zurück oder was anderes ausprobieren. Von daher bin ich mittlerweile ein bisschen langsamer und nehme auch früher die Mitarbeiter mit und guck mal, ob die es auch geil finden, was ich für eine neue Idee habe. Das war so ein bisschen der Lerneffekt. Da war ich manchmal ein bisschen zu schnell, mich schon festzulegen, denn da bin ich extrem begeisterungsfähig, wenn es um Digitalisierungsthemen geht.

Johannes: Aber dafür weißt Du jetzt, welche Software Du nicht brauchst.

Beate: So ist das. Nur durch Fehler lernt man und mein Vater hat mir immer die Möglichkeit gegeben, auch meine eigenen zu machen und auch andersrum. Auch er hat seine Fehler machen können und eben nicht geschimpft und wir haben uns da immer sehr gut ergänzt und wieder hochgezogen.

Johannes: Ist das dann auch manchmal so, dass ihr auch mal aneinander geratet und sagt: Nein, das sehe ich so nicht so. Wie ist bei euch so die die Streitkultur?

Beate: Ja, wir streiten uns immer öfter. Also man muss sich das so vorstellen: Er ist eben der Ingenieur, auch sehr innovativ. Dann kommt er immer: Ja, ich habe jetzt wieder eine neue Idee, wie wir das Projekt umsetzen. Wir machen die Technik ganz anders. Ich sag so: Hey, das machen wir aber nicht so, weil Budget schon fest steht, ist geil, verstehe das, coole andere Technik, die ist aber teurer. Können wir jetzt in dem Projekt nicht machen, aber nehmen wir uns fürs Nächste vor.
Also da geraten wir schon mal öfter untereinander, weil mein Vater dann auch gern mal als Ingenieur was anderes ausprobiert oder noch eine andere Idee hat und dann schon immer in der Umsetzung ist, weil er gerne was abändern möchte und je nachdem wie groß, die Änderung ist, sag ich: Nein das machen wir diesmal nicht.

Johannes: Du hast auch Mitspracherecht?

Beate: Ja, absolut. Aber so wird man besser und das schätze ich halt auch, das ist dann das, was mir dann fehlt. Ich bin nicht so der Techniker. Bei mir kommen dann nicht so viele Ideen, wie man wieder etwas anders umsetzen kann und da lerne ich halt auch unglaublich viel von ihm. Noch mal zehn verschiedene Konzepte für ein Projekt machen und was es dann für Umsetzungsmöglichkeiten gibt, um ans gleiche Ziel zu kommen.

Johannes: Was ist denn deine Rolle dann, wenn Du sagst, Du bist auch sehr IT-affin, aber ihr seid ja kein IT-Unternehmen, sondern ein Beratungsunternehmen? Okay, ihr setzt natürlich auch Dinge um. Das heißt, ihr beratet nicht nur, sondern ihr sagt auch, wir kümmern uns darum, dass es umgesetzt wird, wie zum Beispiel ein Heizkraftwerk oder wie hast Du es genannt?

Beate: Holzheizwerk.

Johannes: Holzheizwerk. Okay, das heißt, was ist denn Dein Part, wo ihr beide euch ergänzt, wo er nicht seine Stärken hat?

Beate: Also wenn wir heute Holzheizwerke umsetzen, machen wir das gerne im Energy Contracting. Das bedeutet letztendlich ein Rundum-sorglos-Paket für einen Endkunden und es beinhaltet immer mehrere Schritte. Das Projekt muss geplant werden, es muss dann später gebaut werden, dass da eben ein Heizwerk, ein Wärmenetz entsteht, und es wird am Ende betrieben und das dann in der Regel über eine Laufzeit von 20 Jahren. Also das sind dann schon auch sehr zeitintensive Schritte, das alles dann so zu Durchlaufen. Und dann ist meistens der Part, dass genau meine Techniker – das ist dann nicht nur mein Vater, auch meine anderen Ingenieure sich – sich die Technik überlegen, wie sie sein kann und ich dann federführend zusammen mit anderen Kollegen parallel dazu eine Wirtschaftlichkeit aufbauen muss. Letztendlich muss die tollste Technik auch immer noch bezahlbar sein. Das sind so die wichtigsten Parts, die wir uns da letztendlich aufteilen, weil wir auch am Ende eben das Projekt, dann die Investitionskosten zusammengestellt werden müssen, da muss eine Finanzierung laufen. Das ist auch mein Part, den ich übernehme und eben reche, dass wir dann, weil wir über 20 Jahre solche Projekte machen, die dann auch über 20 Jahre wirtschaftlich umsetzbar sein müssen. Und dann muss man eben bei Vertragsgestaltung schon die richtigen Weichen stellen, dass das dann auch aufgeht.

Johannes: Was Du gerade in diesem Contracting gemeint hast: Ich denke immer in Bildern. Das heißt, für mich ist alles sehr visuell. Egal, was Du sagst, ich versuche da Bilder zu kreieren. Wenn drei Häuser nebeneinander sind und die sind zu 100 % abhängig von Gas: Ist zum Beispiel eine Lösung, dass man sagt, wir machen einen Vertrag mit euch, ihr baut einen Kessel? Dieser Kessel verbrennt dann diese Holzschnipsel. Und wir heizen unsere drei Häuser. Ich heize dann mit diesem Holzschnitzel, gemeinsam mit allen anderen, die da mitmachen mein Haus. Das heißt, ich mache mich unabhängig von dem Gas. Das, was eben staatlich ist. Ich kümmere mich um meine eigene Versorgung. Und das ist das, was ihr dann quasi plant, begleitet und dann auch in einen Vertrag packt und das dann über eine gewisse Laufzeit insgesamt läuft?

Beate: Ganz genau. Das ist auch eine Empfehlung, die wir heute aussprechen. Wenn sich jetzt viele Privathaushalte und Privatpersonen Gedanken machen: Mensch, was habe ich denn für Alternativen, wenn ich hier noch Heizöl oder Gas habe, das jetzt auch durch die Ukrainekrise ein großes Thema geworden ist. Und da ist dann eben eine Wärmeversorgung unglaublich spannend. Und das Tolle ist, ihr seht es ja vorne, dass es ein Beispiel für eine Wärmeleitung ist, so sieht die aus. Die gibt es dann eben hier am laufenden Band in Kunststoff, die kann man ganz einfach verlegen. Das Tolle ist dann eben, wenn sich so ein paar Nachbarn zusammenfinden, dass die Investition für alle deutlich geringer wird, denn sonst muss jeder für sich eine neue Lösung finden. Eventuell in Pellet-Kessel eine Wärmepumpe einbauen und über diese Wärmeverteilung mit einer Zentrale neben einem Kessel oder einer Wärmepumpe kann man dann alle Liegenschaften auf einmal versorgen.

Johannes: Könnte man auch meine Gasleitungen noch aktiv lassen? Falls die Holzschnitzel weniger werden oder zu teuer, dass ich sage, ich kann da wieder auf Gas zurückgreifen oder ist das etwas, was man eigentlich nicht macht?

Beate: Das kannst Du tatsächlich. Ist nur gerade für die Fördermittel nachteilig, weil Du tatsächlich nur Fördermittel für einen Umstieg kriegst. Das heißt, Du musst nachweisen, dass Dein Gaskessel demontiert ist und Du in eine neue Lösung investiert hast. Das wird oft nicht richtig gemacht, weil Du so keine Fördermittel kriegst.

Johannes: Man weiß ja, wie es mit diesen Fördermitteln läuft. Also so habe ich es jetzt erlebt. Meine Eltern hatten damals Öl, dann Umbau auf Gas. Jetzt soll Gas nicht mehr sein, jetzt wird was anderes gefördert. Also eigentlich machst Du nichts anders, als dass Du die Wirtschaft irgendwie auf Touren hältst und alle zehn Jahre gibt es wieder was Neues und davon würde ich mich jetzt persönlich, um jetzt hier nicht eine Meinung zu schieben, eigentlich gerne distanzieren wollen, denn ich würde fragen: Was ist mir wichtig? Mir ist wichtig, dass ich, wenn ich nach Hause komme, das Haus warm ist oder meine Familie im warmen Haus ist. Egal, was da draußen passiert. Wenn man sich von einer einzigen Geschichte abhängig macht. Vielleicht gibt es in zehn Jahren keine E-Autos mehr, sondern vielleicht was anderes. Alle sind dann umgestiegen auf E-Autos und auf einmal heißt es: Oh ne wenn Du jetzt in die Innenstadt willst, dann darfst Du nicht mit dem reinen E-Auto rein, sondern mit einem methanolbetriebenen Elektroantrieb. Habt ihr so etwas auch im Blick oder wird es auch bei euch angefragt? Dass Menschen sagen: Ich möchte jetzt nicht mich abhängig machen von einer Technologie, sondern ich bin lieber Fan davon, dass mein Haus vielleicht mit zwei Variablen unterhalten wird?

Beate: Also, das ist tatsächlich heute ein großes Thema. Wenn wir jetzt heute Projekte umsetzen, machen wir in der Regel nicht nur ein Holzheizwerk hin, sondern immer eine Kombination aus verschiedenen Technologien. Und zum Beispiel kann es sein, dass da Solarthermie-Anlage noch in Ergänzung kommt, dass da eine Wärmepumpe noch installiert wird. Und das Tolle an der Wärmeversorgung, der Nahwärmeversorgung ist: wenn es in den umliegenden Nachbarschaften ist, im Vergleich zur Fernwärme, wie man sie in der Regel in den großen Städten wie Mannheim kennt, haben wir ja eine Zentrale und es muss eben nicht jeder Einzelne für sich ständig eine andere Technologie suchen, weil – wie Du korrekt sagst – da ist ständig eine Änderung drin. Es könnte sein, in 20 Jahren heizt man nicht mit Holz, man heizt mit Wasserstoff, weil es dafür die Infrastruktur gibt. Und das ist das ganz tolle, diese Wärme-Übergabe-Station. Die Keller, die Du hast, die kannst Du auf Dauer beibehalten und wir ändern jetzt nur noch einmal in der Zentrale und stellen da auf neue Technologien um. Und das macht es auch wieder, sage ich mal, für die Gesellschaft und gerade natürlich für die Anschlussteilnehmer viel günstiger, als wenn sich wirklich jedes Haus für sich immer wieder alle 10 bis 20 Jahre neue Gedanken machen muss. Was für eine Technologie setze ich ein? Und das ist halt auch noch mal ein riesen Stellenwert. Deswegen plädieren wir dafür, dass ganz viele dieser Wärmelösungen entstehen und viel mehr Wärme dann dezentral erzeugt wird und eben nicht jeder einzelne Haushalt sich immer Gedanken machen muss und immer wieder neu investieren und sich neue Technologien ins Haus holen kann.

Johannes: Ja, als Gruppe hat man immer mehr Kraft. Man muss halt mehr abstimmen.

Beate: Man muss mehr abstimmen. Jetzt besteht sehr, sehr viel Abstimmungsbedarf und auch gerade Projekte mit 60 Haushalten. Da ist auch immer noch sehr viel mit persönlichen Gesprächen tun, was das dann sehr aufwendig ist.

Johannes: Das ist ja schon ein richtig großes Projekt. Wie bei einem kleinen Stadtteil oder?

Beate: Dieser kleinen Stadtteil ist für uns. Leistungsmäßig ist es immer noch relativ klein. Wir haben da deutlich größere Projekte gemacht. Aber vom Aufwand her ist es dann schon recht komplex. Weil man ebenso viele Vertragsteilnehmer hat, mit denen man dann individuell jeden einzelnen Vertrag abstimmen muss.

Johannes: Weil jeder auch unterschiedlich viel Energie braucht…

Beate: …und auch unterschiedlichen Stand hat. Manche haben vielleicht dann auch noch nur eine Stromheizung, da geht es dann los. Die müssen dann erst mal ein wasserführendes System, Fußbodenheizung oder eine Deckenheizung, im ganzen Haus installieren. Die haben dann deutlich höhere Umbauarbeiten als jetzt jemand, der Gas oder Heizöl hatte. Also da ist dann jedes Haus individuell anzuschauen und wie das am besten angeschlossen wird.

Johannes: Was würdest Du anders machen, wenn Du die Zeit um fünf Jahre zurückschrauben würdest? Außer mehr Pellets auf Vorrat kaufen, weil die heute preislich durch die Decke gegangen sind.

Beate: Genau. Wenn ich das gewusst hätte, hätte man sich schon mal eindecken können. Es ist tatsächlich eine schwierige Frage. Es war richtig, dass wir uns schon seit 2000er-Wende mit dem Thema beschäftigt haben. Jetzt sind wir schon 20 Jahre in dem Markt unterwegs, was sich jetzt gerade extrem ausbezahlt. Von daher würde ich tatsächlich eigentlich gar keine andere Entscheidung treffen. Das war genau richtig, denn jetzt wird das Thema immer brisanter, dass auch in der Wärmeversorgung jetzt massiv Umstellungen erfolgen und wir eben von Gas und Heizöl weg müssen, um auch als Deutschland und als Gesellschaft eine größere Unabhängigkeit zu bekommen.

Johannes: Was macht denn für Dich ein Hidden Champion aus?

Beate: Spannende Frage. Ich glaube, als Hidden Champion muss man tatsächlich schon ein Gefühl dafür haben, was in Zukunft gebraucht wird und rechtzeitig damit starten. Auch seine Gleise und Wege da entsprechend aufzustellen, um dann auch da zu sein, wenn sein Produkt, seine Dienstleistung benötigt wird und tatsächlich, sich da auch von der Konkurrenz abheben zu können, dass er eben in seinem Feld ein Champion ist und vielleicht auch eben ein versteckter, weil man davor nicht von ihm gehört hat.

Johannes: Was ich spannend finde, bei euch: Ihr habt ja schon früh mit einer Technologie angefangen, wo damals jeder wahrscheinlich gesagt hat: Ey Leute, Gas ist so günstig, was wollt ihr denn eigentlich? Oder Öl ist so günstig, was wollt ihr eigentlich von mir? Dann die neue Technologie. Das ist wahrscheinlich jetzt anders, oder?

Beate: Absolut. Wir haben tatsächlich sehr, sehr viele Projekte in den Schränken stehen, weil die gerade um die 2000er-Wende – wo dann auch einfach Gas und Heizöl dann wieder so günstig geworden ist – von den Vollkostenrechnung her einfach immer ein Stückchen teurer waren. Im Vergleich zu einer neuen Investition alleine waren wir meistens schon konkurrenzfähig. Aber viele vergleichen halt einfach zu ihrer Bestandslösung und haben uns dann gefragt, warum sollen wir denn jetzt umstellen? Und das ist heute natürlich schon eine ganz andere Situation. Also heute sind wir wirklich auch zu den Bestandslösungen. Wenn einer heute Heizöl und Gas einkaufen muss, durchaus mit einer vollen Investition und dann auch den laufenden Betriebskosten günstiger. Von daher hat sich da schon die Zeit echt geändert. Und von daher ist es jetzt eigentlich spannend, dass wir schon so viel Erfahrung im Bereich machen können. Jetzt wird es richtig spannend. Jetzt können wir es nutzen.

Johannes: Die ganzen Konzepte aus den Schubladen rausholen.

Beate: Wir haben auch wirklich sehr viele, die in dem Bereich erst einsteigen. So eine Holzheizung ist nicht ganz einfach, die ist eben nicht wie ein Heizöl- oder ein Gaskessel, den man relativ wenig warten muss. Das ist einfach ein naturbelassener Brennstoff und man sieht es auch so ein bisschen hier an den Schnipseln, die sind unterschiedlich groß, da kann es mal sein, dass da ein sehr großer Schnipsel kommt, der eben zu einer Störung in der Anlage führt, weil er sich in der Schnecke verklemmt. Also so Anlagen haben halt einfach einen deutlich höheren Wartungsaufwand und man muss auch eben wissen, mit welcher Qualität man mit so einer Anlage dann umgehen muss. Und da haben wir sehr, sehr viel Erfahrung sammeln können und haben auch extrem viel geforscht in dem Bereich. Haben auch immer sehr viel unseres Umsatzes in Forschungsmittel gesteckt und haben da auch tatsächlich sehr viel spannende Themen in der Schublade liegen, wo wir drauf warten, dass die in den nächsten Jahren wieder relevant werden, wo wir schon Lösungen haben, wenn es dann auch wieder Richtung andere holzartige Reststoffe geht, die dann wieder energetisch genutzt werden können, was aber im Moment noch nicht so die Rolle spielt.

Johannes: Was glaubst Du, was wird im nächsten Jahr? Ich meine, ihr habt jetzt ja Konzepte, die schon in Schubladen stecken, die vielleicht für jetzt noch nicht relevant sind, sondern vielleicht für in zehn Jahren. Was wäre das?

Beate: Viele stellen auch immer diese Frage. Ist vielleicht auch spannend. Man merkt, jetzt werden viele Pelletheizungen gebaut, viele steigen jetzt eben von Gas und Heizöl um. Dann kommt ganz schnell die Frage: Haben wir denn genug Holz zur Verfügung, um viele Anlagen auf den Brennstoff umzustellen? Und da sage ich immer gerne: Ja, haben wir absolut. Aber das wird dann eben nicht nur Holz aus dem Wald sein, sondern auch eben andere Reststoffe. Und in dem Bereich haben wir relativ viel geforscht. Da geht es dann auch um das Thema Landschaftspflege, Material als Überbegriff, das ist so der Garten, Bau und Strauchschnitt, den ihr jedes Jahr, wenn ihr eure Hecken zurückschneiden müsst, auf Grünstellplätze fahrt oder oft auch in eurem Garten liegen lasst, weil es Geld kostet, den wegzubringen. Solche Materialien oder allein wenn ihr viel auf Autobahn unterwegs seid, seht ihr immer auch ganz viele Sträucher, die da jedes Jahr zurückgeschnitten werden müssen. Solche Materialien, die kann man auch energetisch nutzen, ist aber aufwendiger und brauch mal eben Expertise. Da dann auch ein bisschen draufschauen.

Johannes: Das andere Glas, was wir vorhin gezeigt haben.

Beate: Genau das war das andere Glas. Das ist ein bisschen feiner, etwas Dunkler. Hakt sich schneller. Da muss man dann entsprechend teilweise mischen oder richtige Mischungen herstellen. Und in dem Bereich haben wir sehr viel Forschung betrieben, wie man die möglichst störungsfrei in einer Anlage nutzen kann.

Johannes: Das sind dann wahrscheinlich auch Konzepte, die für eine gewisse Region, für eine Stadt, die sagt: Ich möchte mich jetzt von Gas trennen, ich möchte ein eigenes Heizkraftwerk haben und die viele Grünflächen haben oder eine Autobahn dran vorbei. Dann kann man ja genau das eigentlich relativ gut damit verknüpfen, oder?

Beate: Absolut. Also letztendlich ist das auch für Städte relevant, denn auch da sind Grünflächen, die gepflegt werden müssen. Von daher war mal ermittelt, zum Beispiel so ein ganz kleiner Landkreis wie Lörrach, der ist einer der kleinsten in unserer Ecke. Der hat so 60.000 Tonnen solches Landschaftspflege-Material im Jahr zusammen, eben durch die ganzen Pflegemaßnahmen und privaten Gärten.

Johannes: 60.000 Tonnen und nicht 60 Tonnen?

Beate: 60.000 Tonnen und das sind Materialien, die wirklich heute eigentlich überwiegend irgendwo verrotten und gar nicht genutzt werden, weil es im Moment einfach noch ein bisschen zu teuer ist, sie aufzubereiten und es halt im Moment recht günstig aus dem Wald Hackschnitzel gibt. Das ist also, wenn wir viel sägen. Also mittlerweile gibt es viele Holzbauten, es wird viel gebaut mit Holz und da fällt ungefähr so 50 % von so einer Latte eben in Holzhackschnitzel und Sägespänen an und das sind Bereiche, die wir nutzen oder auch Baumkronen, die jetzt auch nicht in die Holzindustrie können. Das sind die Bereiche, die heute zu Hackschnitzeln verarbeitet und dann energetisch genutzt werden. Und irgendwann wird es erschöpft sein, wenn wir immer viele Anlagen haben und dann wird es auch wieder spannend, dann solche Materialien wie Landschaftspflege-Material aufzubereiten.

Johannes: Und dann kann man aber auch das dann erweitern, wenn man sich mit drei Häusern sich so ein kleines Konstrukt gebaut hat. Mit Kessel, kann man sagen, wenn es die größeren Schnitzel nicht mehr da gibt, dann nimmt man auch noch die kleineren mit dazu und es würde ähnlich gehen?

Beate: Theoretisch ja. Man braucht tatsächlich ein bisschen andere Technik, man muss eher etwas größere Anlagen haben. So ganz kleine werden schwierig mit dem Material sein. Aber das Schöne ist dann, wenn man wirklich viel Wärmenetze entstanden sind, dann kann man die irgendwann auch wirklich zusammenlaufen lassen. Und dann ist zum Beispiel so eine ganze Stadt wie Stuttgart dann am Ende ein Netz, weil es auch über Jahre zusammengewachsen ist und kann dann auch entsprechend eben noch größere Anlagen dann bauen, die dann auch eben mit schwierigerem Material fahren können. Das wird dann so die Tendenz sein. Weil ein Privatmann wird, sage ich ehrlicherweise, nie mit seinem Landschaftspflegematerial heizen können. Das wird von der Dimension her ganz, ganz schwierig werden.

Johannes: Okay, was schätzt Du in einer Zusammenarbeit mit Deinem Vater am meisten?

Beate: Oh, dass wir trotzdem Familie und Unternehmer sind, dass das sehr, sehr gut einhergeht und wir eigentlich nie einen großen Krach haben, wenn man mal Meinungsverschiedenheiten hat, das eigentlich sehr, sehr schnell auflösen kann und wir wirklich unglaublich familiär zusammenarbeiten, wir frühstücken jeden Morgen zusammen. Und es ist einfach immer sehr, sehr familiär und gleichzeitig trotzdem auch unternehmerisch. Also beides, unsere Leidenschaft, die wir jetzt hier auch jeden Tag beruflich umsetzen.

Johannes: Redet ihr dann auch über private Sachen oder ist es dann schon sehr geschäftlich? Wie kommt eure Mutter damit klar?

Beate: Meine Mama schimpft schon manchmal morgens am Frühstückstisch und sagt: Jetzt hör doch mal auf, über die Firma zu sprechen. Das passiert natürlich schon öfter mal, wenn man dann auch, gerade im Familiären zusammensitzt, auch vielleicht mal bei einem Gläschen Rotwein, da hat man wieder tolle unternehmerische und strategische Ideen. Von daher bleibt es dann auch mal nicht aus, dass man dann über die Firma spricht. Aber das Private kommt trotzdem nicht zu kurz. Da kommt dann auch immer gerne die ganze Familie zusammen und dann wird privates besprochen.

Johannes: Wie viele Mitarbeiter habt ihr?

Beate: Wir sind insgesamt in der Gruppe, so 15 Mann.

Johannes: Okay, wenn Du von Gruppe redest, wie habt ihr euch quasi aufgestellt? Habt ihr eine Holding? Wie habt ihr das gemacht?

Beate: Ganz genau. Wir sind mittlerweile zehn Gesellschaften. Die elfte ist gerade in Gründung. Relativ viel, davon sind aber haben nur zwei Mitarbeiter. Das ist einmal hier unser Ingenieurbüro in Wiesloch und im Erzgebirge haben wir einen eigenen Holzhof, der eben diese Hackschnitzel, herstellt und wir versorgen da unsere Anlagen oder auch Anlagen unserer Kunden mit Brennstoffen. Das sind die beiden Firmen mit Mitarbeitern. Dann haben wir tatsächlich teilweise für neue Projekte oder für neue Geschäftsfelder einfach aus Risikogründen neue Gesellschaften gemacht. Also haben eine Gesellschaft für eines unserer größten Heizwerke gehabt. Das war eine 6.000-Megawatt-Anlage, wo wir mal fast 1/4 einer Stadt, also einen ganzen Stadtteil versorgt haben. Und dafür haben wir damals eine extra Gesellschaft gegründet, weil es auch sehr großes Invest war, so 6 bis 8 Millionen, die da dann über mehrere Jahre investiert wurden. Wir haben eine Gesellschaft, die kleinere Contracting Projekte macht. Wir haben eine Heizungsbaugesellschaft, eine Innovationsgesellschaft, wo wir auch viel Förderprogramme, Forschungsvorhaben drin machen. Und so sind wir mittlerweile eine Holdinggesellschaft, zwei GmbHs, die wiederum für die GmbH & Co. KG dann haften. So sind wir dann über die Jahre immer weiter auf die zehn Gesellschaften.

Johannes: Und jetzt hast Du da per se einen guten Überblick?

Beate: Ich habe einen guten Überblick. Viele sagen dann: Ihr seid 15 Mann, habt zehn Gesellschaften, ist aber ganz schön viel. Aber die haben tatsächlich alle ihre Daseinsberechtigung und haben wirklich alle teilweise unterschiedliche Geschäftsfelder um noch eine eigene Solargesellschaft, wo wir unser Photovoltaik-Geschäft drin machen. Da gehen wir dann auch in den Strombereich.

Johannes: Okay, das heißt aber, eure Mitarbeiter, die arbeiten schon in diesen Projekten? Es kann sein, dass die auch in allen Gesellschaften involviert sind?

Beate: Genau. Also unser Ingenieurbüro oder die Mitarbeiter des Ingenieurbüros sind dann auch mal für unsere Heizungsbauergesellschaft tätig oder unsere Betriebsführungsgesellschaft und so, die leihen wir dann quasi immer mal wieder aus, je nachdem was gerade ansteht.
Johannes: Das heißt, ihr habt im Hintergrund dann eine Holding und dann da die Gesellschaften, die von der Holding quasi gegründet werden?

Beate: So ist es.

Johannes: Und die Holding. Was für eine Aufgabe hat die?

Beate: Die gehört mir zur Hälfte und auch einem anderen Familienunternehmer, das ist unser Gesellschafter und die ist eigentlich wirklich nur als Inhaber-Gesellschaft im Hintergrund und die ist halt an allen unseren Tochtergesellschaften dann meistens 100 % oder zu überwiegenden Teilen beteiligt. Also das ist eigentlich so das Startkapital und Beteiligungsgesellschaften.

Johannes: Okay, Du sagtest vorhin schon, dass da ein anderer Gesellschafter mit drin, ist der auch von der Familie? Dein Dad oder wer ist das?

Beate: Nein. Also mein Dad, der hat mir seine Anteile übertragen. Das ist dann ein externer Mannheimer Unternehmer, auch ein Traditionsunternehmen, schon in der vierten oder fünften Generation, aus dem Düngemittel-Bereich, mit dem wir auch immer wieder Synergien haben. Das Thema Holzasche und Düngemittel ist auch ein abendfüllendes Thema, über das ich dir erzählen könnte. Also was dann auch sehr, sehr spannend und auch strategisch mit uns zusammen gegangen ist, um den Bereich dann aufzumischen.

Johannes: Mit der Übergabe von Dir oder ist er schon immer mit drin?

Beate: Er ist schon länger mit dabei, der ist glaube ich 2000 Mitgesellschafter geworden.

Johannes: Um sich noch größer aufzustellen oder was war der Grund?

Beate: Strategisch die Zusammenarbeit, denn der kommt aus einem ganz anderen Feld, das aber Synergien mit unserm Feld hat. Da haben wir uns damals zusammengetan.

Johannes: Aber das heißt, er ist nicht operativ in euren Gesellschaften mit drin oder doch auch?

Beate: Nein, eigentlich gar nicht operativ, würde ich mal sagen, ist ein stiller Gesellschafter, der aber letztendlich mit uns zusammen neue Projekte und Themen angeht.

Johannes: Spannend, finde ich cool. Wie führst Du an sich diese zehn, ich sage mal, Unternehmen, nicht diese zehn Gesellschaften? Wie führst Du die Mitarbeiter?

Beate: Ich würde sagen, ich habe einen sehr offenen und demokratischen Führungsstil. Also wir sind noch eine recht „kleine Runde“. Wir haben auch nicht mehrere Managementebenen und so weiter. Das ist bei uns eigentlich sehr direkt. Mein Vater und ich, wir sitzen zusammen im Büro, immer die Türe offen und wir sind immer ganz schnell mit den Mitarbeitern im Austausch und das wird auch von unseren Mitarbeitern sehr geschätzt. Die kommen rein, haben irgendwelche Ideen, Verbesserungsvorschläge und da kommt gleich ein Feedback, machen wir, machen wir nicht. Für meinen Vater und mich gehören die Mitarbeiter mit zur Familie. Hier wird jeder Geburtstag, jedes Jubiläum gefeiert und da gibt er auch immer gerne den Mitarbeitern einen aus, also da haben wir eine ganz, ganz tolle Stimmung und ein sehr enges, ein sehr wertschätzendes Verhältnis miteinander und auch, wenn mal was Besonderes ansteht, sind mein Vater und ich auch mal mit den Arbeitsklamotten mit auf der Baustelle und packen mit an und mein Vater macht teilweise auch mit Bereitschaftsdienst noch am Wochenende und so Sachen. Also wir waren uns auch nie zu schade um alles auch noch mitmachen zu können.

Johannes: Du bist selbstständig. Also Du bist Geschäftsführer. Deine Mitarbeiter machen die das, was Du denen sagst, was sie umsetzen sollen? Oder haben die auch teilweise sehr viele eigene Ideen und sehen sich auch eher so als selbstständigen Part? Wie ist das bei euch geregelt?

Beate: Ich würde schon sagen, die sehen wir auch eher als selbstständigen Part. Also die arbeiten wirklich sehr frei miteinander. Wir stimmen schon die Richtung ab. Und gerade auch bei Projekten wird natürlich auf viel Brainstorming getrieben und dann so, wie die Technik umgesetzt wird, immer sehr viel diskutiert, aber kommt unglaublich viel von den Mitarbeitern und die können auch hier ihre Ideen umsetzen. Wir waren immer schon ganz frei, auch was so das Thema Zeit angeht. Mir ist es total egal, wann die arbeiten. Also bei uns gibt es auch keine 08:00 bis 16:00 Uhr-Regel, noch nie.

Johannes: Also können die hier nachts um 12:00 reingehen?

Beate: Genau, wenn sie das wollen. Wir haben auch viele, die dann teilweise in Elternzeit noch Lust hatten, in Teilzeit zu arbeiten oder die dann wirklich abends arbeiten. Da sind wir immer ganz frei, hatten schon Homeoffice, bevor das offiziell ein Wort war, schon eigentlich seit dem Start, schon ‘94 war ein Mitarbeiter, der immer mal im Homeoffice gearbeitet hat und von daher war da auch einfach ein sehr tolles Vertrauensverhältnis. Und wir merken auch, dass die Leistung durchaus von den Mitarbeitern kommt und die voll mitziehen und das auch einfach sehr schätzen, dass die sehr viel auch ihre Projekte eigenverantwortlich führen können.

Johannes: Wie macht ihr das mit dem Nachwuchs? Also ihr braucht ja sicherlich auch in Zukunft weiterhin frisches Personal. Wie geht ihr das an?

Beate: Es ist tatsächlich, glaube ich, für jeden Unternehmer heute ein großes Thema, dass das nicht einfach wird. Wir hatten bisher eigentlich immer großes Glück, dass wir gut Personal gefunden haben. Im Moment haben wir echt eine sehr starke Wachstumsphase, weil jetzt im Moment wirklich die Post abgeht. Jetzt wird es erst mal schwierig, auch schnell mehr Leute zu finden. Aber durch dieses familiäre Klima haben wir bis jetzt eigentlich immer extrem gut Leute finden können, die das eben sehr geschätzt haben. Wir haben unsere Leute auch immer sehr intensiv eingearbeitet, das sind eigentlich alles Allrounder, die wirklich vom Umweltbereich bis zum Energiebereich unterwegs sind und daher jeden Tag andere Aufgaben machen. Das bedeutet natürlich viel Einarbeitungszeit, die wir aber gerne nehmen, aber dafür eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit für jeden Mitarbeiter und haben wirklich auch extrem wenig Fluktuation. Also unsere „jüngste“ Mitarbeiterin ist auch schon zehn Jahre bei uns und die älteren bis zu fast 30 Jahren. Der eine Mitarbeiter ist wirklich fast seit Anfang mit dabei.

Johannes: Das spricht ja auch für euch.

Beate: Ja, absolut. Das war uns echt immer sehr, sehr wichtig. Auch wir haben eigentlich in der Unternehmensgeschichte, auch wenn es mal harte Phasen waren, wirklich nie jemand betriebsbedingt rausgekickt. Wir versuchen das noch irgendwie und schauen: lieber können wir auch andere Dienstleistungen machen, um das irgendwie zu kompensieren, weil das wirklich mal die erweiterte Familie war und wir da geguckt haben, dass was irgendwie packen.

Johannes: Man verbringt so viel Zeit miteinander, da ist es wichtig, dass man füreinander da ist auch und das ist ja auch eine Verantwortung letzten Endes, die man da hat. Hast Du einen Mentor?

Beate: Gute Frage. Ich würde schon ein Stück weit sagen, dass mein Vater mein Mentor ist. Wir haben uns da schon immer extrem viel ausgetauscht, er hat mich immer sehr gefördert und tatsächlich nicht als eine Person, aber die Wirtschaftsjunioren. Also ich bin ganz früh bei den Wirtschaftsjunioren Deutschland Mitglied geworden, da war ich gerade 22, als ich jetzt hier schon meine ersten Einstiege hatte und da hat mein Vater mich motiviert, Mitglied zu werden.

Johannes: Und darüber kennen wir uns.

Beate: Darüber kennen wir uns auch. Und es hat mich wirklich extrem geprägt und auch wirklich weiterentwickelt. Wo ich aber auch heute sage: Ich bin extrem dankbar über alle Erfahrungen, die ich da habe machen können, auch gerade was das Thema Führung angeht. Denn ganz ehrlich: Ich hatte überhaupt keine Ahnung von so. Das lernt man in so einem Wirtschaftsingenieurstudium überhaupt nicht. Das war ganz viel learning by doing und extrem viel Austausch und Führungsseminare, die man bei den Wirtschaftsjunioren und so machen konnte, die mich da einfach extrem geprägt haben. Ich bin eigentlich ein extrem introvertierter Typ. Also wenn Du mich vor zehn Jahren interviewt hättest, wäre ich vielleicht öfter dagesessen, weiß keine Antwort mehr oder so.

Johannes: Aber jetzt bist Du eigentlich ein extrovertierter Vollnerd?

Beate: Ja mittlerweile wirklich. Aber das war echt nicht einfach. Das war ein ganz langer Prozess, wo die Wirtschaftjunioren mich geprägt haben und von allem so: Du musst da jetzt mal vorne stehen vor 400 Leuten und die begrüßen.

Johannes: Da wurdest Du ins kalte Wasser geworfen.

Beate: Da konnte man halt, ohne dass es ein wehgetan hat, ganz viel üben und lernen. Und das hat mir wirklich im Job unglaublich viel gebracht.

Johannes: Ja, wofür im Leben bist am dankbarsten?

Beate: Für meine Familie. Muss ich wirklich sagen. Ich habe noch ein Brüderchen, was jetzt zwar im IT-Bereich nicht stark ist, aber mittlerweile Jurist ist, der uns auch nebenberuflich hilft. Der ist aber auch mittlerweile in einem großen Konzern angestellt. Immer noch unterstützt meine Mama, die auch in der Altenpflege ist, aber auch immer mit von der Partie, die dann meistens irgendwie mit Leberwurstbroten mittags zu ihm kommt. Und Beate bräuchte vielleicht mal ein Päuschen und dann ist meistens das Leberwurstbrot meine Rettung. Meine Mama ist auch die, die auch noch mal guckt und auch meistens einmal die Woche einen Kuchen für die Mitarbeiter macht. Total nett und schön und das schätze ich echt.

Johannes: Die wohnt auch hier?

Beate: Genau meine Eltern wohnen auch über der Firma und meine Mama ist eigentlich immer so die, die uns alle zusammenhält und uns was Gutes tut. Auch hier die ganze Dekoration im Büro hat alles meine Mama gemacht, die immer guckt, dass wir es schön haben, dass es uns gut geht. Und von daher bin ich wirklich sehr dankbar

Johannes: Was ist Deine größte tägliche Herausforderung?

Beate: Im Moment tatsächlich den starken Auftragsdruck und das Wachstum hinzukriegen. Im Moment sind wir wirklich in der Phase, wo mein Vater und ich sehr, sehr viele Stunden hier zubringen, weil jetzt – auch gerade durch die Krise – extrem viele Anfragen auf uns zukommen. Jetzt sind wir wirklich in der Phase, wo wir auch schnell neue Leute finden müssen. Das ist uns immer sehr wichtig, sehr zuverlässig und schnell unseren Kunden gegenüber zu reagieren und da kommen wir jetzt in eine Phase rein, wo wir definitiv auch mehr Leute brauchen, um dann diesem Motto auch immer noch treu bleiben zu können.

Johannes: Das heißt, eigentlich müsstet ihr jetzt noch Leute einstellen, die euch da unterstützen?

Beate: Genau. Wir sind gerade auch schon auf der Suche im Umweltbereich, nach jemand neuem und bin jetzt auch gerade noch dabei, die nächsten Tage eine Stellenanzeige rauszubringen. Wir brauchen unbedingt noch einen Ingenieur, der uns hier beim Planerischen für unsere Energieprojekte unterstützt und es wird dieses Jahr eher noch ein Zweiter kommen müssen, da wir die Projekte alle ausweiten.

Johannes: Aber das ist im Wachstum auch nicht spaßig, weil man will es ja auch irgendwie alles umsetzen können.

Beate: So ist es, genau.

Johannes: Da habt ihr auch 20 Jahre dran gearbeitet.

Beate: Und da kommt auch die Leidenschaft wieder durch. Man will die ja auch alle machen. Sind auch alles tolle Projekte, absagen würde wehtun.

Johannes: Ja, es ist halt schade, dass erst, wenn es weh tut, Leute zum Umdenken gezwungen werden. Erzwungenermaßen wie jetzt das Embargo mit Russland. Wie auch immer das jetzt ausgehen wird, das weiß man natürlich nicht. Aber jetzt auf einmal denkt man drüber nach.

Beate: Ja, das ist leider so, das habe ich auch bitter in den letzten Jahren lernen müssen, es gibt die wenigsten, die wirklich hier intrinsisch sagen: Ich möchte Klimaschutz machen, ich möchte eine nachhaltige Heizung und ich bin auch bereit, dafür mehr Geld zu bezahlen. Es geht leider wirklich bei ziemlich allen um den Geldbeutel und jetzt ist er ja tatsächlich am Leiden. Deswegen passiert jetzt auch wirklich sehr, sehr viel.

Johannes: Bei vielen unserer Kunden habe ich immer gesagt, Recruiting muss ein Dauerthema sein. Also man soll es nicht so als kleinen Part sehen, wenn es brennt, dann suche ich. Sondern eigentlich sollte man das Wachstum im Blick haben und mit dem Wachstum ein dauerhaftes Recruiting bei sich einführen. Egal in welcher Unternehmensgröße. Jetzt auf einmal merkt man, dass Umsätze einbrechen, weil die Mitarbeiter nicht da sind, egal in welcher Branche. Klar, Zahnmedizin ist so eine Branche, wo wir viel machen. Da ist ganz klar. Da brennen die Hütten, aber man hat das Personal nicht, um das Feuer zu löschen. Und bei Mittelständlern teilweise auch. Jetzt sind die Anfragen immens da, dass man es kaum abbilden kann. Aber reden tun wir schon seit Jahren drüber.

Beate: Das ist natürlich auch immer ein Kostenthema. Wenn Du da dauerhaft den Kopf erhoben haben willst, kostet es halt eben Geld, ist dann vielleicht auch in der Vergangenheit bei vielen Unternehmen dann gefehlt hat und dann halt auch eben gefehlt hat, dass man schon mal auf Halde eingestellt hat. Die Leute müssen ja auch letztendlich bezahlen. Wir sind auch zum Großteil Service-Dienstleister. Ich kann nur mit den Menschen, die müssen hier Umsätze generieren, sonst kannst Du sie letztendlich nicht bezahlen. Und bei unserer Größe, musst Du bei jedem Mann und jeder Frau, den Du einstellst überlegen. Der muss schon entsprechend mehr Umsätze generieren, dass es am Ende wieder aufgeht. Also es ist schon immer eine Herausforderung, ein sehr schmaler Grat und man braucht auch einen guten Riecher. Wann kommt jetzt vielleicht wieder ein Auftragsboom? Und stellst Du schon jemanden ein? Und gerade Menschen mit unserer Struktur, wo wir sehr viel Einarbeitungszeit haben. Mich hat jetzt leider auch ein Unternehmer verlassen, weil seine Frau nicht umziehen wollte, ein junger Heizungsbauer, der hier schön reingepasst hätte. So Sachen passieren halt auch mal, da bezahlt man auch durchaus mal ganz schön Lehrgeld, weil man jemand unbedingt haben wollte und auch schon einiges investiert, um ihn weiterzubilden. Aber es passiert dann halt.

Johannes: Wie schaffst Du den Ausgleich zu Arbeit?

Beate: Tatsächlich sehr viel Sport und die Natur ist für mich so das große Thema. Ich versuche so zwei- bis dreimal die Woche eine Runde zu laufen und das ist für mich wirklich so auch die Möglichkeit, den Kopf wieder frei zu kriegen. Mache sehr viel Yoga, auch täglich. Das sind auch immer so abends noch mal Entspannungssachen um dann auch den Computer, den internen, runterzufahren und gut schlafen zu können.
Natürlich gibt es mal volle Tage, wo es was nicht ganz klappt, aber das versuche ich eigentlich. Das ist so meine Abendroutine, mache ich eigentlich immer so eine halbe Stunde, Stunde. Je nachdem, was die Zeit so zulässt, da mache ich Yoga. Und das führt auch dazu, dass ich jetzt auch lange nicht irgendwie erkältet war und dass man auch wirklich die entsprechende Fitness hat, dass man seinen Arbeitsalltag gestalten kann. Ich gehe ich fast jedes Wochenende eine Runde wandern. Das ist auch so mein Thema wieder nah am Baum im Wald zu sein, wo ich mich einfach auch sehr, sehr wohlfühle und wo man dann auch wieder jeden Tag weiß, wofür man es macht.

Johannes: Da kommen meist jetzt auch die Ideen beim Abschalten.

Beate: Ja, das ist so, also auch die guten Ideen habe ich tatsächlich, auch wenn einem so die kalte Luft um die Nase weht.

Johannes: Was ist Deine größte Angst?

Beate: Gute Frage. Vielleicht nicht die Mitarbeiter zu finden, die ich brauche. Dass wir jetzt tatsächlich in eine Situation kommen, wo ich eigentlich Projekte absagen müsste, die ich aber herzensmäßig unglaublich gerne machen möchte. Wir haben auch ein sehr großes Projekt, weil auch mein Herz sehr dran hängt. Und das wir hoffentlich die Finanzierung, auch in der aktuell fordernden Zeit, wo auch die Zinsen stark steigen, hoffentlich noch umgesetzt kriegen. Das sind gerade die Themen, wo ich hoffe, dass sie dieses Jahr klappen und wir die Weichen entsprechend stellen können.

Johannes: Was würdest Du jungen Unternehmern mit auf den Weg geben wollen?

Beate: Tatsächlich das Thema Netzwerk, denn, das habe ich auch ja vorhin schon erzählt, meine Erfahrung mit den Wirtschaftsjunioren waren toll. Also das würde ich jedem Jungunternehmer empfehlen, sich entsprechend an Netzwerke zu halten. Da gibt es auch noch viele andere, auch im Gründungsbereich, die einem da extrem unterstützen können, was auch die Businessplanerstellung und so Sachen geht. Also sich auf jeden Fall Netzwerke zu suchen, bei denen man sich austauschen kann und einfach mal machen. Das ist zwar in Deutschland nicht ganz so einfach, ein Start-up erfolgreich hochzuziehen. Manche Länder bieten da ein bisschen bessere Voraussetzungen, aber das wäre so meine Empfehlung einfach mal machen, weil das ist wirklich toll, selbstständig arbeiten zu können. Und wenn man eben das Netzwerk hat, das einem ein Stück weit Rückenwind gibt, einen die ein oder anderen Fehler vermeiden lässt, dann hat man wirklich einen tollen Start.

Johannes: Was hältst Du von dem Spruch: Schuster, bleib bei Deinem Leisten?

Beate: Gar nix.

Johannes: Alles gut. Nächste Frage. Was bedeutet für Dich Risiko?

Beate: Risiko gehört dazu. Sonst kannst Du kein Unternehmen erfolgreich aufbauen, jeden Tag ein neues Risiko eingehen. Manche zahlen sich nicht aus und andere nicht. Aber die führen dann dazu, dass man ein Hidden Champion wird.

Johannes: Was bedeutet für Dich Sicherheit?

Beate: Mein Sicherheitslevel ist relativ niedrig. Ich glaube, das muss man auch ein Stück weit als Unternehmer haben. Man muss schon voll ins Ganze gehen.

Johannes: Dein Selbstvertrauen ist wahrscheinlich die Sicherheit?

Beate: Man hat mal Tage, wo man denkt: Ah, ob das noch so klappt, was man da gerade vorhat. Aber genau letztendlich und klar, man hat immer ein Stück weit sein kleines Sicherheitsnetz. Aber als Unternehmer, man sagt auch immer so gerne als Geschäftsführer, steht man immer mit dem halben Bein im Knast. Ein Stück weit hat es seine Wahrheit. Aber man muss einfach mutig sein und es zahlt sich am Ende aus, wenn man bereit ist, ein Risiko einzugehen.

Johannes: Ja, man muss ja auch gucken. Man kann ja auch Sicherheit reinbringen, indem man sagt: Okay, bevor das ganze Stadtviertel gegen mich ist, weil das Heizkraftwerk doch nicht so funktioniert. Dann, deswegen ist es ja eine eigene Gesellschaft.

Beate: Deswegen haben wir oft als wir Neues ausprobiert haben eben eigene Gesellschaften gegründet, um dann zu sagen, das tangiert unser gut laufendes Geschäft nicht und da sind wir in der Vergangenheit sehr gut gefahren. Das wir dann auch eben mal die Möglichkeit haben zu sagen: das und das Projekt hat nicht geklappt. Wir haben auch die eine oder andere Gesellschaft mal umbenannt, die jetzt heute dann anderen Zweck hat. Also das gehört Durchaus zum Unternehmerleben dazu, dass man mal Projekte macht und auch da Geld investiert, um dann am Ende nicht zur Umsetzung kommen.

Johannes: Dein bester Freund ist wahrscheinlich ein Notar, oder?

Beate: Ja, tatsächlich. Also eine GmbH & Co. KG gründen kann ich sehr gut. Sehr, sehr gut. Das habe ich oft gemacht.

Johannes: Man muss sich mit dem Notar immer ganz gut stellen und dann kann man auch schnell etwas auf die Beine stellen. Meistens ist ja nur eine Gesellschaft wieder eine Notwendigkeit, um wieder Gas geben zu können.

Beate: Am meisten würden wir uns freuen, wenn wir mal ein bisschen in Deutschland die Bürokratie abschaffen würden, dass wir Genehmigungen schneller kriegen. Das ist gerade auch in unserem Bereich etwas, das einen dann schonmal als Unternehmer frustrieren kann. Wenn man sieht, wie lange recht einfache Genehmigungen dauern, um so eine Heizzentrale zu errichten. Da ist manchmal der Frustrationsgrad extrem hoch und da hoffen wir, dass da jetzt auch politisch mal in den nächsten Jahren die Weichen ein bisschen anders gestellt werden, denn das Thema werden wir jetzt alle angehen müssen und dann sollten wir auch gucken, dass wir uns da nicht noch Hürden bauen.

Johannes: Bei euch geht ja alles um das Thema Energie, CO2-Ausgleich, Technologien etc. Wenn Du heute bauen würdest, wie würde Dein Haus aussehen und mit welcher Technologie? Mit welchen Technologien würdest Du dieses Haus bestücken?

Beate: Nun also, als Erstes würde ich ein Holzhaus bauen, wenn es darum geht, aus was für Rohstoffen ich das Haus machen würde. Da gibt es auch tolle Auswertungen dazu, dass man eben, wenn man ein Haus aus Holz baut, den Stamm nutzt, der sehr viel CO2 gespeichert hat und kann entsprechend CO2 speichern, was eine sehr tolle Möglichkeit ist. Von daher wäre das eben auch ein sehr nachhaltiges Haus so zu bauen, anstatt jetzt eben Eisen, Beton und Stahl zu nutzen, was ja schon sehr mal CO2-belastend hergestellt wurde. Das wäre das eine und das andere Thema wäre: Ich würde es natürlich versuchen, möglichst nachhaltig zu beheizen und würde tatsächlich aber dafür meine komplette Nachbarschaft versuchen mitzukriegen und eine kleine Nahwärmelösung zu machen. Dass eben die ganze Gemeinschaft da vor Ort profitieren kann von einer 100 % erneuerbaren Lösung.

Johannes: Eine 100 % erneuerbare Lösung wären Holzschnipsel?

Beate: Holzschnipsel, mit einer Kombination definitiv auch zu großen Teilen mit einer Wärmepumpe. Im Neubau ist die Kombination durchaus toll. Jetzt gerade hier in unserer Region, wo auch die Winter nicht so hart sind, kann ich wirklich auch unglaublich viel mit einer Wärmepumpe machen, wenn ich eben entsprechend den Neubau dahinter habe, der eben sehr, sehr wenig hohe Temperaturen in der Heizung benötigt. Das ist immer so die Herausforderung. Bei einem Altbestand mit alten Heizkörpern brauche ich recht hohe Temperaturen und da wird es mit einer Wärmepumpe dann teilweise schwierig. Da muss ich halt eben extrem viel Strom einsetzen, um dann so ein Haus warm zu kriegen. Und das wollen wir eben eher weniger. Wenn, dann soll der Strom auf jeden Fall erneuerbar sein, den ich nutze für eine Wärmepumpe. Und wenn es ganz kalt wird, die Sonne nicht scheint, dann kommt die Hackschnitzelheizung, dann wird die angeworfen, wenn ich eben keinen erneuerbaren Strom zur Verfügung habe.

Johannes: Ja, also vielen Dank. Ein sehr, sehr schönes Interview und sehr aufschlussreich. Bin gespannt, wie meine Fans, meine Follower, das finden werden.

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