Hidden Champions

Christian Kohlhof

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Lesezeit ca. 19 Minuten

Ein Ratschlag ist auch ein Schlag!

Ein guter Mentor sagt dir nicht, was zu tun ist. Er lehrt dich, es zu erkennen.

Unser heutiger Hidden Champion ist auf einer ganz besonderen Reise. Zuerst hat er es geschafft, Kaffeebars in Unternehmen zu etablieren und daraus ein 400 Personen starkes Unternehmen zu machen. Jetzt aber nutzt er seine Erfahrung, um einen noch größeren Hebel zu haben. Er ist unter anderem Mentorcoach für Gründer nach den ersten Finanzierungsrunden und sein Fokus liegt auf etwas, das für mich im ersten Moment nicht mit Gründung zusammenpasst. Das ist Leichtigkeit. Was das zu bedeuten hat und welche Erfahrungen ihn dorthin geführt haben? Das erfahren wir jetzt.

Interview mit Christian Kohlhof

Johannes: Mein heutiger Gast ist auf einer ganz besonderen Reise. Zuerst hat er es geschafft, Kaffeebars in Unternehmen zu etablieren und daraus ein 400 Personen starkes Unternehmen zu machen. Jetzt aber nutzt er seine Erfahrung, um einen noch größeren Hebel zu haben. Er ist unter anderem Mentorcoach für Gründer nach den ersten Finanzierungsrunden und sein Fokus liegt auf etwas, das für mich im ersten Moment nicht mit Gründung zusammenpasst. Das ist Leichtigkeit. Was das zu bedeuten hat und welche Erfahrungen ihn dorthin geführt haben? Das erfahren wir jetzt. Herzlich willkommen, Christian. Mega cool, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Und vor allen Dingen, Du hast mich zu Dir nach Hause eingeladen. Vielen Dank dafür.

Christian: Ja, sehr gerne. Vielen Dank, dass Du gekommen bist. Ich habe zurzeit gar kein Büro. Ich arbeite vom passionierten Homeoffice aus, weil ich mein Unternehmen verkauft habe und jetzt zu Hause arbeite. Mir taugt das relativ gut.

Johannes: Du hast es ja auch echt schön, mit Blick ins Grün und in der Nähe eines Feldes, wo man Auslauf hat.

Christian: Und dann Wald bis Wolfratshausen, wirklich schön hier.

Johannes: Richtig schön. Leichtigkeit. Was hat es damit auf sich?

Christian: Eine ganze Menge. Also ich meine, Leichtigkeit ist ja ein Generalissimus. Das heißt, wenn ich dich jetzt frage, was für dich Leichtigkeit bedeutet, ist es höchstwahrscheinlich was anderes, als es für mich bedeutet. Generalisten sind ja Sachen, die wir nicht in eine Schubkarre packen können. Also Mikrofon wissen wir, wovon wir reden. Leichtigkeit, wissen wir noch nicht, wovon wir reden.

Johannes: Positivität, oder?

Christian: Positivität ist auch wieder ein Generalissimus. Da verstehst du was anderes als ich darunter. Genau. Leichtigkeit im Sinne von entspannter Produktivität. Was bedeutet das denn? Ich möchte schon Sachen machen und erreichen. Ich möchte Ziele erreichen. Ich möchte Sachen erleben im Leben. Ich möchte vorankommen. Ich möchte vielleicht auch Veränderungen bei anderen Menschen induzieren. Das ist so meine Produktivität. Jetzt ein Shop aufbauen für einen entkoffeinierten Kaffee oder die Remote-Leadership-Academy, die Chief of Anything Academy. Das sind Produkte, Ziele, Ergebnisse, die ich erziele. Die möchte ich mit Leichtigkeit erreichen. Entspannt oder relaxed möchte ich die erreichen.

Johannes: Also sich nicht zu versteifen und nicht zu verbissen.

Christian: Nicht zu verbissen. Und eben mit einem klugen Nutzen meiner Energie, meiner Produktivität, meiner Lebenszeit, das auch zu erreichen. Da gibt es natürlich jetzt viele Sachen, die da dran hängen. Das Eine ist erst mal, dass ich weiß, wie bin ich denn eigentlich und wie kann ich denn persönlich mit Leichtigkeit Ziele und Ergebnisse erreichen? Also mich selbst zu verstehen und dann eben die anderen zu verstehen. Wie sind die denn und wie können wir so zusammenarbeiten, dass wir entspannt produktiv sind?

Johannes: Ich habe ja im Intro schon gesagt, Kaffeebars aufgebaut, und zwar nicht zu wenige. Und das mit einigen Mitarbeitern. War das das erste Unternehmen, was Du aufgebaut hast?

Christian: Das war das erste Unternehmen, was ich aufgebaut habe, tatsächlich zusammen mit dem Ralf und chicco di caffè, also Kaffeebars in großen Unternehmen. Ich gebe zu, war so entspannte Produktivität mitunter noch nicht so mein Ding.

Johannes: So richtig ordentliche Arbeit, oder?

Christian: Das war richtig ordentliche Arbeit und auch oft brutale Anstrengung und Verbissenheit. Ich bin dann zeitweise fast in den Burn-out gelaufen, weil es zu viel war, zwischendurch. Ich habe mit der Zeit immer mehr entdeckt, dass ich auch Sachen erreichen kann, ohne: Was ist das Gegenteil von entspannter Produktivität?

Johannes: Stress.

Christian: Stress, also ohne schlechten Stress. Ich meine, es gibt ja auch guten Stress. Also ich mache jetzt auch viele Sachen, die von außen her gesehen stressig sind und ich brauche auch Urlaub zwischendurch. Ganz klar. Nur je entspannter ich an Sachen rangehe, umso leichter fällt es mir, die Ergebnisse zu erzielen. Umso mehr Optionen sehe ich, den richtigen Weg zu gehen.

Johannes: Wie lange hat es denn gedauert, von der Gründung bis zu dem Punkt, wo Du das Unternehmen auch verkauft hast. Wie viel Zeit ist dazwischen?

Christian: 14 Jahre.

Johannes: 14 Jahre? Wie alt warst Du, als Du es gegründet hast?

Christian: 32.

Johannes: Ach ja? Richtig jung.

Christian: Ja, damals war ich noch jung und hatte noch ganz viel Haare.

Johannes: Also von deinem Wesen her siehst aber eher aus wie ein Wissenschaftler, muss ich ehrlich sagen. Was hast Du vorher gemacht?

Christian: A leading question. Ich habe ja Physik studiert.

Johannes: Physiker, okay.

Christian: Und hatte da auch zwischendurch das Gefühl: Ja, ich möchte gerne Professor werden, bis mir ein Freund auf einem Seminar gesagt hat: Hast du dir das überlegt? Mann, guck dir mal die anderen Leute an, die hier im Seminar sitzen. Willst du einer von diesen werden? Rene, wenn du das hörst, vielen Dank. Also die waren alle nett und ich wollte es nicht, um in einer akademischen Laufbahn bleiben, sondern einfach, weil ich öfter neue Sachen machen muss. Also nicht in dem echten Sinne, sonst langweilt es mich. Ich brauche immer wieder neuen Input, neue Sachen, auf die ich reagieren kann. Und deswegen wäre höchstwahrscheinlich eine akademische Karriere nichts für mich gewesen.

Johannes: Ja, ein Proto lässt sich auch nicht zweimal erfinden.

Christian: Das gab es schon. Ich habe jetzt meine Diplomarbeit am Higgs Boson gemacht. Das ist ja dann jetzt vor zehn Jahren entdeckt worden oder tatsächlich nachgewiesen worden. Also war das schon ein spannendes Thema. Nur habe ich dann gedacht, okay, es gibt andere, die können über einen viel längeren Zeitraum konzentrierter an diesem Thema arbeiten, als ich das jemals machen möchte und machen werde.

Johannes: Wie war das dann vom Gefühl her, die Entscheidung, sich jetzt von der Physik zu trennen und ein Unternehmen zu gründen?

Christian: Ich habe zwischendurch noch in einem Konzern gearbeitet. Ich war erst bei Airbus und dann noch bei der HypoVereinsbank. Und da habe ich dann irgendwann gemerkt, dass das Schönste am Tag ist, mit den Kollegen Kaffee zu trinken. Und daraus ist dann diese Idee entstanden, Kaffeebars zu einem großen Unternehmen zu machen. Dann habe ich dann zu meinem Personalbetreuer Ralf mal gesagt: Hey, wir müssen irgendwas zusammen machen, wir müssen irgendwo mal vernünftig Geld verdienen. Und so haben wir das Unternehmen gestartet.

Johannes: Lief da alles nach Plan?

Christian: Die Vorannahme jetzt in deiner Frage ist, dass wir einen Plan hatten.

Johannes: Hattest Du nicht wahrscheinlich?

Christian: Ja, also wir hatten natürlich schon gedacht: Okay, wir machen jetzt Kaffeebars, dann haben wir irgendwann 20 und verdienen wir viel Geld und dann ist alles gut. Also auf der Ebene hatten wir tatsächlich den Plan ganz am Anfang. Es ist natürlich so, je größer das Unternehmen geworden ist und je mehr Mitarbeiter dann da waren und je mehr Kunden wir hatten, umso ausgefeilter wurden dann natürlich die Pläne. Es war immer der Plan zu wachsen und dann irgendwann auch damit richtig Geld zu verdienen.

Johannes: Hat es lange gedauert, bis ihr so aufgestellt wart, dass man gut davon leben konnte?

Christian: Ja, 7 bis 10 Jahre.

Johannes: Das ist trotzdem eine Zeit.

Christian: Es ist eine Zeit, ja.

Johannes: Habt ihr euch einen Investor geholt?

Christian: Am Anfang nicht. Da haben wir das mit unserem eigenen Geld und Finanzierungen über Leasing oder Bankdarlehen gemacht. Nach 13 Jahren haben wir gesagt: Wir müssen jetzt endlich mal das ganze Finanzthema auf ein solides Fundament stellen, um dann das weitere Wachstum auch finanzieren zu können. Dann haben wir Investoren gesucht, Investoren gefunden und in dem Rahmen auch gleich die meisten unserer Anteile verkauft.

Johannes: Total spannend, weil ihr habt ja erst mal was aufgebaut und euch dann eine Finanzierungsrunde geholt, als ihr schon bewiesen hattet, dass es funktionieren wird, oder? Oder musstet ihr ganz anders dann argumentieren, als es dann darum ging, einen Investor mit ins Boot zu holen? Muss man dann ganz anders das Unternehmen aufbauen für diesen Punkt, oder?

Christian: Höchstwahrscheinlich. Also was mir so im Nachhinein aufgefallen ist. Ich meine, ich bin ja jetzt so in dem Start-up Umfeld. Ich kenne die Investoren, ich kenne Start-up-Unternehmerinnen und Unternehmer. Ich hatte dieses Ökosystem nicht. Wir waren eben am Anfang. Ich meine, das ist jetzt 20 Jahre her, also 2003 haben wir es gegründet und wir hatten kaum Kontakt mit anderen Start-ups.

Johannes: Wo man sich dann austauschen konnte, oder?

Christian: Wo wir uns hätten austauschen können usw. Also das habe ich erst viel zu spät kennengelernt. Wir haben halt dann mit dem Wissen, was wir hatten von Beratern, Banken oder meinem BWL Studium, nach unserer besten Option gehandelt.

Johannes: Ob es dann auch wirklich sein könnte.

Christian: Ja, höchstwahrscheinlich würde ich dies jetzt anders aufbauen. Klar, mit 20 Jahren Erfahrung.

Johannes: Das ist eine Ausnahmesituation, natürlich. Aber es lief dann so weit, dass ihr das an irgendeinem Punkt gesagt habt: Jetzt gebe ich das ab. Ich möchte mich wieder auf mich konzentrieren und noch ein paar andere Ideen verfolgen.

Christian: Genau, ich hatte dann die Chance und bin dann relativ schnell auch ausgestiegen, nach sechs Monaten, nachdem wir die Finanzierung hatten. Dann habe ich gedacht, jetzt kümmere ich mich mal um mich selbst, weil ich ja einfach immer viel zu viel Ideen habe.

Johannes: Was kam danach?

Christian: Danach habe ich erst mal eine NLP Ausbildung gemacht, Neurolinguistisches Programmieren, wo es praktisch darum geht, wie kann ich mit Sprache mein Denken und auch das von anderen verändern? Das hat mir sehr, sehr geholfen. Diese Formulierung der Leichtigkeit habe ich dann da entdeckt. Ich habe vorher schon Ansatzpunkte in die Richtung dann selbst entwickelt und das hat es dann auf ein ganz anderes Fundament gebracht. Ich eine Ausbildung zum Coach und zum NLP Kommunikator gemacht. Also fast alles, was es da gibt. Ich habe dann gemerkt, dass da ein Bedarf ist, dass ich mit anderen Menschen über Führung spreche, also über Management. Wie kriege ich in einem positiven Sinne meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu, das zu tun, was ich will? Was will ich eigentlich? Was will ich selbst erreichen? Bevor ich mit entspannter Produktivität anfange und Ziele erreichen möchte, darf ich ja erst mal wissen.

Johannes: Wie die aussehen sollen.

Christian: Was will ich denn eigentlich erreichen? Wie bei Alice im Wunderland. Wenn ich nicht weiß, wo ich hin will, führt mich jeder Weg hin.

Johannes: Das stimmt. Viele Wege.

Christian: Und eben so herauszufinden. Was will ich denn eigentlich? Was möchte ich denn erreichen, um damit dann da daran zu arbeiten?

Johannes: Und daraus ist dann auch die Idee entstanden, die Akademie zu gründen.

Christian: Genau. Also die Chief of Anything Academy, wo wir Remote Leadership Training machen. Ja, die kam zustande, weil ich gemerkt habe, in den Coachings und Mentorings, die ich gemacht habe, es sind immer dieselben Themen. Da habe ich gedacht: Okay, eigentlich könnte ich allen Seminare anbieten, die bei mir Coachings haben wollen, dass die auf dem gleichen Stand sind. Danach können wir vernünftig weiterarbeiten. Das habe ich dann meinem Mitgründer Michael Portz erzählt. Er hat gesagt: Genau dieselbe Idee habe ich auch gerade. Was für eine Lebensphase. Ich habe gesagt: Ja, dann lass uns doch selbst die Seminare machen.

Johannes: Okay. Das heißt, die Inhalte sind dann auch noch eure Seminare?

Christian: Genau. Alles, was wir gelernt haben, alle unsere Themen. Und dann haben wir angefangen mit Offlineseminaren, also sind durch die Städte getingelt, Frankfurt, Berlin, Köln, München. Wir haben die Chief Seminare damals noch angeboten. Anschließend haben wir mit unserem Podcast angefangen, dann kam glücklicherweise Covid und wir haben gesagt: Okay, wir können jetzt keine Seminare mehr machen. Danach haben wir unser Buch geschrieben und am Ende des ersten Jahres, also 2020, haben wir dann gesagt: Wir bauen jetzt aus den ganzen Inhalten, die wir haben, ein Remote Leadership Programm, also praktisch mit Seminaren, wo Unternehmen ihre Teamleader und Führungskräfte hinschicken, damit die die ganzen Tools lernen.

Johannes: Ist das dann schon aufgezeichnet oder ist das live mit euch?

Christian: Also das war alles noch live. Mit den Liveseminaren haben wir es jetzt noch mal geschärft und jetzt gibt es ab Herbst dann die Masterclass als Videokurs.

Johannes: Okay, damit ihr dann wahrscheinlich auch ein bisschen besser skalieren könnt, oder?

Christian: Genau. Also klar gibt es interne Gründe. Skalierung ist dann einfacher. Der hauptsächliche Grund ist tatsächlich der externe Grund. Wir haben viel Feedback dazu gekriegt, dass die Remote Seminare oder Chief Seminare, die wir gemacht haben, cool sind und dass sie halt einfach dreieinhalb Stunden dauern und zu einem bestimmten Zeitpunkt anfangen. Es gibt ja verschiedene Lerntypen und manche wollen die Sachen lieber vielleicht noch zweimal angucken. Was machen wir jetzt? Es gibt das Videoprogramm und alle zwei Wochen dann wie eine Art Sprechstunde, Q&A Sessions, wo dann der Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmern dann stattfindet.

Johannes: Okay, und ich stelle mir auch so vor, Du bist auch so ein Typ, Du denkst ja auch schon viel, viel weiter, Du hast ja auch andere Ideen noch, die Du gerne angehen möchtest. Und wenn Du dann immer wieder das Gleiche erzählst, da fängt es wahrscheinlich auch dann so intern an: Okay, ich will auch noch die anderen Sachen erreichen, auch wenn ich immer wieder an diesen einen Punkt zurückkomme, wo ich mich nicht weiterentwickeln kann. Dann stoppt es dann auf eine Art oder es fängt an zu langweilen, oder?

Christian: Was ich halt mag, ist, Sachen von null auf 80 % aufzubauen.

Johannes: Pareto, oder?

Christian: Ja, oder vielleicht auch 90. Ich weiß nicht genau. Es war höchstwahrscheinlich nur auf 50 %. Dann gilt für mich die Regel, also einer meiner Managementgrundregeln. Wenn es jemanden im Unternehmen gibt, der es auch machen kann, macht derjenige es.

Johannes: Dann ziehst Du dich zurück?

Christian: Dann ziehe ich mich ziemlich schnell zurück. Das haben wir jetzt geschafft. Zuerst haben wir die Trainings gemeinsam gegeben, dann hat Michael die allein gegeben für eine lange Zeit. Jetzt haben wir andere Trainer, die das übernehmen. Es kann jetzt jemand diese Trainings geben, dann macht jemand anderes diese Trainings. Das gibt mir sofort die Chance, mich dann wieder auf neue Sachen zu konzentrieren. Grundregel Nummer eins. Wenn es jemanden gibt, der es machen kann, macht derjenige es.

Johannes: Das macht Sinn, vor allem wenn die Qualität nicht darunter leidet, sondern wenn es jemand auch gut machen kann, dann ist es ja klar. Du willst ja auch ein Stück weitergehen.

Christian: Ja, vielleicht leidet die Qualität am Anfang kurz darunter. Also das gibt es manchmal. Durch Lernphasen oder Trainingsphasen. Nur im Endeffekt wird die Qualität steigen, weil derjenige sich ja darauf konzentrieren kann. Das ist ja dann für jemand anderes der Hauptjob, das zu machen. Alles, was ich mache, ist ja ein Nebenjob.

Johannes: Kann man sich kaum vorstellen.

Christian: Ja, Nebenjob ist vielleicht der falsche Ausdruck. Nur ich mache halt alles, was ich mache, hoffentlich zum ersten Mal und dann nicht lange. Solange, bis ich es kapiert habe.

Johannes: Würdest Du Dir auch manchmal die Kaffeebars wieder wünschen? Oder sagst du: Nein, das war gut so, das war eine spannende Zeit. Ich habe viel mitgenommen.

Christian: Ja, das war eine spannende Zeit. Ich habe viel mitgenommen.

Johannes: Okay. Reicht dann.

Christian: Das ist jetzt ein ganz, ganz unfairer Vergleich. Ich war jetzt neulich mal wieder bei meiner Tochter im Gymnasium, da musste ich noch irgendwas abholen. Die ist jetzt seit einem Jahr draußen. Ich gehe halt in dieses Gymnasium rein und habe mich so erinnert. Wie war es denn früher bei mir, als ich im Gymnasium war? Es war genau die richtige Zeit, als ich im Gymnasium war. Ich habe eine Menge gelernt. Nur jetzt wieder ins Gymnasium zu gehen.

Johannes: Geht nicht.

Christian: Ich bin jetzt vollkommen ein Anderer. Ich bin irgendwie auf einem anderen Orbit gerade unterwegs. Jetzt bin ich halt gerade da, wo ich jetzt bin und da bin ich halt in ein paar Jahren auch nicht mehr.

Johannes: Du bist ja auch dem Kaffee treu geblieben. Also, um den Übergang noch zu nennen. Du verkaufst ja auch einen entkoffeinierten Kaffee, was auch so eine Idee ist. Was steckt dahinter? Ich versuche nur, den Zuschauern, die dich nicht kennen, diese gesamte Bandbreite um dich herum so ein bisschen zu beschreiben. Das ist nicht so einfach. Jemand gründet ein Restaurant, baut es auf und führt es bis zum Leben weiter. Bei Dir ist es anders. Du hast etwas gestartet und auf einmal kam noch was anderes hinzu, die Akademie hinzu, das Buch hinzu, der Podcast hinzu. Man merkt, dass Dein Kopf weiter wuselt und Du Bock hast noch mehr zu machen und auch ein breites Interessenspektrum hast. Du hattest vorhin auf der Terrasse gesagt, als ich sagte: Na ja, eigentlich bist Du auch spitz in deiner Zielgruppe, nur hast Du halt mehrere. Wie hast Du es beschrieben?

Christian: Sequenzieller Fokus.

Johannes: Sequenzieller Fokus.

Christian: Also es wirkt vielleicht so nach außen hin, dass ich fokussiert bin, weil es halt einfach so viele Themen gibt, nur in den einzelnen Themen, praktisch Raum zeitlich aufgeteilt, bin ich ziemlich fokussiert.

Johannes: Und Höchstleistung natürlich.

Christian: Ich hoffe es oder 80 %.

Johannes: 80 % nicht 50%.

Christian: Ja, ich habe es beschrieben, wie dieses Auge bei Herr der Ringe, dieser Turm da, wo dann dieses Auge sich auf etwas konzentriert und dieser knallharte Fokus, eine gewisse Zeit lang und dann geht es woanders hin. Und das beschreibt, glaube ich, so meine Arbeitsweise am besten. Und dieser Fokus kann tatsächlich 14 Jahre lang auf Cafébar sein. Mein Physikstudium hat auch sechs Jahre gedauert und da war ich knallhart darauf fokussiert.

Johannes: Du hast den Kaffee wieder für dich entdeckt, und zwar entkoffeinierten Kaffee. Ich liebe Kaffee und ich liebe auch das Koffein, obwohl ich es nicht spüre. Für mich wäre ein entkoffeinierter Kaffee nicht ideal. Aber das ist ja etwas Neues, wo Du sagst, das probierst Du jetzt aus. Erzähl mal ein wenig.

Christian: Also, wir probieren es nicht aus. Das andere Bild, was ich so mag. Bei Star War’s, wo der Luke Skywalker dieses Ding aus dem Sumpf heben soll und sagt: Ja, ich kann es ja versuchen. Und dann sagt der Yoda: Tu es oder lass es. Versuche es nicht. Wir tun es. Ich hatte bei chicco di caffè, wo mein letztes großes Projekt war, vor eine Rösterei aufzubauen. Praktisch, dass wir den Kaffee, den wir an den Kaffeebars ausschenken, selbst rösten. Und das war ein cooles Projekt. Wir sind nach Brasilien gefahren zum Kaffee einkaufen, haben eine Anlage in Betrieb genommen und eine echte Produktion aufgebaut. Das war cool. Vor zwei Jahren oder so, kam die Sabine, eine gute Freundin von mir, auf mich zu und hat gesagt: Sag mal, ein entkoffeinierter Kaffee, wäre das ein Geschäft? Und ich so: Nein, was soll daran besonders sein? Das ist ja wie bleifrei tanken oder alkoholfreies Bier. Es ist ja nichts Gescheites. Ich habe darüber nachgedacht. Und der Punkt ist tatsächlich der, dass höchstwahrscheinlich viele Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrem Leben gerne Kaffee trinken wollen, ohne die Wirkung des Koffeins haben zu wollen. Also sprich in der Schwangerschaft, in der Stillzeit, in der Reha oder für mich zum Beispiel abends. Also ich trinke halt abends gerne Kaffee. Und das ist das beste Mittel gegen eine Flasche Wein abends, einfach noch eine Kanne Kaffee zu trinken. Dann hat sie gesagt: Das ist ein Riesengeschäft und sie kann das Marketing übernehmen. Aber sie hat keine Ahnung von Kaffee. Darauf sagte ich: Das Kaffeethema ist das geringste. Ich weiß genau, was ich machen muss, um das ans Laufen zu bringen. Ich habe keine Ahnung vom Marketing. Und da haben wir gesehen, dass wir da einen Fit haben und jetzt machen wir das halt.

Johannes: Ihr habt euch auch eine Zielgruppe ausgesucht.

Christian: Genau. Wir haben gedacht, wie testen wir das? Der Ansatzpunkt wieder spitze Zielgruppe.

Johannes: Einfach testen, nicht probieren. Wie immer, testen.

Christian: Genau. Wir testen, was wir machen, ist testen. Das waren verschiedene Ansätze. Wir haben Fokus auf Performance-Marketing. Wir haben Fokus auf AdWords und verschiedene Sachen. Jetzt arbeiten wir mit Influencer und praktisch ganz spitze Zielgruppen. Wir sprechen Schwangere auf Instagram an. Wenn wir wissen, wie das funktioniert, dann können wir Rehapatienten in der Apotheken Umschau ansprechen. Das weiß ich noch nicht, was dann passiert. Nur eins nach dem anderen. Und wir sehen halt einfach, die Wiederkaufquote ist so enorm hoch. Also wenn wir mal jemanden dazu gebracht haben, den Kaffee zu kaufen, kauft er wieder. Das finde ich toll, weil das zeigt, dass die Qualität stimmt.

Johannes: Das heißt, der ist lecker und hat auch nicht die Koffein-Wirkung.

Christian: Genau, ja. Und der schmeckt gut. Wie normaler mit Koffein.

Johannes: Ich fand eben deine Korrektur spannend, dass Du sagst, wir probieren das nicht, wir machen es. Ich meine, der Unterschied ist ja enorm zwischen. Ich probiere das jetzt mal. Das sagt man auch schnell aus einem Lapidaren heraus. Ach, komm, ich probiere das jetzt mal und wenn es nichts wird, dann wird es nichts. Wann kam der Punkt, wo Du sagtest, okay, ich mache das jetzt? Also zwischen deiner Bekannten, die dich fragt und der Entscheidung, ich mache das. Da ist ja auch etwas in Dir entstanden. Was hast Du Dir überlegt? Dass die Überzeugung danach kam, ich mache das jetzt und mache das groß.

Christian: Also, was mich überzeugt hat, war so diese Aussage, die wir dann für uns geschärft haben. Für bestimmte Zeiten ist das ein Angebot, das Menschen brauchen. Für die meisten Menschen gibt es irgendwann eine Zeit, in der es das richtige Angebot ist. Als ich mir das klar gemacht habe, war ich dann schon mehr in Richtung testen als probieren. Beim Probieren jetzt vielleicht noch etwas linguistisch darauf geguckt. Dass es nicht klappt, ist ja schon praktisch mitgeplant. Wenn es nicht klappt, habe ich es ja nur probiert. Wenn ich sage, ich mach’s und das ist mein Ziel, was ich erreichen möchte und ich richte da meinen Fokus drauf, dann klappt es auch. Also davon bin ich zum Beispiel überzeugt, wenn ich Sachen wirklich will, dann funktionieren die auch. Somit ist die Frage. Wie setze ich meine Ziele?

Johannes: Und habt ihr auch eure eigene Rösterei?

Christian: Das macht die Rösterei von chicco di caffè für uns. Da weiß ich, dass der Robert, unser Produktionsleiter, halt einfach einen super Job macht. Und es ist immer noch die beste Rösterei, die ich kenne.

Johannes: Die hast Du ja auch aufgebaut.

Christian: Ich habe mir vorher echt viele angeguckt. Das ist jetzt vielleicht auch wieder Leichtigkeit, leichte und entspannte Produktivität, die da reinspielt. Wir haben von vornherein die Rösterei als ein Produktionsunternehmen aufgebaut und nicht als ein handwerkliches oder künstlerisches Unternehmen. Wir haben gesagt: Ja, wir wollen tollen Kaffee machen und wir bauen so auf, dass die Produktion wie ein Kätzchen schnurrt. Das ist jetzt unabhängig von der Tagesform des Röstmeisters. Es ist einfach immer sauber. Es funktioniert immer und ich kann jederzeit hingehen und vom Boden essen.

Johannes: Also ich habe einmal Kaffee geröstet und das hatte nicht so die Konstante gehabt. Eine Sekunde länger hat ja schon einen Einfluss gehabt, ob die Bohnen dann zu schwarz oder verbrannt waren. Das war heftig, auch der Ruß, der da rauskam.

Christian: Da könnte ich ja jetzt argumentieren, ja, das hängt halt von der Tagesform ab des Röstmeisters. Und ich will einfach nicht, dass es von der Tagesform der Einzelnen abhängt. Ich möchte ein optimales Produkt haben, was konstant ist und unabhängig von demjenigen oder derjenigen, die an der Röstanlage steht. Das hat der Robert aufgebaut, da bin ich heute noch von begeistert.

Johannes: Was war der beste Rat, den Du je bekommen hast?

Christian: Der beste Rat, den ich jemals bekommen habe. Ratschläge sind auch Schläge. Wenn ich dir einen Rat gebe und sage, aus meiner Sicht solltest du unbedingt das und das machen. Da können zwei Sachen passieren. Also entweder es funktioniert zufälligerweise für dich auch und sagst: Oh, der Christian hat mir einen guten Rat gegeben. Oder es funktioniert einfach rein statistisch überhaupt nicht für dich, weil du ein anderer Mensch bist in einer anderen Situation. Dann sagst du: Ja, Christian, was, der mir erzählt hat, ist ja ein Schmarrn. Also deswegen bin ich kein Freund von Ratschlägen, sondern von Erfahrungen. Also wenn du mich jetzt nach einem Rat fragen würdest zu irgendeinem Thema, würde ich fragen, ob ich dir eine Erfahrung teilen kann. Und wenn ich zu dem Thema eine Erfahrung habe, würde ich dir diese Erfahrungen teilen. Dann kannst du damit machen, was du willst.

Johannes: Was ist denn deine beste Erfahrung?

Christian: Das kommt tatsächlich auch auf das Thema an, also ich habe echt viele Erfahrungen. Zu welchem Thema hättest du gerne eine Erfahrung?

Johannes: Ihr seid ja immens gewachsen. Zwischen einer Idee, die zwischen euch beiden entstanden ist, bis zu einem Unternehmen, was in unfassbar vielen Konzernen platziert ist. 400 Mitarbeiter. Da kommen ja dann ganz, ganz schnell Personalthemen auf, die einen sehr vereinnahmen können, weil das so ein bisschen weg vom Operativen ist. Ich gucke auf Unternehmen drauf und versuche es zu entwickeln. Jetzt bin ich aber drin, jetzt muss ich mich auch einmal mit Sachen beschäftigen. Gab es da Erfahrungen, die Du teilen kannst und wo Du sagst, das war ein guter Weg, damit umzugehen und die Struktur reinzubringen?

Christian: Sehr gerne. Also was ich leider erst danach gelernt habe, ist eine vernünftige Unternehmensstrategie aufzubauen. Das ist jetzt das, was wir bei der Core Akademie und bei Frieder und Fritz auch machen und was ich auch im Coaching mit anderen Gründerinnen und Gründern mache. Erst mal die Grundfragen der Strategie klären. Wofür machen wir das? Was ist unser Beitrag in der Welt? Abgesehen vom Geldverdienen und Arbeitsplätze schaffen. Lust haben kann da auch noch mit reingehen. Wir leisten folgenden Beitrag, also zum Beispiel bei der Core Academy. We help leaders to succeed with ease.

Johannes: Das ist die Leichtigkeit.

Christian: Wir hatten erst entspannte Produktivität, aber in Entspannung ist immer noch Spannung drin. Deswegen sind wir da jetzt auf das Englische, succeed with east. Dafür machen wir alles, was wir machen. Wir helfen Führungskräften zu leichter Produktivität. Das ist die erste Frage und daraus ergeben sich schon so viele Sachen und so viele Sachen, die wir dann nicht tun. Wir werden keine Regenschirme verkaufen. Selbst wenn einer sagt: Da kommen so viele Kunden hierher und die würden doch auch bestimmt Regenschirme kaufen. Höchstwahrscheinlich nicht. Das ist der Purpose, der Unternehmenszweck. Dann die andere Frage. Wohin wollen wir kommen? Also wollen zum Beispiel dahin, dass bei der Core Academy bis 2027, 1 Million Menschen von Core-ausgebildeten Führungskräften geführt werden. Damit fallen schon wieder so viele Sachen weg, die wir auch machen könnten.

Johannes: Weil ihr damit auch gleichzeitig den Fokus darauf legt.

Christian: Die dritte Frage ist. Wie sind wir eigentlich? Wie arbeiten wir zusammen? Also zum Beispiel, was sind die Werte? Dann fangen die Strategien an, okay, was machen wir denn jetzt in den nächsten 3 bis 6 Monaten dafür, um unsere Vision zu erreichen, um unseren Purpose zu befeuern? Und da haben wir bei chicco di caffè schon immer Ansätze gehabt. Nur da bin ich jetzt deutlich klarer in dem, wie ich so was aufbaue. Das ist meine Erfahrung dazu. Der andere Punkt, was ich gelernt habe und was höchstwahrscheinlich eine sehr wertvolle Erfahrung für mich war, zu wissen Management und Führung, ich kann es lernen. Also es ist nichts, womit ich geboren werde und was ich irgendwie können muss von Anfang an, sondern ich darf das echt lernen und ich darf da Energie auch reinstecken, mich damit zu beschäftigen.

Johannes: Was mir bei Dir so gefällt. Man kriegt ja viel mit Coaches. Ich bin dein Coach. Für das Unternehmen gibt es ja so unzählige Definitionen und Menschen, die das machen, dass man so gar keinen Überblick bekommt. Es fällt einem auf jeden Fall sehr schwer, da jemanden zu finden, der zu einem am besten passt. Was mir an deinem Tun gefällt, ist, dass Du schon etwas mega aufgebaut hast und auch schon sehr viele Dinge erreicht hast, wo viele noch von träumen. Dass Du auch schon etwas gemacht hast, bevor Du es anderen beibringst. Ganz oft ist es ja so, ich habe noch nichts erreicht.

Christian: Aber ich habe schon mal gelesen.

Johannes: Und ich bringe das Machen den anderen jetzt bei. Aber ich habe die Erfahrung eigentlich nicht, sondern ich habe nur etwas Erlerntes.

Christian: Das gibt mir halt Glaubwürdigkeit an falschen Ecken.

Johannes: Ja, Glaubwürdigkeit und ein gutes Gefühl oder Vertrauensvorschuss, der ja schon mal da ist, ohne dass Du viel dafür machen musst. Hast Du auch schon etwas in den Sand gesetzt?

Christian: Gott sei Dank nicht, oder? Ich weiß es nicht. Die Erfahrung fehlt mir. Also es war tatsächlich mit chicco di caffè stellenweise sehr knapp. Wir wären fast mal pleite gewachsen, weil wir halt einfach zu schnell gewachsen sind und die Liquidität nicht mitkam. Das hätten wir fast versemmelt und war ziemlich knapp.

Johannes: Hattest Du es auch kommen sehen?

Christian: Wir hatten den Fokus woanders. Auf die Akademie, auf Frieder und Fritz und auf den Onlineshop. Es sind immer wieder Phasen, wo wir denken, jetzt wird es knapp. Ich will jetzt nicht sagen, dass wir da gerade dabei sind, irgendwas zu versemmeln, also ganz im Gegenteil. Nur es gibt halt immer wieder Phasen, höchstwahrscheinlich auch bei Start-ups, wo ich denke, das ist knapp, also meistens liquiditätsmäßig.

Johannes: Was sagt denn deine Frau über dich?

Christian: Ich glaube, das macht ganz schön Spaß mit mir. Also Spaß ist mir auch wichtig. Meine Frau ist auch Unternehmerin, sie hat ja ein eigenes Biotech Unternehmen mitgegründet. Die sind jetzt auch mittlerweile in der Nasdaq gelistet in den USA. Also sie ist jetzt gerade die erfolgreiche Unternehmerin in unserem Haus.

Johannes: Vielleicht müsste ich sie auch mal interviewen.

Christian: Ja, gerne. Jetzt ist sie gerade weg. Also bei ihr geht’s halt gerade richtig ab.

Johannes: Welche Eigenschaft an deiner Frau schätzt Du am liebsten?

Christian: Dass sie heller ist, super fokussiert.

Johannes: Mehr als Du?

Christian: Ja, das ist Arbeit und Pferd, das sind so die zwei wesentlichen Themen.

Johannes: Und Du.

Christian: Ich auch, ja. Wir machen coole Sachen zusammen. Als wir uns kennengelernt haben, hat Hella gerade eine Ausbildung zur MTA gemacht. Ich habe studiert. Das heißt, sie hat da gerade Geld verdient. Dann ging das immer so schrittweise. Ich habe das Diplom gemacht, dann angefangen, zu arbeiten. Sie hat Diplom gemacht, dann Doktorarbeit. Danach habe ich ein Unternehmen gegründet und sie hat angefangen zu arbeiten. Als Nächstes bin ich raus aus meinem Unternehmen und gerade in der Zeit hat sie ihr eigenes Unternehmen gegründet. Also das heißt, ich sehe da so ein Schritt für Schritt, wie wir uns so hochhangeln. Wir waren mal auf einer Hochzeit in Berlin und es war auch so wie heute relativ warm. Da saßen alle in der Kirche und kurz vor der Predigt, waren alle schon so: Ah, jetzt noch eine Predigt. Der Pfarrer ist auf die Kanzel gegangen, hat so geguckt und dann gemerkt: Okay, die schlafen alle ein. Er hat nur einen Satz gesagt, und zwar: Die Ehe ist ein Joch. Und plötzlich waren alle: Was? Joch hört sich ja so negativ an. Er fing an zu erklären, was ein Joch ist. Joch ist ein Produktivitätstool. Wenn ich das zwei Ochsen auf die Schultern setze, können die praktisch ihre Kraft bündeln, um zu pflügen. Und in diesem Sinne hat er gesagt, ist die Ehe ein Joch. Es ist ein Produktivitätstool, bei der praktisch zwei Menschen ihre Produktivität bündeln, um gemeinsam durchs Leben zu pflügen.

Johannes: Super spannender Ansatz.

Christian: Genau so sehe ich das bei uns auch. Also wir pflügen halt echt was.

Johannes: Unterstützt ihr euch viel gegenseitig, dass ihr von den Sachen, die einen beschäftigen, dann mitteilt?

Christian: Ja, schon. Die Hella teilt da noch mehr als ich. Wir lernen halt immer voneinander, weil es einfach immer wieder Themen gibt. Natürlich habe ich zu Hause ein Coachingverbot, weil es halt dann gern so in dieses Ratschlagmuster auch abrutschen könnte. Also in dem Fall, kündige ihn doch, oder so etwas. Da bin ich zum Beispiel sehr vorsichtig. Wenn mich die Hella nach Erfahrungen fragt, gibt es sie natürlich.

Johannes: Was hältst Du denn von dem Spruch: Schuster, bleib bei deinen Leisten?

Christian: Es gibt schon zwei Projekte, die ich im Hinterkopf habe, die ich höchstwahrscheinlich nicht machen werde. Das eine ist, ein Fotobildband zu machen über Männer in unwürdigen Gefährten. Also es gibt ja so Männer, die so ein Auftrittsrasenmäher fahren müssen. Oder diese Wischautomaten, also wo halt Männer stolz auf irgendwelchen Geräten sind und du denkst: Was ist das? Ich habe schon die ganzen Bilder im Kopf, die ich dafür haben möchte. Das Zweite ist eine Sammlung. Vielleicht so Kalendersprüche, Durchhalteparolen für den kleinen Mann. Und da würde dieser Spruch reinkommen: Schuster, bleib bei deinen Leisten, weil das eine super Ausrede ist, nichts Neues zu versuchen.

Johannes: Ich bin voll und ganz bei Dir.

Christian: Im Sinne des Fokus bin ich natürlich froh, wenn der Schuster ein Profi ist, mit seinen Leisten.

Johannes: Es gibt immer zwei Seiten.

Christian: Es gibt immer zwei Seiten. Für jemand, der nicht Schuster ist, ist es vielleicht ein schlechter Ratschlag.

Johannes: Und für den Schuster selbst.

Christian: Ist es vielleicht ein guter Ratschlag. Deswegen sind wir wieder beim Thema, Ratschläge sind auch Schläge. Ich kann nur auf die Erfahrung des Schusters hoffen, der sagt: Ich bin jetzt 30 Jahre lang bei meinen Leisten geblieben und für mich hat es funktioniert.

Johannes: Vielen, vielen Dank.

Christian: Vielen Dank, Johannes, hat echt Spaß gemacht.

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