Hidden Champions

Vanessa Wenk

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Lesezeit ca. 23 Minuten

Wie Vanessa Wenk mit unkonventionellen Ideen die Immobilien-Branche umkrempelt

Der Traum vom Minimalismus

Unser heutiger Hidden Champion ist alles andere als versteckt. Vanessa Wenk ist mit ihrem YouTube-Kanal bekannt als „Die Supermaklerin“ du tatsächlich hat sie es geschafft sich nicht „nur“ als Neuling in einer stark umkämpften Branche durchzusetzen, sondern auch noch als Frau in einer immer noch von Männern dominierten Profession. Geholfen haben ihr dabei Bücher und Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung, doch auch ihre Mutter, die ihr ihr Lebensmotto mit auf den Weg gab: „Erreiche alle Ziele, die Du erreichen möchtest.“ Heute ist Vanessa die erfolgreichste deutschsprachige YouTuberin beim Thema Immobilien und hat fast alle Großen der Branche schon vor ihrer Kamera gehabt. Ihr Unternehmen hat auch in der Krise stets Gewinn gemacht. Da kann man sich fragen: Hat so eine Frau noch Träume? Ja, hat sie – ganz besonders einen Traum vom Glück.

Vanessa Wenks persönlicher Traum vom Glück überrascht vielleicht, wenn man an die Immobilien denkt, die sie verkauft: Ihre glücklichste Zeit hatte sie, als sie nicht in einem Haus oder in einer Wohnung, sondern in einem Wohnmobil gelebt hat. Auch wenn sie heute viel Zeit und Energie in die Ausgestaltung von Büro und Heim steckt, steht für sie fest: Dort wird sie nicht ewig bleiben. Vanessa träumt von einem minimalistisch eingerichteten Haus am Meer. Wie sie dieses Zielerreichen will, warum ihr Visualisierungen dabei helfen und was das Ganze mit der Zucht von Kristallen zu tun hat, erfahrt ihr im Interview.

Interview mit Vanessa Wenk

Johannes: Heute habe ich eine beeindruckende Frau neben mir. Sie hat es geschafft, sich in der männerdominierten Immobilienmakler-Szene Durchzusetzen. Zudem berät und schult sie Makler dabei, um ihr Business noch weiter auszubauen und hat beinahe beiläufig den größten YouTube-Kanal für Makler aufgebaut. Wer es wie sie schafft, siebenstellige Umsätze an Immobilien mehr zu vermarkten, ist ein wahrer Hidden Champion. Ich freue mich herauszufinden, wie sie das alles mit einer scheinbaren Leichtigkeit und Fröhlichkeit geschafft hat, die ich so selten erlebe. Herzlich willkommen, Vanessa Wenk. Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast.

Vanessa: Danke. Schön, dass Du hier bist.

Johannes: Ich habe ein paar Fragen mitgebracht. Was war denn der beste Rat, den Du je bekommen hast?

Vanessa: Erreiche einfach alle Ziele, die Du möchtest. Meine Mutter hat früher immer schon zu mir gesagt: Vanessa, Du kannst alles erreichen. Ich übersetze es mir heute so: Erreiche alle Ziele, die Du erreichen möchtest. Meine Mutter hat von klein auf immer zu mir gesagt: Du kannst alles schaffen, was Du willst, und Du kannst alles erreichen. Das ist sicherlich das, was jeden Tag in mir, in meinem Kopf, mitschwingt. Deswegen schaffe ich auch so viel innerhalb kürzester Zeit.

Johannes: Hattest Du von Anfang an die Vision gehabt, in die Immobilienbranche einzusteigen?

Vanessa: Es war sicherlich von Anfang an so, dass ich Immobilien, Einrichtungen und Wohnen geliebt habe, denn meine Mutter wollte früher Innenarchitektin werden, wollte irgendwas mit Immobilien machen, aber sie hat mich dann relativ früh bekommen und ich war auch ein krankes Kind, in dem Fall, weil ich chronisches Asthma hatte – und auch immer noch habe, aber mittlerweile komme ich damit relativ gut klar. Sie musste sich da extrem um mich kümmern und deswegen konnte sie, glaube ich, ihren damaligen Traum nicht mehr verwirklichen. Und sicherlich ist es auch ein Grund mehr, warum ich jetzt da stehe, wo ich stehe, weil ich weiß, ich darf da einfach keine Rücksicht drauf nehmen. Ich muss da an meinen Zielen arbeiten und Gas geben.

Johannes: Wie groß ist denn Dein Team aktuell?

Vanessa: Aktuell sind wir zwölf Mitarbeiter und wir haben auch viele Freelancer, die für uns tätig sind und einen Azubi.

Johannes: Sag mal in zwei Sätzen, was ihr eigentlich macht.

Vanessa: Ich habe drei Standbeine. Zum einen das typische Maklergeschäft als solches, wie man es kennt. Wir vermitteln Wohn- und Gewerbeimmobilien, auch in einem relativ großen Raum. Für den Investmentpunk fahren wir auch bis nach Wien oder auch mal nach Frankfurt, wenn etwas verkauft werden muss. Aber letzten Endes ist es das klassische Maklergeschäft, nur ein bisschen cooler, innovativer und in der Regel so, dass wir wirklich für Eigentümer das Beste rausholen. Wir machen beispielsweise private Bieterverfahren, Visualisierungen, Objektvideos, nutzen Social Media, um eine extreme Nachfrage-Situation zu erreichen, wie man das aus der normalen Wirtschaft kennt. Du kennst das auch: Die Nachfrage bestimmt den Preis und je mehr Nachfrage ich generiere, je besser ich die Immobilie präsentiere, desto besser am Ende des Tages – also das klassische Maklergeschäft. Zusätzlich bilde ich mittlerweile oder schon seit relativ langer Zeit Immobilienmakler aus, bin als Mentorin auch tätig, habe Deutschlands größten YouTube-Kanal für Immobilienmakler und nehme auch auf Instagram die Leute tagtäglich durch mein Business mit. Also als Unternehmerin, als Immobilienmaklerin, aber mittlerweile auch als Mama. Das dritte Standbein ist, dass ich selber Immobilien kaufe. Entweder projektiere ich sie oder ich behalte sie im Bestand, verkauf sie weiter oder baue und verkaufe dann.

Johannes: Wie kommt ihr an eure Grundstücke?

Vanessa: An Grundstücke kommen wir einfach über Kaltakquise. Generell habe ich ein Akquise-System entwickelt, das ich auch in meinen Coachings anbiete. Also das Akquise-Coaching, das drei Monate geht. Da gibt es ganz viele Strategien. Das hier ist auf den ersten Blick eine klassische Kurzbroschüre, aber tatsächlich steckt hier ganz viel Mehrwert für unsere Zielgruppe drin und natürlich auch ein wahrer Wiedererkennungswert. Ganz viel Fallbeispiele und Referenzen von Kunden, die sehr glücklich mit uns sind. Das sind auch Tools. Wenn man das jetzt noch verknüpft mit Onlinemarketing, das ist halt King.

Johannes: Was war Dein größter Fehler?

Vanessa: Mein größter Fehler? Also, während ich das jetzt so ausspreche, ist schon so ein Engelchen auf meiner Schulter und sagt: Ja, aber das war jetzt kein Fehler und das war gut, dass das so war. Aber was mir halt direkt so in den Kopf kommt, ist, dass ich damals meinen Freund mit ins Unternehmen genommen habe. 2013 habe ich mein Unternehmen gegründet und habe dann einige Jahre später, nachdem ich das alles so aufgebaut habe, schon wie an einem eigenen Baby gehangen. Dann habe ich meinen damaligen Freund mit zum Geschäftsführer gemacht und ich glaube, das hätte ich so lieber anders machen sollen. Mein größter Fehler war sicherlich, dass ich mich zu wenig mit dem Thema Mitarbeiterführung beschäftigt habe.

Johannes: Okay, aber war das so, dass Du Deinen Partner zu viel ins Unternehmen genommen hattest? War das schwierig, das wieder neu zu strukturieren? Emotional?

Vanessa: Ja auch, aber ist es natürlich auch sehr schwer, dass man das alles miteinander verbindet und trotzdem trennt – also privat und beruflich. Vor allen Dingen: Wenn man vielleicht im Geschäft unzufrieden mit dem anderen ist, im Privaten aber nicht, dann ist es trotzdem im Privaten auch scheiße und genauso ist es andersrum. Das tut mir im Nachhinein auch echt leid für ihn. Jetzt habe ich da sehr viel draus gelernt und wir verstehen uns gut. Es ist aber auch so gut, wie es jetzt ist. Wir konnten uns beide noch mal auch neu strukturieren und entwickeln. Aber klar, wenn da irgendwie ein Baby über die Jahre entstanden ist, entwickelt wurde und immer weiter geschäftlich ausgebaut wurde und dann kommt vielleicht jemand rein, der dann damit ganz anders umgeht. Manchmal vielleicht auch, dass man das Gefühl hat, der schätzt das gar nicht oder behandelt das nicht so mit Samthandschuhen oder er gibt vielleicht mehr Geld aus, als man da jetzt für nötig hält, denn man will ja auch noch genügend Gewinn machen. Dann ist das sehr schnell, dass mich das auch persönlich angegriffen hat.

Johannes: Ja, das nimmt man dann auch mit ins Private.

Vanessa: Ja und das ist dann halt blöd und wenn man das nicht hinbekommt mit seinem Mindset, oder man schafft es auch zusammen nicht, dann ist es einfach zum Scheitern verurteilt und dann muss man auch so ehrlich zu sich selbst sein und sagen: Okay, ich habe das versucht. Ich hatte auch das Ziel, dass wir es irgendwie hinkriegen. Ich habe es jetzt nicht gepackt, aber ich muss jetzt auch von einem toten Pferd dann absteigen und dann auch die Linie ziehen. Das haben wir beide gut gemeistert und jetzt ist es noch besser geworden für uns beide.

Johannes: Das ist ein schönes Bild. Man muss vom toten Pferd absteigen. Was war die wichtigste Entscheidung, die Du getroffen hast?

Vanessa: Die wichtigste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe, ist, mich mit Persönlichkeitsentwicklung und generell Weiterentwicklung zu beschäftigen.

Johannes: Von Dir selber?

Vanessa: Ja und auch, dass ich mein Team da reinnehme. Ich habe mit ungefähr mit 20 Die Gesetze der Gewinner gelesen und ich denke, das ist ein ganz gutes Einstiegsbuch von Bodo Schäfer, um mal in dieses ganze Thema reinzukommen, auch in dieses Erfolgs-Mindset. Dann kriegt man auch irgendwie nicht genug davon und dann hört man sich mal einen Podcast an, geht vielleicht mal zu einer Vertriebsoffensive von Dirk Kreuter und dann man mal wieder auf ein anderes Seminar, guckt sich YouTube-Videos an. Laura Malina Seiler habe ich auch relativ lange gehört, schon ganz am Anfang, als sie angefangen hat. Das sind dann einfach so Dinge, da entwickeln sich einfach die Synapsen immer weiter und ich denke, das spüre ich auch jeden Tag. Mein Freund, mit dem ich auch ein kleines Baby bekommen habe, ist wesentlich jünger als ich und ist in diesem Persönlichkeitsentwicklung-Ding nicht so drin. Das ist auf der einen Seite positiv, weil ich so unwahrscheinlich viel sehe und lerne, um in unterschiedlichen Dingen auch mal wieder entspannter zu sein, aber es ist auch häufig so, dass ich mich dann zumindest in diesen Persönlichkeitsentwicklungsthemen oder auch in ganz normalen Alltagssituationen irgendwie weiter und reifer fühle. Gar nicht jetzt aufgrund meines Alters, sondern einfach, weil ich mich irgendwann mal dazu entschlossen habe, Dinge zu hinterfragen, mich mit Persönlichkeitsentwicklung zu beschäftigen. Da merke ich dann im Alltag schon meine Herausforderung, weil ich mich dann auch in manchen Themen einfach überlegen fühle, weil ich denke, ich weiß es in dem Fall besser und ich kann mich entspannt zurücklehnen und ich muss jetzt keinen Streit entfachen oder so. Das ist sicherlich eine der besten Entscheidungen gewesen, auch dass ich mich relativ früh damit beschäftigt habe und das kann ich auch jedem da draußen noch ans Herz legen. Aber die Leute machen ja schon nichts anderes hier, als bei Dir so was zu konsumieren. Das ist genau der richtige Weg.

Johannes: Du hattest vorhin gesagt, Du hattest 2013 gestartet. Hattest Du in diesen zehn Jahren einen Punkt, wo Du gesagt hast: Jetzt geht’s ab? Diese Zündung, diesen Raketenstart?

Vanessa: Nein.

Johannes: Also ist es stetig gewachsen?

Vanessa: Nein, es ist eigentlich von vornherein richtig gut gelaufen. Also, es war tatsächlich so, als ich wusste, ich will mein eigenes Unternehmen gründen, ich wusste, ich werde nicht so still und heimlich starten, von der Küche aus am Esstisch, sondern, wenn ich in die Selbstständigkeit gehe, kommen die Leute nicht mehr an mir vorbei. Ich habe dann gesagt, dass die Leute sicherlich nicht auf das kleine Blondchen gewartet haben. Das ist auch noch was, wenn man als Maklerin tätig wird, da gibt es schon 300 Makler in Karlsruhe. Ich war mir dessen bewusst, es hat niemand auf mich gewartet, ich kannte hier auch niemanden. Also ich habe hier nur kurze Zeit gearbeitet. Ich bin damals der Liebe wegen hierhergekommen und ich kannte nicht eine Straße, nicht einen Eigentümer. Ich war dann zwar mal vorher bei einem Maklerunternehmen und auch Engel & Völkers hatte mich für den Gewerbeimmobilienbereich abgeworben. Aber dann habe ich mich relativ schnell selbstständig gemacht. Ich wusste, niemand hat auf mich gewartet, also habe ich wirklich alles gemacht, was möglich war. Ich habe jedes Inserat genutzt in den Portalen, auf Immobilien Scout und so weiter. Habe da mein buntes Logo drauf geklatscht. Jedes Inserat hat irgendwie meine Fresse mit drauf gehabt. Es hatte am Anfang auch eine sehr, sehr giftige Farbe, so ein giftiges Grün. Also man konnte mich nicht übersehen und das hat sicherlich dazu geführt, dass man eine gewisse Bekanntheit bekommen hat und sich da auch gegen diese Franchise-Unternehmen oder diese alteingesessenen Makler-Unternehmen, die es halt schon seit eh und je gab, durchsetzen konnte.

Johannes: Ja, giftiges Grün, das sticht ins Auge…
Vanessa: Da kommt man nicht drumherum, ob man will oder nicht.

Johannes: Okay, das heißt, Du hast dadurch auch eine unfassbare Aufmerksamkeit kreiert?

Vanessa: Genau. Was ich jetzt quasi online mache, habe ich vor zehn Jahren offline gemacht. Gut, in Kombination mit Immobilien Scout, so ein bisschen. Meine Fresse ist immer wieder alles, auch an meinem Auto klebt das Logo dran. In den Briefkästen lande ich, also man kommt nicht drumherum und das ist so dieses Bekanntheitsthema. Ich bin überzeugt davon, dass wir als Dienstleister wirklich krass sind. Aber was nützt es, wenn wir als Dienstleister krass sind, aber uns niemand kennt? Deswegen ist es tatsächlich die erste Priorität, auch zu gucken: Wie kann ich in die Offensive gehen, wie kann ich Öffentlichkeitsarbeit machen und wie komme ich letzten Endes einfach voran?

Johannes: Wie kommst Du zu Deiner Energie? Ich meine, Du sprudelst vor Energie. Du bist da superpräsent. Wie kriegst Du das hin?

Vanessa: Ich glaube, ich versuche, das Leben mit Leichtigkeit zu nehmen. Also ich habe auch viele Coachings gemacht und ich entwickle immer mal für mich so Leitsätze, nach denen ich jetzt gerade leben möchte und als diese Unternehmerin in Leichtigkeit erfolgreich zu sein. Diesen Slogan trage ich schon länger mit mir rum, der steht auch immer mal irgendwo auf meinen Unterlagen drauf und ansonsten bin ich immer gut gelaunt. Das ist, auch wenn man im Akquise oder Vertriebsbereich oder im Unternehmensbereich generell tätig ist, normal, dass man einfach schnippst und man ist da, man ist energetisch und man versucht das Beste rauszuholen. Also ich bin ja auch Verkäuferin und wenn ich jetzt irgendwie negativ und wie so ein Schluck Wasser in der Kurve hier sitzen würde, dann würde ja auch niemand was von uns kaufen wollen und ich muss mich dazu nicht disziplinieren. Aber es ist sicherlich so, wenn ich jetzt irgendwie die Tür nutze und in das Zimmer alleine rein gehe und mich hin setze, dann bin ich entspannt, dann bin ich nicht durchgedreht, dann lache ich auch nicht, sondern dann bin ich einfach ausgeglichen und das ist in Ordnung, aber ich beschäftige mich mit mir selber. Das ist sicherlich auch so ein Punkt. Ich ziehe mich auch ein-, zweimal im Jahr zurück, fahr irgendwie ans Meer und reflektiere wirklich mal so vier, fünf Tage: Wie sind so das letzte Jahr oder die letzten Monate gelaufen? Was sind jetzt meine Ziele? Und ich stell mir auch immer wieder vor, was würde passieren oder was wäre, wenn ich alles an Wohlstand, was ich jetzt habe, verlieren würde? Also sagen wir hier, dieses ganze Büro, das Unternehmen, die Mitarbeiter. Weil man vielleicht keine Gehälter mehr zahlen kann. Meine tolle Wohnung. Jetzt gerade bauen wir da eine kleine Poollandschaft draußen. Also, was würde passieren? Ich habe schon mal für ungefähr drei Monate in meinem Wohnmobil gelebt und muss gestehen, das war die glücklichste Zeit meines Lebens. Weil ich so wenig hatte, weil ich einfach in der Natur war, weil ich viel Fahrrad gefahren bin. Ich musste auch nicht auf so viel aufpassen. Je mehr man hat, desto mehr beschäftigt man sich damit, diese Dinge auch immer zu schützen. Also klar, jetzt bei meinem kleinen Baby ist das noch ausgeprägter. Aber selbst wenn es um mein Handy geht… Wenn dieses Handy weg ist, ist mein Leben erst mal am Arsch. Wenn ich eine teure Uhr trage, muss ich die ganze Zeit irgendwie darauf acht drauf geben oder wenn ich mit meinem Auto unterwegs bin, sage ich: „Ja, wir müssen jetzt aber auch nicht unnötig Kilometer darauffahren und lass uns mal da hinten irgendwo parken, damit mir keiner da eine Schramme reinhaut.“ Deswegen ist es so anstrengend, die ganze Zeit auf seinen Besitz so aufzupassen, finde ich. Auch bei Geld auf dem Konto: Jetzt sind wir mit der Inflation so krass betroffen. Du bist doch die ganze Zeit nur am Überlegen. Wie schützt Du das alles? Und das stresst. Ich weiß auch jetzt schon, dass ich das so nicht mein Leben lang machen möchte. Ich weiß, ich mache jetzt diesen ganzen Scheiß mal mit. Ja, mit Rolex und Gucci-Jacke und mit AMG und mit Pool und mit dies und mit das. Aber ich weiß, in paar Jahren möchte ich das nicht mehr. Das spüre ich jetzt schon. Ich gebe mir da jetzt vielleicht mal so noch so fünf Jahre oder so, aber dann habe ich auch genug von dem ganzen Kram.

Johannes: Ja, aber Du willst ja nicht aufhören.

Vanessa: Nein, aufhören nicht. Aber ich würde sicherlich einfach… Wie nennt man das so neumodisch, wenn man Immobilien komplett einmal leer räumt und nur eine Matratze reinlegt zum Schlafen? Ich weiß gar nicht, aber so dass man halt einfach minimalistischer wird. Ich denke, dass das in diesem Leben auf jeden Fall bei mir noch passieren wird.

Johannes: Spannend. Also nächsten fünf Jahre. Werde Dich daran erinnern. Wie führst Du denn Dein Unternehmen?

Vanessa: Mit sehr, sehr viel Leidenschaft. Also mit Leidenschaft meine ich auch wirklich teilweise leiden, aber im positiven Sinne. Bei mir ist es so, dass ich mir immer Ziele setze und ich versuche dann alles, um das Ziel zu erreichen. Ich gucke dann auch nicht nach rechts und nach links. Ob ich jetzt morgens mich direkt an die Arbeit schmeiße und ich sehe halt scheiße aus, ist mir eigentlich egal, Hauptsache ich erreiche dieses Ziel. Das verbinde ich so mit dieser Leidenschaft. Wie führe ich das Unternehmen? Nicht typisch, wie sicherlich Großunternehmer da draußen ticken, dass sie jeden Tag auf die Zahlen gucken. Ich war mal mit einem Manager von DHL zusammen. Der hat jeden Tag seine Excel-Listen durchgeguckt und hat geguckt, wo er noch ein paar Cent sparen kann oder wo er… Keine Ahnung was – es war auf jeden Fall sehr, sehr zahlenlastig und ich führe es einfach wirklich mit Leidenschaft, mit sehr viel Motivation, sehr visuell würde ich auch sagen. Also Du siehst ja jetzt auch, das sieht alles ein bisschen anders aus als in dem typischen Büro. Ich lege einfach Wert darauf, dass sich alle Mitarbeiter wohlfühlen und dass wir für unsere Kunden das Allerbeste rausholen. Ehrlich gesagt handhabe ich das seit zehn Jahren ungefähr so und ich muss nie auf meine Zahlen gucken, ob sich das alles so trägt oder ob das irgendwie gut geht oder ob es diesen Monat passt oder nächsten Monat vielleicht wieder. Das Geld sprudelt von allein, wenn man immer diesen Fokus hat. Meine Kunden müssen glücklich sein und ich will meinen Kunden den besten Service bieten, den ich geben kann. Da muss man nicht ausrechnen, ob sich das trägt, das Geld fließt von alleine.

Johannes: Was ich spannend finde ist, dass ich noch kein einzelnes kleines Büro gesehen habe. Es ist alles komplett offen.

Vanessa: Genau das stimmt. Wir haben im hinteren Bereich noch mal was für zwei Personen, die hier sitzen. Immer mal, wenn man sich zurückziehen will, haben wir da hinten noch so ein Telefonhäuschen, das ist ein bisschen kleiner. Dann noch den Studio-Bereich. Wir bauen jetzt draußen noch ein kleines Tiny-Häuschen, wo man auch arbeiten kann und Meetings machen kann – in Zukunft direkt am Pool. Und ja, wir wohnen tatsächlich auch alle hier drumherum. Das heißt, jeder kann auch so arbeiten, wie er möchte, ob er jetzt ins Homeoffice geht oder zum Mittagessen schnell irgendwie rüber in die Wohnung oder wie auch immer. Wir haben uns alle hier ums Unternehmen rum angesiedelt und es ist sehr, sehr familiär.

Johannes: Das ist auch durchaus auch ein Führungsstil, den man machen kann, sehr familiär führen.

Vanessa: Ja, damit komme ich echt richtig gut klar. Das funktioniert halt auch sehr gut mit meinem kleinen Würmchen. Der ist jetzt erst drei Monate alt und ich bin trotzdem genauso Unternehmerin wie vorher und kann halt immer bei ihm sein, kann aber theoretisch immer hier sein. Das macht es sehr, sehr leicht, muss ich sagen. Ich habe ja schon vorher gesagt, dass ich es mir jetzt nicht so leicht vorgestellt habe, Unternehmertum und Muttersein und immer für den Kleinen da sein zu können. Ich hätte nicht gedacht, dass man es so leicht unter einen Hut bekommt.

Johannes: Wie bist Du Durch die Krise gekommen, die jetzt da war? Hast Du was davon gemerkt?

Vanessa: Nein. Ich muss gestehen, damals, als es dann hieß: „So, jetzt mal alle nach Hause gehen!“, habe ich auch gesagt „Gut, wir machen das jetzt mal!“ Ich habe mich zwei Wochen zu Hause eingeschlossen und hatte auch die schönste Zeit meines Lebens. Die Sonne hat geschienen, ich habe im Garten gearbeitet, habe mit allen möglichen Leuten Zoom-Calls gemacht, habe mich nicht mehr persönlich getroffen. Ich habe so viel geschafft wie noch nie, weil ich nicht mehr überall hingejuckelt bin, sondern die sind einfach alle in meinen Computer gekommen. Ich habe da auch viele Videos aufgenommen, habe viele Interviews geführt oder bin auch selber interviewt worden, habe an Online-Produkten gearbeitet und bin da richtig durchgedreht. Da habe ich so die Kraft meines Lebens gehabt. Das war eine richtig gute Zeit, muss ich sagen.

Johannes: Maximalleistung?

Vanessa: Genau. Also das war echt toll. Da war ich auch echt alleine und habe dann alles online bewältigt. Habe jeden Morgen um 9:00 Uhr alle Mitarbeiter zusammengetrommelt im Zoom-Call, die erst mal fit gemacht, motiviert. Um 14:00 Uhr nach der Mittagspause war dann der nächste Zoom-Call. Wieder alle fit gemacht, motiviert. Also wir haben da nicht einen Euro draus verloren. Im Gegenteil, wir sind da noch mal extrem gewachsen in allen Bereichen.

Johannes: Mega cool. Was sagen Dir Deine Mitarbeiter über Dich?

Vanessa: Da müsste man sie mal fragen. Also ich glaube, dass sie sagen würden, dass ich ihnen sehr viel Freiraum lasse. Ich glaube, sie würden sagen, dass ich sehr chaotisch bin und dass sie teilweise echt alles wieder aufräumen müssen hinter mir. Also in Form von Buchhaltung, Belege, Termine eintragen. Ich muss schon wirklich sagen, mir wird irgendwie alles abgenommen, vom Klopapier im Bad aufbauen oder hier Termine eintragen, irgendwas organisieren. Als ich hierher kam, war hier schon Cappuccino und Saft und Frühstück und Du warst schon da. Also die würden wahrscheinlich sagen, dass ich ohne sie nichts wäre.

Johannes: Familie, da achtet man ein bisschen mehr auf sich.

Vanessa: Ich würde auch sagen, dass wir alle schon Spaß haben. Aber auch den Ernst dahinter. Also, dass sie über mich denken, mit mir kann man Spaß haben, aber ich mache das alles auch nicht nur zum Spaß.

Vanessa: Bist Du perfektionistisch?

Vanessa: Nein, gar nicht.

Johannes: Überhaupt nicht?

Vanessa: Nein. Also, meine Mutter hat zwar mal gesagt, Du müsstest ja schon irgendwie perfektionistisch sein, sonst würde das alles vielleicht so auch nicht funktionieren. Aber ich habe von mir selber den Eindruck, dass ich extrem nach Pareto Prinzip arbeite.

Johannes: 80/20?

Vanessa: Ja, tatsächlich, dass ich in 20 % der Zeit 80 % erziele. Und in manchen Bereichen sage ich: Okay, da reichen mir 80 nicht, da mache ich 95, aber 100 gibt es eigentlich nie.

Johannes: Bist Du mutig?

Vanessa: Ja, ich glaube schon. Also, ich bin auch risikoaffin. Ich hatte ja eingangs schon mal erwähnt, dass ich mich auch immer damit beschäftigt habe, was wäre wenn alles mal zusammenbrechen würde. Wir haben jetzt plötzlich einen Krieg hier in Europa. Gestern irgendwie Nachrichten gehört und es kann vielleicht doch sein, dass mal irgendwie der Knopf gedrückt wird oder so, aber was ich damit auch in finanzieller Hinsicht meine: Ich bin total entspannt, weil ich weiß, ich wäre auch in meinem kleinen Wohnmobil glücklich. Deswegen bin ich sehr mutig und auch risikoaffin, weil ich wüsste, selbst wenn alles weg wäre, wäre ich damit okay und ich könnte, wenn ich wollen würde, alles wieder aufbauen und das geht dann. Dieser Aufbau geht viel schneller als das allererste Mal. Die Kontakte bleiben, die Objekte bleiben, die Mitarbeiter bleiben einem in der Regel auch erhalten, wenn man immer gut war und Familie war, selbst wenn man irgendwelche Probleme hat. Da gibt es immer Lösungen. Ich hätte meinen YouTube-Channel sicherlich nicht verloren, denn dafür kann der Staat kein Geld bekommen. Ich berichte nicht über politische Themen, wo man ihn mir einstampfen könnte. Corona war bei mir auch kein Thema. Also von daher, hätte ich davor keine Angst und deswegen bin ich ja auch so ein freiheitsliebender Unternehmertyp, der auch im Notfall ein Risiko auf sich nehmen würde und sehr mutig ist, würde ich sagen.

Johannes: Gibt es einen Spruch, der Dich prägt?

Vanessa: Tatsächlich: „Du kannst alles schaffen, Vanessa.“ Das begleitet mich jeden Tag. Wirklich jeden Tag, ja, seit ich denken kann. Und das ist sicherlich auch der Spruch, den ich meinem Sohn mitgeben werde. Ich glaube auch an positive Affirmationen, wenn ich mir immer wieder positive Leitsätze über mich selber sage oder immer wieder so was auch anhöre. Ich lasse auch teilweise nachts einfach YouTube-Videos laufen, wo dann positive Affirmationen kommen. Ich bin glücklich, ich bin reich, ich kann alles schaffen, solche Dinge. Das mache ich sogar jetzt schon, obwohl er drei Monate ist. Aber er muss sich das nachts auch mit anhören. Ich sage ihm so was auch immer: „Du bist schön“ oder „Ich liebe Dich“. Es gibt ja auch so einen Versuch: Ein Chemiker oder so hat Wasserkristalle untersucht, die entweder mit klassischer Musik und mit positiven Affirmationen bespielt wurden. Dann gibt es diese Wasserkristalle, die mit „Ich hasse dich“ oder irgendwelcher ganz schriller Hardrock-Musik beschallt wurden und diese Kristalle sind total verkrüppelt gewesen und ich glaube daran, wir bestehen zu 80 % aus Wasser, dass diese positiven Affirmationen uns auch positiv bestärken und diese negativen Gedanken oder Sätze, uns zurückwerfen. Deswegen trichter ich mir das immer wieder ein.

Johannes: Okay, es gibt ja auch diese Energiefelder um einen herum. Ich kann mir gut vorstellen, dass das genau das ist. Oder man kennt das ja auch von Energieziehern, die einen übelst runterziehen und ich glaube, das hängt stark auch damit zusammen.

Vanessa: Also ich muss auch echt sagen, ich habe kaum Umfeld. Ich habe sowieso hier in Karlsruhe relativ wenig um mich rum. Meine Familie ist in meiner Heimat, also in Nordhessen und hier habe ich wirklich zwei Freundinnen, habe meine Unternehmerkollegen. Ja klar, meinen Partner, meinen kleinen Sohn und meine Mitarbeiter. Aber die sind auch alle sehr, sehr hoch in diesem Level und deswegen bin ich sehr in meiner eigenen kleinen Welt hier.

Johannes: Du hattest vorhin schon gesagt: Jetzt kommt das kleine Blondchen in einer männerdominierten Branche. Welche Herausforderungen hattest Du oder hast Du in dieser, wenn man es jetzt überhaupt noch sagen kann, männerdominierten Branche?

Vanessa: Mein Ziel war es damals tatsächlich, diese alteingerostete und eingestaubte Branche mal aufzulockern. Ich habe ja dann auch den YouTube-Kanal gegründet, bin dann auch mit Farben an den Start gegangen, während alle anderen so dunkelblau und schwarz waren oder vielleicht mal rot und schwarz. Aber letzten Endes war es so, dass ich mir viele Jahre eingeredet habe und auch geglaubt habe, ich hätte keine Nachteile, ich hätte nur Vorteile. Das ist bestimmt auch so, ich habe nur ein einziges Mal gemerkt: Oh okay, jetzt fällt mir doch dieses Geschlechterthema auf die Füße. Das war, dass ich mir einen Mentor rausgesucht habe, dem ich meine Keynote-Präsentationen über mich geschickt habe, mal ein Vorstellungsvideo geschickt habe. Der war total begeistert von mir und meiner Arbeitsleistung, von meinem Fleiß und was ich so mache. Ich hatte ihm vorgeschlagen, dass ich ihn mal zwei Wochen begleite, ich kann ein Assistent sein, kann alles sein, kann ihm Arbeit abnehmen. Er hat gesagt, er würde das echt gerne machen. Wäre ich ein Mann, hätte ich den Job. Aber dadurch, dass ich eine Frau bin, wirkt das so, als wäre ich seine Affäre. Da habe ich gemerkt: Okay, da fällt mir jetzt dieses Geschlechterthema, dass ich eine Frau bin, auf die Füße. Da bin ich gescheitert, aufgrund dessen, dass ich ein weibliches Blondchen bin.

Johannes: Das hatte ich genervt, oder?

Vanessa: Das war für mich eine Situation, wo ich erst mal gemerkt habe: Okay, ich habe so einen Kampf verloren und ein Ziel nicht erreicht. Gleichzeitig war es dann aber auch so, dass wir uns dann auch mehrmals getroffen haben, nur halt nicht in der Öffentlichkeit und dass ich auch offiziell als Assistenz tätig werden durfte, sondern ich habe dann halt YouTube-Videos auch gedreht und sehr, sehr viel Austausch gehabt und habe dadurch sehr viel gelernt. Aber diese zwei, drei oder auch vier Wochen richtig mitlaufen und Seite an Seite und da wirklich lernen, das Ziel habe ich nicht erreicht.

Johannes: Wie ist es bei Dir im Unternehmen? Wie viel Männer, wie viel Frauen? Oder spielt das überhaupt keine Rolle?

Vanessa: Ich würde nicht sagen, dass es wirklich eine Rolle spielt, habe aber in der Vergangenheit auch schon gemerkt, dass Frauen immer ein bisschen sensibel sind. Ich bin halt sehr hart, sehr klar, sehr deutlich und das können, glaube ich, viele Frauen so nicht mitgehen oder auch aushalten. Aber ich glaube, mit Männern ist es ein bisschen leichter. Das darf ich als Frau auch so sagen und ich habe schon viele Mitarbeiter gehabt und gesehen. Es ist ein bisschen klar, Frauen werden schwanger, Männer werden nicht schwanger. Das sind jetzt so typische Klischee-Dinge, aber ich denke, ich habe bewiesen, wenn man arbeiten will, dann funktioniert das. Also ich habe relativ früh auch wieder angefangen, aber ich arbeite auch mit meinem kleinen Sohn zusammen. Der ist auch mal in Zoom-Calls dabei. Ich meine, die schlafen noch viel, da kann man auch arbeiten. Also ja, jetzt aktuell ist es so, dass ich sagen würde, 65 % sind Männer, der Rest sind Frauen.

Johannes: Welche Eigenschaften an deinem Freund schätzt Du am meisten?

Vanessa: Seine Hilfsbereitschaft und dass er nicht egoistisch ist. Er liest mir jeden Wunsch von den Augen ab. Er weiß immer, was gerade fehlt. Eben war es der Cappuccino und das Wasser. Da wäre ich gar nicht dazu gekommen, wahrscheinlich, hätte dann so eine Plastikflasche besorgt. Nee, also das muss ich echt sagen. Er ist sehr empathisch und das fehlt mir.

Johannes: Hast Du ein Traum vom Glück?

Vanessa: Mein Traum vom Glück ist tatsächlich eine ganz spartanische Immobilie am Meer, am Sandstrand. Damit verbinde ich Glück, dass ich einfach so, wie Gott mich schuf, morgens ins Wasser springen kann, den Sonnenaufgang genießen kann, einen Kaffee oder Tee trinke, meditiere. Also das ist auch schon so ein Projekt, das ich jetzt so langsam einzuleiten versuche. Wie gesagt, jetzt machen wir hier noch mal so eine kleine Poollandschaft, aber das nächste Projekt ist so was am Meer zu finden, am besten auf Mallorca.

Johannes: Das klingt wirklich nach einem schönen Projekt.

Vanessa: Ja, ich visualisiere auch alles sehr genau, muss ich sagen: Ich habe das alles genau in meinem Kopf schon drin und dazu gibt es sogar schon Bilder.

Johannes: Manche sagen: Okay, das ist mein Traum für die nächsten zehn Jahre…

Vanessa: Also eigentlich hätte ich schon dieses Jahr gesagt. Aber dieses Jahr mache ich erst mal das Poolprojekt und kauf vielleicht einen Wohnwagen oder noch ein Wohnmobil und das ist dann erst mal genug so geiler Scheiß! Ich will ja nicht übertreiben, ich muss ja noch arbeiten. Aber ich sag jetzt mal nächstes Jahr, spätestens.

Johannes: Spannend. Womit hast Du dein erstes Geld verdient?

Vanessa: Mein erstes Geld verdient habe ich, indem ich Zeitungen ausgetragen habe, dann in der Eisdiele und dann habe ich selber Möbel gebaut, die ich auf Ebay verkauft habe.

Johannes: Möbel selber gebaut, zusammengeschraubt oder auch ins Holz geschnitten?

Vanessa: Ich habe dann beispielsweise so günstige Fertig Holz Betten gekauft und habe dann ein Betthimmel ausgesägt und habe die dann bemalt mit irgendwelchen Sachen und habe die dann an Eltern von Kindern verkauft über Ebay. Also ich war schon mit 15 unternehmerisch tätig. Aber es hat mir auch Spaß gemacht. Also alles, was so Einrichtungen und so war, das fand ich schon immer toll.

Johannes: Und das kommt Dir jetzt auch zugute.

Vanessa: Ich gestalte auch sämtliche Immobilien selber, sei es jetzt von außen oder die Inneneinrichtung oder Visualisierungen für unsere Kunden, also Konzepte, wie Immobilien aussehen könnten, wenn mal alles rauskommt, wenn mal etwas Neutrales reinkommt. Das visualisieren wir auch immer mit sehr, sehr hochwertigen Möbeln, Beleuchtungen und auch Bodenbelägen, sodass man sich als potenzieller Kaufinteressent auch vorstellen kann, wie das Ganze aussehen könnte, wenn man selber die Immobilie kauft. Somit erreichen wir wieder neue Zielgruppen und damit generieren wir eine höhere Reichweite, mehr Anfrage, mehr Nachfrage.

Johannes: Das ist spannend, wenn jemand sagt: Okay, das sieht jetzt wunderbar aus, ich möchte das jetzt auch so für mich umsetzt. Dann könnt ihr das auch umsetzen?

Vanessa: Zum Teil nehmen wir auch Preise mit Kostenvoranschlag direkt ins Exposé mit rein.

Johannes: Okay, das heißt, wenn man sich für die und die Inneneinrichtung entscheidet…

Vanessa: …können wir auch sagen, wie viel das ungefähr kostet.

Johannes: Oh, das ist stark, weil das ja etwas ist. Also ich bin so, wenn ich in einem Raum komme, der leer ist, habe ich nicht die Vorstellungskraft, aber wenn mir jemand zeigt, wie es aussehen könnte, finde ich es megageil.

Vanessa: Ja, genau. Und das kann ich wirklich sehr gut, würde ich behaupten, weil ich das schon immer mache. Mit zwölf Jahren habe ich schon Grundrisse gezeichnet und habe ausgemessen und geguckt, wo passt wie was hin? Und ja. Da muss ich auch immer die Grafiker beraten, selbst wenn die den ganzen Tag nichts anderes machen als Inneneinrichtungen. Es ist technisch gut umgesetzt, aber nicht emotional gut umgesetzt, wo die Leute sich wohlfühlen. Das mache ich in der Regel auch ich selber, da bin ich auch manchmal dann mit der Leistung der Mitarbeiter noch nicht zufrieden, da bin ich perfektionistisch.

Johannes: Ich meine, das ist ja auch vom Typ abhängig. Also wenn ich jetzt einen technischen Grafiker oder ein Zeichner habe, kann ich aus der eigenen Erfahrung sagen, dann ist manchmal das technisch perfekt umgesetzt, aber die Wirkung ist eben nicht da. Aber das ist ja dann perfekt, wenn Du das kannst, denn man kann das beides vereinen. Das sind zwei Schwerpunkte.

Vanessa: Da ist dann echt die Kommunikation, das A und O und das habe ich auch über die Jahre gelernt zu verbessern. Also ich habe früher immer gedacht, die Leute wissen doch, was ich meine, aber ein Scheiß. Man muss sicherstellen, dass das Gegenüber es genauso verstanden hat, wie Du es jetzt auch meinst. Das ist echt wichtig.

Johannes: Das sehe ich jetzt zum Beispiel hier in eurem Büro…

Vanessa: …in unserem Wohnzimmer!

Johannes: …im Wohnzimmer, dass ihr eben auch Gardinen habt und die farblich und natürlich auch mit eurem Logo oder auch mit der Wand abgestimmt sind.

Vanessa: Es gibt auch einen flauschigen Teppich, der so eher in Wohnzimmern zu finden ist, oder so einen Holzboden der jetzt auch eher nicht so büro-like ist.

Johannes: Habe vorhin auch überlegt, meine Schuhe und Socken auszuziehen. Wäre ein bisschen komisch gekommen. Was würdest Du denn dann anders machen, wenn Du jetzt sagst, der emotionale Part bei den Wohnungen, die ihr dann schon visuell einrichtet, das hängt jetzt ja noch von Dir ab?

Vanessa: Das macht mir definitiv Spaß, es ist aber auch so, dass die Mitarbeiter, das so zu 90 % fertig haben und ich dann noch mal so den Feinschliff gebe. Aber in der Regel ist es für mich mittlerweile nur noch eine Sprachnachricht und vielleicht noch mal Bildbeispiele und dann nehme ich schnell Pinterest oder irgendwas, was mir jetzt gerade in die Quere kommt. Oder irgendwelche Bilder, also ich mache sehr viele Fotos, auch wenn ich durch Einrichtungen, Häuser gehe oder so. Ich habe da echt wie so eine Art fotografisches Gedächtnis und für mich ist das ein ganz kleiner Aufwand und dann ist es aber auch perfekt.

Johannes: Okay, mit was arbeitet ihr dann Photoshop?

Vanessa: Nein, wir arbeiten mit externen Grafikern und Visualisierern für Immobilien.

Johannes: Auch für Inneneinrichtung?

Vanessa: Ja, Innen- und Außenvisualisierung.

Johannes: Das heißt, ihr sagt den Grundriss und dann…

Vanessa: Also wir können sogar 360-Grad-Rundgänge von Objekten machen, die noch gar nicht gebaut sind. Wir machen echt coolen Scheiß. Ehrlich, ich muss echt sagen, wir machen schon echt einen richtig guten Job. Ich bin richtig überzeugt von dem Unternehmen und von den Mitarbeitern. Definitiv. Aber das ist, denke ich, auch der Grund, warum auch aus dem deutschsprachigen Raum, egal ob aus Berlin oder der Schweiz oder Österreich, die Leute herkommen und sich hier ausbilden lassen. Also ich denke davon profitieren unsere Eigentümer schon sehr auch.

Johannes: Warum nennt man Dich „Supermaklerin“?

Vanessa: Das weiß ich auch nicht. Also ich weiß gar nicht, wer mir den Namen gegeben hat, aber ich habe dann auch so auch auf Instagram geheißen und dann war es irgendwie Vanessa Wenk, auch bekannt als „die Supermaklerin“ und so wurde ich dann auch bei Vorträgen angekündigt. Wahrscheinlich hat man da mit mir so was in ins Verhältnis gesetzt. Eine Maklerin, so stellt man sich vielleicht eine Maklerin vor – und dann war es die Supermaklerin.

Johannes: Okay und dann ist es geblieben.

Vanessa: Dann ist es irgendwie so hängen geblieben, wie so ein Pixel. Den kriegst Du nicht mehr los.

Johannes: Wie hast Du dein Netzwerk aufgebaut?

Vanessa: Über meine Kompetenz in Kaltakquise, würde ich sagen. Ich habe mir immer ganz genau und punktuell Menschen rausgesucht, mit denen ich Kontakt aufbauen will. Sei es jetzt der Investmentpunk, sei es Dirk Kreuter, sei es Christoph Gröner. Der ist in der Immobilienbranche ganz groß. Also mir wirklich punktuell Leute gesucht, auf die ich hochgucke und dann bin ich die wie in der Kaltakquise auch angegangen. Ich habe irgendwie geguckt: Welche Möglichkeiten gibt es, diese Menschen zu kontaktieren? Dann bin ich die einfach angegangen. Also ich habe ja auch schon mal von jemandem erzählt, wo ich dann eine Präsentation über mich geschickt habe, auch über mein Unternehmen. Dirk Kreuter habe ich zum Beispiel kennengelernt, als er einen Vortrag gehalten hat und ich gerne ein Interview mit ihm führen und in seinen YouTube-Kanal wollte. Dann hatte er im Vortrag bei der allerletzten Folie ein Zitat gezeigt und da hieß es: „Es gibt Gewinner da draußen, die holen sich, was ihnen zusteht und es gibt die anderen.“ Und dann bin ich in der VIP-Lounge zu ihm hin und habe gesagt: „Hey, toller Vortrag, Du hast ja gerade darüber gesprochen. Es gibt diejenigen, die sich holen, was sie wollen und ich will in Deinen YouTube-Channel und ich will mit Dir ein Interview führen.“ Dann hat er so ein bisschen geredet und da hat er gesagt: „Ja, ich lade Dich nach Bochum ein und wir machen dann zusammen YouTube-Videos und wir machen einen Podcast.“ Dann sind da ganz, ganz viele YouTube-Videos drauß geworden. Er hat uns auch hier in Karlsruhe besucht, noch im alten Büro drüben.
So habe ich mein Netzwerk aufgebaut und mein Netzwerk ist sehr elitär, würde ich sagen. Ich würde behaupten, dass ich mich da wirklich auf Menschen fokussiere, wo ich der Meinung bin, die haben was Tolles geschafft, was Tolles erreicht. Es ist nicht so, dass ich mit Gott und der Welt verknüpft bin, aber mit Menschen, wo ich sage, die sind für mich Mentoren, ohne dass sie es vielleicht wissen. Es funktioniert bei jeder Person. Ich habe mir beispielsweise immer auch visualisiert, dass ich irgendwie mal die Möglichkeit habe, ein Interview mit Christoph Gröner zu führen. Ich habe mir einfach gedacht: „Es muss irgendwie klappen, ich werde es jetzt auch angehen.“ Dann habe ich zufällig mitbekommen, wie ein Geschäftspartner mit ihm telefoniert hat und dann hat er gesagt: „Ja, okay, Christoph, dann mach’s gut.“ Da habe ich gesagt: „Christoph Gröner?“ und dann habe ich ihm das Telefon aus der Hand gerissen und habe gesagt: „Ja, hallo, schönen guten Tag, hier spricht Vanessa Wenk.“ Und dann hat er gesagt: „Ah, die Supermaklerin da von YouTube.“ Dann habe ich gesagt: „Ja, genau, und ich wollte mal ein Interview mit Ihnen führen.“ Dann sind wir nach Berlin gereist und haben da dann Interviews geführt.
Also es ist wirklich so eine Proaktivität im Voraus. Man zieht die Dinge dann irgendwie an, wenn man sich vorher nicht die Gedanken gemacht hat. Ich will unbedingt mit dieser Person ein Interview führen und ich schaffe das schon irgendwie. Dann ziehst Du es auch nicht an, aber so habe ich den Namen gehört und konnte es dann zusammensetzen. Ansonsten hätte ich mich das nie wieder getraut, doch ich hätte mir irgendwas anderes überlegt. Aber man muss dann halt auch die Chancen sehen, erkennen und nutzen und das funktioniert nur, indem man sich auch im Voraus darüber mal Gedanken gemacht hat und Ziele gesteckt hat.

Johannes: Das finde ich cool. Vanessa, ich möchte mich sehr bei Dir bedanken. Ein sehr schönes Interview und in einer tollen Location und ich komme gerne wieder.

Vanessa: Super, freuen wir uns!

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