Friedrich Wurster

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Wenn andere hinwerfen, fange ich gerade erst an

Friedrich Wurster ist Gründer, Teilhaber und Geschäftsführer der einheit3 GmbH – den Experten in Sachen Taubenabwehr

Er will die Weltherrschaft übernehmen. Und spielt gerne Playmobil. Wenn er nicht gerade Krafttraining macht, ist er durch und durch Vertriebler. Und er ist der Taubenflüsterer. Mit diesen Tieren haben er und sein Team sich intensiv beschäftigt. Er weiß, dass die vermeintlich dummen Vögel wahre Intelligenzbestien sind. Darum sind so viele schon damit gescheitert, den Taubenplagen an Gebäuden und in Anlagen beizukommen. Friedrich Wurster und sein Expertenteam der einheit3 GmbH mit Sitz in Weil im Schönbuch haben jetzt Mittel und Methoden für die effiziente Taubenabwehr entwickelt. Um sie langfristig zu vergraulen, werden die Instinkte und die klugen Köpfchen der gefiederten Schädlinge mit einbezogen.

Wer mehr will als andere, muss auch mehr tun!

Ursprünglich war die Taube das Symbol für Frieden und Liebe. Dann bekam sie durch die Erfindung der Telekommunikation Konkurrenz. Heute hat der Mensch für die luftigen Gefährten nicht mehr viel übrig. Denn die „Ratten der Lüfte“ vermehren sich unkontrolliert und beschmutzen Plätze und Fassaden. Vor allem Stadtbewohner sehen in ihnen vorwiegend Schädlinge. In München gibt es etwa 40.000 Tauben, die jährlich 480 Tonnen Kot produzieren. Weltweit leben etwa 500 Millionen Tauben in den Städten.Friedrich Wurster einheit3Friedrich Wurster einheit3

 

Friedrich Wurster weiß, dass Tauben ein ernst zunehmendes Problem darstellen. Ob Kommunen oder Architekten, Hausverwaltungen oder Kircheninstitutionen, Gewerbetreibende oder Privatleute: Die Menschen fühlen sich durch das ständige An- und Abfliegen nicht nur belästigt, sondern kennen inzwischen auch das Gesundheitsrisiko. Tatsächlich übertragen die Tiere bakterielle und virale Krankheitserreger ebenso wie Pilze und diverse Parasitenarten. Taubenkot ruiniert Fassadenmaterialien und führt zur Korrosion von Dächern. Nistmaterialien verstopfen Regenrinnen und Abflüsse. Tauben fliegen sogar in das Innere von Gebäuden und befallen dort Rohstoffe und Waren. Anwohner, Passanten und Kunden fühlen sich durch den auf Balkonen und Fenstersimsen verteilten Mist rund um die Nistplätze belästigt oder sogar bedroht. Tauben besitzen eine hohe Vermehrungsrate, sie sind ganzjährig fortpflanzungsbereit. Die Vögel sind dreckig und laut – und rechtfertigen laut einem Urteil des Amtsgerichts Pforzheim durch Lärm- und Geruchsbelästigung sowie Gesundheitsgefährdung sogar eine Mietminderung von 30 Prozent.Friedrich Wurster einheit3

Tauben sind also auch wirtschaftlich eine wichtige Angelegenheit – daher stehen sie im Mittelpunkt des Geschäftsmodells der einheit 3 GmbH. Das Unternehmen wurde im Oktober 2014 von drei Freunden gegründet – daher stammt die Namensgebung. „Ein Bekannter sprach mich an, dass er ein Produkt entdeckt habe, das gerade große Nachfrage generiert und er nun Unterstützung im Vertrieb brauche“, erinnert sich Wurster. Der gelernte Industriekaufmann, der seit vielen Jahren im Direktvertrieb arbeitete, lehnte vorerst mit deutlichen Worten ab. „Was habe ich mit Taubenscheiße zu tun? Dann aber habe ich im Gespräch mit meinen beiden Freunden und durch Recherchen bei einigen bestehenden Kunden und Geschäftspartnern das wahre Potenzial in diesem doch auf den ersten Blick recht außergewöhnlichen Geschäftsfeld erkannt.“Friedrich Wurster einheit3Friedrich Wurster einheit3

Obwohl die Bevölkerung meint, Tauben seien nicht sehr intelligent, leisten sie mit ihrem Gehirn (gerade mal so groß wie die Spitze eines Zeigefingers) ganz Erstaunliches. Die Tiere haben erstaunliche kognitive Fähigkeiten. Studien beweisen, dass sie mit komplexen Problemstellungen fertig werden und kaum Angst haben. Daher wirken optische und akustische Systeme zur Abwehr oder Vergrämung – wenn überhaupt – nur kurzfristig. Lichtreflexe oder Geräusche? Vogelattrappen oder Flatterbänder? Die Tauben gewöhnen sich schnell an ihre Gesellschaft. Am besten wäre es, die Tauben ließen sich gar nicht erst nieder…Friedrich Wurster einheit3

Tatsächlich hatte in Norddeutschland ein Tüftler eine Paste zur Taubenabwehr entwickelt, die ungiftig für Mensch und Tier ist. Damit arbeitet jetzt die einheit3. Das ungiftige und für Mensch wie Tier vollkommen ungefährliche Produkt auf Polymerbasis wird auf Fensterbänken, Dachvorsprüngen und anderen Landeflächen nah an der Vorderkante aufgebracht. Auch überall dort, wo sich Tauben auf kreative Weise ihre Rückzugsorte und Brutstätten erschließen, wird die Taubenvergrämungspaste verarbeitet. „Das Fest-Viskose ist für die Tiere unangenehm, sie mögen das leicht klebrige Gefühl nicht. Nach einigen Schritten verlieren sie die Lust an dieser Location – und das sehr nachhaltig. Sie bleiben weg – und kommunizieren es auch untereinander. Das Schwarmverhalten nutzen wir also zum eigenen Vorteil“, erklärt Wurster.

Anfangs erschien ihm das Produkt völlig unglaublich. Also machte er sich mit einem seiner zwei heutigen Teilhaber am frühen Samstagmorgen – lange vor Sonnenaufgang – auf, um an den Böblinger Mercaden – einem großen Einkaufszentrum – in den Hubsteiger zu steigen und sich auf Arbeitshöhe davon zu überzeugen, dass das innovative Prinzip auch tatsächlich funktioniert. „Dann war ich bereit, mich in die Aufgabe zu stürzen und den Vertrieb aufzubauen. Am Markt gibt es eine große Nachfrage, denn die Menschen haben einen hohen Leidensdruck bei diesem Thema.“ Der Vertriebsprofi hat daher ein Vertriebssystem aufgebaut, das auf Nachhaltigkeit setzt: „Wir machen das nicht wie bei Tupperware zum Eigengebrauch, sondern statten ausschließlich zertifizierte Fachpartner mit unserem Produkt aus. Sie werden intensiv ins Thema eingearbeitet, vom TÜV unterwiesen und kennen von Tierschutzvorschriften bis Arbeitsschutz die hohe Lehre der Taubenabwehr.“Friedrich Wurster einheit3

Denn während die klassische Schädlingsbekämpfung eine eigene, breit aufgestellte Branche darstellt, ist die Kernkompetenz der einheit3 GmbH einzig und allein die Taubenabwehr. „Wir machen keine Ratten und Wespen, können nur Taube – aber das besser als alle anderen.“ Das Unternehmen geht hierbei auch nicht nach Schema F, sondern individuell vor. Das sichert die 100-prozentige Erfolgsgarantie. Und die Wartungsverträge – denn die Taubenabwehr ist kein Einmalgeschäft, vielmehr müssen die Anlagen durch gut geschulte Monteure regelmäßig auf Beschädigungen durch Tierschützer, Vandalismus und bauliche Veränderungen hin kontrolliert werden.Friedrich Wurster einheit3

In der Umgebung von Einkaufszentren halten sich Tauben genauso gerne auf wie am Stadthaus, in Gewerbeimmobilien und Ladenzeilen. Sie nisten auf Dächern und Mauervorsprüngen. Die aggressiven Hinterlassenschaften stellen für Privatgebäude und Bürokomplexe gleichermaßen ein Problem dar. Und auch Betreiber von Stadien kennen das Thema, die Vögel waren bisher kaum von dort wegzudenken. Ob Fortuna Düsseldorf, Borussia Mönchengladbach oder Bayer Leverkusen: „Wir sind in der Firma alle Fußballverrückte und haben uns daher diesen Kundenkreis als einen der ersten erschlossen“, erzählt Wurster. Sich selbst hält er für „einen Spinner, der nie die Flinte ins Korn wirft und Loyalität bis zur Selbstvernichtung praktiziert.“ Er mag alles außer Zahlen, hat mit einem anderen Startup schon eine Bruchlandung erlebt (als er W-LAN-Lösungen an Fitnessclubs und Gastronomie verkaufen wollte) und durch die Hilfe seines guten Freunds und heutigen Partners auch überlebt. Friedrich Wurster hält daher gerade auch das Scheitern für wichtig: „Man darf nie auf ausgetrampelten Wegen gehen, sondern muss auch etwas wagen. Gerade wenn etwas schief geht, muss man doch weiter machen. Es ist wie im Fußball: Man macht denselben Fehler nicht drei Mal und das braucht es, um sich zu entwickeln.“Friedrich Wurster einheit3

Apropos Fußball: Aus 25 Metern luftiger Höhe sieht man sehr gut die Struktur der Rasenfläche und die vielen roten Sitzplätze wirken wie ein gleichmäßiges Mosaik. Hier in der Mercedes-Benz-Arena macht sich das Team der einheit3 gerade in der Cannstatter Kurve ans Werk. Damit die mehr als 60.000 VfB-Fans zukünftig von Tauben ungestört die Spiele verfolgen können. Als langjähriger Business-Partner kümmert sich das Unternehmen auch hier im Ländle um die Taubenabwehr. Ein Traum ist also wahr geworden für Friedrich Wurster und sein Team.Friedrich Wurster einheit3

Ob er als nächstes an die Tauben in Venedig denkt? „Das wäre wohl etwas vermessen“, sagt er – und zögert dann. Denn eigentlich ist er einer, der am liebsten die Weltherrschaft übernehmen will, der jedes Thema gerne groß denkt. Höher – größer – weiter. „Mein Vater ist als Beamter bis heute mit ganzem Herzen Rektor einer Realschule in Sindelfingen und ich entstamme so gar nicht einer Unternehmerfamilie, denn auch meine Mutter war bis zu ihrem frühen Tod im Lehramt beschäftigt, vielleicht kommt es daher. Oder davon, dass mich mein erster Chef sehr stark geprägt hat. Der begann als Zeitungsverkäufer und wurde mit diesem einfachen Geschäft in kürzester Zeit Multimillionär – das hat mich beeindruckt.“ Die Taubenabwehrpaste wird auch bereits international nach Spanien, Italien und in die USA geliefert. Und Wurster weiß, dass Dubai ein massives Taubenproblem hat. Da leuchten die Augen des Unternehmers. Doch gleichzeitig ist er Stratege genug und hat Freunde und Partner mit ausreichend Bodenhaftung, um zu wissen, dass der Betrieb gesund wachsen soll und es in der DACH-Region erst einmal genug zu tun gibt. So auch am neuen Hauptstadtflughafen BER: „Auf der Baustelle dort gibt es mehr Tauben als Arbeiter. Erste Gespräche zu Tests mit unserer Paste laufen bereits. Ich bin nur gespannt, ob wir mit deren Arbeitsgeschwindigkeit Schritt halten können!“


Das wollte ich als Kind werden:
Polizist
Ein Talent, von dem bisher keiner weiß:
Meine Tochter Lotte sagt, ich sei ein toller Playmobil-Spieler. Da beweise ich meine Fähigkeiten als Ingenieur und Konstrukteur.
Das zeichnet mich als Mensch aus:
Kraft und Ausdauer, Liebe und Loyalität
Mein Leitspruch:
Wer stets auf ausgetrampelten Pfaden geht, kommt nur dorthin, wo andere schon waren!
Meine besonderen Stärken:
Kundenorientierung, Ausdauer und Biss. Wenn andere hinwerfen, fange ich gerade erst an.
Mein bestes Erlebnis:
Neben meiner Hochzeit und der Geburt meiner Tochter als ich selbst auf dem Dach einer Familie mit Taubenproblemen stand und ohne Sicherung gemerkt hab, dass ich schwindelfrei bin.
Dieses Denkmuster zeichnet mich aus:
Alles ist möglich. Es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen.
Das gebe ich einem Jungunternehmer mit auf den Weg:
´ S Hemmed schwitzt net vo alloi!
Das rate ich anderen Unternehmern:
Wenn du eine Vision hast, von der du überzeugt bist und im Bestfall auch enge Vertraute, die dich darin bestärken – dann zieh es durch! Sei dir darüber im Klaren, dass es auch harte Zeiten geben wird. Stehe diese durch, dann ist der Erfolg ein umso schöneres Gefühl.
So sieht ein perfekt funktionierendes Unternehmen aus:
Man spricht viel mit- und möglichst nie übereinander.
Mein Hobby:
Kraftsport und Bodybuilding
Meine Sammel-Leidenschaft:
Uhren, selbstgemalte Bilder meiner Tochter und alte Ausgaben der FLEX und Sportrevue
Das mache ich um abzuschalten:
Fitnessstudio, etwas Netflix (Breaking Bad) und leider viel zu selten ein Ausflug mit meiner Familie.
Hier mache ich gerne Urlaub:
Antalya/Türkei oder Tirol/Österreich
Mit dieser Persönlichkeit würde ich gerne einen Abend verbringen:
Uli Hoeneß. Ich denke, er ist in der Lage, jeden Unternehmer „besser“ zu machen und erkennt Talente in jedem Bereich des Lebens. Oder auch mit Carsten Maschmeyer, weil er an Grenzen geht – und auch darüber hinaus.
Wenn ich ein Tier wäre, dann:
manchmal ein Esel, meist eine Wildsau, manchmal auch ein Pfau
Das Geheimnis meines Erfolgs:
Schweiß, Blut und Tränen – alles wörtlich!
Meine Streitkultur:
am liebsten kurz, laut und erfolgreich – wie bei einem emotional starken Gewitter, das sich wieder verzieht – danach ist alles wieder gut
Meine kommenden Ziele:
Auf- und Ausbau meiner Montagemannschaft. Und die Weltherrschaft!