Andreas Jamm

Science Fiction statt Herren im grauen Anzug

Wie der CEO Andreas Jamm als Rebell die IT-Beratungsfirma „Boldly Go Industries” in fremde Galaxien steuert

Aus „plan – build – run“ wird „innovate – design – transform“. Aus einem klassischen IT-Beratungshaus wird ein Unternehmen, das durch Forschung und den Einsatz von innovativen Methoden verschiedene Anwendungen und Dienste für die Digitalisierung von Geschäftsprozessen entwickelt. Firmengründer und CEO Andreas Jamm kümmert sich auch nach diesem Transformationsprozess um die konsequente Weiterentwicklung der Organisation und der Themenlandkarte. Als Impulsgeber und Innovator – für Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen. Dabei zeichnet ihn vor allem eines aus: seine Unberechenbarkeit.

Eine Polizeikelle. Ein Hubschrauber. Ein Männchen mit Daumen nach oben. Der Schreibtisch von Andreas Jamm ist das Schlaraffenland für jeden Fünfjährigen. Unter seinem Tisch führt die Carrera-Bahn entlang, weiß-rot gestreifte Hütchen markieren die nächste Zone. Auf dem Regal stehen Miniaturmodelle verschiedener Rennwagen, eine Nana-Skulptur winkt gerade einem Roboter zu.  „Das ist das, was uns auszeichnet“, sagt Andreas Jamm. Ein wenig verwegen wirkt der Mann mit dem Dreitagebart, seine große Brille ist so silbern wie sein Haar. „Wir gehen Themen anders an – daher ist die Ausstattung in unserem Büro eben auch anders.“

Ursprünglich hieß der IT-Beratungsbetrieb BTEXX Business Technologies. Die sich rasant verändernden Marktbedingungen machten eine Neupositionierung notwendig. Anfang 2015 begann der Prozess, in dem sich das Unternehmen neu entwickelte. Im Rahmen einer Business Transformation wurde alles auf den Prüfstand gestellt. „Wir wollten nichts mehr zu tun haben mit den typischen Schnösel-Attituden der Beratungszunft, uns nicht mehr als graue Herren im Anzug definieren“, erinnert sich Jamm – und auch daran, dass im ausgeprägten Veränderungsprozess nicht nur viele Aspekte gewandelt, sondern auch einige Kollegen auf dem Weg verloren wurden. Dennoch wurde die eigene Markenbildung mit Stringenz und Konsequenz verfolgt. Denn: „Wer Transformationsprozesse bei anderen anstoßen will, der muss wissen, was das bedeutet.“ Das Unternehmen erfand sich schließlich komplett neu.

Raketen, Gehirn, Sprechblase: Am Boden führen Symbole und Markierungen als Wegweiser zum Boldly Lab und den anderen spannenden Arealen im Büro. Oder einfach zur Toilette. Auf der Dachterrasse in einem der bunten Liegestühle relaxen oder mit den Kollegen Fußball spielen. Den Besprechungstisch als Tischtennisplatte nutzen. Oder in einem kugelrunden metallenen Sessel verweilen. Ob Management oder Mitarbeiter: Alle arbeiten im Open Space – sichtbar und ansprechbar. Das gemeinschaftliche Leben und Arbeiten steht im Fokus. Diese offene Firmenkultur gibt Raum für Entwicklungen und Entdeckungen. Nicht nur die andersartige Location zeigen den Spirit – in diesem Unternehmen unterscheiden sich Organisation und Führung, Produktportfolio und Team wesentlich von anderen in der Beratungslandschaft. „Das Büro ist kein Museum, sondern immer in Bewegung, als Bühne für Installationen. Diese Reizüberflutung ist im Kreativitätsprozess nötig.“ Wie auf einer Spielwiese werden hier Impulse gesetzt und Inspirationen generiert.

„Space – the final frontier. These are the voyages of the starship Enterprise. Its continuing mission: to explore strange new worlds, to seek out new life and new civilizations, to boldly go where no one has gone before.” Science Fiction Fans erkennen sofort den Vorspann der Serie „Star Trek”. Die eigene Markenstory von Boldly Go Industries ist an diesen Mythos angelehnt: Eine bunte Mannschaft erkundet neue Galaxien, die Crew ist zusammen unterwegs, um in der Ferne zu bestehen. Viele Disziplinen sind an Bord des Raumschiffes erforderlich, von Strategie-Beratern bis  User-Experience Designern, von Data Scientists bis SAP-Berater. Alle werden geschätzt und anerkannt. So gelingt es, in einer komplexen Welt auch komplexe Lösungen zu liefern. Der Betrieb funktioniert nach einer soziokratischen Kreisorganisation – was sich in Deutschland bisher nur wenige Firmen trauen. Jamm: „Mit unserem Slogan ‚Boldly Go“ bringen wir zum Ausdruck, dass wir mutig sind, neue Wege zu gehen und auch Risiken einzugehen.“ Um die Kunden fit zu machen für die gesellschaftlichen und privaten Veränderungen, die die Digitalisierung birgt.

Kühn voran gehen. Konsequent in Bewegung bleiben. Unangepasst sein. Das alles vereint Andreas Jamm in einer Person.  Seine vielschichtige Lebens- und Arbeitsbiographie ermöglicht es, visionäre Ideen auf pragmatische Weise mit der Unternehmenswelt von heute zu verbinden. Den Stillstand lässt er in seinem Unternehmen nicht zu: „Alle Aktivitäten werden immer wieder auf den Prüfstand gestellt – frei nach dem Motto ‚Always in Beta‘. Nur so können wir schnell, effektiv und erfolgreich auf Marktveränderungen reagieren.“ Der Firmenchef bewegt sich dabei eloquent und zielorientiert, nennt sich selbst einen unberechenbaren Rebell. „Ich funktioniere nie so, wie es andere erwarten. Ich entscheide agil und ad hoc. Und wenn ich mit kurzen Hosen im 5 Sterne Hotel sitze, dann hat das nichts damit zu tun, auffallen zu wollen. Es ist eine Lebenseinstellung.“


Mein Motto:
Be Bold!
Meine Mission:
Eine neue Art der Beratung – im Sinne des Consulting 4.0 – zu entwickeln und anzuwenden.
Ein Talent, von dem bisher keiner weiß:
Ich bin ein begeisterter und hervorragender Koch. So manche Freunde beglückte ich derzeit mit einem neuen Paella-Rezept.
Als Mensch bin ich:
begeisterungsfähig, zielorientiert, empathisch
Als Unternehmer bin ich:
innovationsstark, visionär, kooperativ
Das perfekt funktionierende Unternehmen besteht aus…
ausschließlich selbstverantwortliche handelnden Mitarbeitern, die mit Ihrem Entrepreneurial Spirit das Unternehmen voranbringen.
So halte ich Körper und Geist fit:
Ich trinke viel Wasser und wenig Alkohol. Dazu viel Bewegung beim Gassi gehen mit meinem Hund Kaspar, einem Rhodesian Ridgeback.
Hier mache ich gerne Urlaub:
in den Alpen und im Allgäu
Mein Vorbild:
Michael Schumacher ist eine Persönlichkeit, die ich sehr schätze. Nicht nur wegen seiner sportlichen, kämpferischen Leistungen, die er durch Konzentration und eisernen Willen erzielt hat. Er ist für mich auch eine Art Rebell, der sich über Grenzen des Möglichen hinwegsetzt. Einmal hatte ich die Chance, ihn zu einem Abendessen zu treffen. Mein Hund war damals gerade 14 Wochen alt, den wollte ich nicht alleine lassen. Also entschied ich mich gegen den Formel 1 Fahrer und für meinen Hund.
Wenn ich ein Tier wäre, dann wäre das:
ein Leopard – ein schneller, athletischer und ästhetischer Jäger.
Würde ich einen Fehler nochmals machen?
Ein Fehler ist ein Fehler, den man nicht wiederholen sollte.
Das rate ich Jungunternehmern:
Lasse dich nicht durch Rückschläge beirren. Schwierige Situationen und auch das Scheitern gehören dazu und machen einen Unternehmer nicht nur erfahrener, sondern auch stärker.
Mein Tipp für alle anderen Unternehmer:
Dem Bauchgefühl folgen, Risiken eingehen, schnell und konsequent handeln.